NEUIGKEITEN
  
    Wir suchen Partner zum Klima-, Arten- und Waldschutz!!!

Das Regenwald-Institut sucht Spendenpartner für den Kauf eines unberührten Regenwaldgebietes in Amazonien:

Es liegt am Rio Madeira im brasiliansichen Bundesstaat Amazonas und ist 6,8km² groß. Das Grundstück ist juristisch und notariell einwandfrei dokumentiert, was in Brasilien nicht oft der Fall ist. Unsere Intention ist es, das Stück Regenwald dauerhaft unter Schutz zu stellen und ein Naturreservat zu errichten. Für dieses Grundstück müssen wir ca. 110.000.- Euro aufbringen.
  Jeder Spender erhält eine Urkunde mit seinem Namen bzw. bei einem Geschenk mit dem Namen des/der Beschenkten sowie der Fläche, die wir von der Spende kaufen können. Mit dem Mindestbetrag von € 20.- können wir z.B. eine Regenwaldfläche von ca. 1000 Quadratmeter kaufen. Bitte senden Sie uns eine email an info@regenwald-institut.de mit dem Namen, der auf der Urkunde stehen soll und der Versand-Anschrift. Sofort nach Eingang Ihrer Spende auf unserem Konto IBAN DE59680501010010044788, BIC FRSPDE66XXX, Stichwort "Regenwaldkauf" tragen wir die Daten ein und schicken Ihnen die Urkunde zu.

Aktueller Spendenstand im August 2017 ca. € 96.100.-

  Die Bremer HACHEZ Chocolade GmbH & Co.KG unterstützte uns beim Kauf des Regenwaldgebietes. Bei einem gemeinsamen Besuch des Regenwaldgebietes in 2011 übergab der Geschäftsführer von HACHEZ einen Scheck über € 20.000.-. Für weitere Informationen sowie zur Lage des Grundstücks lesen Sie bitte hier weiter.
  
  Projekt: Schulgartenprojekt in Bolivien.

Erziehung zu nachhaltiger land- und gartenbaulicher Praxis an Schulen im Landkreis Irupana, Bolivien.

  (Eine Beschreibung des Projektes lesen Sie hier):
  
  Einzigartig: Schokolade aus wild gewachsenem Kakao

Zusammen mit unseren Partnern, der Lübecker Marzipan-Fabrik v. Minden & Bruhns GmbH & Co.KG und der Confiserie Gmeiner verwirklichen wir eine langfristige Kooperation in Sachen "Regenwaldschutz durch nachhaltige Nutzung". Das Ergebnis: Ein eindrucksvoller Beitrag zum Schutz der Regenwälder und ein weltweit einzigartiges Produkt aus wildem Kakao. (Lesen Sie bitte hier weiter):

  
  Information:
Zur Debatte über den Einsatz von Biotreibstoffen insbesondere aus Palmöl haben wir in unserer Reihe "Regenwald-Spezial" eine Dokumentation über die Auswirkungen der Palmölproduktion auf die Regenwälder erarbeitet. Zu diesem Themenbereich bieten wir auch Vortragsveranstaltungen an. (Lesen Sie bitte hier weiter):
  
  Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit: Regenwald-Institut zertifiziert Wildsammlungen
Wildsammlung als die ökologisch mit Abstand hochwertigste Form der Ernte von Naturprodukten unterliegt bisher keiner befriedigenden Qualitätskontrolle. Das Regenwald-Institut setzt hier künftig mit einem Qualitätssiegel für eine zertifizierte Wildsammlung neue Maßstäbe.

  (Lesen Sie bitte hier weiter):
  
  Werden Sie Baumpate!
  Weitere außergewöhnliche und sinnvolle Geschenk-Ideen:
  Möglichkeit A: Schenken Sie eine Baum-Patenschaft im bolivianischen Tipuani-Tal und helfen Sie schützen !
(Lesen Sie bitte hier weiter):
  Möglichkeit B: Werden Sie Pate von einem Rosenholzbaum-Setzling in Amazonien und helfen Sie mit, die stark gefährdeten Rosenholz-Bestände dauerhaft zu sichern.
(Lesen Sie bitte hier weiter):
  
  Sie suchen Geschenke die Sinn machen und trotzdem etwas Besonderes sind?

Dann empfehlen wir Ihnen den Regenwaldladen. Lassen Sie sich überraschen!
  
  10.10.2017
  Goldgräber töten unkontaktierte Amazonas-Indigene
  Nach Berichten eines Massakers an „mehr als zehn“ Mitgliedern eines unkontaktierten Volkes durch illegale Goldgräber an einem abgelegenen Amazonas-Fluss, hat die brasilianische Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet. Zwei Goldgräber wurden festgenommen.
  Die Morde sollen bereits letzten Monat entlang des Flusses Jandiatuba im Westen Brasiliens stattgefunden haben. Jedoch erst nachdem Goldgräber begannen, in der nächstgelegenen Stadt mit den Morden zu prahlen und „Trophäen“ zu zeigen, wurde der Vorfall bekannt.
  Gegenüber Survival International bestätigten Vertreter der brasilianischen Indianerschutzbehörde FUNAI Details der Attacke. Frauen und Kinder sollen unter den Toten sein. FUNAI und die Staatsanwaltschaft führen derzeit Untersuchungen durch. Das Gebiet ist bekannt als das Unkontaktierte Grenzland, da dort mehr unkontaktierte Völker leben als irgendwo sonst auf der Erde.
  Mehrere Regierungsteams, die mit dem Schutz der Territorien unkontaktierter Völker in Brasilien beauftragt waren, erlebten kürzlich massive Budgetkürzungen durch die Regierung und mussten ihre Arbeit einstellen. Die Regierung von Präsident Temer geht erbittert gegen indigene Rechte vor und unterhält enge Beziehungen zu der mächtigen und anti-Indigenen Agrarlobby des Landes.
  Die Territorien von zwei anderen stark bedrohten unkontaktierten Völkern – den Kawahiva und den Piripkura – sollen Berichten zufolge ebenfalls unter illegalen Eindringlingen leiden. Beide Gebiete sind von Hunderten Ranchern und Siedlern umgeben.
  Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten. Doch wenn ihre Rechte eingehalten werden, können sie gut und erfolgreich leben. Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, falls ihr Land nicht geschützt wird. Survival tut alles in seiner Macht Stehende, um es für sie zu schützen und ihnen die Chance zu geben, ihre eigene Zukunft zu bestimmen.
  Sollten sich diese Berichte bestätigen, werden Präsident Temer und seine Regierung eine schwere Verantwortung für diesen völkermörderischen Angriff tragen. Die Kürzung des FUNAI-Budgets hat Dutzende unkontaktierte Völker schutzlos gemacht gegen Tausende Eindringlinge – Goldgräber, Viehzüchter, Holzfäller –, die ihre Gebiete rauben und plündern wollen. Schon vor Jahren hätten die Territorien all dieser Völker ordentlich anerkannt und geschützt werden sollen. Dass die Regierung offensichtlich diejenigen unterstützt, die indigene Gebiete erschließen wollen, ist eine absolute Schande – und wirft indigene Rechte um Jahrzehnte zurück.
  Quelle: Survival International
  
  22.9.2017
  Tag der internationalen Solidarität mit dem indigenen Widerstand gegen die Zerstörung Amazoniens
  Heute am 22. September 2017 ruft der Dachverband der indigenen Organisationen Amazoniens, die COICA, zu einem Tag der internationalen Solidarität mit dem indigenen Widerstand gegen die Zerstörung Amazoniens unter dem Titel "Amazonía viva, humanidad segura" auf.
  Das Regenwald-Institut e.V. unterstützt den internationalen Aufruf und den indigenen Widerstand gegen die Zerstörung des Lebensraums und der Lebensgrundlage der Völker Amazoniens. Die Regenwälder des Amazonasbeckens, welche für das Überleben der Völker Amazoniens unabdingbar sind, haben auch für das globale Klima und den Erhalt der Artenvielfalt eine herausragende Bedeutung. Die Achtung der Rechte der indigenen Völker und der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen Amazoniens stellen damit nicht nur für die Völker Amazoniens, sondern auch für die kommenden Generationen eine unabdingbare Lebensversicherung dar.
 
  
  13.09.2017
  Die drei Monster der Regenwaldzerstörung:
 
  • Soja am Amazonas
  • Palmöl in Indonesien
  • Kakao in Afrika
  Wie Kakoaplantagen die Regenwälder in Afrika zerstören, zeigt ein lesenswerter Artikel im Spiegel.
  Lesen Sie bitte: hier
  
  02.09.2017
  Ein beeindruckendes und sehr empfehlenswertes Video über Amazonien
 
  
  20.8.2017
  Brasiliens Präsident Temer macht indigenen Rechten den Garaus
  Brasiliens Präsident Michel Temer hat sich einer umstrittenen Rechts-Auffassung angeschlossen, die indigenen Völkern das Recht auf ihr Land verwehrt, und diese Meinung zur offiziellen Politik gemacht.
  Der Auffassung zufolge haben indigene Völker kein Recht auf ihr Land, wenn sie dieses nicht bereits besetzt hielten, als Brasiliens derzeitige Verfassung im Oktober 1988 in Kraft trat.Die Rechtsmeinung steht in Widerspruch mit der Verfassung, die eindeutig festlegt, dass indigene Völker das Recht haben, Land zu besetzen und zu nutzen, dass sie bereits lange bewohnten, bevor die europäische Kolonisierung Brasiliens begann.
  Die Kanzlei des brasilianischen Bundesanwalts und Rechtsexperten sprechen von lediglich einer Meinung, die keinen Rechtsstatus besitze und zudem verfassungswidrig sei. Joenia Wapixana, Brasiliens erste indigene Anwältin, erklärt: „Unsere ursprünglichen Rechte sind unveräußerlich, der Zeitrahmen verstößt daher gegen die Verfassung.“
  Luiz Henrique Eloy, ein indigener Anwalt, der dem Volk der Terena angehört, und für APIB, das Netzwerk brasilianischer Nichtregierungsorganisationen in Brasilien, arbeitet, stellt klar: „Eine Verwendung dieses Zeitrahmens ist vollkommen verfassungswidrig. Die Verfassung erkennt indigene Rechte als ursprüngliche Rechte an, die Vorrang vor jedem anderen Recht haben. Diese Rechtsauffassung ist die einiger Minister, sie entbehrt aber der Grundlage.“
  Brasiliens Kongress stimmt im August darüber ab, ob wegen Korruptionsvorwürfen gegen Präsident Temer ermittelt wird. Im Vorfeld berichten politische Analysten vom Versuch Temers, seine Basis unter den Abgeordneten zu festigen. Viele von diesen stehen in Verbindung mit Brasiliens mächtiger, stark indigenen-feindlicher Agrarlobby oder vertreten diese selbst.
  Viele Vertreter der Agroindustrie, vor allem in Bundesstaaten im Süden und in der Mitte Brasiliens, besetzen indigene Gebiete und profitieren von diesen, nachdem die indigenen Eigentümer bereits vor Jahrzehnten vertrieben wurden. Aktivisten befürchten, dass Präsident Temer entschlossen ist, die indigenen Rechte massiv auszuhölen, um sich selbst die Unterstützung für sein politisches Überleben zu sichern.
  Der Parlamentarier Luis Carlos Heinze, ein prominentes Mitglied der Agrar-Kommission des Abgeordnetenhauses, der bei den Beratungen über die umstrittene Rechtsauffassung dabei war, bevor diese öffentlich gemacht wurde, erklärte: „Auf dieser Grundlage sind nun mehr als 90 Prozent der (mehr als 700) Fälle (von Demarkierungen indigener Gebiete, die in Brasilien im Gang sind) illegal und werden somit aufgeschoben.“
  Survival hat Luis Carlos Heinze die Auszeichnung Rassist des Jahres verliehen aufgrund seiner beleidigenden Bemerkungen über indigene Völker.Indigene Organisationen und Nichtregierungsorganisationen in Brasilien haben am 20. Juli eine scharf formulierte Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie die Rechtsauffassung verurteilen und die Staatsanwälte dazu aufrufen, diese auszusetzen.
  Quelle: Survival International
  
  23.7.2017
  Ein Aktueller Beitrag zur Palmöldebatte in ARTE TV
  Am 24.07.17 16:45 - 17:10 Uhr auf arte: Palmöl - Gefahr für den Regenwald? Jede Stunde wird allein in Indonesien Regenwald in der Größe von 100 Fußballfeldern für Palmölplantagen gerodet. Warum ist dieses pflanzliche Öl, das sowohl in Fertiggerichten als auch in Kosmetikprodukten steckt, so begehrt? Dieser Frage wollen die "Xenius"-Moderatoren Emilie Langlade und Adrian Pflug auf den Grund gehen und sprechen mit einer Expertin für Palmöl beim World Wildlife Fund Deutschland sowie mit einer Lebensmittelchemikerin. Sie erfahren, wodurch sich Palmöl von anderen Ölen unterscheidet. Eine Alternative könnte zertifiziertes Palmöl sein, das einen fairen Anbau verspricht. Doch auch hier ist die Nachhaltigkeit umstritten. Um den Regenwald langfristig zu schützen, muss sich jeder Verbraucher die Gefahren von Palmöl bewusst machen und entscheiden, inwiefern er seinen Palmölkonsum einschränken kann. (Wdh. morgen 7.45-8.15 Uhr.
  Und danach hoffentlich in der Mediathek.
  
  11.07.2017
  Ein Beitrag über die geplanten Staudämme in Amazonien - ökologisches Desaster, ökonomischer Unsinn
  Ein Text von Norbert Suchanek im "Neues Deutschland"
  Lesen Sie bitte: hier
  
  14.06.2017
  Mit deutscher Hilfe: Honduras baut eine Million Hektar Wald wieder auf
  Umweltstaatsekretär Jochen Flasbarth eröffnete heute gemeinsam mit Jorge Galdames, Umweltminister von Honduras, auf Roatan/Honduras die 3. regionale Bonn Challenge Konferenz für Lateinamerika. Der waldreiche Staat Honduras ist nach El Salvador (2015) und Panama (2016) das dritte Land Zentralamerikas, das mit der Bonn Challenge den Wiederaufbau seiner Wälder ambitioniert vorantreiben will. Dafür startet das Land das "Eine Millionen Hektar-Programm" und wird dabei vom Bundesumweltministerium unterstützt. Im Vorfeld hatte Flasbarth an einer globalen Wald-Wissenschaftskonferenz auf Puerto Rico teilgenommen. Das Treffen von Wissenschaftlern aus aller Welt wurde vom Internationalen Verband Forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO) gemeinsam mit dem US Forest Service und dem Bundesumweltministerium (BMUB) veranstaltet.
  Flasbarth: "Ohne weltweiten Wald-Aufbau können wir die Klimaziele von Paris nicht erreichen. Die von der Bundesregierung angestoßene Aktionsplattform Bonn Challenge zeigt weiter Wirkung. Es ist beachtlich, dass ein kleines Land wie Honduras eine Fläche von einer Million Hektar wiederaufbauen möchte. Die Zusammenarbeit mit diesen ambitionierten Staaten funktioniert gut. Auch die Kooperation auf Arbeitsebene mit den USA verläuft trotz der neuen und wenig klimafreundlichen US-Administration reibungslos."
  2011 hat die Bundesregierung die Plattform Bonn Challenge zum Wiederaufbau der Wälder mit angestoßen. Die Bonn Challenge hat als globale Gemeinschaftsaktion zum Ziel, bis 2020 insgesamt 150 Millionen Hektar Wald wieder aufzubauen. Mit den Zusagen von Pakistan, Bangladesh, Mongolei und Sri Lanka war dieses Ziel Anfang im Mai 2017 global bereits knapp übererfüllt. Bis 2030 sollen weltweit insgesamt 350 Millionen Hektar bewaldete Flächen wiederhergestellt werden.
  Das BMUB fördert die Wiederherstellung der Wälder Zentralamerikas über seine Internationale Klimaschutzinitiative (IKI). Seit 2011 hat das Bundesumweltministerium die Länder des Südens bei der Umsetzung der "Bonn Challenge" mit insgesamt rund 100 Millionen Euro unterstützt.
  Auf der 2. Regionalkonferenz wird das ebenfalls lateinamerikanische Land Guatemala zur den nächsten Regionalkonferenz für Anfang Mai 2018 einladen. Die 3. internationale Bonn Challenge wird laut gemeinsamer Ankündigung von Deutschland und Brasilien voraussichtlich im März 2018 im brasilianischen Minas Gerais stattfinden.
  Auf der IUFRO-Konferenz in Puerto Rico wurde erstmals das weltweit verfügbare Wissen aus Forschung und Praxis über die Wiederherstellung von Baum- und Waldlandschaften zusammengefasst. Dem wissenschaftlichen Diskurs schloss sich ein Politikdialog staatlicher Entscheidungsträger und internationaler Organisationen am Internationalen Tropenwald-Forschungsinstitut "Rio Piedras" des US Forest Service an. Die Konferenz gilt als ein wichtiger Baustein für die Konferenz der Klimarahmenkonvention sowie des Globalen Landscape Forums Ende 2017 in Bonn.
  BMUB Pressemitteilung
  
  17.05.2017
  Umweltschützer, Indigene und Menschenrechtsorganisationen rufen zum Protest gegen Brasiliens Regierung auf
  Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis hat in Brasilien zum Widerstand gegen die Regierung aufgerufen. Insgesamt 60 Organisationen aus den Bereichen Umwelt und Menschenrechte sowie Vertreter der indigenen Völker haben am Dienstag in der Hauptstadt Brasília ein Manifest veröffentlicht, in dem sie Reformen von Präsident Michel Temer scharf verurteilen. Laut Kritik der Unterzeichner würden die Gesetzesvorhaben Menschenrechte verletzen und den Umweltschutz im großen Stil aushebeln. Auch dem Landraub würde Vorschub geleistet.
  Die Agrar- und Bergbauindustrie hat das Land fest im Griff und will nun stark im Amazonas expandieren. Sogar Schutzgebiete und indigene Territorien sollen dafür geopfert werden. Auf der Strecke bleiben letztlich die Interessen der großen Mehrheit der Brasilianer. Mit Reformen wie dem neuen Bergbaurahmengesetz (Codigo de Mineracão), der geplanten Verfassungsänderung PEC 215 oder dem Gesetzesvorschlag PL 3751 könnten diese einfach aufgelöst oder verkleinert werden, wann immer es kurzfristigen ökonomischen Interessen dient.
  Als Konsequenz drohe dem Amazonas und dem Rest des Landes eine Entwaldung im großen Stil und seinen Bewohnern teilweise die Vertreibung. Während die Abholzung im Amazonas zwischen 2004 und 2014 um 80 Prozent gedrosselt werden konnte, nimmt sie seit Temers Machtübernahme wieder zu. Dies bedrohe neben der Artenvielfalt auch internationale Verpflichtungen Brasiliens. Ohne einen effektiven Waldschutz könne das Land seine Zusagen zum Klimaschutz kaum halten. Stattdessen drohten sich die Monokulturen mit Soja, Zuckerrohr oder Eukalyptus weiter auszubreiten, ergänzt um Bergbauprojekte und Viehweiden.
  Um die Pläne der Regierung zu durchkreuzen werde das Bündnis in den kommenden Monaten mit einer Vielzahl an Aktionen auf die Gefahren der Reformvorhaben hinweisen. Trotz der engen Verflechtung von Regierung und Agrar- und Bergbauindustrie herrscht Zuversicht, denn die Empörung über die Politik ist in Brasilien groß. Gegen einen großen Teil der Abgeordneten wird wegen Korruption ermittelt. Gleichzeitig treibt die Regierung unverhohlen ihre Pläne zugunsten der Oberschicht voran. Immer mehr Menschen wird klar, dass Präsident Temer nicht in ihrem Interesse handelt. Für die Regierung wird es hoffentlich ungemütlich.
  Quelle: WWF
  
  25.4.2017
  Tag der Erde: 8 Fakten über die besten Naturschützer
  Zum Tag der Erde (22. April) zeigt Survival International mit beindruckenden Fakten, warum indigene Völker die besten Naturschützer und Wächter der Umwelt sind.
  1. Um das Ökosystem im Gleichgewicht zu halten, jagen die Awá nur bestimmte Tierarten
  Die Awá in Brasilien leben vom Jagen und Sammeln im Nordosten des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes. Doch einige Tierarten sind tabu für die Jagd: Darunter der bedrohte Greifvogel Harpyie, Kolibris und Wasserschweine. Die Awá sind Expert*innen für ihre lokale Umwelt und haben ein tiefes Verständnis ihrer Rolle in der Natur.
  2. Die Kogi holen ein Stück biologische Vielfalt zurück
  Die Kogi aus der kolumbianischen Bergregion Sierra Nevada de Santa Marta erlangten 2012 mit Hilfe eines Teams von Naturschützer*innen Besitzrechte an einem kleinen Stück ihres Landes zurück. Seitdem berichten die Naturschützer*innen, dass der Pflanzenbestand sich erholt hat, Wasser entgiftet wurde und Seen, die mit Müll zugeschüttet waren, sich wieder zu “wundervollen Frischwasser-Lagunen” entwickeln.
  3. Die Baka-“Pygmäen” haben über 15 Worte für Elefanten
  Die Baka wissen soviel über Elefanten, dass sie 15 unterschiedliche Worte für sie haben – je nach Geschlecht, Alter oder Charakter. Studien haben gezeigt, dass die Baka in vielen Regionen dicht neben großen Vorkommen bedrohter Tierarten leben. Ein Baka erklärte gegenüber Survival: “Wir wissen wann und wo die Wilderer im Wald sind – aber niemand will uns zuhören.” Statt die Verursacher*innen von Umweltzerstörung ins Visier zu nehmen, werden die Baka im Rahmen von Naturschutzprojekten oft Einschüchterungen, Schlägen, Folter und sogar Tod ausgesetzt.
  4. Tukano-Schamanen bestimmen Jagdquoten für ihre Volk
  Eine umfangreiche Studie brachte die aktive Rolle von Tukano-Schamanen in Kolumbien ans Licht, welche die Jagd in ihren Gemeinden regeln. Sie überwachen wie viele Tiere getötet werden und untersagen die Jagd in Gebieten, von denen sie glauben, dass der Bestand zu gering wird.
  5. Die Soliga kontrollieren invasive Pflanzenarten durch selektive Brände
  Die indischen Soliga nutzten kleine Feuer, um Land für nachhaltigen Ackerbau vorzubereiten. Seit diese Praxis von Naturschützer*innen untersagt wurde, leidet das lokale Ökosystem unter der Ausbreitung der invasiven Wandelröschen (Lantana). Ein Soliga erklärte: “Der Forstbehörde fehlt das Wissen im Naturschutz. Wir haben den Wald für viele Jahre geschützt. Sie wissen nicht, wie man unseren Wald schützt.”
  6. Die Baiga haben über 2,5 Quadratkilometer Wald in nur einem Dorf aufgeforstet
  Im zentralindischen Dorf Dhaba sorgten sich Baiga darüber, dass die lokale Waldbehörde zu viele Bäume fällte, angeblich um die Ausbreitung von Schädlingen zu stoppen. Sie protestierten und stellten sich zwischen die Forstbehörde und die Bäume, die gefällt werden sollten. Ihr Protest war erfolgreich und inzwischen haben sich zahlreiche Arten wie Mahuli und Bambus wieder erholt. Viele der Bäume wurden von den Baiga selbst gepflanzt.
  7. Indigene Territorien sind die beste Hürde gegen die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes
  Schau dir diese Satellitenaufnahme an. Oder diese hier. Oder auch diese Aufnahme. Sie alle zeigen anerkannte indigene Territorien in Brasiliens Amazonasgebiet – grüne Inseln, umzingelt von Abholzung. Wenn man indigene Gebiete schützt, schützt man den Regenwald. Ganz einfach.
  8. Die Orang Asli schaffen in ihren Gärten Wohnraum und Nahrung für Tiere
  Die Obstgärten der Orang Asli im Krau-Schutzgebiet in Malaysia locken viele Tiere an, auch große Säuger. Die Gärten geben ihnen Nahrung und sie sind zudem die wichtigste Quelle für die Ausbreitung von Saatgut geworden – eine Funktion, die früher von Elefanten und Nashörnern übernommen wurde, die inzwischen aus dem Gebiet verschwunden sind. Auch anderswo leistet die Subsistenz-Landwirtschaft indigener Gemeinden einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt.
  Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: “Indigene Völker managen ihre Umwelt seit Jahrtausenden. Heute gibt es auch ausreichend Belege dafür, dass sie sich besser um ihre Umwelt kümmern, als alle anderen. Das hat nichts mit 'edlen Wilden' zu tun, es ist wissenschaftlicher Fakt. Wenn wir der Umwelt helfen wollen, sollten wir indigene Völker ins Zentrum der Naturschutzbewegung stellen. Wenn wir den Regenwald schützen wollen, müssen wir dafür kämpfen, dass er in den Händen indigener Völker bleiben kann.”
  Quelle: PM Survival International
  
  02.04.2017
  Wenn der Klimawandel mit seinen Wetter-Extremen und die Abholzung von Regenwäldern zusammentreffen, kann das in fürchterliche Katastophen münden. In Kolumbien gibt es nun über 400 Todesopfer zu beklagen. Eine Tragödie.
  Lesen Sie bitte: hier
  
  01.03.2017
  Protest einer Sambaschule beim Karneval in Rio: Ein Schlag gegen die Agroindustrie und eine Erinnerung an die ursprünglichen Besitzer des Landes - Brasiliens Indianervölker.
  Brasilianische Indigene nahmen am renommierten Rio-Karneval teil und protestierten, um ein globales Bewusstsein für ihren Landkampf und die ernsten Bedrohungen, denen sie gegenüberstehen, zu wecken.
  17 indigene Anführer, darunter Kayapó-Sprecher Raoni Metuktire, nahmen am Auftritt der Samba-Schule Imperatriz Leopoldinense teil, die die Zerstörung der indigenen Gebiete im Amazonas-Regenwald ins Blickfeld rückte.
  Die Lieder der Samba-Schule schilderten die Zerstörung, die die indigene Bevölkerung seit der Kolonisierung Brasiliens erlebt hat, und kritisierten den anhaltenden Diebstahl indigenen Landes für den Belo-Monte-Staudamm und andere Großprojekte.
  Die Musik hat schon im Vorfeld zu Empörung und Ärger unter anti-indigenen Politiker*innen geführt und eine TV-Moderatorin sagte in einem rassistischen Kommentar, dass Indigene „an Malaria sterben müssen“.
  Die indigene Anführerin Sonia Guajajara sagte beim Karneval: „Unser Dank geht an die Samba-Schule, die uns ein weiteres Werkzeug an die Hand gibt, während wir mit mächtigen wirtschaftlichen und politischen Interessen konfrontiert sind. Der Karneval kann unseren Kampf stärken."
  Angriffe auf indigene Völker in Brasilien nehmen zu: Die Gewalt gegen ihre Gemeinschaften steigt und der Kongress diskutiert mehrere Vorschläge, die die Kontrolle indigener Völker über ihr angestammtes Land drastisch schwächen würden. Indigene Völker und ihre Verbündeten wehren sich gegen die Gesetzesvorlagen.
  Babau Tupinambá, ein indigener Sprecher, sagte: „Indigene Völker werden nicht aufhören, für ihre Rechte zu kämpfen. Wir werden nicht aufhören für unser Dasein zu kämpfen."
  Industrialisierte Gesellschaften setzen indigene Völker Rassismus, Sklaverei und Völkermord aus, damit sie im Namen von „Fortschritt“ und „Zivilisation“ deren Land, Ressourcen und Arbeitskraft rauben können. Der Diebstahl von indigenem Land zerstört autarke Völker und ihre vielfältigen Lebensweisen. Er verursacht Krankheit, Elend und Selbstmord. Die Belege dafür sind unbestreitbar.
  Quelle: Survival International
  
  14.02.2017
  Der umstrittene Monsterdamm Belo Monte am Rio Xingu soll verkauft werden weil er nicht wirtschaftlich ist
  Lesen Sie bitte: hier
  
  20.01.2017
  Haushaltskürzungen in Brasilien auf Kosten der Indigenen Völker
  Alarmiert von einem Senatsbeschluss über drastische Sparmaßnahmen in Brasilien warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eindringlich vor einer dramatischen Verschlechterung der Situation der indigenen Völker. Die Menschenrechtsorganisation forderte am Mittwoch, die Finanzierung dringend notwendiger Schutz-, Gesundheits- und Bildungsprojekte zugunsten der Indigenen aus dem Sparpaket herauszunehmen und ihre Rechte höher zu bewerten als die Interessen von Agrarwirtschaft und Großunternehmen. „Die indigenen Völker gehören zu den schwächsten Gruppen der brasilianischen Gesellschaft und müssen deshalb vom Staat besonders geschützt werden. Ihre in der Verfassung verankerten Rechte dürfen nicht verwässert werden“, erklärte die GfbV-Referentin für indigene Völker, Yvonne Bangert, am Mittwoch in Göttingen. Mit großer Mehrheit von 53 zu 16 Stimmen hat der brasilianische Senat am Dienstag eine Vorlage zur Verfassungsänderung verabschiedet (PEC 55), welche die öffentlichen Ausgaben für die kommenden 20 Jahre auf dem jetzigen Stand einfriert. PEC 55 soll von Donnerstag (15.12.) an gelten. Davon betroffen sein wird auch die staatliche Indianerbehörde FUNAI, die für die Ausweisung und Überwachung indigener Schutzgebiete, aber auch für Gesundheits- und Bildungsprogramme für indianische Gemeinschaften zuständig ist.
  „Es wird prognostiziert, dass die FUNAI bis zu 130 ihrer insgesamt 260 Verwaltungsposten schließen muss und so weder die medizinische Versorgung noch den Schutz der Gebiete der in freiwilliger lebenden indigenen Völker gewährleisten kann. Das würde illegalen Eindringlingen wie Goldsuchern oder Holzfällern, aber auch Agrarunternehmen Tür und Tor öffnen“, sagte Bangert. Schon im November 2016 hatte auch das Repräsentantenhaus PEC 55 zugestimmt. Nach Meinung des UN-Sonderberichterstatters für Menschenrechte und extreme Armut, Philip Alstom, wird das Gesetz die Ungleichheit in der brasilianischen Gesellschaft weiter erhöhen. Soziale Rechte würden in den nächsten 20 Jahren eine nur geringe Priorität haben.
  Bangert kritisierte, dass über das Sparpaket hinaus noch zwei andere Gesetzentwürfe für die Indigenen äußerst bedrohlich seien. Sollte PEC 215 verabschiedet werden, werde zukünftig das Parlament über die Anerkennung indigener Schutzgebiete entscheiden. Im Parlament sei jedoch die Agrarlobby stark vertreten, die selbst großes Interesse an der Nutzung indigenen Territoriums hat. „Auch bereits geschützte indigene Gebiete könnten wieder infrage gestellt werden, um dort lagernde Naturschätze ausbeuten zu können. Dabei ist eigenes Land für die indigenen Gemeinschaften überlebensnotwendig.“ Das zweite als PEC 65 bezeichnete Gesetz soll das bislang dreistufige Umweltprüfverfahren bei neuen Projekten durch nur noch eine Prüfung ersetzen, die zudem von einem an einem Bauauftrag interessierten Unternehmen selbst durchgeführt werden kann.
  Quelle: Gesellschaft für bedrohte Völker
  
  21.12.2016
  Peru: Priester unterstützt Bau einer Straße durch Wälder mit unkontaktierten Völkern
  Eine neue „Todesstraße“, die von einem kontroversen italienischen Priester unterstützt wird, könnte das Land mehrerer unkontaktierter Völker im Herzen des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes durchtrennen.
  Die Straße soll demnächst von Perus Kongress genehmigt werden. Sie würde durch 270 km der artenreichsten und sensibelsten Schutzgebiete Amazoniens verlaufen. Das Projekt wird seit Jahren von Pater Miguel Piovesan unterstützt, einem katholischen Priester, der die angestammten Völker als „prähistorisch“ bezeichnet und internationale NGOs angreift, weil sie Bedenken gegenüber dem Plan geäußert haben.
  Die Straße wurde 2012 vom peruanischen Kongress abgelehnt. Trotzdem wurde die Arbeit daran viele Jahre lang illegal weitergeführt. Jetzt wurde das Projekt erneut vom Kongressabgeordneten Carlos Tubino vorgeschlagen.
  Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften des Planeten. Es gibt geschätzt etwa 15 unkontaktierte Völker in Peru, viele davon in der Region, in der die Straße gebaut wird.
  Survival International hat Beschwerde bei den Vereinten Nationen eingelegt, in der die katastrophalen Auswirkungen für die unkontaktierten Indigenen dargelegt werden. Survival fordert von der peruanischen Regierung, gegen den Plan Einspruch zu erheben. Von den 3-4.000 Menschen in dem Gebiet sind ca. 80% indigen. Die meisten davon sind gegen den Bau der Straße.
  Emilio Montes, Präsident der indigenen Organisation FECONAPU in Puerto Esperanza sagte: „Wir lehnen die Straße kategorisch ab. Wir Indigenen haben keinen Vorteil davon, nur die Holzfäller, Bergbautreibenden, Ölfirmen und Drogenhändler. Die Straße bedroht das Leben unserer unkontaktierten Verwandten, wie das der Mashco Piro. Sie wird unsere Tiere und Pflanzen zerstören. Sie sollten stattdessen unser angestammtes Land respektieren. Wir haben immer hier gelebt und unsere Kinder müssen dies fortführen. Wir brauchen eine andere Art von Entwicklung, die nachhaltig für unsere Ressourcen sorgt: So dass wir vernünftig leben können und unsere Zukunft gesichert ist.“
  Survival-Direktor Stephen Corry sagte: „Wenn diese Straße gebaut werden sollte, wird sie die unkontaktierten Völker zerstören und so ihre 'Entwicklung' für immer beenden. Survival kämpft seit Jahrzehnten gegen solche Straßenprojekte in diesem Teil des Amazonasgebietes. Wem sollen sie nützen? Wenn Peru fundamentale Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit respektiert, muss es diese Pläne verhindern.“
  Quelle: Survival International
  
  07.12.2016
  Weltweite Schäden durch illegalen Holzhandel
  Bericht eines internationalen Forschungsteams veranschaulicht globale Folgen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaften
  Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Pressemitteilung vom 5.12.16
  Der illegale Einschlag und Handel von Holz verursacht einen jährlichen Schaden von mehr als 152 Milliarden US-Dollar weltweit und beeinträchtigt damit Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaften. Die bestehenden Gesetze und Regulierungen reichen nicht aus, um die derzeitigen Aktivitäten auf diesem Gebiet einzudämmen. Zu diesem Ergebnis k ommt ein aktueller Bericht des Internationalen Verbands Forstlicher Forschungsanstalten (International Union of Forest Research Organizations/IUFRO). „Die Politik muss die drei wichtigsten Dimensionen dieses Problems berücksichtigen, um effektiv dagegen vorzugehen: den informellen Holzeinschlag, die Herausbildung krimineller Netzwerke und die Umwandlung von Wald in landwirtschaftlich genutzte Flächen“, sagt Prof. Dr. Daniela Kleinschmit von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg, federführende Autorin des Berichts, zu dem weltweit mehr als 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beigetragen haben.
  Aus dem Bericht geht hervor, dass Handelsabkommen zwischen einzelnen Ländern mit dem Ziel, die legale Herkunft von Holz sicherzustellen, dazu geführt haben, dass sich der illegale Handel auf andere, weniger regulierte Märkte verlagert hat. Beispielsweise sind China und Indien die derzeit größten Importeure von illegal gehandeltem Tropenholz, während Russland die Hauptquelle für illegal gehandeltes Holz aus borealen und gemäßigten Wäldern ist.
  Zudem beschreibt der Bericht, welches aus Sicht der Wissenschaftler die drei Hauptdimensionen des Phänomens sind. Etwa eine Milliarde Menschen weltweit sind demnach auf finanzielle Einkünfte aus Wäldern angewiesen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können – während sich gleichzeitig circa 86 Prozent der Waldflächen in öffentlichem Besitz befinden. Der informelle Holzeinschlag durch Kleinproduzenten, so die Schlussfolgerung, gewinne daher an Bedeutung. Gleichzeitig bilden sich zunehmend gut organisierte kriminelle Netzwerke heraus, die teilweise mit der Finanzierung von Krieg und gewaltsamen Konflikten in Verbindung zu bringen sind. Zudem stammt Schätzungen zufolge etwa ein Drittel des illegal gehandelten Tropenholzes aus Wäldern, die – ebenfalls illegal – in landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewandelt werden. Diese dienen dann der Erzeugung exportorientierter Güter wie Palmöl, Sojabohnen oder Rindfleisch.
  Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass mehr internationale Kooperation erforderlich ist, um den illegalen Einschlag und Handel von Holz einzudämmen. „Darüber hinaus wollen wir weitere Daten sammeln, um die Dimensionen des Problems noch genauer in den Blick zu nehmen“, sagt Kleinschmit. „Damit wollen wir die Grundlage dafür schaffen, dass die Politik geeignete Maßnahmen ergreifen kann, um den ökologischen, ökonomischen und sozialen Schaden möglichst weit zu verringern.“
  Zur Originalveröffentlichung
  
  01.12.2016
  8000 Quadratkilometer Regenwald am Amazonas in einem Jahr abgeholzt
  Die Entwaldung im Amazonas hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Wie staatliche brasilianische Umweltforschungsinstitut INPE mitteilte, gingen zwischen August 2015 und Juli 2016 insgesamt 7.989 Quadratkilometer Regenwald verloren, was mehr als der dreifachen Fläche des Saarlandes entspricht. Das bedeutet einem Anstieg von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und der größte gemeldete Waldverlust seit 2008.
  Am größten war der Waldverlust im Bundesstaat Pará im Norden des Landes, dort wurden 2153 Quadratkilometer Wald gerodet. Mehr als 1000 Quadratkilometer Wald gingen zudem jeweils in den Staaten Mato Grosso und Rodonia im Westen von Brasilien verloren.
  Das hat auch direkte Auswirkungen auf den Klimaschutz. Brasilien hat sich zu einer deutlichen Verringerung der Treibhausgasemissionen (minus 43 Prozent zwischen 2005 und 2030) verpflichtet. Durch die Anholzung wurden 130 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt, das entspricht zweimal den jährlichen Emissionen von ganz Portugal.
  Nachdem der konservative Michel Temer as Präsidentenamt übernommen hat, steigt der Druck auf die Wälder am Amazonas weiter an. Die Tatsache, dass einer der weltweit größten Sojaproduzenten Blairo Maggi zum brasilianischen Agrarminister ernannt wurde spricht Bände. So macht man den Bock zum Gärtner.
  
  16.11.2016
  Neues von der Palmöl-Front:

Das Forum Nachhaltiges Palmöl hat erfolgreich eine Resolution im RSPO eingebracht mit dem Ziel, die Transparenz des Zertifizierungssystems weiter zu erhöhen. Künftig müssen Mitglieder des RSPO offen legen, ob sie Regenwaldflächen nach 2005 in Plantagen umgewandelt haben und wie sie diese kompensieren.
  Bonn, 15. November 2016 - Erfolg für das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) und seine Mitglieder: Mit großer Mehrheit hat die Generalversammlung des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) in Bangkok/Thailand am vergangenen Donnerstag, 10. November, eine vom FONAP und seinen Mitgliedern erarbeitete Resolution für mehr Transparenz angenommen. Gemäß der Resolution verpflichtet sich der RSPO künftig, weitere Daten von Mitgliedsunternehmen offen zu legen, wenn sich diese bei Neupflanzungen ihrer Plantagen nicht an die Regularien des RSPO halten. „Wir freuen uns sehr über das Ergebnis der Abstimmung“, sagt Manuela Mewes von Kuchenmeister. Das Unternehmen ist sowohl Mitglied im FONAP wie auch im RSPO und hat die Resolution in seinem Namen eingereicht. „Die Resolution ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Transparenz in den Zertifizierungssystemen“, so Mewes und ergänzt, „damit tragen wir auch zu einer höheren Glaubwürdigkeit des RSPO bei.“
  In der Vergangenheit hat es immer wieder Mitglieder des RSPO gegeben, die Gebiete mit hohem „Schutzwert“ – sogenannte High Conservation Value Areas (HCV) – entgegen der Regularien zu Plantagen umgewandelt haben. Bislang konnten Unternehmen, die Flächen nach 2005 ohne ein vom RSPO vorgeschriebenes HCV-Audit gerodet haben, einen Maßnahmenplan zur Kompensation vorlegen und diese Flächen nachträglich zertifizieren lassen. Unklar blieb allerdings bis zuletzt, welche und wie viele Flächen davon konkret betroffen sind. In seiner Resolution hat das FONAP daher gefordert, die Größe der Flächen, für die Unternehmen Kompensation sowie detaillierte Zeit- und Maßnahmenpläne der Mitglieder des RSPO offen zu legen. Diesem Antrag hat die Generalversammlung nun zugestimmt. Künftig werden diese Daten in einem Bericht des RSPO veröffentlicht. So lässt sich nachvollziehen, ob und wenn ja, wie wirksam die Kompensationsmaßnahmen der Mitglieder umgesetzt werden. Die erfolgreiche Resolution beweist, dass es möglich ist, die Verbesserung des RSPO aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig untermauert das FONAP damit auch sein Bekenntnis zu mehr Transparenz in den globalen Lieferketten.
  Das Forum Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP) ist eine Initiative von Unternehmen, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen – gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft –, die gemeinsam tragfähige Lösungen für die Verbesserung der Praktiken im Palmölsektor erarbeiten will. Die derzeit 44 Mitglieder des Forums Nachhaltiges Palmöl haben eine Selbstverpflichtung zur ausschließlichen Nutzung von zertifiziertem Palmöl abgegeben. Das Ziel des FONAP ist es, die Zertifizierungssysteme zu verbessern und die Nutzung von zertifiziertem Palmöl sowohl national als auch international zu erhöhen.
  Kontakt:
Sekretariat Forum Nachhaltiges Palmöl
c/o GIZ GmbH, Friedrich-Ebert-Allee 36, D-53113 Bonn
T +49 228 4460-3549
sekretariat@forumpalmoel.org
  
  20.10.2016
  Leiter des Umweltbüros in Altamira von Pistoleiros hingerichtet
  Am 13. Oktober wurde in Altamira, der Umweltschutzbeauftragte der Stadt, Luiz Alberto Araújo, vor seinem Haus erschossen. In Altamira wurde kürzlich das umstrittene Groß-Wasserkraftwerk "Belo Monte" eröffnet.
  Luiz Alberto Araújo hat schwerwiegende Umweltvergehen an das Tageslicht gebracht und hat sich vehement gegen die illegalen Abholzungen in der Region eingesetzt. Dieses Engagement ging gewissen Personen offenbar zu weit. Araujo wurde von zwei Pistoleiros die auf einem Motorrad auf ihn warteten mit 9 Schüssen hingerichtet. Er saß zusammen mit seiner Frau und den beiden gemeisamen Kindern im Auto. Frau und Kinder blieben unverletzt.
  Die Aufklärungsquote solcher Morde geht in Brasilien gegen Null.
  
  16.10.2016
  Besuch bei den Cinta Larga Indianern Anfang 2017
  Während unserer aktuellen Projektreise, von der wir kürzlich zurückgekommen sind, konnten wir ein sehr interessantes Gespräch mit dem Oberstaatsanwalt des bras. Bundesstaates Rondonia führen, in dem die Cinta Larga Indianer leben. Dieser Stamm ist extrem gefährdet, v.a. durch illegale Diamantensucher, die in das Gebiet der Cinta Larga eindringen um Diamanten zu stehlen. Dabei kommt es permanent zu fürchterlichen Gewaltexzessen mit vielen Todesopfern auf beiden Seiten. Leider unternimmt die bras. Regierung nichts gegen dieses Treiben. Die Situation der Cinta Larga ist generell äußerst prekär.
  Wir werden die Cinta Larga zusammen mit dem Oberstaatsanwalt im Frühjahr 2017 besuchen. Er ist auf der Suche nach Projektpartnern, um die Lebenssituation der Cinta Larga zu verbessern. Wir werden bis dahin Vorschläge ausarbeiten, wie man den Cinta Larga helfen kann. Große Teile der Cinta Larga leben in der Hauptsache vom sog. "Cesta Basica", einem "Korb" mit Grundnahrungsmitteln, den die bras. Regierung Bedürftigen zur Verfügung stellt.
  Ziel muss sein, den Teilen der Cinta Larga, die sich dem weissen Lebensstil geöffnet haben, Möglichkeiten zu eröffnen, die ihre Subsistenz sichern und sie vom Status des Almosenempfängers wegzuführen.
  
  06.09.2016
  Regenwälder am Amazonas: Biodiversität kann Klimarisiken mindern
  Wald mit einer großen Vielfalt von Pflanzen kann besser auf Klimastress reagieren. Erstmals konnten Forscher dies jetzt für das Amazonas-Gebiet in umfassenden Computer-Simulationen, die den Artenreichtum von Bäumen dort mit einberechnen, zeigen. Biodiversität kann demnach ein wirksames Mittel sein, Klimarisiken abzumildern, und sollte nicht nur im Naturschutzkontext betrachtet werden.
  „Die Vielfalt der Eigenschaften all der verschiedenen Pflanzen in den Wäldern des Amazonas könnte diesem helfen, sich auf ein gewisses Maß von Klimaveränderung einzustellen – manche der heute vorherrschenden Bäume würden absterben und andere Arten würden ihren Platz einnehmen, die mit den zukünftigen klimatischen Bedingungen besser zurecht kommen“, sagt Boris Sakschewski vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Leit-Autor der in Nature Climate Change erscheinenden Studie. Das Überleben von Baumarten hängt zum Beispiel davon ab, was die Wissenschaftler ‚Blatt-Ökonomie‘ nennen: deren unterschiedliche Größe, Dicke, Langlebigkeit oder Dichte bestimmt mit, wie gut eine Pflanze höhere Temperaturen oder Wasserknappheit verträgt. „Biodiversität erweist sich hier als ein Muss, nicht als hübsches Beiwerk“, sagt Sakschewski. „Sie kann funktional sein für das langfristige Überleben der großen Biomasse-Reservoirs unserer Erde, zu denen auch die Wälder der Amazonas-Region gehören.“
  Allerdings hängt dies vom Ausmaß der Belastung ab. Nur in einem Szenario mittleren Klimawandels kann große Biodiversität nach einem drastischen Rückgang von Biomasse zu einer weitgehenden Erholung nach mehreren Jahrhunderten in großen Gebieten des Amazonas beitragen. Auf mehr als 80 Prozent der Waldfläche der Region könnte die Biomasse zu einem großen Teil erhalten bleiben oder nachwachsen, so die Studie. In einem Szenario hingegen, in dem der Ausstoß von Treibhausgasen unvermindert anhält (business-as-usual) und zu massivem Klimawandel führt, könnten weniger als 20 Prozent der Fläche diesen positiven Effekt zeigen.
  Ein wichtiger Schritt vorwärts für die Modellierung des Erdsystems
  Nie zuvor ist dieses Kräftespiel so genau und umfassend in eine biogeochemische Simulation von Vegetation und Klimawandel eingebaut worden, dies ist ein wichtiger Schritt vorwärts für die noch bessere Modellierung des Erdsystems. „Um zu erklären, wie die Vielfalt der Eigenschaften von Pflanzen zur Widerstandsfähigkeit des Regenwalds beiträgt, haben wir zuerst ein Versuchsgebiet in Ecuador untersucht und dann die Simulationen auf das ganze Amazonasbecken ausgedehnt“, sagt die Leiterin des Forschungsteams, Kirsten Thonicke vom PIK. „Wir haben hieran mehrere Jahre gearbeitet. Bekannt war, dass Biodiversität bedeutsam ist für die Produktivität eines Ökosystems und für das Speichern von Biomasse. Aber bislang konnte dies im großen Maßstab nicht quantitativ gezeigt werden. Wir freuen uns, dass wir hier auf der Grundlage früherer Forschung eine Lücke schließen können.“
  „Das sind gute Nachrichten für die Wälder des Amazonas – aber es bedeutet keineswegs, dass der Klimawandel diesen einzigartigen Lebensraum nicht schädigen würde, ganz im Gegenteil“, sagt Wolfgang Lucht, Ko-Leiter des PIK- Forschungsbereichs Erdsystemanalyse. Große Artenvielfalt ermöglicht dem Wald, viel von seiner Biomasse wieder aufzubauen – beim Übergang von einem Zustand in den anderen gibt es jedoch einen ungeheuren Bruch. Die Zusammensetzung der Arten am Amazonas würde sogar bei nur moderatem Klimawandel stark verändert. „Trotz der ermutigenden Ergebnisse zum funktionalen Wert der Biodiversität bleibt der Regenwald des Amazonas leider einer der Brennpunkte unseres Planeten, der nach einer raschen Verringerung des CO2-Ausstoßes verlangt.“
  Artikel: Sakschewski, B., von Bloh, W., Boit, A., Poorter, L., Peña-Claros, M., Heinke, J., Joshi, J., Thonicke, K. (2016): Resilience of Amazon forests emerges from plant trait diversity. Nature Climate Change (Advance Online Publication)
  Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
  Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
  
  27.8.2016
  Deutschland unterstützt Wiederaufbau von Wäldern in Lateinamerika
  Das Bundesumweltministerium unterstützt die Länder Zentralamerikas mit weiteren Finanzmitteln beim Wiederaufbau seiner Wälder. „ Bis 2020 sollen in Zentralamerika 5 Millionen Hektar Wälder und Waldlandschaften wieder aufgebaut werden. Um das zu schaffen, unterstützen wir die dortigen Länder im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative“, sagt Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth bei der Eröffnung der 2. Regionalkonferenz zur Umsetzung der Bonn Challenge in Latein- und Zentralamerika in Panama-City. Die "Bonn Challenge" ist eine vom Bundesumweltministerium initiierten globalen Aktionsplattform zum Wiederaufbau von Wäldern. Sie ist die bedeutendste internationale Initiative zum Wiederaufbau von Wäldern, liefert wichtige Impulse zum weltweiten Klima- und Biodiversitätsschutz und schafft über den Wiederaufbau von Wäldern neue Lebensgrundlagen für die Menschen, insbesondere in den Ländern des Südens.
  Die Wälder Zentralamerikas haben eine extrem hohe Biodiversität: Auf weniger als einem Prozent der Landfläche der Welt befinden sich hier mehr als acht Prozent der Weltbiodiversität. Dieser einzigartige Lebensraum ist seit langem bedroht. Jährlich werden rund 280 000 Hektar der Waldlandschaft zerstört. Dies entspricht der Fläche des Saarlands. Das BMUB unterstützt den Wiederaufbau von Waldlandschaften in Zentralamerika über seine Internationale Klimaschutzinitiative (IKI). Das Bundesumweltministerium hat die Länder des Südens über seine Internationale Klimaschutzinitiative, IKI, seit 2011 bei der Umsetzung der Bonn Challenge mit insgesamt rund 100 Millionen Euro unterstützt.
  Durch diese Mittel hat zum Beispiel das Land El Salvador im April dieses Jahres seinen Nationalen Plan zum Wiederaufbau von Wäldern nicht nur veröffentlichen, sondern auch mit dessen Umsetzung bereits beginnen können. Insgesamt sollen dort bis 2020 64.000 Hektar Wald neu entstehen. Auch Panama wird mit dieser Unterstützung fast 1 Million Hektar Wald am Panamakanal neu anpflanzen. Die Teilnehmer auf der 2. Regionalkonferenz zur Umsetzung der Bonn Challenge in Latein- und Zentralamerika diskutierten darüber hinaus, wie sich - neben öffentlich getragener Förderung - auch private Investoren am Wiederaufbau von Wäldern beteiligen können.
  Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth: „Deutschland hat mit der Bonn Challenge den Waldaufbau als zentrales Thema nachhaltiger Entwicklung auf die internationale politische Bühne gehoben. Mit dem Ziel, bis zum Jahr 2020 weltweit 150 Millionen Hektar an Wäldern wieder aufzubauen, haben wir viele Länder inspiriert, diese wichtige Aufgabe in ihren Regionen konkret umzusetzen. Die Regionalisierung der Bonn Challenge in Lateinamerika, Afrika und Asien führt zu einer weltweiten neuen Form der Süd-Süd-Zusammenarbeit und des Voneinander-Lernens und Miteinander-Umsetzens.“
  BMUB Pressemitteilung, 25.8.16
  
  06.08.2016
  Hoffnung in Amazonien: Der Megastaudamm am Rio Tapajós scheint nicht gebaut zu werden
  Der umstrittene Megastaudamm São Luiz do Tapajós im Herzen des brasilianischen Amazonas wird (vorerst) nicht gebaut. Das hat die brasilianische Umweltbehörde IBAMA am 4. August bekannt gegeben und die für den Bau notwendige Umweltlizenz verweigert. Geplant war am Oberlauf des Rio Tapajós ein Megastaudamm über 7,6 Kilometer Länge. Das Wasserkraftwerk sollte mehr als 8000 Megawatt Leistung haben, was der Energiemenge von sechs Atomkraftwerken entspricht.
  Gegen das von der brasilianischen Regierung geplante Kraftwerk, welches verheerende Auswirkungen für die Natur mit sich gebracht hätte, haben vor allem Greenpeace und das indigene Volk der Munduruku protestiert. Ein Großteil ihres Lebensraums war durch das Projekt bedroht. Betroffen hätte der Staudamm auch die Gummizapfer-Kooperative in Maguari mit der wir zusammenarbeiten. Von der Kooperative beziehen wir z.B. die Kapanga-Umhängetaschen aus Naturlatex.
  Außerdem wären dem Staudamm auch riesige Regenwaldgebiete zum Opfer gefallen mit gravierenden Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem Regenwald mit seinen bis heute weitgehend unbekannten Schatz an Tier– und Pflanzenarten in einer der artenreichsten Gegenden der Erde. Der Stausee hätte im flachen Amazonasbecken etwa 2600 Quadratkilometer Regenwald überschwemmt, viele weitere durch direkte und indirekte Rodungen zerstört.
  Ob die Abkehr von diesem Projekt ein Einschnitt in die Energiepolitik des Landes bringen wird, ist jedoch ungewiss. Die Wasserkraft nimmt im aktuellen Energiemix Brasiliens 70 Prozent ein, obwohl das Land beste Voraussetzungen für den den Ausbau von Wind– und Sonnenenergie besitzt, die leider nur sehr eingeschränkt in Anspruch genommen werden.
  Wir beglückwünschen vor allem die indigene Gemeinschaft der Munduruku, die schon lange für ihr Land und gegen die Errichtung des Staudamms kämpft. Gemeinsam mit 1,2 Millionen Menschen weltweit, die diverse Petitionen zum Schutz des Amazonas unterzeichnet haben, kann nun dieser Erfolg gefeiert werden.
  Die IBAMA hatte unter anderem von der Nationalen Stiftung der Indigenen FUNAI die Empfehlung erhalten, das Projekt nicht zu genehmigen, da das betroffene Land den indigenen Munduruku zustünde. Solche Empfehlungen gab es bereits bei anderen Mega-Projekten, wie zum Beispiel beim soeben fertig gestellten Mega-Staudamm Belo Monte am Rio Xingu, wo sie jedoch ignoriert wurden.
  Wichtig wäre, dass Brasilien nun allgemein seinen Energie-Kurs ändert und zerstörerischen Staudämmen eine generelle Absage erteilt. Der São-Luiz-do-Tapajós-Damm wäre nur der erste von insgesamt 43 Staudämmen gewesen, die im Tapajós-Einzugsgebiet geplant sind. Trotz der verheerenden Folgen für Mensch und Natur setzt die brasilianische Regierung wohl weiterhin vor allem auf Wasserkraft zur Stromerzeugung, ungeachtet des hohen Potenzials an Solar- und Windenergie.
  Zuversichtlich stimmt, dass das vorläufige Ende des São-Luiz-do-Tapajós-Staudammes auch entscheidend durch die Zivilgesellschaft herbeigeführt werden konnte. Massive Proteste hatte es im Vorfeld auch gegen den Siemens-Konzern und dieösterreichische Andritz AG gegeben, die Turbinen und Generatoren für das Kraftwerk liefern sollten. Möglich ist jedoch nach wie vor, dass das für den Bau zuständige Unternehmen Eletrobrás einen neuen Antrag mit einer Änderung der Baupläne stellt - ob der erfolgreich sein könnte, ist nicht absehbar.
  
  29.7.2016
  Die Nachwirkungen der Regenwaldabholzung
  Ein Baum, der heute gefällt wird, sorgt noch übermorgen für Emissionen. Eine neue Studie prognostiziert: Selbst wenn wir heute damit aufhören, wirkt die Rodung tropischer Wälder noch mehrere Jahre nach.
  Die Abholzung tropischer Bäume zerstört Leben und Lebensräume. Durch die Rodung gehen zudem wichtige Kohlenstoffsenken verloren. Außerdem entstehen neue Kohlenstoffemissionen, wenn Holzreste vor Ort verbrannt werden, um dem Boden Nährstoffe zurückzuführen.
  Manche Umwandlungen von Wald- in Ackerflächen gehen nur langsam voran, da sie auf einen natürlichen Abbauprozess von zurückgebliebenem Holz setzen. Aber auch das sorgt für eine zusätzliche Ausschüttung von CO2 - allerdings lange nachdem die wertvollen Baumstämme abtransportiert wurden. Diese Zeitversetzung führt dazu, dass wir heute unter Belastungen leiden, die durch Rodungen in vorigen Jahrzehnten verursacht wurden.
  Wir sind hoch verschuldet
  Isabel Rosa, Forscherin am Imperial College in London, hat diese (von 1900 bis 2009) angestaute Menge an Kohlenstoff nun berechnet: eine Last von 8,6 Petagramm (8,6 Billiarden Tonnen) Kohlenstoff tragen wir durch die Langzeitfolgen auf dem Rücken. Das ist so viel, wie in fünf bis zehn Jahren durch globale Regenwaldrodungen erzeugt wird.
  Kurz: Würden wir sofort damit aufhören, tropische Regenwälder abzuholzen, müssten wir noch weitere fünf bis zehn Jahre mit den Auswirkungen leben. „Wir sind sozusagen verschuldet. Das ist das Ergebnis von all der Zerstörung, die wir in der Vergangenheit in tropischen Wäldern angerichtet haben“, so Rosa gegenüber science.ORF.at.
  Für viele tropische Länder ist es deshalb nicht einfach, nationale und internationale Emissionsziele zu erreichen. Eine Reduktion der Abholzungsraten um 30 Prozent im Amazonas in den Jahren 2005 bis 2010 führte zum Beispiel nur zu einer tatsächlichen Verminderung der Emissionen um 10 Prozent.
  Arten sterben langsam aus
  Neben diesen verzögerten Wirkungen sterben auch Arten zeitversetzt: Sie können sich nicht an den veränderten Lebensraum anpassen oder verlieren ihre Lebensgrundlagen. Eine solche Entwicklung ist nicht mehr umkehrbar: „Wenn eine Art ausgestorben ist, ist sie weg. Man kann sie nicht einfach zurückzuholen. Es ist also noch viel beunruhigender, dass wir auch hier ‚Schulden‘ angehäuft haben“, so Rosa.
  Die Wissenschaftlerin geht davon aus, dass durch die Abholzung in Zukunft 140 waldspezifische Wirbeltierarten aussterben könnten. Das bedeute, dass die Aussterberate des 20. Jahrhunderts um 120 Prozent steigen würde. Und zwar auch, wenn alle weltweiten Rodungen gestoppt werden: „Das Verschwinden einer Art ist ein schleichender Prozess. Im Vergleich zu den zeitverschobenen Kohlenstoffemissionen dauert es viel länger“, fließt also erst Jahre später in die zu zahlende Rechnung der Abholzungen ein.
  Schulden begleichen
  „Diese Studie hat den Fokus nur darauf gelegt, was wir bereits verloren haben und welche „Schulden“ wir angehäuft haben. Eventuelle Wiederaufforstungen habe ich dabei nicht miteinbezogen“, so Rosa, „Ich glaube, es gibt noch immer ein Zeitfenster, um einige dieser Schulden ausgleichen zu können.“
  Es sollte neben Erhaltungsmaßnahmen in Sanierungsprojekte, Wiederaufforstung und Wiederherstellung von Lebensräumen investiert werden. Dies dauert laut der Forscherin zwar eine Weile, könnte aber einen Teil der Emissionen wieder binden und verhindern, dass bestimmte Arten verloren gehen. Dennoch werden wir - bei einer andauernden Zerstörung der Wälder - unsere Schulden nur ansatzweise begleichen können.
  Quelle: Alexa Lutteri, science.ORF.at
  Studie:
  The environmental legacy of modern tropical deforestation „Current Biology“, 28.07.2016
  Klicken Sie bitte hier.
  und bei
  science.ORF.at
  
  16.7.2016
  Polizei vertreibt Guarani und zerstört Häuser mit Bulldozern
  Ein Video, das zeigt wie die Häuser einer indigenen Gemeinde mit Bulldozern planiert werden, hat Entsetzen in Brasilien ausgelöst. Die betroffenen Guarani-Familien müssen nun am Rande einer Schnellstraße ausharren.
  Fast 100 schwer bewaffnete Polizisten überwachten die Planierung der Guarani-Gemeinde Apy Ka’y, deren angestammtes Land durch industrielle Landwirtschaft zerstört wurde. Die Gemeinde hatte zuvor bereits 10 Jahre am Rande einer Bundesstraße kampieren müssen. In der Zeit wurden acht Personen von Fahrzeugen erfasst und getötet. Ein weiterer Guarani starb an Pestiziden.
  2013 hatte die Gemeinde dann einen kleinen Teil ihres Landes wiederbesetzt, von dem sie nun erneut vertrieben wurde, nachdem ein Richter dem Antrag auf Räumung eines Großgrundbesitzers stattgegeben hatte. Zuvor hatten die Guarani, ihre Verbündeten in Brasilien und Tausende Unterstützer von Survival International darum gebeten, die Gemeinde auf dem Land zu belassen. Die Guarani von Apy Ka’y leben jetzt wieder entlang der Autobahn.
  Ein weiteres Video zeigt bewaffnete Polizeieinheiten, die bei der Räumung die neun Guarani-Kaiowá-Familien bewachen. Anführerin Damiana Cavanha prangert im Video die Räumung an und besteht auf das Recht der Guarani, ihre Leben zu schützen, ihr Land zu verteidigen und ihre Zukunft selbst zu bestimmen.
  Damiana Cavanha sagte: „Wir akzeptieren das nicht. Ich bleibe hier, das ist mein Recht. Wir haben unsere Rechte. Es sind nicht nur die weißen Menschen, die Rechte haben, die Guarani Kaiowá und die indigenen Völker haben ebenfalls Rechte. So viele von uns sind gestorben, so viele Menschen, die von den bewaffneten Männern getötet wurden … Lassen Sie uns hier bleiben, wir haben Tekoha [angestammtes Land] und ich werde auf mein Tekoha zurückkehren.“
  Ein Großteil des Landes der Guarani wurde ihnen gestohlen. Brasiliens Agrarindustrie versucht, indigene Gemeinden aus ihren angestammten Gebieten zu vertreiben. Sie verüben tödliche Gewalt und Rassismus, um ihr Land, ihre Ressourcen und ihre Arbeitskraft im Namen von „Fortschritt“ und „Zivilisation“ zu rauben.
  Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Dies ist eine schreckliche Nachricht – und sie ist auf tragische Weise allzu typisch für die erschreckende Situation der Guarani in Brasilien. Wir können nicht tatenlos zusehen und die Zerstörung eines ganzen Volkes beobachten. Wenn das Recht der Guarani, auf ihrem Land zu leben, nicht respektiert und eingehalten wird, werden sie vernichtet.“
  Quelle: Survival International
  
  27.6.2016
  Kleinbauern am Amazonas ohne Chance gegen die Holzmafia
  Einen eindrucksvollen Einblick in den Alltag von Kleinbauern am Amazonas gibt ein kürzlich im österreichischen Standard erschienener Artikel.
  Den Beitrag lesen Sie hier.
  
  31.5.2016
  Pkw und Lkw verbrennen fast die Hälfte allen Palmöls in Europa
  Neue Studie zeigt verheerende Öko-Bilanz der europäischen Biokraftstoffpolitik
  Neue Untersuchungen des NABU in Zusammenarbeit mit der Brüsseler Umweltorganisation Transport & Environment zeigen, dass zuletzt rund 45 Prozent der gesamten Palmölimporte der Europäischen Union (EU) in den Tanks von Autos und Lkw landeten. Dabei hat Biodiesel der ersten Generation eine um durchschnittlich 80 Prozent schlechtere Treibhausgasbilanz als sein Pendant aus fossilen Quellen und kann damit keinesfalls als Mittel zur Senkung der CO2-Emissionen im Verkehrssektor gelten.
  Diese Zahlen zeigen die schmutzige Realität der EU-Biokraftstoffpolitik. Täglich wird die Menge von umgerechnet vier olympischen Schwimmbecken mit jeweils 2,5 Millionen Litern voller Palmöl dem Diesel beigemischt. Das hat fatale Folgen für Klima- und Ökosysteme, denn die Expansion des Ölpalmen-Anbaus treibt die Abholzung von Wäldern und die Moorzerstörung in Südostasien und Afrika massiv voran.
  Die Beimischung von Palmöl im Diesel hat sich demnach zwischen 2010 und 2014 versechsfacht. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum fast 8,5 Millionen Tonnen Biodiesel aus Palmöl dem Kraftstoff beigemischt. Neuere Daten liegen aktuell noch nicht vor. Zur Erfüllung der Biokraftstoffquote der EU kauft sich die Mineralölindustrie auf dem Weltmarkt den Rohstoff dort zu, wo er am günstigsten ist. Palmöl wächst jedoch nur in tropischen Regionen, was dort zu erheblichen Landnutzungsänderungen führt.
  Die negative Klimabilanz des Diesel wird durch die erhöhte Beimischung von Palmöl in der Summe noch verheerender und ist letztlich Ausweis einer insgesamt gescheiterten Energie- und Kraftstoffpolitik der EU. Bereits eine frühere Auswertung offizieller Daten der Europäischen Kommission im April dieses Jahres habe bei Biokraftstoff aus Palmöl eine dreifach so hohe Klimawirkung errechnet wie bei fossilem Diesel. Allein die dadurch bis zum Jahr 2020 zusätzlich verursachten Emissionen entsprächen dem CO2-Ausstoß von zusätzlichen zwölf Millionen Autos.
  Den Regenwald im Tank unserer Autos zu verfeuern, ist einfach nur beschämend. Die Europäische Union sollte ihre Politik schleunigst ändern und die Förderung von Palmöl und anderen Biokraftstoffen der ersten Generation beenden. Stattdessen müssten die Klimaauswirkungen so genannter Biokraftstoffe der ersten Generation endlich ehrlich bilanziert und ihre Beimischungsquote in der zu novellierenden EU-Richtlinie über erneuerbare Energien (RED) nach 2020 konsequent auf null gesetzt werden. Zudem sollten zukünftig Nachhaltigkeitskriterien stärker berücksichtigt werden.
  Unabhängig von einem Kurswechsel in der Biokraftstoffpolitik fordert der NABU eine echte Verkehrswende, um wirksam die Treibhausgasemissionen zu verringern. Das bedeutet in erster Linie Effizienzsteigerungen beim Kraftstoffverbrauch von Pkw, Lkw oder Flugzeugen allgemein und Verkehrsvermeidung beziehungsweise Verlagerung auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel.
  Quelle:NABU
  
  22.04.2016
  Helfen Sie mit, einen Nationalpark im kolumbianischen Regenwald zu erhalten – Goldmine stoppen!
  In Kolumbien wollen zwei Bergbaufirmen aus den USA und Kanada den Goldabbau in einem Nationalpark im Amazonasgebiet durchsetzen. Mit einer Milliarden-Klage vor einem privaten Schiedsgericht in Texas versuchen sie den Staat in die Knie zu zwingen. Bitte unterschreiben Sie unsere Petition an die Präsidenten der drei Länder.
  Am 19. Februar 2016 reichten die Firmen Cosigo Ressources (Kanada) und Tobie Mining and Energy (USA) Klage bei einem Schiedsgericht im US-Bundesstaat Texas ein, berichtet die Zeitung Portafolio. Sie nutzen dazu die Freihandelsabkommen, die Kolumbien mit den USA und Kanada geschlossen hat. Diese sehen vor, dass ausländische Firmen den Staat vor privaten Schiedsgerichten verklagen können, etwa weil Arbeits-, Umwelt- oder Sozialstandards ihre zukünftigen Profite schmälern.
  Die Bergbaulizenzen der Firmen liegen in dem über eine Million Hektar großen Nationalpark Yaigojé Apaporis im kolumbianischen Teil des Amazonasgebiets. Der Regenwald an der Grenze zu Brasilien ist die Heimat von sieben indigenen Völkern – und beherbergt eine außergewöhnlich hohe Vielfalt von Tieren, Pflanzen und Landschaften. Auf Bestreben der Indigenen wurde der Nationalpark im Jahr 2009 offiziell gegründet.
  Vor den staatlichen Gerichten Kolumbiens ist Cosigo Ressorces gescheitert - trotz jahrelanger Verfahren durch alle Instanzen, berichten El Espectador und Semana. 2015 hat das Verfassungsgericht in Bogotá endgütig entschieden, dass der Nationalpark rechtens und Goldabbau dort nicht zulässig ist.
  Nun wollen die Goldfirmen die Justiz und Souveränität des südamerikanischen Landes über das Privatgericht in Texas aushebeln - ohne Möglichkeit auf Berufung. Das Wirtschaftstribunal soll über die unglaubliche Summe von umgerechnet 14,5 Milliarden Euro entscheiden – als Schadensersatz für den angeblichen Wert des Goldvorkommens, das die Firmen auszubeuten planten.
  Wir fordern die Präsidenten der USA, Kanadas und Kolumbiens auf, die privaten Schiedsgerichte aus den Freihandelsabkommen zu streichen.
  Zur AKTION von "Rettet den Regenwald"
  
  27.03.2016
  Amazonas-Indianer werden durch Quecksilber vergiftet
  Neue Erhebungen ergeben Besorgnis erregende Werte von Quecksilbervergiftung bei den Yanomami- und Yekuana-Völkern im Amazonasgebiet. Das brasilianische Gesundheitsinstitut Fiocruz, zusammen mit der Hutukara Yanomami Association, der brasilianischen Nichtregierungsorganisation ISA (Sozial-ökologisches Institut), und der Yekuana-Vereinigung APYB führten eine Studie basierend auf Haarproben von Angehörigen 19 indigener Gemeinden durch. Die Studie ergab, dass mehr als 90 % der Indigenen in einer Region stark von Vergiftungen betroffen sind.
  Illegale Goldgräber auf dem Gebiet der Yanomami vergiften die umliegenden Flüsse mit Quecksilber, welches für die Förderung von Gold verwendet wird. Das Metall gelangt so direkt in die Nahrung der Yanomami, die aus den Flüssen trinken und darin fischen.
  Der international bekannte Yanomami-Schamane und -Sprecher Davi Kopenawa präsentierte die Daten der UN-Sonderberichtserstatterin für indigene Völker Victoria Tauli-Corpuz, als diese im März Brasilien bereiste. „Die Ergebnisse dieser Studie sind besorgniserregend. Die Vergiftung betrifft sowohl Pflanzen und Tiere als auch zukünftige Generationen“, meinte Reinaldo Rocha Yekuana. Der Goldabbau gefährdet besonders unkontaktierte Yanomami, die zu den am meisten bedrohten Völker unseres Planeten zählen und in unmittelbarer Nähe von illegalen Ausgrabungsstätten leben.
  Staatsanwält*innen sind aktuell dabei, die Studienergebnisse zu analysieren, um sich für verstärkte Maßnahmen gegen illegalen Bergbau einzusetzen.
  Auch andere indigene Völker im Amazonasgebiet sind von Quecksilbervergiftung bedroht. Anfang dieses Monats berichtete Survival, dass bei bis zu 80 % der kürzlich kontaktierten Nahua in Peru eine Vergiftung nachgewiesen werden konnte und das Überleben des Volkes gefährdet sei.
  Die Yanomami müssen zudem mit Waldbränden fertig werden, die Teile ihres Gebietes in den letzten Monaten zerstört haben. Die Brandursachen sind noch immer ungeklärt. Einige Yanomami haben illegale Goldgräber und Holzfäller im Verdacht, die die Feuer absichtlich ausgelegt haben könnten. Die Yanomami fordern daher einen verstärkten Einsatz von Feuerwehrleuten in ihrer Region.
  Die Yanomami brauchen den Wald, um zu überleben. Ihre Region in Brasilien wurde 1992 nach einer langen internationalen Kampagne als indigenes Gebiet deklariert. Nun fordern die Yanomami, ihre Verbündeten in Brasilien und Venezuela sowie Survival International, dass Eindringlinge auf ihrem Gebiet von den Behörden entfernt und ferngehalten werden, und dass indigene Gebiete nicht weiter für großangelegte Minenprojekte erschlossen werden.
  In einem Brief an Präsidentin Rousseff erklärten Indigene der Hutukara Yanomami Association: „Brasilien tut sich in Zeiten von Klimawandel und öffentlichen Klimaschutzinitiativen keinen Gefallen damit, Aktivitäten zu unterstützen, die die Zerstörung der natürlichen Ressourcen des Yanomami-Gebietes bewirken.“
  Quelle: Survival International
  
  03.03.2016
  Wie wirkt Palmöl auf Mensch, Tier & Umwelt?
  Wer sich einen umfassenden Einblick in die Palmölproblematik verschaffen möchte, findet einen fundierten und sehr empfehlenswerten Artikel zum Thema bei der Albert-Schweizer-Stiftung für unsere Mitwelt
  
  02.03.2016
  Wie die Holzmafia den Kleinbauern am Amazonas zusetzt
  Kleinbauern am Amazonas werden zunehmend von der Holzmafia bedroht, wenn sie versuchen den Regenwald zu schützen. Beauftragte der örtlichen Holzbarone bieten Kleinbauern Geld an, damit sie nichts gegen die illegalen Rodungen unternehmen.
  Lesen Sie den Bericht des österreichischen derStandard.at
  
  16.2.2016
  Projekt mit den Guaraní-Indianern begonnen
  Gemeinsam mit weiteren Freiburger Organisationen konnten wir Caritas International für die Unterstützung von Gemeinschaften des Volkes der Guaraní-Kaiowá in der Region von Iguatemí im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul gewinnen.
  Das Anliegen des Projekts ist es Familienverbände dabei zu unterstützen, wieder zu einem selbstbestimmten Leben und zu weitestgehender Selbstversorgung zurückkehren. Die Kultur der Guaraní ist an die ehemaligen Wälder gebunden, welche ihnen Lebensgrundlage und spirituelle Heimat waren. Gerade im Bundesstaat Mato Grosso do Sul sind heute nur noch circa sechs Prozent der Landfläche bewaldet. Durch den Anbau von Nahrungsmitteln und Heilpflanzen im Verbund mit Sträuchern und Bäumen in Agroforstsystemen und Hausgärten soll den Guaraní-Kaiowá mittelfristig auch die schrittweise Wiederbewaldung ihres Landes möglich werden, damit dieses wieder Lebensgrundlage und Heimat werden kann.
  Die Zusammenarbeit mit den Guaraní-Kaiowá bezieht sich dabei zunächst auf vier Siedlungen, in welchen deren Landrechte bereits anerkannt sind. Das Projekt soll die Lebensbedingungen der Mitglieder der Dorfgemeinschaften verbessern und vor allem auch der jungen Generation wieder eine selbstbestimmte Zukunft auf dem eigenen Land ermöglichen. Hierzu sollen neben dem Aufbau von Agroforstsystemen zur Selbstversorgung und sukzessiven Wiederbewaldung auch indigene Strukturen geschaffen werden, welche die Gemeinschaften stärken und ihnen Möglichkeiten an die Hand geben, ihr Land so zu gestalten, dass dieses ihnen ihre traditionelle Lebensweise und Kultur wieder ermöglicht.
  Ende Januar wurde ein lokaler Projektkoordinator eingestellt, sodass das Projekt in diesen Tagen beginnen kann.
  
  19.1.2016
  Gericht untersagt den Betrieb des Mega-Stau-Damms Belo Monte
  In einigen Wochen sollten sich die ersten Turbinen des Belo-Monte-Wasserkraftwerks drehen. Doch jetzt verweigerte eine Richterin der weltweit drittgrößten Anlage dieser Art die Erlaubnis - mit guten Gründen.
  Lesen Sie den Bericht der Deutschen Welle
  
  04.01.2016
  Dürre und Waldbrände in Amazonien
  Über die aktuelle Dürre und ihre Auswirkungen auf die Wälder im wasserreichsten Gebiet der Erde können Sie sich unter folgendem Link
  informieren.
  
  12.12.2015
  Indigenen Völker Sarawaks atmen auf - Staudammbau auf angestammtem Land eingestellt
  Der Bau des Baram-Dammes, der die Heimat 20.000 Indigener im malaysischen Bundesstaat Sarawak überflutet hätte, wurde nach Jahren des Protestes eingestellt.
  Sarawaks Ministerpräsident Tan Sri Adenan Satem gab bekannt, dass das Projekt aus Respekt gegenüber den betroffenen Gemeinden eingestellt werde. Er fügte hinzu: „Wenn ihr den Damm nicht haben wollt, na schön. Wir werden eure Entscheidung respektieren.“
  Die Indigenen, deren Heimat durch den Bau des Dammes überflutet worden wäre, hatten zwei Jahre lang protestiert und die Baustelle blockiert. Sie begrüßen die Entscheidung der Landesregierung, bestehen jedoch darauf, dass der Bau nicht bloß „bis auf Weiteres“ eingestellt werden dürfe – stattdessen müsse zugesichert werden, dass der Damm nie gebaut werde.
  Zudem fordern die Indigenen die Rückgabe des Landes, das zum Bau des Dammes beschlagnahmt wurde. Außerdem wird gefordert, dass die Erlaubnis zur Abholzung des Waldes in der betroffenen Region zurückgenommen wird.
  Viele Beobachter sind skeptisch bezüglich des plötzlichen Wunsches der Regierung, die Belange indigener Gemeinden zu respektieren. In der Vergangenheit wurde das Recht indigener Völker, sich gegen Holzfällerei, Palmölplantagen und Staudammprojekte auf ihrem Land zu entscheiden, selten so bereitwillig akzeptiert. Möglicherweise gibt es auch finanzielle Gründe dafür, dass der Damm nicht länger für notwendig gehalten wird – die in Sarawak bereits erbauten Staudämme können schon jetzt mehr Strom produzieren als der Bundesstaat benötigt.
  Die Angehörigen der indigenen Kenyah, Kayan und Penan, die vom Bau des Dammes betroffen sind, haben sich seit Baubeschluss gegen das Projekt ausgesprochen. Ihnen ist bekannt, welchen Problemen indigene Völker ausgesetzt sind, die bereits für den Bau anderer Staudämme von ihrem angestammten Land vertrieben wurden: Oft können diese Völker sich als Jäger und Sammler nicht mehr selbst versorgen oder haben Probleme, auf dem wenigen Land, das ihnen noch zur Verfügung steht, genügend Nahrung anzubauen.
  Während der Blockade des Baram Dammes sprach Lenjau Tusau, ein älterer Sprecher des Long Makaba Dorfes, über den Mut und die Würde der Demonstrierenden: „Wir werden nicht gehen. Hier ist unser Leben, unsere Kultur. Das Land, die Flüsse, die Felsen gehören uns.“
  Der Baram-Damm war Teil eines Bauprojektes der Regierung Sarawaks, das zwölf hydroelektrische Staudämme einschloss. 2008 wurde gegen den Willen der Regierung ein Dokument ins Internet gestellt, das die Pläne zum Bau der Dämme offenlegte, für deren Elektrizität es keinen Markt gab.
  Viele lokale, nationale und internationale Organisationen, darunter auch Survival International, setzen sich seit Jahren gegen die Pläne zum Bau der Staudämme ein. Hunderte Survival-Unterstützer*innen hatten Briefe an Sarawaks Landesregierung verfasst, in denen sie ein Ende von Staudämmen, Holzfällerei und Plantagen auf indigenem Land forderten. Survival fordert die Regierung Sarawaks auf, keine weiteren Projekte ohne die Zustimmung indigener Völker auf angestammtem Land durchzuführen.
  Quelle: Survival International
  
  05.12.2015
  Mehr Geld für den Schutz der Wälder
  Die drei größten Geber im internationalen Waldschutz, Deutschland, Norwegen und Großbritannien, steigern ihre gemeinsame Finanzierung zum Schutz und Wiederaufbau von Tropenwäldern.
  Im Zeitraum von 2015 bis 2020 werden sie insgesamt fünf Milliarden US-Dollar dafür einsetzen. Das verkündeten die drei Regierungen am Rande des Weltklimagipfels in Paris. Auf Deutschland entfallen rund 1,1 Milliarden US-Dollar.
  Dadurch leisten diese drei Länder einen bedeutenden Beitrag zur Senkung von Treibhausgasen. Im Gegenzug erwarten sie von den betroffenen Schwellen- und Entwicklungsländern ehrgeizige Pläne zum Schutz ihrer Wälder unter Einhaltung sozialer und ökologischer Standards.
  Ein Beispiel dafür ist die neue Partnerschaft der drei Geber mit Kolumbien, das sich durch eine ambitionierte Waldschutzpolitik auszeichnet. So hat Kolumbien angekündigt, den Waldverlust bis 2020 zu stoppen. In Paris sagten Deutschland, Norwegen und Großbritannien hierfür ihre Unterstützung zu. Umweltministerin Barbara Hendricks und Entwicklungsminister Gerd Müller unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung mit einem Volumen von bis zu 100 Millionen US-Dollar. Für jede nachweislich vermiedene Tonne CO2 erhält Kolumbien fünf US-Dollar, so die Vereinbarung.
  Umweltministerin Barbara Hendricks: "Der Schutz der Wälder ist ein wichtiger Baustein unserer Klimaschutzbemühungen. In Paris wollen wir uns abschließend auf gemeinsame Regeln zum Waldschutz verständigen. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Denn um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden, müssen wir den globalen Waldverlust stoppen."
  Entwicklungsminister Gerd Müller: "Ohne Pflanzen kein Leben, ohne Wald keine Luft zum Atmen. Der Schutz – insbesondere der tropischen Regenwälder – ist eine internationale Entwicklungsaufgabe. Deutschland stellt sich seiner Verantwortung und lässt die Menschen in den Entwicklungsländern beim Schutz der Wälder nicht allein."
  Quelle: BMZ
  
  22.11.2015
  Nach Belo Monte am Rio Xingu - Brasilien will auch den Rio Tapajos mit Staudämmen zerstören
  Am Tapajós will die brasilianische Regierung nun neue Wasserkraftwerke bauen – und Energie produzieren, um jeden Preis. Mindestens 40 große Staudämme mit mehr als 30 Gigawatt maximaler Leistung entstehen in Brasilien gerade oder sind in Planung. Fünf von ihnen haben für die brasilianische Regierung eine besonders hohe Priorität, darunter auch der São-Luiz-do-Tapajós-Damm, das größte der Projekte. Gerade wurden offiziell die möglichen Umweltauswirklungen des Mega-Damms auf die Region geprüft. Dabei ging man jedoch genauso unseriös vor, wie bereits bei vergangenen Staudamm- Bauprojekten.
  Dabei ist der Tapajós mit seinem Wechsel von Überschwemmungenen und Perioden, in denen die Ufer austrocknen, Lebensgrundlage einer besonderen Artenvielfalt. Und er ist die Heimat von Tausenden Angehörigen indigener Völker sowie anderer Flussanwohner. In der Region besteht zwar ein Mosaik aus zehn Naturschutz- und 19 Indigenen-Gebieten; von diesen sind allerdings nur vier offiziell ausgewiesen und bieten somit unzureichend Schutz.
  Dieser Missstand würde sich noch verschärfen, wenn das São-Luiz-do-Tapajós-Kraftwerk gebaut wird. Eine 53 Meter hohe und 7,6 Kilometer lange Mauer soll dann den Flusslauf durchziehen; das würde ein riesiges Gebiet 123 Kilometer entlang des Tapajós-Flusses und 76 Kilometer entlang des Flusses Jamanxim östlich davon beeinträchtigen.
  Dadurch würden rund 37.600 Hektar Amazonaswald von der Landkarte verschwinden. Die natürlichen Überschwemmungs- und Dürreperioden würden entfallen; das würde zu einem immensen Verlust der Artenvielfalt führen. Indigene und Flussanwohner müssten zwangsweise umgesiedelt werden – soziale Konflikte wären dabei programmiert.
  Dennoch nimmt die brasilianische Regierung die für die Genehmigung des Projektes obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) auf die leichte Schulter: Obwohl derartige Prüfungen eigentlich feststellen sollen, ob ein Projekt aus ökologischer Sicht tragbar ist, degradiert sie sie derzeit zu Formsachen. Diese legitimieren nurmehr dubiose Entscheidungen, die bereits gefällt worden sind.
  Die Umweltverträglichkeitsprüfung für das São-Luiz-do-Tapajós-Wasserkraftwerk ist dafür ein weitere Beispiel. Der Konzern, der die Prüfung und den dazu gehörigen Bericht in Auftrag gegeben hat, ist derselbe, der maximales Interesse an dem Projekt hat: Eletrobas, eine der größten Energiefirmen in Lateinamerika. Sie legte der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA die zweifelhafte UVP im August 2014 vor.
  Greenpeace beauftragte daher führende Wissenschaftler der Fachrichtungen Klima, Soziales und Biodiversität, eine Analyse dieser Umweltverträglichkeitsprüfung zu erstellen. Das Papier und der dazugehörige Berichts legen schwere Mängel der Umweltverträglichkeitsprüfung offen.
  So sollte diese eigentlich die direkten und indirekten Auswirkungen des Kraftwerkbaus auf Wasser, Luft, Klima, Böden, Flora und Fauna beleuchten; sie sollte die Konsequenzen für die natürlichen Ressourcen kritisch begutachten. Tatsächlich verschweigt die Prüfung jedoch die wahren Auswirkungen auf Mensch und Natur.
  So erfasst die UVP beispielsweise nicht die Arten der Uferzonen, Inseln und des Flussbettes, obwohl genau diese Bereiche am meisten von der dann ausbleibenden Überflutung betroffen sind. Die aktuelle Version der Prüfung zeigt auch nicht, welche Arten auf lokaler, regionaler oder globaler Ebene durch den Bau des Kraftwerks gefährdet werden.
  Der Teil der UVP, der sich mit den Auswirkungen des Kraftwerkbaus auf die in der Region lebende indigene Bevölkerung beschäftigt, wurde viel zu spät als Anhang beigefügt: Monate, nachdem der Rest des Berichts bereits abgeschlossen war. Ein klares Indiz dafür, dass die Rechte der Indigenen hier nicht ernst genommen werden.
  Um die Umsiedelung der indigenen Bevölkerungsgruppen zu rechtfertigen, die die Ufer des Tapajós bewohnen, ignoriert die UVP sogar die brasilianische Verfassung: Die schreibt vor, dass indigenen Gruppen nur dann umgesiedelt werden dürfen, wenn Katastrophen oder Seuchen die Bevölkerung gefährden könnten.
  Quelle: Greenpeace-Online
  
  18.10.2015
  Prognose: Dürren am Amazonas werden sich verdreifachen...
  ... wenn der weltweite CO2-Ausstoß nicht reduziert wird.
  Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in dieser Woche im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciencesveröffentlicht wurde. Die betroffenen Gebiete werden größer und die Abstände zwischen starken Dürren geringer, sagte der Leitautor der Studie Philip Duffy vom Woods Hole Research Center in den USA. Die Forscher wollten wissen, wie sich mehr CO2 in der Atmosphäre auf extreme Wetterverhältnisse auswirkt. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass nicht nur Dürren häufiger werden, sondern auch Überflutungen des Gebiets.
  Nach Ansicht der Autoren sind die Dürren das größere Problem, zumindet für das Klima, denn Waldsterben ist in Dürreperioden unausweichlich. Das wiederum führe dazu, dass der Wald CO2 emittiert, sagte Duffy der Umweltnachrichtenseite Mongabay. In der Regel absobiert das Amazonasgebiet pro Jahr etwa 1,5 Milliarden Tonnen CO2. Nach der Dürre 2005 wurde allerdings zwei Jahre lang kein CO2 mehr aufgenommen. Im Gegenteil – das Waldsterben führte zu CO2-Emissionen. Die seien etwa so hoch gewesen wie die gesamten Emissionen der USA – also etwa sechs Milliarden Tonnen –, so Duffy.
  Insgesamt haben die Autoren 35 verschiedene Modelle analysiert. Die Ergebnisse beziehen sich auf ein Emissionsszenario, das einen weltweiten Temperaturanstieg von 2,6 bis 4,8 Grad Celsius zur Folge hätte. Zurzeit befindet sich die Welt auf einem Drei-Grad-Pfad, hatte am Montag EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete beim EU-Klimagipfel zur Bewertung der bislang abgegebenen 149 nationalen Klimaziele – der sogenanntenINDCs – erklärt.
  Klicken Sie zur Quelle: Klimaretter.info
  
  02.10.2015
  Südostasien erstickt im Qualm der brennenden Regenwälder
  Brennende Wälder machen den Ländern Südostasiens schwer zu schaffen. So steckt Singapur in einer dichten Qualmwolke. Kindern ist es verboten Sport zu treiben und das Haus zu verlassen. Grund für die Waldbrände ist die Gier nach Palmöl. Regenwälder werden großflächig abgebrannt, um Platz für Palmplantagen zu machen, denn Palmöl ist das Schmieröl unseres Konsums. In der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung können Sie sich ausführlich über die Situation informieren. Klicken Sie auf diesen Link
  
  14.9.2015
  Grüne Forderung zum "Tag der Tropenwälder"
  Zum heutigen Tag der Tropenwälder erklären Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender, und Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutzpolitik:
  Der Tropenwald ist die biologische Schatzkammer unserer Erde und wird kontinuierlich geplündert. Die Bundesregierung darf dabei nicht weggucken, sondern muss sich für den Schutz des Tropenwaldes stark machen.
  Die große Koalition muss das löchrige Holzhandelssicherungsgesetz reformieren und jedes Schlupfloch für die Einfuhr von illegalem Holz stopfen. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie für effektive Kontrollen und strengere Sanktionsmöglichkeit sorgt, dass sie sich auf EU-Ebene für einen Aktionsplan gegen Waldzerstörung einsetzt, der die illegalen Einfuhren aller Tropenwaldprodukte eindämmt, und dass sie bei Handelspartnerschaften den Schutz der Wälder einfordert.
  Obwohl die Bedeutung des Tropenwaldes für das Klima und den Artenreichtum längst bekannt ist, verliert unsere Erde alle zwei Sekunden wertvollen Tropenwald von der Fläche eines Fußballfeldes - auch um Europa mit Soja, Palmöl, Holz, Papier und Fleisch zu versorgen. Diese Naturzerstörung geschieht großflächig illegal.
  Deutschland allein importierte in den letzten fünf Jahren bis zu 1,1 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Zellstoff aus Tropenwaldländern und knapp sechs Millionen Kubikmeter Tropenholz – hauptsächlich aus Brasilien und Indonesien. Interpol schätzt, dass bis zu 90 Prozent der Holzernte dort illegal geschlagen wird. Regelmäßig stellen Nichtregierungsorganisationen in Deutschland und der EU Importe aus dem Tropenwald fest.
  Quelle: Pressestelle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
  
  04.09.2015
  Erneuter Mord an Guarani-Indianer nach Landkonflikten
  Eine Woche nachdem seine Gemeinde einen Teil ihres angestammten Landes wiederbesetzt hatte, wurde ein Guarani-Anführer im mittleren Westen von Brasilien erschossen. Die Gemeinde hatte vorher gewarnt, dass es zu Morden kommen könnte, nachdem sie von bewaffneten Männern umzingelt worden war.
  Semião Vilhalva wurde am Samstag während eines Angriffs auf die Ñanderú-Marangatu-Gemeinde getötet. Hinter dem Mord stecken bewaffnete Männer, die von Farmern angeheuert worden waren. Die Tat fand Berichten zufolge in Anwesenheit von Regierungsbeamten statt. Ein einjähriges Baby wurde von einem Schlagstock am Kopf getroffen und weitere wurden Berichten zufolge verletzt. Das angestammte Land der Gemeinde ist von einer Farm besetzt, die Roseli Silva gehört – Vorsitzende eines Farmer-Verbandes, der Gewalt fördert, um Indigene von ihrem Land fern zu halten.
  Die Guarani vermuten, dass der Angriff vom Samstag von Silva koordiniert worden war. Er folgte auf eine Sitzung, in der Farmer und Politiker diskutierten, wie mit der Wiederbesetzung durch die Guarani umzugehen sei. Die Guarani- Vereinigung Aty Guasu äußerte sich folgendermaßen: „Diese Farmer und Politiker fördern Hass, Gewalt und die Tötung von Angehörigen der Guarani. Sie sind grausam und müssen bestraft werden!“
  Ein Großteil des angestammten Landes der Guarani wurde den Indigenen vor Jahrzehnten gestohlen. Laut Brasiliens Verfassung hätte die Regierung das gesamte indigene Gebiet kartieren und den Indigenen für ihre ausschließliche Nutzung zurückgeben müssen. Jedoch ist die Mehrheit des angestammten Landes der Guarani in den Händen von Farmern verblieben.
  Die meisten Guarani sind gezwungen, in überfüllten Reservaten oder in Lagern am Straßenrand zu leben, in denen Unterernährung, Krankheiten und Selbstmord weit verbreitet sind.
  Im vergangenen Monat forderten die Vereinten Nationen dringend Maßnahmen für die Guarani zu ergreifen, angesichts der „Kampagne von Farmern, Psychoterror zu verbreiten“. Jedoch haben die brasilianischen Behörden versäumt, den notwendigen Schutz zu bieten.
  Die Farmer versuchen, die Guarani davon abzuhalten, Semião auf seinem angestammten Land zu begraben. Die Indigenen fordern daher Schutzmaßnahmen durch den Staat, um Semião zu begraben und weitere Todesfälle zu verhindern.
  Laut Stephen Corry, Direktor von Survival International, der globalen Bewegung für die Rechte indigener Völker, ist an diesem Mord besonders erschütternd, dass die Guarani wussten, dass ihre Wiederbesetzung möglicherweise mit dem Tod enden würde. Die Semião-Gemeinde ließ sich jedoch weder durch das angekündigte Blutvergießen der Farmer, noch durch die vielen Morde, die dem vorausgegangen waren, beirren. Warum? Weil das Land, das sie wiederbesetzen, ihnen gehört. Vor Jahren hat Brasilien dies anerkannt. Heute fühlt es sich jedoch zu sehr den Lobbyisten verpflichtet, als dass es seine Zusage, das Land zurückzugeben, einhalten würde. Solange es sein Versprechen nicht einhält, werden noch mehr unschuldige Menschen sterben.
  Quelle: Survival International
  Das Regenwald-Institut plant derzeit ein Agroforst-Projekt mit den Guarani-Indianern. Ziel des Projektes ist es, den Guarani aus der Armutsfalle zu helfen und Teile ihres Landes wieder aufzuforsten.
  
  18.8.2015
  Deutschland und Brasilien wollen Zusammenarbeit für Wald- und Klimaschutz intensivieren
  Im Vorfeld der deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen findet am Mittwoch (19. August) in Brasilia eine hochrangige Konferenz statt, bei der es um die Vertiefung der deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit in den Bereichen Wald, Klimawandel und Biodiversität geht. Zu der Konferenz werden 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Regierung, Verwaltung und Zivilgesellschaft beider Länder erwartet.
  Die Konferenz fällt in eine wichtige Zeit. Deutschland und Brasilien können angesichts der neuen globalen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs), der bevorstehenden Konferenzen der Klimarahmenkonvention in Paris und des Übereinkommens über biologische Vielfalt in Cancún mit ihrer Zusammenarbeit zu einer nachhaltigen globalen Entwicklung beitragen.
  Deutschland und Brasilien blicken auf eine lange Zusammenarbeit im Umweltbereich zurück. Seit dem Start des Pilotprogramms zur Erhaltung der brasilianischen Regenwälder auf dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro wurde die Z usammenarbeit im Bereich Wälder, Klima und biologische Vielfalt stetig ausgebaut und vertieft. Neben der bilateralen Ebene ist Brasilien auch ein zentraler Partner zur Lösung globaler Umweltprobleme.
  Quelle: Pressemitteilung BMU vom 17.8.2015
  Wir werden das natürlich mit Spannung beobachten...
  
  01.08.2015
  Beim Bau des Megastaudamms Belo Monte am Rio Xingu gibt es massive Ethnozid-Vorwürfe
  Mehr dazu lesen Sie unter diesem Link
  
  05.07.2015
  USA-Reise der Brasilianischen Präsidentin
  Dilma Rousseff ist in Washington zu Gast und kündigt ehrgeizige Umwelt- und Klimaziele an. Was das im einzelnen sein soll, können Sie unter diesen Links nachlesen:
  Wiener Zeitung
  Deutsche Welle
  
  23.6.2015
  Der Staudamm-Wahnsinn in Amazonien geht weiter: "Count down am Rio Tapajós"
  Am Donnerstag, dem 9.07. 2015, 19.30 Uhr, findet im „Haus am Dom“ in Frankfurt a.M. die bundesweite Premiere des neuen Dokumentarfilmes „COUNT DOWN AM TAPAJOS“ statt.
  Im Zentrum des Filmes steht die Situation am Amazonasfluß Tapajos. Dort will die brasilianische Regierung sieben Großstaudämme errichten:
  „Fluss, Land, die Wälder und die Fische. All das bedeutet Leben“, sagt Krixi Munduruku. Doch das ist jetzt in Gefahr. Am Tapajos, einem der großen Nebenflüsse des Amazonas. Dort will die brasilianische Regierung sieben Großstaudämme errichten. Rund 200 000 Hektar Urwald sind bedroht. Und Indigene wie die Munduruku.
  Doch die Munduruku haben die Landvermesser verjagt, Straßen blockiert und Ende 2014 eine große Protestversammlung durchgeführt. Gemeinsam mit drei katholischen Bischöfen, darunter Bischof Kräutler vom Nachbarfluss Xingu, an dem gerade der drittgrößte Staudamm der Welt entsteht.
  Mit über Hundert neuen Staudämmen will Präsidentin Dilma Rousseff angeblich den Energiehunger Brasiliens stillen. Doch in Wirklichkeit geht es um Milliarden für Baukonzerne und illegale Parteienfinanzierung. „Das ist eine kriminelle Vereinigung“, sagt der katholische Bischof von Santarem, Dom Flávio Giovenale. Und verweist auf den Korruptionsskandal um den halbstaatlichen Erdölkonzern „Petrobras“, bei dem es gerade ums politische Überleben der Präsidentin und ihres Vorgängers Lula geht. Doch auch europäische Weltfirmen wie Siemens wollen am Staudammboom kräftig mitverdienen. Dabei gäbe es längst Alternativen: die Solar- und Windenergie. Eine spannende Reportage von Martin Keßler. Im Kontext der aktuellen Papstenzyklika zur Bedrohung der Schöpfung, in die die Erfahrungen am Xingu und Tapajos mit eingeflossen sind.
  Im Anschluß an den Film Diskussion über die aktuelle Lage in Amazonien und die Papstenzyklika zur Bedrohung der Schöpfung mit: Thomas Brose (Klimabündnis), Martin Keßler (Filmemacher), Thomas Schmidt (Misereor), Dr. Thomas Seiterich (Publik-Forum). Moderation: Katja Strobel (Leserinitiative Publik-Forum)
  Die Kurzfassung des Filmes (8 min)können Sie sich hier ansehen
Weitere Infos gibt es unter: neuewut.de
  
  22.6.2015
  Derzeit in aller Munde: DIE ENZYKLIKA DES PAPSTES - mit deutlichen Worten gegen die Umweltzerstörung und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen.
  Zur Umwelt-Enzyklika hat sich auch der bekannte "Amazonas-Bischof" Dom Erwin Kräutler geäußert. In einem Interview mit "Spiegel-Online" gibt er seine Meinung zu den päpstlichen Äußerungen wider:
  "Besonders berühren mich natürlich die Stellen, in denen von Amazonien und der Bedeutung der tropischen Regenwälder die Rede ist, dort wo der Papst auf die Rechte der indigenen Völker zu sprechen kommt. Für sie hat ihr Land keinen wirtschaftlichen Wert, sondern es ist ein Geschenk Gottes, es ist heiliges Land, in dem ihre Vorfahren ruhen, das ihre Identität ausmacht und ihre Werteskala bestimmt. Bei der ersten Lektüre habe ich sofort gespürt, dass der Papst nicht von einer anonymen Umwelt spricht, etwas außerhalb von uns, sondern genau das feststellt, was ich im Zusammenhang mit den indigenen Völkern Amazoniens seit Jahren vertrete: Die Umwelt ist unsere "Mit-Welt". Ohne sie leben wir nicht".
  Das gesamte Interview lesen Sie bei "Spiegel-Online" unter folgendem Link
  
  26.5.2015
  Der 34. Bericht an den Club of Rome thematisiert die Zukunft der tropischen Regenwälder
  Dazu schreibt der WWF in einer Pressemitteilung:
  Berlin - Der Klimawandel und die industrielle Landwirtschaft werden immer stärker zum Waldkiller, dies ist die zentrale Botschaft des neuen Berichts an den Club of Rome. Claude Martin, langjähriger Generaldirektor des WWF International, liefert darin einen Zustandsbericht über die tropischen Regenwälder der Welt und wagt eine Prognose zu deren Zukunft. Fast die Hälfte der Tropenwälder sei bereits dem Hunger nach Land, Holz, Fleisch und anderen Agrarprodukten zum Opfer gefallen. Mit dem fortschreitenden Klimawandel werde der Wald zunehmend in die Zange genommen. Dürren und Waldbrände werden zunehmen. Das treffe besonders Gebiete, die ohnehin durch wachsende Soja- oder Palmölplantagen und immer größere Rinderherden massiv unter Druck geraten seien. „Das Zusammentreffen von Agrarindustrie, Klimawandel und Zerstückelung der Flächen durch Straßen ist ein tödlicher Giftcocktail“, so Claude Martin. „Wenn die Regenwälder verschwinden, kippt unser Klima und wenn wir den Klimawandel nicht bremsen, werden die Tropenwälder kaum zu retten sein.“
  Der Bericht an den Club of Rome macht deutlich, dass viel auf dem Spiel steht. Trotz jahrzehntelangem Raubbau sind die verbliebenen Waldflächen am Amazonas in Zentralafrika und in Asien noch immer gigantisch. Sie umfassen mehr als eine Milliarde Hektar, eine Fläche die größer ist als die USA. Die Analyse der aktuellen Entwaldungstrends legt nahe, dass bis 2050 ein weiterer Verlust von Primärwäldern von mindestens 100 Millionen Hektar zu befürchten ist. Das entspricht etwa der doppelten Größe Spaniens. Der WWF hält sogar noch weit größere Verluste für realistisch. Zwar seien die Abholzungen in den vergangenen Jahren in einigen Regionen deutlich zurückgegangen, doch vom Ziel der Vereinten Nationen, die globale Entwaldung bis 2030vollständig zu stoppen, sei man weit entfernt.
  „Das Endspiel um den Erhalt der letzten Tropenwälder hat längst begonnen“, fasst Claude Martin die aktuelle Situation zusammen. Noch sei das Schicksal der Tropenwälder nicht besiegelt. Es bedürfe aber gewaltiger Anstrengungen, dieses Naturerbe zu bewahren. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten seien die Staaten gefordert, den Waldschutz in den Tropenländern gesetzlich zu verankern, praktisch umzusetzen und Finanzströme umzuleiten.
  Ein weiterer zentraler Punkt sei die Veränderung des Konsumverhaltens der Menschen in den Industrie- und zunehmend auch in den Schwellenländern. Besonders die Nachfrage nach Fleisch, Futtermittel und Biokraftstoffen dürfe nicht weiter im großen Stil auf Kosten der Tropenwälder gehen.
  Diese Einschätzung wird vom WWF geteilt. Jörg Andreas Krüger, Leiter des Fachbereichs Biodiversität beim WWF Deutschland fordert: „In den Tropenländern müssen Schutzgebietssysteme und Landnutzungsplanungen entwickelt werden, die einen wirkungsvollen Schutz der Wälder ermöglichen. Bei der finanziellen und technischen Unterstützung ist auch Deutschland in der Verantwortung.
  Ein zentraler Schauplatz, an dem sich das Schicksal der Tropenwälder entscheidet, ist das Amazonasbecken. Hier findet sich der größte Regenwaldblock der Erde mit 530 Millionen Hektar, der sich auf neun lateinamerikanische Staaten verteilt. Besonders im Fokus steht Brasilien. „Das Land hat große Erfolge im Regenwaldschutz im Amazonas erzielt und kann für andere Staaten in Zentralafrika oder in Asien als Modell funktionieren“, erkennt Jörg-Andreas Krüger an. Leider sei Brasilien dabei, die Erfolge leichtfertig kurzfristigen Profitinteressen der Agrar- Energie und Bergbauindustrie zu opfern. Falls aktuelle Reformpläne umgesetzt werden, könnten selbst bestehende Naturschutzgebiete und indigene Schutzgebiete aufgelöst und erschlossen werden. Nicht nur für den Wald wäre das fatal: Im Amazonas leben mehr als 300 indigene Kulturen, einige von ihnen ohne Kontakt zur Außenwelt. Ihre Territorien haben sich gegenüber der Entwaldung als noch widerstandfähiger erwiesen als staatliche Naturschutzgebiete „Der Schutz der Kulturen und Rechtsansprüche indigener Völker ist ein zentraler Schritt zum Schutz der Wälder, konstatiert Claude Martin in seinem Bericht an den Club of Rome. „Es geht nicht allein um die Bewahrung einer biologischen Schatzkammer. Wälder versorgen uns mit sauberem Wasser, schützen uns vor Erosion und Fluten und stabilisieren unser Klima. Setzen wir das aufs Spiel, verlieren wir mehr als ein paar Prozente Wirtschaftswachstum“.
  Der Club of Rome ist ein Zusammenschluss namhafter Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft aus mehr als 30 Ländern. Die 1968 gegründete gemeinnützige Organisation setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein.
  Und in der Presse finden sich dazu folgende Artikel:
  Schweizerbauer
Neues Deutschland
  
  24.4.2015
  Sao Paulo mit mehr als 20 Millionen Einwohnern sitzt auf dem Trockenen...
  ... und was das mit Amazonien zu tun hat, beschreibt ein interessanter Artikel der aktuellen Le Monde Diplomatique.
  "Die Ursache für die Dürre liegt weiter im Norden, im Amazonas-Urwald, der abgeholzt wird, um Platz für Sojaanbau und Rinderherden zu schaffen. Brasilien steckt in einer Zwickmühle: Die Agrarindustrie, der Grundpfeiler des Außenhandels, schluckt fast 70 Prozent des insgesamt verbrauchten Wassers. Allein mit dem Export von Landwirtschaftserzeugnissen werden jährlich 112 Billionen Liter Süßwasser quasi ins Ausland ausgeführt.(5) Die Landwirtschaft ist auf die kräftigen Regenfälle im Urwald angewiesen; dessen Abholzung zum Zweck weiterer Ausdehnung der Nutzflächen bringt aber alles in Gefahr."
  Den Artikel finden Sie unter diesem Link:
  
  06.4.2015
  Zum Thema CO2-Speicher Amazonasregenwald...
  ... gab es in den letzten Tagen einige Artikel in deutschen Printmedien, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:
  In Spiegel Online:
  In der Süddeutschen:
  Im Deutschlandfunk:
  Im Geo-Magazin:
  
  17.3.2015
  Eu-Importe beschleunigen illegale Abholzung von Regenwäldern
  Die Nachfrage nach verschiedenen Produkten in Europa ist einer der wichtigsten Treiber für illegale Abholzung in den Tropen. Zu diesem Ergebnis kommt die Brüsseler Umweltorganisation "Fern" in einer Studie.
  Demnach führte die Europäische Union 2012 Soja, Rindfleisch, Leder und Palmöl im geschätzten Wert von sechs Milliarden Euro ein, für deren Erzeugung unerlaubt Wald gerodet worden sei. Das entspricht dem Autor zufolge beinahe einem Viertel der weltweit gehandelten Menge.
  In den zwölf Jahren nach der Jahrtausendwende sei dafür alle zwei Minuten eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes abgeholzt worden. Deutschland gehört dem Bericht zufolge mit Gütern im Wert von rund 800 Millionen Euro zu den Hauptzielländern in Europa. Den Großteil machten dabei Soja und Palmöl aus. Auch in den Niederlanden, Großbritannien, Italien und Frankreich seien viele der Waren gelandet.
  "Der EU-Verbrauch zerstört nicht nur die Umwelt und trägt zum Klimawandel bei", erklärte Studienautor Sam Lawson. "Da die Entwaldung illegal ist, befeuert sie auch Korruption und führt zu Einkommensverlusten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen." Kritiker würden bedroht, angegriffen und getötet.
  Der Sprecher von EU-Umweltkommissar Karmenu Vella erklärte auf Anfrage: "Die Kommission ist sich des Problems der Entwaldung und seiner vielfältigen Ursachen bewusst." Die EU behalte die globalen Umweltfolgen ihres Konsums im Blick. Falls nötig sei sie auch bereit, politische Vorschläge zu machen.
  Der Löwenanteil der Produkte aus illegalen Rodungen kommt nach Angaben des Berichts aus Brasilien, gefolgt von Indonesien. Mit einigem Abstand kommen die Herkunftsländer Malaysia, Paraguay, Argentinien und Uruguay. Doch die Bedeutung anderer Lieferanten dürfte in der nahen Zukunft wachsen, prognostiziert der Autor. Er verweist auf weitere lateinamerikanische Staaten und einige afrikanische Länder sowie Papua Neuguinea, Kambodscha und Laos.
  Die Umweltschützer verlangen von der EU entschiedeneres Vorgehen und einen umfassenden Aktionsplan. Zwar gibt es EU-Vorschriften für Holzimporte. So darf Holz aus unerlaubten Rodungen in Europa nicht in den Verkehr gebracht werden, Händler sind zu besonderer Sorgfalt verpflichtet. Doch inzwischen würden Bäume vor allem illegal gefällt, um Platz für die Landwirtschaft zu schaffen, so Fern. Die EU müsse dies in Handelspartnerschaften mit betroffenen Ländern stärker berücksichtigen.
  Innerhalb der EU-Kommission wird nach Angaben von Vellas Sprecher die Möglichkeit eines Aktionsplans gegen den illegalen Handel mit Tieren und Pflanzen erwogen, der auch den Holzhandel umfassen würde. Mit Blick auf einen speziellen Aktionsplan zur Entwaldung erklärte die Behörde, sie prüfe Handlungsmöglichkeiten, es sei aber zu früh für konkrete Aussagen.
  Hannah Mowat von Fern erklärte: "Die EU hat eine wichtige Gelegenheit die Entwaldung zu stoppen, wenn sie sich mit ihrem Handel und ihrem Verbrauch an Agrargütern befasst."
  Quelle: PNP vom 17.3.2015
  
  19.2.2015
  "Stau im Amazonas" - eine sehr empfehlenswerte Reportage von Carl von Siemens.
  Richtig - Carl von Siemens ist Teil der Industriellen-Dynastie. Er und seine Familie profitieren von den unsäglichen Staudammprojekten in Amazonien. Er bekam Bedenken und reiste in den Regenwald. Die ansprechende Reportage in "Das Magazin", eine Wochenendbeilage der vier großen deutschsprachigen Zeitungen in der Schweiz leidet etwas unter dem schwachen Schluß, wie wir meinen. Aber lesen Sie selbst:
  Unter diesem Link
  
  06.02.2015
  Wo Regenwälder gerodet werden steigen die Malariafälle signifikant an
  Nirgendwo war zuletzt die Chance höher, sich mit Malaria zu infizieren, als in den besonders stark gerodeten Amazonas-Gebieten im Osten des Regenwalds. Forschungen ergaben einen 48-prozentigen Anstieg der Krankheitsfälle im Vergleich zum Rest des Gebiets. Stellenweise zählten die Forscher mehr als vier Infizierungen pro Person über einen Zeitraum von zwölf Monaten.
  Einer, der die Zusammenhänge über Jahre erforscht hat, ist Christian Borgemeister. "Mücken lieben es, wenn Wälder gerodet werden", erklärt der Direktor des Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) an der Uni Bonn. "Sie mögen das zusätzliche Licht und die wenigen natürlichen Feinde. Das ist idealer Lebensraum für Stechmücken". Und dort haben die großen Errungenschaften der Malariabekämpfung kaum Auswirkung.
  Denn neben neuen Medikamenten sorgte vor allem ganz simpler Schutz für einen Rückgang der Malaria: Netze und Anti-Mückenspray. Einst stachen die Mücken vor allem in der Nacht und in geschlossenen Räumen. Also wurden Netze verteilt, die schützten fortan die Bewohner und ließen die Population der verbreitetsten Überträgerarten schrumpfen. "Deren Platz wurde durch bisher unbedeutende Arten eingenommen, die sich in den Wäldern entwickelten und sich anders verhalten. Statt Nachts stechen sie nun am Tag, statt in geschlossenen Räumen suchen sie auch Menschen im Freien", erklärt Borgemeister.
  Fündig werden sie, dank der zunehmenden Infrastruktur, gleich an Ort und Stelle - nicht nur in den Amazonasgebieten von Brasilien und Peru, auch in afrikanischen Waldgebieten. Borgemeister forschte zwischen 2005 und 2013 in Kenia und berichtet: "Durch Straßen, Landwirtschaft und andere Wirtschaftsproduktionen in den gerodeten Gebieten kommen immer mehr auswärtige Menschen in die Wälder." Anders als die Einheimischen, die dank neuer Medikamente mittlerweile oftmals eine Toleranz gegen Malaria entwickelt hätten, seien diese Gastarbeiter oder Touristen anfällig für die Mückenstiche. "Ich selbst war Dutzende Male infiziert. Natürlich erkrankt man, der Krankheitsverlauf ist aber moderater, wenn man mit ihr aufwächst", erzählt der Bonner Professor. Außenstehende hingegen trifft die Krankheit "mit voller Wucht, die meisten sterben daran", so Borgemeister.
  Diese Problematik ergibt sich seit einigen Jahren auch in anderen Regionen: den Höhenlagen von Kenia, den Eastern Highlands beispielsweise, aber auch in den Höhenlagen Südamerikas. Das kalte Klima schreckte die Moskitos traditionell ab - dann setzte die Erderwärmung ein. "Für gewöhnlich sind Kinder und alte Menschen für Malaria anfällig", sagt der Ostafrika-Experte. "In diesen Regionen, in denen Malaria nie ein Problem war, gefährdet es nun alle Altersklassen."
  Noch stellen die geschilderten Faktoren nur einen kleinen Teil aller Krankheitsfälle - doch entgegen des Trends nehmen diese Fälle zu. Hier endet derzeit die Erfolgsgeschichte.
  Quelle: General Anzeiger, Clemens Boisserée
  
  19.1.2015
  Im Südosten Brasiliens wird das Trinkwasser knapp
  Teile Brasiliens leiden unter einer Jahrhundertdürre. Auch Südamerikas größte Metropole São Paulo könnte bald auf dem Trockenen sitzen. Die Stauseen sind fast leer - Grund dafür ist laut Experten auch die Abholzung des Regenwaldes.
  Wenn José Bernardo am Wasserhahn dreht, kommt kein Tropfen mehr heraus. Schon seit Mitte Dezember ist das Wasser seiner Heimatstadt Itú rationiert. Zuvor, im Oktober und November, hatte der Rentner 48 Tage kein Wasser. "Wir sind so verzweifelt", sagt der 72-Jährige. "Wie soll man denn ohne Wasser überleben?"
  Das Schicksal von Itú, rund 100 Kilometer von São Paulo entfernt, wird bald auch die größte Stadt Südamerikas treffen: Die Stauseen, die Brasiliens Industriemetropole versorgen, sind fast ausgetrocknet. Die größte Dürre seit 80 Jahren macht den Brasilianern zu schaffen. Doch Fehlplanungen, mangelnde Investitionen und Umweltzerstörung haben die Krise verschärft.
  Lange hat die Politik die Lage beschönigt. Jetzt musste São Paulos Gouverneur Geraldo Alckmin eingestehen, dass für alle Stadtteile das Wasser rationiert wird. In einigen Vierteln, vor allem am Rand der 21-Millionen-Einwohner-Metropole, bleibt der Wasserhahn ganz trocken, in anderen Stadtteilen nur stundenweise.
  Mängel bei der Logistik des Wassers
  In Itú haben die Einwohner schon in den vergangenen Monaten leidvolle Erfahrungen gemacht. Die Stadtverwaltung versprach zwar, sie mit Wasser aus einem Tankwagen zu versorgen. Doch der kam nur einmal pro Monat vorbei. Die Menschen seien dann aufeinander losgegangen, hätten mit Steinen geworfen, sagt José Bernardo. Inzwischen hat er sein Auto gegen einen alten Kombi getauscht, um selbst Wasser aus der Nachbarstadt heranschaffen zu können. "Das waren all unsere Ersparnisse", sagt er verbittert.
  Experten warnen seit langem vor einer Wasserkrise und zeigen Mängel in der Logistik auf. Fast die gesamte Metropolregion ist von dem riesigen Trinkwasserreservoir Cantareira abhängig, einem der größten weltweit. Sechs Stauseen sind über 48 Kilometer Tunnel und Pumpen miteinander verbunden. Rund 100 Kilometer muss das Wasser dann bis nach São Paulo zurücklegen. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern gibt es rund 30 Prozent Verlust beim Transport.
  Inzwischen ist in Cantareira der letzte Vorrat, die sogenannte "tote Reserve", angebrochen: Das Wasser liegt unter dem Abflussniveau und muss hochgepumpt werden. Bald wird aber auch dieser Speicher aufgebraucht sein.
  Abholzung des Regenwaldes zerstört den Kreislauf
  Auch Umweltexperten mahnen schon lange. Der Biologe Philip Fearnside vom Nationalen Amazonas-Forschungsinstitut Inpa verweist auf Auswirkungen der Abholzung des Amazonas. "Wir können die Dürre nicht allein aus diesem Umstand erklären, aber es gibt einen eindeutigen Zusammenhang", sagt er. Denn die feuchten Luftmassen, die für die Regenfälle im Süden des Landes verantwortlich sind, kommen aus dem Amazonas. Die massenhafte Abholzung des Regenwaldes habe den Kreislauf gestört, erklärt Fearnside. Die Wurzeln der Bäume könnten nicht mehr genug Wasser ziehen, um es später wieder freizugeben - für Wolken, die den nötigen Regen in den Süden bringen.
  Ist der Kreislauf intakt, kann ein Baum täglich Hunderte Liter Wasser freisetzen, die verdunsten und eine riesige feuchte Decke bilden. Diesen Wolkenströmen hat der Klimawissenschaftler Antonio Nobre den Namen "fliegende Flüsse" gegeben. Sie ziehen vom Amazonas westwärts bis zu den Anden, dann nach Süden in Richtung Buenos Aires und schwenken ostwärts nach São Paulo. Dort regnen die Wolkenmassen ab - normalerweise. Doch schon im vergangenen Jahr blieb der gewöhnlich starke Regen aus.
  Brasilien hat zwar in diesem Jahr wieder offiziell einen Rückgang der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes gemeldet - inoffizielle Satellitenauswertungen ergeben jedoch ein anderes Bild. Aber immer noch werden durchschnittlich pro Minute knapp drei Fußballfelder Regenwald vernichtet. Selbst der WWF warnt, dass es nicht ausreicht, die Abholzung zu verringern. Die Frist sei schon lange abgelaufen. Wenn wir überhaupt noch eine Chance haben, dann nur, wenn alle Flächen wiederaufgeforstet werden.
  Quelle: epd
  
  01.01.2015
  Das Ende der deutsch-ecuadorianischen Umweltbeziehungen
  Ecuador hat die Entwicklungszusammenarbeit mit Deutschland im Umweltbereich beendet. Mehr dazu lesen Sie hier.
  
  03.12.2014
  Zur UN - Klimakonferenz in Peru:
  Indigene und katholische Bischöfe in Brasilien auf den Barrikaden - über die "Karawane des Widerstandes" gegen die Zerstörung des Amazonasgebietes durch Großstaudämme.
  Zum Beginn der UN - Klimakonferenz in Peru haben Indigene und katholische Bischöfe in Brasilien mit einer "Karwane des Widerstandes" auf die zunehmende Zerstörung des Amazonasurwaldes durch Großstaudämme aufmerksam gemacht:
  Mit Booten und Schiffen sind sie den Tapajos hinaufgefahren. Einen der großen Nebenflüsse des Amazonas. Indigene, Flußbauern und Fischer. In einer beeindruckenden "Karawane des Widerstandes". Bis zum Ort Sao Luiz do Tapajos, wo die brasilianische Regierung den ersten von sieben Großstaudämmen am Tapajos errichten will. Gemeinsam mit drei katholischen Bischöfen der Region und zahlreichen NGOs, darunter Greenpeace Brasil, haben Hunderte Indigene vom Stamm der Munduruku am 27.11.2014 in einer großen Manifestation feierlich erklärt, dass sie weiter gemeinsam gegen die Zerstörung indigenen Lebensraumes und des Amazonasurwaldes durch immer neue Großstaudämme kämpfen werden.
  Bereits im letzten Jahr haben die Munduruku ihr Gebiet erfolgreich gegen Militär, Polizei und Landvermesser verteidigt. In diesem Jahr haben sie den Versteigerungstermin für die Lizenzvergabe für den ersten Staudamm am Tapajos gekippt. Ist die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff zurück gerudert, kurz vor den Wahlen. Doch jetzt, nach der Wiederwahl der Präsidentin, fürchten die Munduruku und die katholischen Bischöfe, dass die Regierung ernst macht. So wie am Amazonasfluss Xingu.
  "Nur der gemeinsame Widerstand im gesamten Amazonasgebiet kann die monströsen Pläne der Regierung stoppen. Dass ist das Signal dieser Karawane!", sagt Dom Erwin Kräutler, katholischer Bischof von Altamira. Der Stadt am Xingu, wo bereits 25 000 Bauarbeiter den drittgrößten Staudamm der Welt, Belo Monte, zur Hälfte fertig gebaut haben. "Riesige Urwaldgebiete werden vernichtet, die Indigenen vertrieben, Zehntausende umgesiedelt, eine einmalige Tier - und Pflanzenwelt zerstört", erklärt der Bischof, Träger des alternativen Nobelpreis und gebürtiger Österreicher. "Das alles läuft unter tatkräftiger Mitwirkung europäischer Firmen wie Andritz , Siemens, Alstom, dem Allianzkonzerns, der Münchener Rückversicherung, Mercedes Benz."
  Deswegen ist auch Christian Poirier vom der NGO "Amazonwatch" von Paris an den Tapajos gereist. Stellvertretend für zahlreiche europäische NGOs, die die "Karawane des Widerstandes" unterstützen. Schließlich sind es europäische Firmen, die am Staudammboom im Amazonasgebiet kräftig mit verdienen. Nicht nur indem sie Turbinen liefern, sondern auch am Amazonas riesige Aluminiumwerke betreiben und von dort aus das begehrte Metall in alle Welt exportieren, wie der norwegische Multi Norsk Hydro. Vor allem dafür braucht man immer mehr Strom und immer neue Staudämme. Obwohl das Gefälle des Amazonas so gering ist, dass man riesige Urwaldflächen fluten muss, um ausreichend elektrische Energie zu erzeugen.
  Trotzdem will die Regierung über Hundert neue Staudämme im Amazonasgebiet errichten. Obwohl Brasilien schon jetzt zu 85 % von Energie aus Wasserkraft abhängig ist. Obwohl bereits heute viele Staudämme nur noch notdürftig mit Wasser gefüllt sind. Denn immer öfter bleibt der Regen aus. Eine Folge der fortschreitenden Zerstörung des Amazonasurwaldes.
  "Das ist wider alle Vernunft", beklagt Bischof Kräutler. Und verweist darauf, dass die Regierung vor allem den großen brasilianischen Baukonzernen wie Odebrecht verpflichtet ist, die Milliarden am Bau der Großstaudämme verdienen. Und die die größten "Spender" der politischen Parteien in Brasilien sind. "Das ist der wahre Grund für den ungebremsten Staudammbau", sagt der Bischof. Die europäischen Konzerne setzten sich einfach drauf, auf diese korrupte Struktur. Um ihre Geschäfte zu machen. Bis heute habe keine dieser Firmen mit den Indigenen oder ihm gesprochen. "Die machen einfach weiter, wie bisher."
  Doch das wollen europäische NGOs wie "Amazonwatch", "Gegenströmung", "Gesellschaft für bedrohte Völker" oder "Rettet den Regenwald" nicht einfach durchgehen lassen. "Wenn die europäischen Firmen aus den desaströsen Folgen von Belo Monte nichts gelernt haben und sich auch an den geplanten Staudämmen am Tapajos beteiligen", sagt Christian Russau von "Gegenströmung", "dann werden wir sie auch in Europa zur Verantwortung ziehen. Dann werden wir sie mit einer Kampagne konfrontieren, die für ihr Image nicht ohne Folgen bleibt!".
  Die Munduruku freuen solch klare Worte. Sie hoffen auf eine Welle internationaler Unterstützung. Wie 1989, als Rockstars wie Sting sich an die Spitze der Proteste stellten. Mit Erfolg. Über 20 Jahre konnte Belo Monte so verhindert werden. Heute wird der Megastaudamm gebaut. Auch weil sich Menschen in Europa mehr für den Erhalt ihres eigenen Wohlstandes interessieren und oft nicht mehr über den Tellerrand ihrer nationalen "Energiewende" hinaus schauen.
  In Brasilien selbst scheint jetzt einiges in Bewegung zu geraten. Wird das Land von einem riesigen Korruptionsskandal erschüttert. Über Jahre hinweg sollen die großen Baukonzerne bei dem staatlich kontrollierten Erdölkonzern Petrobras umgerechnet 3 Milliarden Euro durch überhöhte Rechnungen abkassiert und z.T. in die Taschen korrupter Politiker umgeleitet haben. Ganz vorne mit dabei Unternehmen wie Odebrecht, die sich auch bei Belo Monte und anderen Großstaudämmen eine golden Nase verdienen. Direktoren von Odebrecht sitzen jetzt in Untersuchungshaft - gemeinsam mit zwei Dutzend Unternehmenschefs. Auch für Präsidentin Rouseff selbst wird die Lage zunehmend bedrohlich. Hatte sie als frühere Energieministerin doch die Aufsicht über Petrobras. Laut Aussagen von verhafteten Insidern soll sie von den kriminellen Praktiken gewußt haben. Genauso wie der damalige Präsident Lula.
  In Brasilien ist man gespannt, was die verhafteten Baumanager noch so alles ausplaudern werden. Auch über die schon lang vermutete Korruption beim Bau von Belo Monte und den anderen Großstaudämmen im Amazonasgebiet. Das sollte europäischen Spitzenmanagern von Siemens oder Andritz eine Lehre sein. Sie wüssten genau, was in Brasilien laufe, sagt Bischof Kräutler und trügen eine Mitverantwortung. Eines Tages würden auch sie hoffentlich zur Rechenschaft gezogen für Ihre Beteiligung an Belo Monte und den anderen Großstaudämmen - wegen Verbrechen gegen die Umwelt und die Menschenrechte.
  Wegen dieser Mitverantwortung hat der brasilianische Staatsanwalt Felicio Pontes die europäischen Firmen mit deutlichen Worten bereits vor dem EU - Parlament angeklagt. Bis heute hat keine dieser Firmen darauf reagiert. Doch Staatsanwalt Felicio Pontes und seine Kollegin Fabiana Schneider lassen nicht locker. Sie sind auch vor Ort bei der Karawane des Widerstandes am Tapajos und haben den Munduruku ihre volle Unterstützung zugesichert. Bei der Verteidigung ihrer verfassungsmäßigen Rechte. Gegen das gesetzeswidrige Vorgehen der brasilianischen Regierung, die die Indigene bis heute nicht angehört hat.
  Der Dokumentarflimer Martin Keßler hat zum Irrsinn Belo Monte empfehlenswerte Dokumentationen produziert. Weiteres dazu unter www.neuewut.de.
  
  24.11.2014
  Die Abholzung am Amazonas und die Auswirkungen auf das Klima
  In der TAZ findet sich ein interessanter Artikel zu dieser Problematik und zeigt, wie die Brasilianische Regierung das Problem schönredet. Den Artikel finden Sie hier.
  
  22.10.2014
  Dramatischer Anstieg der Abholzung am Amazonas
  Wie die brasilianische Behörde IMAZON zur Überwachung des Amazonasgebietes mitteilt, gab es im September eine dramatische Zunahme der Waldvernichtung um 290% im Vergleich zum September 2013. Wurden im September letzten Jahres noch 103 km² Regenwald zerstört, so waren es im September diesen Jahres 402 Quadratkilometer!
  Noch schlimmer sieht es bei den Flächen aus, die noch nicht vollständig gerodet wurden, d.h. wo zunächst mehr oder weniger selektiv eingeschlagen wurde. Im September letzten Jahres war das auf einer Fläche von 16 Quadratkilometern der Fall. In diesem September wurden 624 km² Regenwald "kannibalisiert" - eine Zunahme um unglaubliche 3800%!
  Passend zu diesem Bericht, ein Artikel in der FR über illegalen Holzeinschlag am Amazonas. Zum Artikel kommen Sie über diesen Link.
  
  06.10.2014
  Staatengemeinschaft verpflichtet sich zu einem Stopp der Entwaldung bis 2030
  Mit der „New York Declaration on Forests“ auf dem UN-Sondergipfel zum Klimaschutz verpflichtet sich die Staatengemeinschaft zu einem Stopp der Entwaldung bis 2030 sowie zum Aufbau entwaldungsfreier Lieferketten. Die SPD-Bundestagsfraktion unterstützt diese Erklärung.
  Es kommt nicht alle Tage vor, dass Staaten, Unternehmen, Umweltschutzverbände, Forschungsorganisationen und Menschenrechts-gruppen für indigene Völker mit einer gemeinsamen Erklärung an die Weltöffentlichkeit treten. Umso beachtlicher ist die „New York Declaration on Forests“, die deren 150 Unterschriften trägt. Wir freuen uns über die Einigkeit aller Beteiligten, denn wer effektiven Klimaschutz betreiben will, muss die tropischen Regenwälder schützen. Die Weltgemeinschaft muss alle denkbaren Anstrengungen unternehmen, die verbliebenen Wälder zu erhalten und gleichzeitig beginnen, die zerstörten Wälder wieder aufzubauen. Ein Ziel der Vereinbarung ist der Wiederaufbau von 350 Millionen Hektar Wald bis 2030.
  Deutschland wird 750 Millionen Euro in den neuen Green Climate Fund (GCF) einzahlen. Damit werden Programme in Entwicklungsländern finanziert, die Entwaldung nachweisbar vermeiden und Emissionen reduzieren. Mit Barbara Hendricks haben wir eine engagierte Umweltministerin, die nicht nachlassen wird, den Schutz der Tropenwälder mit konkreten Maßnahmen umzusetzen.
  Dafür steht beispielhaft die neue Waldschutz-Partnerschaft zwischen Peru, Norwegen und Deutschland. Peru verfügt mit seinem tropischen Regenwald über einen der größten Kohlenstoffspeicher der Welt. Diese Partnerschaft ist umso wichtiger, weil Deutschland in der letzten Legislaturperiode trotz Zusage die Yasunì-Initiative nicht mehr unterstützt hat.
  Die weltweite Rodung von Wäldern setzt weitgehend unbemerkt von der öffentlichen Aufmerksamkeit mehr klimaschädliche Treibhausgase frei als der weltweite Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft zusammen.
  
  21.9.2014
  Endlich: Greenpeace versucht Urwaldnutzung durch FSC zu korrigieren
  Wir fordern schon seit vielen Jahren vergeblich, dass der FSC den Holzeinschlag in Primärwäldern untersagt. Jetzt scheint auch Greenpeace verstanden zu haben, dass Primärwald nach einem Holzeinschlag kein Primärwald mehr ist:
  Von Anja Franzenburg, Greenpeace-Online, 16.9.14
  Eine Einigung war nicht leicht: Die Mitglieder des FSC sind so unterschiedlich wie ihre Interessen. Zur Vollversammlung in Sevilla (Spanien) kamen Vertreter aus aller Welt - aus der Wirtschaft Vertreter von Holzfirmen in Hemd und Anzug, aber auch Umweltorganisationen und Indigene in zum Teil traditioneller Kleidung. Und dennoch ist der Antrag von Greenpeace International, die größten ursprünglichen Waldgebiete (IFL - Intact Forest Landscapes – dt. intakte Waldlandschaften) zu schützen, mit großer Mehrheit beschlossen worden. Erst letzte Woche hatte Greenpeace zusammen mit der University of Maryland und dem World Resources Institute eine Karte veröffentlicht, die erstmals die rasante Zerstörung der letzten intakten Waldwildnis dokumentiert.
  "Wir sind sehr froh über das Ergebnis", sagt Sandra Hieke, Waldexpertin von Greenpeace. " Die Verhandlungen waren sehr schwierig, sind jedoch ein gutes Beispiel dafür, wie der FSC funktionieren kann. Durch inhaltliche Diskussionen haben wir es geschafft, die große Mehrheit der über 600 Mitglieder der Vollversammlung davon zu überzeugen, den Urwaldschutz ernst zu nehmen." Vielleicht haben auch die kleineren Aktionen zum Gelingen beigetragen: Greenpeace-Aktivisten ließen einen Herbststurm an Blättern auf die Mitglieder flattern. Sie reichten aber auch IFL-Cocktails und -Fächer, um die erhitzten Gemüter zu kühlen. Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International, machte in seiner Rede deutlich, dass der Schutz der letzten intakten Waldlandschaften auf unserem Planeten für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder dringend notwendig ist.
  Greenpeace sieht sich in der Verantwortung
  Greenpeace hat den FSC vor 20 Jahren mitgegründet, um eine Lösung für die Bewirtschaftung von Wäldern zu suchen, die ständig im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen liegen. Damals waren es noch Nischenprodukte, die das Siegel trugen. Heute können Verbraucher auf vielen Produkten - vom Besenstil bis zum Holzfußboden - das FSC-Logo finden und sich mit dem Einkauf bewusst für eine verantwortungsvolle Nutzung von Wäldern einsetzen.
  Durch das schnelle Wachstum ist der FSC aber auch in Regionen der Welt wie dem Kongobecken vorgedrungen, in denen eine glaubwürdige FSC-Zertifizierung äußerst schwer umzusetzen ist. Korruption und fehlende Strukturen machen aus unserer Sicht eine erfolgreiche, transparente Zertifizierung sehr schwierig - ohne konkrete Vorsichtsmaßnahmen und Regelungen geht der FSC hier ein großes Glaubwürdigkeitsrisiko ein.
  "Wir haben aber auch in anderen Ländern wie Finnland, Russland oder Kanada nachgewiesen, dass der Schutz der letzten intakten Waldlandschaften im Rahmen der FSC-Zertifizierung nicht ausreichend ist. Und den FSC damit konfrontiert", sagt Hieke.
  Da der FSC aber immer noch das einzig glaubwürdige Zertifizierungssystem für Waldbewirtschaftung ist, hat Greenpeace dafür gekämpft, Verbrauchern durch die Stärkung des FSC weiterhin ein glaubwürdiges Siegel zur Verfügung stellen zu können. Mit der Entscheidung der letzten Woche ist dafür ein großer Schritt getan: Der FSC wird Maßnahmen ergreifen, um die letzten intakten Waldlandschaften überwiegend zu erhalten. Zu den Maßnahmen gehört zum Beispiel, mit kleineren Unternehmen nach alternativen Bewirtschaftungsformen zu suchen. Auch die Rechte der traditionellen Waldbevölkerung sollen vermehrt berücksichtigt werden.
  Jetzt kommt es darauf an, dass dieser Beschluss auch zeitnah umgesetzt wird. Die von Greenpeace und anderen veröffentlichten Karten können dabei helfen, den FSC zur bisher ersten und einzigen Initiative zu machen, die in ihrem Verantwortungsbereich für ausreichenden Schutz der letzten großen Urwaldgebiete sorgt.
  
  21.8.2014
  325 Meter für die Klimaforschung
  Am 15. August fiel in Brasilien der Startschuss für den Bau des Klimamessturms ATTO. Vertreter der Max-Planck-Gesellschaft, des Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia (INPA), der Universidade de Estado Amazonas (UEA), und des Brasilianischen Forschungsministeriums gossen inmitten des Amazonas-Regenwalds das Fundament für einen 325 Meter hohen Messturm. Das Amazonian Tall Tower Observatory, kurz ATTO, soll wegweisende Erkenntnisse und Grundlagen für verbesserte Klimamodelle liefern und wird mit Messgeräten ausgestattet, die Treibhausgase und Aerosolpartikel messen und Wetterdaten sammeln. Der Turm wird im größten zusammenhängenden Regenwald der Erde stehen und ist daher für Klimaforscher von großer Bedeutung.
  „Die Messstelle ist weitgehend ohne direkten menschlichen Einfluss und daher ideal, um die Bedeutung des Waldgebietes auf die Chemie und Physik der Atmosphäre zu untersuchen“, sagte Jürgen Kesselmeier vom Max-Planck-Institut für Chemie aus Mainz während der Zeremonie, die aus Anlass des Baubeginns etwa 150 Kilometer nördlich von Manaus stattfand. Er sei stolz, nun den ersten Teil dieser einzigartigen Forschungsanlage anfassen zu können.
  Kesselmeier, der das Projekt von deutscher Seite aus koordiniert, bedankte sich bei allen Projektbeteiligten einschließlich der ehemaligen Staatssekretäre Frieder Meyer-Krahmer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Luiz Antonio Barreto de Castro vom Ministério da Ciência e Tecnologia (MCTI), die ATTO enthusiastisch unterstützt haben.
  „With ATTO we can observe our planet even better“, sagte INPA-Direktor Luiz Renator de França. Der Messturm sei für die Klima- und Atmosphärenforschung von globaler Bedeutung. In Anspielung auf die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft fügte er scherzhaft hinzu, dass Brasilien und Deutschland bei diesem Projekt auf gleichem Niveau zusammen spielen.
  Der brasilianische ATTO-Koordinator Antonio Ocimar Manzi betonte ebenfalls die hervorragende brasilianisch-deutsche Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes, das bereits 2009 startete. Er rechne mit der Fertigstellung des Turms zum Ende des Jahres, so dass nach Installation der Messgeräte bereits 2015 Forschungsdaten gesammelt werden könnten.
  Konkret erhoffen sich die Forscher, die Quellen und Senken von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid verstehen. Außerdem wollen sie die Bildung von Aerosolpartikeln untersuchen, die für die Wolkenbildung wichtig ist.
  Mit seiner Höhe von 325 Metern macht es der ATTO-Messturm möglich, den Transport von Luftmassen und deren Veränderung durch den Wald über eine Strecke von vielen hundert Kilometern zu untersuchen. Außerdem reichen seine Messinstrumente bis in stabile Luftschichten, in denen beispielsweise die Kohlendioxidkonzentration nicht dem Tag-Nacht-Wechsel durch Pflanzen ausgesetzt ist.
  ATTO wird zwei bereits existierende Türme deutlich überragen. An diesen je 80 Meter hohen Türmen werden bereits seit 2011 regelmäßige Voruntersuchungen zu Wetterbedingungen, Ozon,- CO2- flüchtige organische Verbindungen und stickstoffhaltige Spurengase sowie Aerosolen gemessen.
  Alle Informationen werden in Modelle münden, um bessere Aussagen über die Atmosphäre und unser Klima zu treffen, besonders mit dem Blickpunkt „Globaler Klimawandel“. Gleichzeitig können die ATTO-Daten aber auch in umweltpolitische Regelungen für eine nachhaltige Entwicklung der Amazonas-Region einfließen.
  ATTO wird auf deutscher Seite vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und auf brasilianischer Seite vom Institut für Amazonasforschung (INPA) geleitet. Es ist Teil eines gemeinsam mit Brasilien finanzierten Forschungsprojekts, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Zeitraum von 2010 bis 2015 mit 4,5 Millionen Euro gefördert wird.
  Der ATTO-Turm ist eine Stahlkonstruktion mit einer Grundfläche von drei mal drei Metern. Sie wird mit Drahtseilen, die von vier Ebenen des Turms abgehen werden, im Urwaldboden stabilisiert. Auf verschiedenen Höhen des Turms werden Plattformen für die wissenschaftlichen Messgeräte montiert. Nach oben werden die Forscher über einen mechanischen Aufzug oder eine umlaufende Treppe gelangen. Die Stahlkonstruktion des ATTO-Turms wurde in der südbrasilianischen Hafenstadt Curitiba gebaut und innerhalb von zwei Wochen mit sechs großen LKW auf einem Schubverband über den Rio Madeira, den Amazonas und den Rio Uatuma an den auf 131 Meter hochgelegenen Standort im Regenwald transportiert.
  Max-Planck-Gesellschaft Pressemitteilung
  
  04.08.2014
  Die Mär vom "guten", weil selektiven, Holzeinschlag in Primärwäldern
  Endlich gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass der z.B. von FSC, Greenpeace und WWF propagierte selektive Holzeinschlag in Primärwäldern großen Schaden anrichtet. Leider greift die kürzlich erfolgte Untersuchung eines Teams der ETH-Zürich zu kurz. In Mitleidenschaft wird nicht nur die Biodiversität gezogen, sondern der Primärwald insgesamt. Denn dieser ist nach dem Bau von Rückewegen, um die einzelnen gefällten Stämme aus den Wäldern herauszuholen, schlicht kein Primärwald mehr! Und diese Wege dienen darüber hinaus als "Einfallschneisen" für eine weitere Zerstörung der Wälder.
  Die Mitteilung der ETH-Zürich können Sie hier nachlesen.
  Das Abstract in der Zeitschrift "Current Biology" finden Sie hier.
  
  11.7.2014
  Palmöl-Gigant Wilmar plant weitere Abholzungen in Indonesien
  Wilmar International ist Asiens führender agroindustrieller Konzern und mit über einem Drittel der weltweiten Produktion, zudem der größte Vertreiber von Palmöl. Das tropische Öl steckt laut WWF in jedem zweiten Supermarktprodukt und ist somit einer der marktführenden Inhaltsstoffe der heutigen Zeit. Für seinen Anbau müssen aber immer wieder große Regenwaldgebiete weichen, da die vorhandenen Anbauflächen den steigenden Bedarf nicht mehr decken können. Auch Wilmar wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach mit Vorwürfen der Umweltzerstörung konfrontiert.
  Nach langjährigem, globalem Druck von Verbrauchern und Nichtregierungsorganisationen, wie zum Beispiel Greenpeace, unterschrieb der Großkonzern Wilmar im Dezember 2013 eine Null-Entwaldungs-Richtlinie. Diese sieht vor, dass für die Anlage neuer Palmölplantagen in Zukunft keine Wälder oder Gebiete gerodet und bearbeitet werden dürfen, die als relevante Kohlenstoffspeicher fungieren oder besonders wichtig für die Artenvielfalt sind und damit einen hohen Erhaltungswert, auch HCV (High Conservation Value) genannt, aufweisen. Es darf also trotz Richtlinie sehr wohl entwaldet werden, jedoch muss für die betroffenen Bereiche vorher ein hoher Erhaltungswert ausgeschlossen werden. Um zu garantieren, dass Gebiete für die Neuanlage von Plantagen nicht zu den HCV-Flächen zählen, wird im Vorhinein eine Bewertung durchgeführt. Diese soll sicherstellen, dass die Gegend weder für die Artenvielfalt, noch für das Klima von Bedeutung ist.
  In der Bucht von Balikpapan in Indonesien besitzt Wilmars indonesische Zweigstelle, PT WINA, eine Lizenz über eine Fläche von knapp 150 Hektar. Das Gebiet ist von Mangroven- und bereits leicht bearbeiteten - Wäldern bedeckt; der Bewuchs dient als Korridor und Verbindung zwischen verschiedenen Lebensräumen. Die Bucht von Balikpapan stellt ein fragiles Ökosystem dar, das als bedeutender Lebensraum für Primaten und ozeanische Lebensformen eingestuft wird. Auf der Internetseite Mongabay bezeichnet Stanislav Lhota, ein Forscher der tschechischen Universität für Biowissenschaften in Prag, das Terrain als essentiell für die Artenvielfalt vor Ort; so zum Beispiel für Orang-Utans, Nasenaffen und Malaienbären. Nun plant PT WINA auf der Fläche den Bau einer Ölraffinerie für Palmöl. Dies würde einen entscheidenden Einschnitt in die hochsensible Natur von Balikpapan bedeuten. Bereits im Januar 2013 berichtete der SAVE Wildlife Conservation Fund von den Gefahren, die eine Bearbeitung des Gebietes mit sich bringen würde.
  Gemäß Mongabay hat PT WINA, entsprechend der neuen Null-Entwaldungs-Richtlinien, sogar tatsächlich eine HCV-Einschätzung für das lizensierte Gebiet vornehmen lassen. Von der Website Greenindonesia wird allerdings angegeben, dass bei der Bewertung der Gegend Verfahrensmängel zu einer fehlerhaften Einschätzung geführt haben sollen. Entgegen der Beurteilung sollen nicht nur knapp 23 Hektar, sondern fast die gesamte Fläche von PT WINA in der Bucht von Balikpapan einen hohen Erhaltungswert aufweisen und relevant für die Artenvielfalt sein. Auch sollen die lokale Bevölkerung sowie Nichtregierungsorganisationen zu spät über entscheidende Treffen für das Projekt informiert worden sein, so dass eine Teilnahme kaum mehr möglich war, so Lhota auf Mongabay. Wegen diesen und weiteren ungeklärten Punkten bei dem Vorhaben von Wilmar, unterstützt der SAVE Wildlife Conservation Fund schon seit Längerem den Widerstand gegen das geplante Projekt.
  Das erneute Auftreten von Vorwürfen gegenüber Wilmar bei der Anlage einer Ölraffinerie, setzt ein bedenkliches Zeichen. Wenn es tatsächlich genügt, einer Gegend einen hohen Erhaltungswert abzusprechen, um daraufhin dort die Wälder abzuholzen, wäre eine Null-Entwaldungs-Richtlinie nahezu wertlos. Eine solche Vorgehensweise würde auch den enormen Wert, selbst leicht bearbeiteter Wälder, für die biologische Vielfalt, außer Acht lassen.
  Wilmar steht nun in der Verantwortung zu beweisen, dass es ihnen mit der Null-Entwaldungs-Richtlinie ernst ist. Nur wenn sich das Unternehmen von den angestrebten Plänen eine Ölraffinerie zu errichten, distanziert, gibt es noch Hoffnung für die einzigartige Natur in der Bucht von Balikpapan.
  Quelle: SAVE Wildlife Conservation Fund
  
  23.6.2014
  Erfolg für Yanomami am Amazonas
  In einer Yanomami-Gemeinde im Norden Brasiliens wurde am 31. Mai eine freudige Zeremonie abgehalten, um den Rückzug des letzten Viehzüchters, der das Land der Indigenen entlang des berüchtigten “Northern Perimeter Highway” besetzt gehalten hatte, zu feiern. Den Feierlichkeiten in der Ajarani-Gemeinde wohnten Yanomami, Staatsanwälte, NGOs und Vertreter der Regierungsabteilung für indigene Angelegenheiten, FUNAI, bei.
  Die Staatsanwaltschaft hatte 2013 mit den letzten zwölf Farmern, welche die südöstliche Spitze des Yanomami-Landes seit Jahrzehnten besetzt hielten – obwohl das Gebiet 1992 offiziell als Besitz der Yanomami anerkannt wurde -, eine Übereinkunft getroffen.
  Die Yanomami von Ajarani litten unter katastrophalen Verlusten, als Hunderte von ihnen an Masern und anderen Infektionskrankheiten starben, die von Arbeitern beim Bau des Highways in den frühen 1970er Jahren eingeschleppt wurden.
  Carlo Zacquini, ein katholischer Missionar, der seit den 1960er Jahren mit den Yanomami arbeitet, und damals so viele von ihnen wie möglich versorgte, erinnert sich: “Wir wussten, dass es allein entlang des Ajarani-Flusses vor dem Bau der Straße 15 Dörfer gab. Als die Straße fertiggestellt wurde, war keines der 15 Dörfer übriggeblieben. Die Überlebenden bildeten dann ein neues Dorf entlang der Straße. Es war sehr schockierend und FUNAI war komplett abwesend.”
  Später gab die Regierung Siedlern Grundstücke auf Yanomami-Land entlang des Highways, was auch Goldgräbern einen einfachen Zugang zum Gebiet der Indigenen bot.
  2007 hat die Yanomami-Organisation Hutukara dem Präsidenten von Brasilien mit der Bitte Maßnahmen zu ergreifen geschrieben und erklärt: “Wir, die Yanomami, sind sehr wütend und besorgt wegen der Grenzen unseres Landes. Die Ajarani-Region ist Zugangspunkt für Eindringlinge, Probleme und Krankheiten. Sie fällen weiterhin unseren Wald, um ihr Land zu vergrößern, damit sie ihr Vieh füttern können, und sie bringen illegale Fischer mit.”
  Laut João Catalano, Koordinator der “Yanomami-Schutzfront” von FUNAI, “ist die Herausforderung jetzt die Nachhaltigkeit der Gemeinschaft zu fördern”, in einer Region, in der ein großer Teil des Waldes vom Weiden des Viehs zerstört und degradiert worden ist.
  Letzten Monat hat sich der Yanomami-Schamane und -Sprecher Davi Kopenawa auf einen einzigartigen Besuch in die USA begeben und dem amerikanischen Volk gesagt, dass “wir zusammen kämpfen müssen, um die Erde zu retten”.
  
  16.5.2014
  Klimawandel setzt Regenwald im Kongo zu
  Verringerte Niederschläge in den letzten 10 Jahren haben signifikante Auswirkungen auf die Tieflandregenwälder im Kongo. Lesen Sie dazu einen Bericht von Daniel Lingenhöhl im Spektrum.
  
  7.4.2014
  Wenn Ameisen Bäume versetzen
  Tropische Bergregenwälder sind durch menschliche Übernutzung stark bedroht. Die Wiederaufforstung dauert lange. Nun hat ein bolivianisch-deutsches Forscherteam im Fachmagazin "Journal of Ecology" aufgezeigt, dass Ameisen bei der Wiederherstellung von Waldbäumen in solchen degradierten Regionen eine wichtigere Funktion übernehmen, als man bisher annahm.
  Die meisten Baumsamen werden in den Tropen von Vögeln und Säugetieren ausgebreitet, aber Forscher konnten nun erstmals zeigen, dass auch unscheinbare Akteure wie Ameisen dabei eine große Rolle spielen. Ameisen können die Renaturierung des Waldes in Gang setzen, indem sie Samen an für die Baumetablierung geeignete Orte verschleppen.
  Renaturierung der Inselwälder
  Am bolivianischen Ostabhang der Anden finden sich in der von lang- gezogenen Tälern geprägten Landschaft nur noch Restbestände des ursprünglichen Bergregenwaldes. Diese Region ist recht dicht besiedelt, daher wurde der Wald durch Brandrodung stark ausgedünnt. Die Menschen nutzen die Flächen zum Koka-Anbau oder für andere landwirtschaftliche Bebauung. Viele Flächen bleiben jedoch nach kurzer Zeit ungenutzt. Dadurch sind die Waldreste von einer offenen, weitgehend degradierten Kulturlandschaft umgeben.
  Die Biologen untersuchten nun, wie Ameisen zur Ausbreitung einer häufigen Waldbaumart (Clusia trochiformis) beitragen und testeten, ob diese Ökosystemfunktion die Wiederbesiedlung und Renaturierung der entwaldeten Gebiete fördert. Die durchgeführten Untersuchungen zeigten deutlich, dass Ameisen den Samenfraß durch Nagetiere reduzieren und gleichzeitig den Keimungserfolg der Samen erhöhen.
  Ameisen fördern Wiederbewaldung
  Die Ameisen transportieren die anfallenden Samen recht schnell ab. Der rote, fettreiche Samenmantel ist eine willkommene Nahrung für allerlei Tiere. 48 Stunden sowie einen Monat nach Anlegen der Depots suchten die Biologen in einem Radius von 2,5 Metern erneut nach den Samen und fanden mehr als 80 Prozent wieder.
  Bei den meisten Samen hatten die Ameisen den Samenmantel entfernt. Dadurch reduzierten sie die Gefahr eines Pilzbefalls und erhöhten damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Samen keimten. Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass gerade in den degradierten Habitaten die abtransportierten Samen seltener gefressen wurden und häufiger keimten als die nicht bewegten Samen.
  Stark bedrohter Andenwald
  Die Wiederbewaldung der Bergregenwälder ist eine sehr langwierige und unter Begleitung der betroffenen Bevölkerung sehr aufwändige Angelegenheit. Zudem gibt es sehr oft das Problem, dass statt der wichtigen Bäume Sträucher oder Farne gedeihen und das Wachstum der Bäume behindern. Letztere müssen dann per Handarbeit entfernt werden. Das gewonnende Wissen kann nun genutzt werden, um Clusia bei der Etablierung in den gerodeten Gebieten zu unterstützen und so die Renaturierung der entwaldeten Gebiete voranzutreiben.
  Die Dienstleistung der Ameisen in den entwaldeten Gebieten lässt einen besseren und nachhaltigen Besiedlungserfolg erwarten. Damit werden mittelfristig wieder Lebensbedingungen für eine ganze Reihe anderer Tier-und Pflanzenarten des Ökosystems Bergregenwald geschaffen. Angesichts einer wahrscheinlichen Zunahme von Trockenperioden in den Anden wird die Ökosystemfunktion der Ameisen für die Renaturierung von Bergregenwäldern in der Zukunft noch wichtiger werden.
  Ein Blick in die Praxis:
  Das Wiederaufforstungsprojekt des Regenwald-Instituts im bolivianischen Tipuani-Tal hat zum Ziel, die in früheren Jahrzehnten gerodeten Bergregenwälder wieder herzustellen. Vermehrt auftretende Starkregenfälle haben die entwaldeten Hänge ins Rutschen gebracht und ganze Dörfer verschüttet. Entsprechend groß ist das Engagement der betroffenen Bevölkerung, dort mittelfristig wieder einen intakten Bergregenwald zu etablieren. Die Setzlinge werden von den Menschen intensiv gepflegt, damit sie sich gegen die genannten Farne, Gräser und Sträucher durchsetzen können.
  
  27.3.2014
  Count-Down am Xingu
  Der Filmemacher Martin Kessler hat einen Dokumentarfilm über den Kampf gegen den Megastaudamm „Belo Monte“ im Amazonasgebiet und die Korruption bei der Fußball – WM in Brasilien gedreht. Eine sehenswerte Kurzfassung steht jetzt zur Verfügung:
 
  
  17.3.2014
  Holzfäller müssen Gebiet des 'bedrohtesten Volkes der Welt' verlassen
  Eine globale Kampagne von Survival International zur Rettung der Awá, des bedrohtesten indigenen Volkes der Welt, kann diese Woche mit der Ausweisung von Holzfällern und Viehzüchtern, die für die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes der Awá verantwortlich sind, einen wichtigen Erfolg feiern. Die erste Frist, innerhalb der die Holzfäller und Rancher das Gebiet der Awá verlassen müssen, ist am Montag, dem 24. Februar 2014, abgelaufen.
  Nach einem Bericht von Brasiliens Behörde für indigene Angelegenheiten (FUNAI) haben einige Holzfäller und Viehzüchter das Gebiet in der letzten Woche bereits freiwillig verlassen. Eine Bodeneinheit soll nun alle verbliebenen illegalen Eindringlinge bis zum 9. März ausweisen.
  Sehen Sie hier ein Video von FUNAI (in Portugiesisch), das die erste Phase der “Operation Awá” zeigt. Pire’i Ma’a, ein Awá-Mann, erklärte: “Alles [all das Wild] wurde verscheucht (…) Überall sind Holzfäller. Sie fällen die Bäume und wir können nicht jagen (…). Wir haben den Menschen gesagt, dass die Holzfäller hier sind und ihre Kettensägen, Maschinen und Trucks laut kreischen.”
  Die Operation markiert einen wichtigen Erfolg für Survival Internationals Kampagne zur Rettung der Awá vor der Ausrottung. Nach dem Start der Kampagne im April 2012 erklärte die brasilianische Regierung die Awá zur Priorität und startete Anfang 2014 eine Bodenoffensive mit mehr als 200 Soldaten, Polizisten und Regierungsbeamten, um die illegalen Eindringlinge aus dem Gebiet auszuweisen. Offizielle Quellen haben bestätigt, dass die “Operation Awá” durch internationalen Druck zustande kam.
  Brasiliens Justizminister hat über 56.000 E-Mails von Unterstützern der Kampagne erhalten, die die Einhaltung der Landrechte der Awá fordern. Auch Stars wie Schauspieler Colin Firth, Designerin Vivienne Westwood oder der Fotograf Sebastião Salgado haben die Aufforderung “Brazil: Save the Awá” weltweit verbreitet.
  Auch die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte, die wichtigste Menschenrechtsinstitution auf dem Kontinent, hat von Brasilien Stellungnahmen zur Lage der Awá verlangt, nachdem Survival International und die brasilianische NGO CIMI, die seit Jahrzehnten eng mit den Awá arbeitet, eine Beschwerde eingereicht hatten.
  Die Awá sind eines der letzten nomadischen Jäger und Sammler-Völker in Brasilien, deren Lebensgrundlage der Wald ist. Doch die Awá leben in Angst vor den illegalen Holzfällern, von denen sie regelrecht umzingelt sind. Mehr als ein Drittel des Regenwaldes in einem der Awá-Territorien wurde bereits zerstört und das indigene Volk sorgt sich um die Sicherheit seiner noch unkontaktierten Verwandten, die vor den teils schwer bewaffneten Holzfällern fliehen müssen.
  Nixiwaka Yawanawá, ein für Survival International engagierter Amazonas-Indigener, erklärte heute: “Die brasilianischen Behörden weisen die Eindringlinge dank Survivals Kampagne und des internationalen Drucks vom Land der Awá aus. Damit die Awá überleben können, muss die Regierung den langfristigen Schutz ihres Landes garantieren. Falls sie dies nicht tut, werden die Awá zerstört, wie so viele andere Völker in Brasiliens Geschichte.”
  Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Die Operation Awá hätte es ohne Survivals Kampagne und die Tausenden Menschen, die weltweit für die Awá aktiv wurden, niemals gegeben. Aus den 45 Jahren, in denen wir uns für die Rechte indigener Völker einsetzen, wissen wir, dass die öffentliche Meinung die einzige effektive Kraft ist, die wirkliche Veränderungen bringen kann.”
  Quelle: Survival International
  14.2.2014
  Der Siegeszug der Sojabohne
  In Brasilien läuft das Moratorium gegen Soja aus dem Amazonas aus. Und alles deutet darauf hin, dass damit auch bald wieder die illegalen Rodungen im Regenwald zunehmen. China spielt dabei eine entscheidende Rolle.
  Die Deutsche Welle hat dazu einen lesenswerten Artikel verfasst.
  24.1.2014
  Forschung: Pilze fördern die Artenvielfalt im Regenwald
  Regenwälder sind mit bis zu 300 Pflanzenarten pro Hektar die artenreichsten Flecken der Erde. Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, was dominante Arten im Zaum hält und so selteneren Pflanzen eine Chance gibt zu gedeihen.
  Vor über 40 Jahren stellten die amerikanischen Ökologen Daniel Janzen und Joseph Connell eine Hypothese auf: Krankheitserreger und Insekten halten sich rasch vermehrende Pflanzen in Regenwäldern im Zaum und verhindern, dass sie alle anderen Pflanzen verdrängen. Ein Forscherteam um Owen Lewis von der Universität Oxford und Robert Bagchi, der die Studie in Oxford begann und an der ETH Zürich zu Ende führte, testete diese Hypothese nun erstmals umfassend an einer ganzen Pflanzengemeinschaft. Dabei konnten sie zeigen, dass Pilze die treibende Kraft hinter der Artenvielfalt bilden, obwohl ihnen als «Pflanzenseuche» sonst ein negatives Image anhaftet.
  «Im Pflanzenreich sind enge Verwandte schlechte Nachbarn», erklärt Lewis. «Sprösslinge, die neben Pflanzen ihrer eigenen Art wachsen, sterben häufiger ab. Und wir wissen jetzt warum.» Pflanzenpathogene wie Pilze verbreiten sich leichter unter Individuen der gleichen Art, die nahe beieinander wachsen, und führen so zu dichteabhängiger Sterblichkeit. Indem sie die Anzahl Pflanzen einer dominanten Art begrenzen, sorgen Pilze für die Chancengleichheit in der Pflanzengemeinschaft.
  Krankheit und Vielfalt
  Dass sehr verbreitete Arten anfälliger sind für Krankheiten, sei nicht überraschend und wurde in Forschungsarbeiten schon mehrfach gezeigt, sagt Bagchi, Erstautor der Studie, die im Fachblatt Nature erscheint. «Aber die nächste Stufe – ein experimenteller Beweis dafür, dass dies zu mehr Pflanzenvielfalt im Regenwald führt – geht einen bedeutenden Schritt weiter.»
  Um die Janzen-Connell-Hypothese zu testen und den Effekt von Pilzen und Insekten auf Pflanzengemeinschaften separat zu entschlüsseln, untersuchten die Forschenden Testareale im Chiquibul Forest Reserve in Belize. Dabei besprühten sie einen Teil der Areale mit Wasser, einen anderen mit einem Insektizid oder einem von zwei unterschiedlichen Fungiziden. Insbesondere eines der Fungizide reduzierte die Pflanzenvielfalt im Laufe der Zeit deutlich. Das Insektizid dagegen veränderte die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft, aber nicht die Anzahl der im Testareal vertretenen Arten.
  An der ETH Zürich nutzte Bagchi Computermodelle, um zwei mögliche Erklärungsansätze für das Beobachtete zu testen: Zum einen könnten Pilze die Überlebensrate von Sprösslingen beeinflussen, egal wie häufig die gleiche Art am selben Ort vorkommt, zum anderen könnten sie einen dichteabhängigen Effekt haben. Das Computermodell, das letztere Situation simulierte, erzeugte ein ähnliches Bild wie das im Wald beobachtete, und bestätigte so die Pilze als Verursacher der dichteabhängigen Mortalität und somit der hohen Artenvielfalt im Regenwald.
  Neue Aspekte des Artenschutzes
  «Wir müssen vorsichtig sein, diese Resultate nicht überzuinterpretieren, da wir den Effekt nur über eine relativ kurze Zeitspanne und nur in einem bestimmten Regenwald beobachtet haben», sagt Bagchi. In Regenwäldern mit anderem Klima könnte der Effekt anders sein. Der Regenwald in Belize hat beispielsweise eine ausgeprägte Trockenperiode, welche die Verbreitung von Pilzen hemmt. «Wir vermuten, dass der Effekt von Pilzen – die dichteabhängige Mortalität zu verursachen – am stärksten in feuchteren, wärmeren Gebieten ausgeprägt ist, weil die Pilze dort am besten gedeihen.»
  Die Erkenntnisse könnten ausserdem bedeutend sein im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Klimamodelle sagen voraus, dass eine Erwärmung des Klimas zu weniger Niederschlägen führt, was wiederum die Verbreitung von Pilzen einschränken würde. Und das würde sich auch auf die Artenvielfalt unserer Regenwälder auswirken.
  Quelle: PM ETH Zürich
  2.1.2014
  Neue Konflikte mit Indigenen am Amazonas
  Ein neuer Konflikt zwischen indigenen Gruppen aus dem Vale do Javari an der peruanischen Grenze und Erdgas fördernden Unternehmen spitzt sich zu. In einer öffentlichen Anhörung in der brasilianischen Abgeordnetenkammer drohte der Sprecher der Vertretung indigener Völker (Articulação dos Povos Indígenas), Jader Comapa Franco, vergangene Woche mit einer Zuspitzung der Auseinandersetzungen. „Wir bereiten uns auf Krieg vor”, hieß es.
  Hintergrund ist die Bedrohung von 16 indigenen Ethnien in Vale do Javari am östlichsten Rand des Bundesstaates Amazonas durch die Genehmigung zum Fracking in bis dahin unberührten Gegenden. Die Koordinatorin der staatlichen Stiftung der Indigenen (Fundação Nacional do Índio, kurz: Funai) für die Markierung indigener Gebiete, Maria Janete de Carvalho, berichtete von einer einzigartigen Biodiversität und mindestens 16 bisher isolierten indigenen Bevölkerungen, deren Verdrängung im Raum stehe. Carvalho bestätigte vor den Abgeordneten, dass ein Bericht an die zutreffende staatliche Behörde für Erdöl (Agência Nacional do Petróleo, kur: ANP) gesendet worden war. Jedoch, so die Vertreterin der Funai, wurde nur eine Empfehlung zur Erdgasförderung aufgegriffen.
  Ende November versteigerte die ANP 240 neue Blöcke für die Förderung von Erdgas und Erdöl im Vale do Javari. 110 dieser Blöcke befinden sich in bisher isolierten Gebieten. Gegner kritisieren, dass bei der Förderung vor allem auf das neue Verfahren Fracking gesetzt werde. Hierbei wird unter hohem Druck eine Mischung aus Wasser und chemischen Substanzen in den Untergrund gepresst. Vor allem Gesteinsschichten sollen porös gemacht und das darunter lagernde Gas freigesetzt werden. In der Folge lagern sich Gas-Chemiegemische im Untergrund ab. Vollkommen ungeklärt ist bisher, welche Auswirkungen das auf die Wasserqualität hat. Viele Seitenarme des Amazonas entspringen dieser Region.
  Die indigenen Verbände kritisieren, dass sie seit 2003 auf die Umweltproblematik der Förderung in diesen Gebieten hinweisen, doch kaum gehört würden. Jader Comapa Franco von der Vertretung indigener Völker betonte, dass sie bereits mehrere Bundesministerien aufgesucht hätten. „Wir haben aber nicht die finanziellen Mittel jeden Tag herzukommen und weiter auf unsere Rechten zu drängen”, so Franco. „Wenn wir hier nicht gehört werden, werden wir uns auf Kampf einstellen“.
  Quelle: Brasilnews
  10.12.2013
  Der Kampf der Amazonasindianer gegen die Zerstörung ihres Lebensraums
  Über den Besuch des Asháninka-Führer Benki Piyãko in Deutschland berichtet Spiegel-Online in seiner heutigen Ausgabe. Lesenswert.
  2.12.2013
  Wo die Wälder der Welt verschwinden
  2,3 Millionen Quadratkilometer Wald sind in den letzten Jahren weltweit verloren gegangen, zeigt eine weltweit einmalige Studie. Die Zahlen sind erschreckend, Umweltschützer sehen ein "Verbrechen".
  In der "Welt" gibt es dazu einen interessanten Artikel. Bitte klicken Sie hier um den Artikel aufzurufen.
  20.11.2013
  Regenwaldzerstörung am Amazonas nimmt zu
  Die brasilianische Umweltministerin Isabella Teixeira hat in Brasilia die neuesten Daten über die jährliche Höhe der Urwaldzerstörung des Amazonas Regenwaldes bekanntgegeben. Sie hatte damit lange gewartet, vermutlich waren ihr die Zahlen zu unbequem. Und das sind sie auch. Denn die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes ist im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent gestiegen. Wurden in der letzten Periode (August 2011 bis Juli 2012) noch 465.000 Hektar Regenwald zerstört und in Rinderweiden oder Sojafelder verwandelt, sind es nunmehr bis August 2013 rund 584.300 Hektar. Eine Fläche zweimal so groß wie München. Gerade die Regenwaldprovinz Para ist davon stark betroffen.
  Diese Nachricht ist keine erfreuliche, aber sie kommt für mich nicht überraschend. Denn im letzten Jahr hatte die brasilianische Regierung einem neuen Waldgesetz zugestimmt, das in wichtigen Teilen den bisherigen Waldschutz lockerte. Greenpeace hatte sich dafür eingesetzt, dass endlich ein echtes Waldschutzgesetz verabschiedet wird, das die Zerstörung des Amazonas Regenwaldes ein und für allemal beendet. Aber die Lobbyorganisationen der Großgrundbesitzer und Rinderfarmer peitschten das Gesetz durch. Dass die Waldzerstörung stark zunehmen würde, war damit abzusehen.
  Und leider ist das nicht alles, denn es droht eine weitere Gefahr: die Verkleinerung der Schutzgebiete der indigenen Ureinwohner und der Nationalparke. Im Parlament liegen ebenfalls von der Agrarlobby diverse Anträge vor, die bestehende Schutzgebiete für das Überleben der Ureinwohner abschaffen wollen. Das dies in der Konsequenz den Tod vieler Tausend Ureinwohner und den Untergang ihrer seid tausenden Jahren lebendigen Kultur wäre, nehmen die Farmer offensichtlich in Kauf. Hauptsache es werden noch mehr Rinder, noch mehr Soja, noch mehr Biosprit hergestellt. Brasilien will schließlich Exportweltmeister werden in allen Agrarprodukten.
  Quelle: Greenpeace
  22.10.2013
  Ansätze einer "Bauminventur" am Amazonas
  Forscher versuchen in Amazonien in einem groben Raster einen Einblick über die Verbreitung von Baumarten zu erhalten. Die Zeitung "Die Welt" hat auf Basis eines "Science"-Artikels dazu einen lesenswerten Bericht verfasst. Einziger Kritikpunkt: im Artikel wird nicht erwähnt, dass ein großer Teil der Baumarten am Amazonas bis heute taxonomisch nicht erfasst, also unbekannt ist. Bitte klicken Sie hier um den Artikel aufzurufen.
  1.10.2013
  Illegale Abholzung: EU und Indonesien unterzeichnen historisches Abkommen
  Die Europäische Union und Indonesien haben heute (Montag) nach sechsjährigen Verhandlungen ein historisches Abkommen zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags unterzeichnet.
  Nur nachweislich legal geschlagenes Holz und daraus gefertigte Holzprodukte können künftig aus Indonesien in die EU importiert werden. In die Verhandlungen zwischen Indonesien, dem mit Abstand größten Holzproduzenten in Asien, und der EU waren Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen eng eingebunden. Das heute unterzeichnete freiwillige Partnerschaftsabkommen ist die erste FLEGT-Vereinbarung (Forest Law Enforcement, Governance and Trade) zwischen der EU und einem asiatischen Land.
  EU-Umweltkommissar Janez Potoc(nik erklärte: "Ich bin sehr froh, dass die EU und Indonesien sich mit vereinten Kräften für die Verwirklichung ihres gemeinsamen Ziels einsetzen, den illegalen Holzeinschlag und den damit verbundenen Handel zu beseitigen. Diese Einigung ist gut für die Umwelt und zugleich gut für verantwortungsbewusste Unternehmen. Sie wird das Vertrauen der Verbraucher in indonesisches Holz stärken."
  Sobald das bilaterale Abkommen vollständig umgesetzt ist, werden Holz und Holzerzeugnisse aus Indonesien im Rahmen eines von unabhängiger Seite überwachten Rückverfolgbarkeitssystems systematisch kontrolliert, um sicherzustellen, dass bei der Erzeugung die einschlägigen indonesischen Rechtsvorschriften eingehalten wurden. Die EU leistet Unterstützung bei der Einrichtung und Verbesserung der verwendeten Kontrollsysteme. Dadurch werden die übrigen Maßnahmen gestärkt, die in der EU bereits in Kraft sind, beispielsweise die Holzverordnung, durch die die Vermarktung illegal geschlagenen Holzes in der EU beendet wurde.
  Nach der heutigen feierlichen Unterzeichnung müssen Indonesien und die EU das Abkommen nach ihren jeweiligen Verfahren ratifizieren. Für die EU bedeutet dies, dass das Europäische Parlament zustimmen muss.
  Quelle: EU-Kommission Pressemitteilung
  21.9.2013
  Herakles Palmölprojekt in Kamerun
  Die Firma Herakles sorgt mit ihrem Palmölplänen in Kamerun einmal mehr für Negativ-Schlagzeilen. Auf dem Gebiet, auf dem Herakles eine riesige Plantage für den Anbau von Palmöl anlegt, haben Forscher eine ausgesprochen hohe Artenvielfalt in einer Studie dokumentiert. Das Paradoxe ist: Das gleiche Gebiet wurde in einer Herakles-Biodiversitätsstudie als “wenig bedeutsames Areal” beschrieben. Doch die Wissenschaftler der Universitäten Göttingen und der München haben dort zahlreiche bedrohte Arten entdeckt, darunter Arten, wie der nigeria-kamerun Schimpanse, rote Stummelaffen und die seltenen Drills. Drills sind eine Primatenart, die den Meerkatzen zugehören.
  Das Herakles-Palmölprojekt ist höchst umstritten: Das geplante Gebiet umfasst etwa die Fläche Hamburgs und droht, eine ökologisch hochsensible Region zu zerstören. Dutzende Dörfer sind von dem Großprojekt betroffen, für sie fällt der Wald als Erwerbs- und Nahrungsquelle größtenteils weg.
  Jetzt gibt es neue Hinweise dafür, dass Herakles illegal Wald gerodet hat, obwohl die kamerunische Regierung ein Moratorium verhängt hatte. Die Firma hatte zeitgleich in einer Pressemitteilung kundgegeben, sie habe die Arbeiten in dem Gebiet eingestellt, es liegen jedoch gegenteilige Beweise vor. Zudem besitzt Herakles keine Lizenz, selbst Holz zu fällen.
  Die kamerunische Regierung muss eingreifen, denn Kamerun hat ein sogenanntes “Voluntary Partnership Agreement” (VPA) mit der EU abgeschlossen. Diese Partnerschaftsabkommen (EU-Verordnung Nr. 2173/2005) sind ein langjähriger Prozess mit dem Ziel, in den holzproduzierenden Ländern, wie zum Beispiel Kamerun, Reformen zu unterstützen, die den illegalen Holzeinschlag vor Ort eindämmen. Gleichzeitig sollen sie gewähren, dass das Holz, welches in die EU importiert wird, legal ist. Dafür wird in den Partnerländern ein Genehmigungs- und Lizenzsystem eingerichtet, um so zu gewährleisten, dass nur legal geschlagenes Holz aus dem jeweiligen Land exportiert wird. Die Länder erhalten parallel Unterstützung bei der Verbesserung ihrer Kapazitäten in den Bereichen Waldbewirtschaftung und Rechtsdurchsetzung. Einige Studien deuten darauf hin, dass der Ansatz sehr positiv sein kann. Firmen wie Herakles unterminieren jedoch diese Bemühungen.
  Quelle: Greenpeace
  20.8.2013
  Filmaufnahmen eines unkontaktierten Volkes in Amazonien veröffentlicht
  Brasiliens Behörde für indigene Angelegenheiten, FUNAI, hat seltene Filmaufnahmen eines unkontaktierten Volkes veröffentlicht, das im Herzen des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien lebt. Die Aufnahmen zeigen eine Gruppe von neun Indigenen, die entlang eines Waldweges gehen. Die Männer tragen Bogen und Pfeile, eine Frau trägt einen Korb und zwei kleine Kinder. Sie bemerkt die Fremden, die sie filmen, und ruft den anderen eine Warnung zu.
  Die Kawahiva sind ein nomadisches Volk am Rande der Ausrottung, das verzweifelt vor bewaffneten Holzfällern und Viehzüchtern flieht, die innerhalb ihrer Heimat im Wald und in den angrenzenden Gebieten aktiv sind. Das Video wurde 2011 von FUNAIs Abteilung für unkontaktierte Völker gefilmt, aber erst jetzt veröffentlicht, vermutlich, um auf die dramatische Lage der Kawahiva aufmerksam zu machen.
  Nachdem das Material im brasilianischen Fernsehen gezeigt wurde, beschuldigte ein Stadtrat aus Colniza, einer an das Land der Kawahiva grenzenden Stadt, die als eine der gewalttätigsten in ganz Brasilien gilt, FUNAI, das Volk dort “verpflanzt” zu haben, um die lokale Bevölkerung an der Nutzung des Waldes zu hindern.
  Es ist nur sehr wenig über die Kawahiva bekannt, obwohl sie schon erstmals 1750 Erwähnung fanden. Sie könnten die letzten Überlebenden ihres Volkes sein oder mit einem der benachbarten indigenen Völker verwandt sein. Benachbarte indigene Völker nennen die Kawahiva Baixinhos (das winzige Volk) oder Cabeças vermelhas (die Rotköpfe).
  Seit 1998 schickt FUNAI regelmäßig Teams in das Gebiet der Kawahiva. Die Teams haben zurückgelassene Malocas (Gemeinschaftshäuser) mit wichtigen Gebrauchsgegenständen, darunter Pfeile, mit Nüssen gefüllte Körbe und Hängematten aus Baumfasern, gefunden. Es gibt keine Belege für Gärten oder Ackerbau in dem Gebiet. Die Kawahiva leben vom Jagen und Sammeln und sind ständig in Bewegung.
  Survival International startete 2005 eine dringende Kampagne, um die brasilianischen Behörden dazu zu bewegen, das Land der Kawahiva, bekannt als das Rio Pardo-Gebiet, zu schützen. Zuvor hatte ein Richter eine Anordnung zum Schutz des Gebietes durch FUNAI gekippt und schwer bewaffnete Holzfäller drangen Berichten zufolge in das Gebiet ein, um die Kawahiva zu jagen und zu töten.
  2007 wurde Rio Pardo offiziell von FUNAI erfasst, was den Zugang Außenstehender begrenzte. 2005 untersuchte die Staatsanwaltschaft auch Vorwürfe eines Völkermordes an unkontaktierten Kawahiva. Es wurden 90 Haftbefehle erlassen und zahlreiche Personen festgenommen, doch keiner wurde inhaftiert oder vor Gericht gestellt.
  Quelle: Survival International
  13.8.2013
  Nach wie vor ein Milliardengeschäft: Wie illegal geschlagenes Tropenholz nach Deutschland kommt
  Ein Bericht auf "Spiegel-Online" zeigt, wie das große Geschäft bei uns floriert: klicken Sie bitte auf diesen link.
  24.7.2013
  Entwaldungssituation im Kongo
  Kupfer und Kobalt statt Kakao
  Die gute Nachricht ist, dass der Regenwald im Kongobecken langsamer schrumpft. Die schlechte: das liegt an einem neuen Umweltskandal.
  Ein Artikel in der TAZ nimmt sich diesem Thema an. Um diesen Bericht zu lesen, klicken Sie bitte auf diesen link.
  6.7.2013
  Immer mehr Palmöl in der Zapfsäule
  Beim Biodiesel hat sich der Anteil von Palmöl im Vergleich zum Jahr 2011 verdreifacht, der Rapsanteil ist stark gesunken. Das ist das Ergebnis einer Greenpeace-Untersuchung von 15 Dieselkraftstoff-Proben aus Hamburg, München und Berlin.
  Im Juni 2013 hatten Greenpeacer an Tankstellen von Aral, Shell, Esso, Total und Jet die Proben entnommen. Ein unabhängiges Labor untersuchte sie anschließend. Gesetzlich müssen in Deutschland bis zu sieben Prozent Biokraftstoff dem konventionellem Diesel beigemischt werden.
  "Hier zeigt sich der Irrsinn der Biospritpolitik: Der Rapsanbau hierzulande reicht nicht aus, um genügend Pflanzenöl für die Lebensmittelherstellung und die vorgeschriebenen Biokraftstoffmengen zu erzeugen. Stattdessen landet immer mehr Palmöl aus Regenwaldzerstörung im Tank", sagt Gesche Jürgens, Waldexpertin von Greenpeace. Zudem ist das heimische Rapsöl teurer als das importierte Palmöl.
  In Indonesien werden für den Anbau neuer Ölpalmplantagen großflächig Regenwälder vernichtet und dabei klimaschädliches CO2 freigesetzt. Illegale Brandrodungen haben in diesem Jahr ein besonders gefährliches Ausmaß angenommen: Die Luftqualität in Sumatra, Singapur und Teilen Malaysias war aufgrund der Waldbrände in den vergangenen Wochen so schlecht wie nie zuvor. Eine Analyse von Greenpeace zeigt, dass hunderte der Brände in lizenzierten Anbaugebieten für Ölpalmen liegen.
  EU debattiert über Deckelung des Biospritanteils
  Mehrere Studien der EU-Kommission zeigen, dass zahlreiche Agrotreibstoffe sogar schlechter für das Klima sind als fossiles Benzin. Im Herbst 2012 hatte die Kommission deshalb vorgeschlagen, den Biospritanteil auf fünf Prozent des Gesamtverbrauchs zu begrenzen. Biosprithersteller, Agrarhändler und Importeure lifen gegen diese Pläne Sturm und forderten statt dessen eine Ausdehnung der Quoten.
  Zurzeit debattiert das Europa-Parlament die Pläne der Kommission. Am 10. Juli wird der zuständige Umweltausschuss darüber abstimmen. "Die EU-Parlamentarier haben in den kommenden Wochen die Chance, ihre verzapfte Biospritpolitik zu korrigieren", sagt Jürgens. "Biosprit löst keine Umweltprobleme, sondern schafft neue. Die EU muss den Einsatz von Biosprit deutlich begrenzen."
  In welchem Ausmaß der europäische Konsum Auswirkungen auf die Wälder weltweit hat, zeigt eine aktuelle Studie der EU-Kommission. Demnach führte der gesamtwirtschaftliche Verbrauch der EU zwischen 1990 und 2008 zur Zerstörung von neun Millionen Hektar Wald.
  20.6.2013
  Schlimmere Zerstörung als durch Rodung: Versteckte Brände vernichten den Amazonas-Regenwald
  Um diesen Bericht zu lesen, klicken Sie bitte auf diesen link.
  04.6.2013
  Regenwaldzerstörung in Kambodscha
  Durch unkontrolliertes Abholzen geht in Kambodscha immer mehr Regenwald verloren. Dort regiert eine korrupte Verbindung aus Holzfällern, örtlichen Behörden und der Armee.
  Die ungehinderte und unkontrollierte Abholzung des Regenwaldes in Kambodscha stellt das größte Umweltproblem des Landes dar - und wird zunehmend zur Gefahr für die sowieso schwache Wirtschaft des Landes. Angkor Wat, Anziehungspunkt für derzeit vier Millionen Touristen im Jahr, könnte in Gefahr geraten. Die Tempel werden von Überschwemmungen bedroht, die kein Regenwald mehr aufhält. Rund um Angkor ist ein Großteil des Tropenholzes bereits verschwunden. Auch am Phnom Kulen, dem heiligen Berg Kambodschas. betreibt.
  Das Problem der illegalen Abholzung des Regenwaldes ist allerdings nicht auf das Gebiet rund um Phnom Kulen beschränkt. Es ist ein Problem in ganz Kambodscha. 20 Prozent des Waldes, sagen Forstexperten, sind in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden, das sind 13 Millionen Hektar Regenwald, die unwiederbringlich weg sind.
  Der Protest der Kambodschaner, der Khmer, gegen die Abholzung des Regenwaldes hält sich bisher in Grenzen. Kambodscha unter Premier Hun Sen ist kein Land, in dem man ungestraft auf die Straße geht, um gegen die Politik der Regierung zu demonstrieren. Umso mehr Mut erfordert das, was die Bewohner des Dorfes Sre Kor nahe der Grenze zu Laos derzeit wagen. Sie protestieren gegen den Bau eines Staudamms, der nicht nur ihr Dorf zerstören würde.
  400 Megawatt Strom soll der Staudamm einmal liefern, er liegt nicht direkt am Mekong, sondern an einem Zufluss zur Lebensader der ganzen Region. Umgerechnet knapp 600 Millionen Euro investieren chinesische und vietnamesische Unternehmen in den Damm, knapp 30 Millionen sollen für die Umsiedlung von 800 Familien gedacht sein. Die aber wollen nicht umgesiedelt werden.
  Offiziell werden 40.000 Hektar Regenwald abgeholzt, aber dabei wird es nicht bleiben. Das zerstörte Waldgebiet wird bei mindestens 80.000 Hektar liegen, also dem Doppelten der offiziellen Fläche. Sie holzen einfach drumherum noch weiter ab.In Phnom Penh ist zwar die Rede davon, dass 800 Familien umgesiedelt werden sollen, die Dorfbewohner kennen jedoch bisher keine konkreten Pläne. Und bereits in zwei Monaten soll der Regenwald gerodet werden, um Platz für den Damm und den Stausee zu schaffen. Dann werden die Dörfer wie Sre Kor verschwinden. Der Vorschlag der Dorfbewohner und ihrer Unterstützer: die Planungen zumindest zu verschieben, um gemeinsam eine Lösung für alle zu finden.
  An einer tatsächlichen Lösung darf gezweifelt werden.
  Quelle: Deutschlandradio
  17.5.2013
  Zur Bewertung von Regenwald-Schutzmaßnahmen
  Wie gut Schutzmaßnahmen im Regenwald des Amazonas-Gebiets funktionieren, wird womöglich oft falsch eingeschätzt. In einer aktuellen Veröffentlichung des Fachblatts Environmental Research Letters (online) hinterfragen Experten die Aussagekraft des wichtigsten Werkzeugs, mit dem üblicherweise die Wirkung von Schutzmaßnahmen in bedrohten Waldgebieten ermittelt wird.
  Die Studie hat politische Bedeutung, denn sie wirft kein gutes Licht auf das sogenannte Rapid Assessment and Priorisation of Protected Area Management (RAPPAM), eine vom World Wildlife Fund entwickelte Methode, mit der weltweit der Nutzen von Schutzmaßnahmen bewertet wird und die letztlich als Grundlage dafür dient, wo welcher Aufwand zum Erhalt des Regenwalds betrieben wird.
  Die Forscher eines Umweltinstituts im Amazonas sowie von der University of Michigan haben 66 Schutzgebiete im Amazonasgebiet von Brasilien untersucht und festgestellt, dass in vermeintlich erfolgreichen Schutzgebieten nicht unbedingt weniger Bäume gefällt wurden als anderswo.
  Zwei mögliche Erklärungen geben die Forscher an: "Entweder ermittelt RAPPAM die tatsächlichen Gegebenheiten nicht korrekt, oder RAPPAM misst Faktoren, die nicht von Bedeutung sind, um Schutzgebiete erfolgreich zu bewahren."
  Die RAPPAM-Bewertung wird in mehr als 2000 Schutzgebieten in gut 50 Ländern der Welt angewendet. Dabei werden den Verwaltern der Schutzzonen Fragebögen vorgelegt mit insgesamt 90 Fragen zum qualitativen Zustand ihrer Gebiete. Die Verantwortlichen sollen dabei in Form eines Multiple-Choice-Verfahrens antworten.
  Um die Wirksamkeit dieser Evaluierung zu prüfen, haben Forscher Waldstücke in Schutzgebieten mit ähnlichen Waldstücken außerhalb der Schutzzonen verglichen.
  Dabei wurde unter anderem mit Satellitenaufnahmen untersucht, ob in den geschützten Gebieten der Kahlschlag tatsächlich langsamer voranschreitet.
  Es zeigte sich, dass vor allem ein einziger Faktor darüber entscheidet, ob ein Waldgebiet verschont bleibt: Klare Besitzverhältnisse sind wichtig, um die Bäume des Regenwalds zu erhalten. Dort, wo um Rechte gestritten wird, leidet auch der Wald - Schutzgebiet hin oder her.
  Quelle: Süddeutsche Zeitung
  3.4.2013
  Wieder mehr Zerstörung am Amazonas
  Der Amazonaswald in Brasilien schrumpft weiter. Zwischen August 2012 und Februar dieses Jahres ist der Regenwald auf knapp 1700 Quadratkilometern zum Großteil verschwunden, wie die Tageszeitung O Globo berichtet. Das sind nach Angaben des brasilianischen Weltrauminstituts INPE sechs Prozent mehr Fläche als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahlen wurden anhand von Satellitenaufnahmen berechnet, das Areal entspricht der zweifachen Fläche von Berlin. Die Amazonasregion erstreckt sich über neun südamerikanische Staaten und umfasst insgesamt 6,1 Millionen Quadratkilometer. 63 Prozent des Regenwaldes gehören zu brasilianischem Gebiet. Die höchsten Rückgangszahlen stammen aus den Jahren 1995 und 2004 mit einer entwaldeten Fläche von jeweils knapp 28000 beziehungsweise 29000 Quadratkilometern. Nach Angaben der brasilianischen Regierung liegt das Problem inzwischen nicht mehr vor allem darin, dass ausgedehnte Waldflächen in großem Stil abgeholzt werden, sondern darin, dass neue Siedler in dem Gebiet den Wald für ihre Kleinfarmen roden. Die Menschen nutzen das Holz der gefällten Bäume als Bau- und Feuermaterial und legen Felder auf den gerodeten Flächen an.
  Quelle: SZ vom 30.3.13
  5.3.2013
  Deutscher Bundestag weiter gegen Indigenenrechte
  Mit Empörung hat die Menschenrechtsorganisation Survival International die gestrige Bundestagsdebatte zum Antrag auf Ratifizierung der ILO-Konvention 169 in Deutschland aufgenommen. Das ILO-Abkommen 169 ist das einzige internationale Abkommen, das die Menschenrechte indigener Völker verbindlich schützt.
  In der Debatte argumentierte die Abgeordnete Anette Hübinger für die CDU/CSU-Fraktion, dass Unternehmen sich darauf verlassen können müssen, dass Staaten mit indigener Bevölkerung die nötigen Vorschriften zum Umgang mit indigenen Völkern einhalten. Hübinger machte jedoch zu Recht auch darauf aufmerksam, dass die Einhaltung der Rechte aus ILO 169 in Staaten mit indigener Bevölkerung „bisweilen problematisch“ ist.
  Den Antrag auf Ratifizierung von ILO 169 in Deutschland würde ihre Fraktion dennoch nicht unterstützen, da dies zu einer „Haftungs- und Risikoverlagerung“ führen würde, in der „Unternehmen für Versäumnisse des Staates haftbar gemacht würden“. Dass die Unternehmen verantwortlich gemacht werden könnten, schade Unternehmen und dem Zielland.
  Linda Poppe von Survival International erklärte: „Es ist ein Skandal. Gerade wenn die Rechte indigener Völker in ihren Heimatländern nicht eingehalten werden, wieso sollten dann deutsche Unternehmen von ihrer Verantwortung freigesprochen werden? Das ist ein Freifahrtschein für die Verletzung der Rechte indigener Völker.“
  Aktuell steht etwa das deutsche Unternehmen Voith Hydro, ein Jointventure von Siemens und Voith, für seine Beteiligung am kontroversen Belo Monte-Staudamm in Brasilien in der Kritik. Der Staudamm verstößt gegen die Rechte indigener Völker aus der ILO-Konvention 169, die Brasilien ratifiziert hat.
  Voith Hydro hat bisher Proteste gegen seine Beteiligung an dem Bauvorhaben auch mit dem Verweis abgelehnt, dass man sich auf die Einschätzung der brasilianischen Regierung bezüglich der Einhaltung von ILO 169 verlasse. Der Auftrag zählt zu den größten in der Geschichte des Unternehmens.
  Quelle: Survival International Deutschland e.V.
  25.2.2013
  Interpol jagt Tropenholzmafia
  Die internationale Polizeiorganisation Interpol widmet sich der illegalen Rodung in Südamerika. 200 Verdächtige wurden bereits festgenommen.
  Den Artikel finden Sie unter diesem Link.
  27.1.2013
  Amazonien droht Hitzetod
  Forscher warnen vor dem Ende: Der Amazonas stirbt den Hitzetod auf Raten.
  Eine Nasa-Studie belegt, wie dramatisch es um den Amazonas bestellt ist: Der Klimawandel verkürzt die Phasen zwischen den Trockenperioden und lässt dadurch dem größten Regenwald der Erde keine Zeit, sich zu erholen.
  Von Michael Odenwald, FOCUS, 23.1.13
  Den Artikel finden Sie unter diesem Link.
  20.12.2012
  Kahlschlag unterm Weihnachtsbaum
  Für die Produktion deutscher Kinderbücher wird der tropische Regenwald abgeholzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag veröffentlichte Untersuchung des WWF. Für ihre Studie „Im Wald, da sind die Räuber“ nahmen die Umweltschützer stichprobenartig 79 Buchtitel deutscher Verlage unter die Lupe. Das Ergebnis des „Tropenholz-Dopingtests“: Fast 30 Prozent der untersuchten Kinderbücher enthielten erhebliche Mengen Tropenholz. „Die Laboranalysen haben unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt“, so Johannes Zahnen, Waldreferent beim WWF Deutschland. „Ohne es zu ahnen laufen Eltern und Großeltern Gefahr, dem Nachwuchs wahre Umweltkiller unter den Weihnachtsbaum zu legen.“
  Laut WWF besonders negativ aufgefallen ist Coppenrath, einer der größten Anbieter auf dem deutschen Kinderbuchmarkt. In gleich neun von 18 getesteten Büchern des Verlages aus Münster habe man Tropenholz gefunden, darunter Titel wie „Frohe Weihnachten, kleiner Bär!“ oder „Das ist der Wald“. Auch andere namhafte Verlagshäuser wie Herder, Duden und Langenscheidt gehörten zu den Umweltsündern. Hintergrund der hohen Trefferquote ist nach Angaben des WWF, dass deutsche Verlage ihre teilweise in Handarbeit gefertigten Kinderbücher zunehmend in Asien produzieren lassen. Auf diese Weise sei China mittlerweile zum wichtigsten Buchlieferanten für die Bundesrepublik avanciert – mit fatalen Folgen: Einen großen Teil des benötigten Zellstoffs importiere das Reich der Mitte aus Indonesien, wo legal und illegal riesige Urwaldflächen für die Papierproduktion abgeholzt würden.
  „Die Verlage lassen billig in Fernost produzieren und nehmen dabei wissentlich die Abholzung des Regenwaldes in Kauf“, kritisiert WWF-Mann Zahnen. Bereits in 2009 habe man auf die Problematik aufmerksam gemacht. Während einige Firmen ihre Produktion umgestellt hätten, sei man anderswo auf taube Ohren gestoßen. „Coppenrath und Co. haben unsere Hinweise ignoriert und setzen allein auf Gewinnmaximierung. Dass sie mit der Umweltzerstörung auch die Zukunft ihrer eigenen Zielgruppe aufs Spiel setzen, ist besonders perfide“.
  Am deutlichsten sind die Folgen des Raubbaus auf Sumatra sichtbar. Die indonesische Insel, die vor wenigen Jahrzehnten noch nahezu vollständig bewaldet war, gilt nach wie vor als eine der artenreichsten Regionen der Erde. Doch ihr Waldanteil ist in den letzten Jahren auf unter 30 Prozent gesunken. Seltene Unterarten des Tigers, Orang-Utans und Elefanten, die nur hier vorkommen, drohten auszusterben. Neben der Gefährdung der Artenvielfalt ziehe die ungebremste Abholzung auch Folgen von globaler Bedeutung nach sich: Riesige Mengen im Waldboden gespeicherte Treibhausgase entweichen und heizten den Klimawandel an.
  Der WWF ruft die Verlagshäuser auf, endlich ihrer Verantwortung gerecht zu werden: „Wir brauchen dringend eine Selbstverpflichtungserklärung der gesamten Branche“, fordert Johannes Zahnen. „Die Verlage müssen dafür einstehen, dass für deutsche Kinderbücher kein Tropenwald mehr vernichtet wird. Zumal die Umstellung auf nachhaltige Quellen längst problemlos möglich ist.“ Der WWF empfiehlt den Verlagen, auf Recyclingpapier zu setzen oder aber FSC-zertifiziertes Papier zu verwenden. Dies seien zwei einfache Möglichkeiten, um etwas für den Umweltschutz zu tun.
  Quelle: WWF-Pressemitteilung
  6.12.2012
  Amazonasgebiet hat Wald von der Fläche Großbritanniens verloren
  Am Amazonas sind laut einer neuen Studie zwischen den Jahren 2000 und 2010 rund 240.000 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden. Das ist mehr als die Fläche Großbritanniens, der Hauptinsel der Britischen Inseln. Das Amazonas-Informationsnetzwerk macht in seiner neuen Studie illegalen Holzeinschlag, den Bau von Autobahnen und Staudämmen, die Rodung von Anbau- und Weideflächen sowie den Bergbau und die Öl- und Gasförderung für die massive Reduzierung des Regenwalds verantwortlich.
  Allerdings habe die Geschwindigkeit der Abholzung in den meisten der Amazonas-Staaten abgenommen, hieß es in der Studie, die am Dienstag in Bolivien vorgestellt wurde. Erst vor wenigen Tagen hatte die Regierung Brasiliens Zahlen veröffentlicht, laut denen die Abholzung im Amazonasgebiet auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Messungen 1988 gesunken ist.
  Das Amazonas-Informationsnetzwerk besteht aus elf Umweltschutzorganisationen in acht südamerikanischen Staaten und Französisch-Guayana, die alle Anteil am Regenwald haben. Mit 6,1 Millionen Quadratkilometern entfallen 63 Prozent davon auf Brasilien, wo laut der Studie mehr als 80 Prozent der Abholzung stattgefunden haben. Auf Peru entfielen demnach rund sechs Prozent, auf Kolumbien fünf Prozent des Waldverlusts.
  Nach Angaben der Brasilianischen Weltraumbehörde, die das Amazonasgebiet per Satellit überwacht, ist die Abholzung gegenüber dem Jahr 1990 inzwischen um 76 Prozent gesunken. Damit sei das Ziel einer Reduzierung um 80 Prozent bis zum Jahr 2020 in greifbare Nähe gerückt. Dennoch wurde bis jetzt bereits ein Fünftel des brasilianischen Regenwalds zerstört.
  Der Dschungel gilt nicht nur als eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken der Erde. Seine Abholzung setzt auch enorme Mengen an Treibhausgasen frei. So stammen rund drei Viertel der Kohlendioxidemissionen Brasiliens aus der Regenwaldrodung, bei der Bäume entweder verbrannt werden oder verrotten.
  Quelle: AP
  5.12.2012
  China importiert illegal geschlagenes Holz
  China hat sich zum größten Markt für illegal geschlagenes Holz aus anderen Ländern entwickelt.
  Mit Hilfe krimineller Organisationen importiere die zweitgrößte Volkswirtschaft das Holz im großen Stil, kritisierte die Organisation Environmental Investigation Agency (EIA) am Donnerstag vor Journalisten in Peking.
  Im vergangenen Jahr habe das rasant wachsende Reich der Mitte nach vorsichtigen Schätzungen 18,5 Millionen Kubikmeter Holz aus unerlaubtem Einschlag im Wert von 3,7 Milliarden US-Dollar (etwa 2,8 Mrd Euro) eingeführt. Die wahre Zahl dürfte wahrscheinlich viel höher liegen.
  Der illegale Holzeinschlag ist weltweit ein Milliardengeschäft. Das jährliche Handelsvolumen wird auf 30 bis 100 Milliarden US-Dollar geschätzt. In einigen Ländern in Asien und Afrika fache die Nachfrage aus China die Korruption an, beklagte Faith Doherty, Leiterin der Waldkampagne der Organisation. Während die chinesischen Behörden lobenswerte Schritte zum Schutz der eigenen Wälder unternähmen, «tun sie praktisch nichts gegen den illegalen Holzhandel».
  Mit Hilfe der Regierung habe sich eine große holzverarbeitende Industrie entwickelt, die auf den Import ihrer Rohmaterialien angewiesen sei. «China exportiert jetzt gewissermaßen die Entwaldung rund um den Erdball», sagte Doherty. Die chinesische Holzindustrie produziere viel für den Export, aber die starke Bautätigkeit und der wachsende Wohlstand in China hätten zu einem starken Anstieg der heimischen Nachfrage geführt, heißt es in einem Bericht der Organisation. Die Kluft zwischen dem heimischen Angebot von Holz und dem Bedarf der Holzindustrie wachse.
  Im benachbarten Myanmar kauften chinesische Firmen Berge auf und rodeten den Wald. Die Nachfrage aus China beinträchtige die Waldökosysteme in den Nachbarländern in Südostasien, im Fernen Osten Russlands oder auch in afrikanischen Ländern wie Mosambik, Madagaskar oder in Zentralamerika. Nach Schätzungen von Interpol und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen sind bis zu 30 Prozent des jährlichen Holzschlags in der Welt illegal. In tropischen Ländern steige der Anteil auf 50 bis 90 Prozent.
  Der Wert des illegalen Holzhandels in der Asien-Pazifik-Region wurde auf etwa elf Milliarden US-Dollar geschätzt. «Jeder weitere bedeutungsvolle Fortschritt zum Schutz der Wälder der Welt wird untergraben, solange die chinesische Regierung nicht schnell handelt und durchgreift, um sicherzustellen, dass illegal geschlagenes Holz von ihrem Markt verbannt wird», sagte Doherty. (dpa)
  11.11.2012
  Produkte aus illegalem Holzeinschlag und Waldzerstörung werden vom Markt verbannt
  Das Bundeskabinett hat den vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgelegten Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Holzhandels-Sicherungs-Gesetzes beschlossen.
  "Illegal eingeschlagenes Holz darf nicht auf unseren Markt gelangen. Alle Beteiligten haben sich gut vorbereit, um dies ab 2013 wirksam und vollständig garantieren zu können. Die Verbraucher können so mit gutem Gewissen Holzprodukte nutzen und sicher sein, dass sie aus legaler Waldnutzung stammen. Zudem schützen wir die Interessen der heimischen Forstwirtschaft, die nach hohen Standards nachhaltig und gesetzeskonform arbeitet, aber oftmals mit der Konkurrenz durch Billigholz aus unklaren Quellen konfrontiert ist. Die Einhaltung der Gesetze bei der Holzernte ist in vielen Ländern der Welt ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur umfassend nachhaltigen Waldbewirtschaftung, wie wir sie in Deutschland bereits seit langem haben", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am Mittwoch in Berlin.
  Bereits im Juli 2011 war das Holzhandels-Sicherungs-Gesetz in Kraft getreten. Bislang regelte das Gesetz aber lediglich die nationalen Kontrollen von Holzeinfuhren aus Ländern, die mit der EU separate Partnerschaftsabkommen gegen den illegalen Holzeinschlag abgeschlossen haben. Entsprechende Abkommen wurden bislang mit sechs Tropenländern ausgehandelt: Ghana, Republik Kongo, Republik Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Indonesien und Liberia. Mit weiteren Ländern wie beispielsweise Malaysia führt die Europäische Kommission derzeit Verhandlungen.
  Mit der nun anstehenden Änderung des Holzhandels-Sicherungs-Gesetzes wird nun Holz aus allen Ländern erfasst - auch solches aus der EU selbst. Ab 3. März 2013 ist damit EU-weit die Vermarktung von illegal eingeschlagenem Holz verboten und alle Marktteilnehmer, die Holz oder Holzprodukte erstmalig in Verkehr bringen, müssen bestimmte Sorgfaltspflichten einhalten. Dazu gehören Informationspflichten zur Art und Herkunft des Holzes sowie Verfahren zur Einschätzung und - wenn nötig - zur Reduzierung des Risikos, dass das Holz aus illegalem Einschlag stammen könnte. Das Holzhandels-Sicherungs-Gesetz regelt zudem die Kontrollbefugnisse der zuständigen Behörden und die Voraussetzungen für die Beschlagnahmung von Holz.
  Hintergrundinformation
  Jährlich werden derzeit rund 13 Millionen Hektar Wald vernichtet, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ein Verlust von unschätzbarem Wert, denn Wälder in Verbindung mit einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung können maßgeblich zur zukunftsfähigen Entwicklung und zur Armutsbeseitigung beitragen: Weltweit sind die Wälder für etwa ein Viertel der Weltbevölkerung (ca. 1,6 Milliarden Menschen) überlebenswichtig, weil sie zum Beispiel direkt oder indirekt ihr Einkommen sichern.
  Quelle: BMELV Pressemitteilung
  05.10.2012
  Awá-Indianer senden dringenden Hilferuf an Brasiliens Justizminister
  Die Awá in Brasilien, bekannt als das bedrohteste Volk der Welt, haben an den Justizminister des Landes geschrieben und ihn aufgefordert, “Eindringlinge dringend [aus ihrem Gebiet] auszuweisen”. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Lebensart der Awá, das Jagen und Sammeln, aufgrund der Bedrohung durch illegale Holzfäller praktisch zu Stillstand gekommen ist.
  Der Brief der Awá an die Regierung Brasiliens fordert die Ausweisung der Eindringlinge aus ihrem Wald und betont, dass sie sich vorher nicht zufrieden geben werden. Der schriftliche Appell erscheint zeitgleich mit einer neuen Video-Botschaft eines Awá-Indianers, in dem er die dramatischen Effekte der illegalen Abholzung für die Lebensgrundlage seines Volkes schildert.
  Der Mann, Piar’ima’a (“Kleiner Fisch”), sagt: “Die Kinder weinen und sie haben Hunger. Doch wohin soll ich zum Jagen gehen? Die Holzfäller sind hier. Wir können nicht alleine los, die Holzfäller könnten uns töten. Überall sind Lastwagen, Kettensägen und Autos. Deshalb gehe ich nicht auf die Jagd. Wir bleiben zu Hause. Wir sind traurig, dass wir nicht mehr in den Wald gehen können.”
  Derartige Einschränkungen sind eine Katastrophe für die Zukunft der Awá. Die Awá sind eines von nur wenigen nomadischen Jäger und Sammler-Völkern weltweit, die für ihre Ernährung und ihr Überleben auf den Wald angewiesen sind. Mit dem Vorrücken illegaler Holzfäller und Siedler in ihre Wald-Gebiete, steht dieser autarke Lebensstil nun auf dem Spiel. “Ich gehe auch nicht in ihre Stadt und stehle Dinge”, sagt Piar’ima’a in dem Video, “warum also zerstören die Holzfäller unser Land?” Auch umfangreicher Bergbau beeinflusst die Möglichkeiten der Awá auf die Jagd zu gehen.
  Anfang des Monats hatte ein Richter ein Urteil aufgehoben, dass die Pläne zur Erweiterung einer Bahnstrecke des Bergbaugiganten Vale vorübergehend gestoppt hatte. Die Bahnstrecke führt teilweise entlang des Landes der Awá. Die Erweiterung wird zu mehr Lärm und weiteren Zügen führen, was nach Angaben der Awá ihr Jagdwild verscheuchen wird.
  So ist das Jagen ist tief in jeder Awá-Gemeinde verwurzelt. Es ist was sie tun. Es ist wie sie überleben. Brasilien weiß, dass die Awá Priorität haben müssen bevor es zu spät ist. Es ist Zeit für tatsächliche Handlungen. Leider sind im Moment die einzigen sichtbaren Handlungen die der Holzfäller.
  Quelle: Survival International
  06.09.2012
  Rodungen reduzieren Niederschlag im Regenwald
  In einer Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Chemie wird auf einen bislang unbekannten Rückkopplungsmechanismus zwischen Vegetation und Wolkenbildung hingewiesen, welcher den Klimawandel verstärken könnte. Die Pressemitteilung können Sie sich hier im .pdf-Format herunterladen.
  06.08.2012
  Abholzung am Amazonas geht angeblich um 23 Prozent zurück
  Die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes fiel innerhalb von Juli 2011 bis Juli 2012 um 23 Prozent im Vergleich zu den vorigen zwölf Monaten. Das Ministerium für Umwelt (Ministério do Meio Ambiente) veröffentlichte am 2.8.2012 Daten, die belegen, dass in den letzten zwölf Monaten 2.040 Tausend Quadratkilometer Regenwald abgeholzt wurden. So wurden in etwa ein Gebiet von 700 Quadratkilometern weniger gefällt als in der Periode zuvor.
  Nach Informationen des Nationalinstituts für Spezialstudien (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais, kurz: Inpe) hatten alle Bundesstaaten im Norden Brasiliens, außer Roraima, die lokale Abholzung reduziert oder zumindest nicht erhöht. Dies wurde mit einem Beobachtungssystem (Sistema de Monitoramento em Tempo Real, kurz: Deter) analysiert.
  Von allen Bundesstaaten reduzierte Maranhão die Abholzung am stärksten. Die Rodung ging in diesem Teil Brasiliens um 67 Prozent zurück. Gefolgt ist Maranhão vom Bundesstaat Amazonas, der die Abholzung in den vergangenen zwölf Monaten um 45 Prozent senkte.
  Für die Umweltministerin Izabella Teixeira macht die Senkung die Effizienz der politischen Strategien zur Reduzierung der Rodung deutlich. Nur im Bundesstaat Roraima wurde bislang noch keine Senkung festgestellt. Die Ministerin erklärt jedoch, dass das Beobachtungssystem Deter auch in dieser Region bereits eine leichte Tendenz zur Reduzierung der Abholzung registriert habe.
  Als weitere Maßnahme will die brasilianische Regierung ab Januar nächsten Jahres den Satelliten Cbers 3 einsetzen. Mit diesem Satelliten sei es möglich, auch kleine illegal gerodete Flächen ausfindig zu machen und so die Verantwortlichen nachverfolgen zu können.
  Quelle: brasilnews
  20.7.2012
  Bolivien will Bau von Urwaldstrasse durchsetzen
  Boliviens Regierung ist fest entschlossen, den Bau der umstrittenen Landstraße durch den Indígena-Nationalpark Isiboro-Sécure (Tipnis) fortzusetzen. Als die rund tausend Teilnehmer des neunten Marsches zur Verteidigung des Tipnis Ende Juni nach zwei Monaten und 600 Kilometern Fußweg erschöpft in La Paz eintrafen, wurden sie erneut begeistert empfangen. Doch anders als im Oktober 2011 verwehrten ihnen Polizisten mit Tränengas den Zugang zur Plaza Murillo vor dem Regierungspalast.
  Präsident Evo Morales, der nach der Ankunft des achten Marsches noch einen Baustopp verhängen musste, verweigerte diesmal den Dialog. Innenminister Carlos Romero erklärte, man sei bereit, mit 60 Vertretern der Region zu reden, nicht aber mit Adolfo Chávez und Bertha Bejarano, den "ethisch fragwürdigen" Sprechern der Marschierer. Bejarano sei wegen Drogenhandels verurteilt, Chávez in eine Glücksspielaffäre verwickelt, sagte der Minister, außerdem seien die beiden innerhalb der ostbolivianischen Indígenaorganisation Cidob umstritten.
  Regierungsprinzip: "Teile und herrsche"
  Tatsächlich ist es der Regierung in den letzten Monaten gelungen, nach dem Prinzip "Teile und herrsche" das Blatt im Tipnis-Konflikt zu wenden. Nach einem Pro-Straßen-Marsch von Kokabauern, dem Kern von Morales? politischer Basis, verabschiedete sie im Februar das Gesetz mit der Nummer 222, demzufolge nun eine Befragung zum Straßenbau organisiert wird.
  Die Cidob, die Vereinigung indigener Menschen in Bolivien, lehnt das Vorhaben als "betrügerisch und illegal" ab, denn anders als nach UN-Standards vorgesehen finde sie weder vor Projektbeginn noch "frei" oder gar nach umfassender Aufklärung der Betroffenen statt. Vor allem sollen die gut organisierten Kokabauern, die in den letzten Jahrzenten in den Park eingedrungen sind, mitstimmen. Im sogenannten Polígono 7, der von Südosten her wie ein Keil in den Park hineinragt, erhoffen sich an die 20.000 Cocaleros weiteren Aufschwung ? ihre Ernte landet größtenteils bei der Kokainmafia.
  Seine Kampagne für den Straßenbau unterfüttert Morales mit der Verteilung von Außenbordmotoren, Handys oder Lebensmitteln. Auf internationalen Konferenzen lässt er Broschüren verteilen, in der die angeblich bedauernswerte Versorgung der Tipnis-Bewohner mit Schulen oder Gesundheitsposten geschildert und Verbesserung in Aussicht gestellt wird.
  Das zähle nicht, sagt Sarela Paz, Koautorin einer Umweltstudie über den Tipnis, denn die Lage sei im jetzt schon viel zugänglicheren Polígono 7 kaum besser. Entscheidender sei wohl etwas anderes: "2007 hat die Regierung Ölkonzessionen an zwei Multis vergeben, doch ohne Straße werden die nicht aktiv."
  Noch ist die Auseinandersetzung nicht entschieden
  Die 306 Kilometer lange Straße von Villa Tunari in der Kokaregion Chapare bis San Ignacio de Moxos gehört auch zu einer geplanten Verbindung vom südlichen Teil des brasilianischen Amazonasgebiets bis zu den Pazifikhäfen in Peru oder Chile, über die Agrarprodukte oder Mineralien nach Asien verschifft werden könnten. Dass sich jetzt auch rechte Politiker für die Tiefland-Indígenas starkmachen, treibt viele ins Regierungslager. Vizepräsident Álvaro García Linera erklärte, "einige falsche Linke", darunter Umweltaktivisten, Indígenas und frühere Weggefährten, bildeten die "Vorhut der faschistischen Rechten".
  Doch entschieden ist die Auseinandersetzung noch längst nicht. Zwar traten die Teilnehmer des neunten Marsches letzte Woche frustriert die Heimreise an. [6] Ihren Widerstand wollen die Indígenas nun im Tipnis fortsetzen - "mit Pfeil und Bogen".
  Mit ihrem unnachgiebigen Vorgehen dürfte die bolivianische Regierung weiteres politisches Kapital verspielt haben: Das Image von Morales? "Bewegung zum Sozialismus", wonach sie die "Mutter Erde" und die indigenen Völker verteidige, sei erneut geschwächt worden, meint der Soziologe Yuri Tórrez.
  Beim Bau dieser Strasse stehen jedoch auch massive brasilianische Interessen dahinter. Brasilien will mit der Strasse den Export des Sojas aus dem süd-westlichen Amazonasgebiet und der bolivianischen Grenzregion erleichtern und finanziert den Strassenbau zum größten Teil.
  23.6.2012
  Rio + 20 gescheitert
  „Wenig ambitioniert“: So hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zu Beginn des Erdgipfels von Rio die Abschlusserklärung kritisiert. Einen „großen Erfolg“ vermeldete derselbe Ban Ki Moon am Tag darauf, die Abschlusserklärung nannte er eine „solide Basis“ – ohne dass sich irgendetwas am Text verändert hatte. Der Sinneswandel kam auf Druck der brasilianischen Gastgeber zustande.
  Nachdem auf dem dreitägigen Gipfel nichts mehr zu entscheiden war, stand der Kampf um die Deutungshoheit im Vordergrund. Das Abschlussdokument sei „alles andere als armselig“, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), der deutsche Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) wollte gar „wichtige Wegmarken“ erkannt haben. Holger Lösch vom Bundesverband der Deutschen Industrie sah „gute Ansätze“ zum verstärkten „Greening“ der Welt.
  „Die Zukunft, die wir wollen“, so der Titel dieser Erklärung, verlangt „Engagement und Handeln, Dringlichkeit und Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft“. Davon sei leider nichts zu sehen, erklärte ein Bündnis von Aktivisten und Nichtregierungsvertretern. Dieser andere Konsens reichte von Weltsozialforumsinitiator Oded Grajew über Brasiliens Exumweltministerin Marina Silva bis zur WWF-Chefin Yolanda Kakabadse.
  Sie geißelten die „bequemen Positionen der Regierungen“ und forderten die Streichung der Passage, in denen von der Beteiligung der „Zivilgesellschaft“ die Rede ist. „Wäre die Welt eine Bank, sie wäre längst gerettet“, meinte Martin Kaiser von Greenpeace, „die Seifenblase der Green Economy ist geplatzt, übrig bleibt ein Greenwashing“.
  In der Tat: Verbindliche Auflagen für Unternehmen, etwa zur Einhaltung von Menschenrechten, sucht man in der Abschlusserklärung vergebens.
  „Weder Wohltätigkeit noch Almosen“
  Die Kritik, dass es an der Zahlungsbereitschaft der Industrieländer fehlt, ist wohl der breiteste Konsens von Rio. „Wer kein Geld auf den Tisch legt, aber ambitioniertes Handeln fordert, ist inkohärent“, sagte der brasilianische Verhandlungsführer Luiz Alberto Figueiredo. „Wir verlangen weder Wohltätigkeit noch Almosen“, sagte Ecuadors Präsident Rafael Correa, „20 Prozent der reichsten Länder emittieren 60 Prozent, während die ärmsten Länder des unteren Fünftels für nicht einmal ein Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich sind.“
  Wenn überhaupt, wird frühestens 2014 ein Nachhaltigkeitsfonds für die Länder des Südens eingerichtet. Bis zu einem Schutz der Meere außerhalb der Hoheitsgewässer wird es noch länger dauern. Auch ein Entwaldungsstopp für Tropenwälder bis 2020 wurde gestrichen. Was „nachhaltige Landwirtschaft“ sein soll, bleibt diffus, dem Siegeszug der Gentechnik im globalen Süden wird nichts entgegengesetzt.
  Reichlich unverbindlich bleibt der Appell, die Subventionen für fossile Energieträger abzubauen. Ein Beschluss, zu einer dezentralen Versorgung der 1,4 Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, mit Wind- oder Solarkraft fehlen ebenso wie wie die Abkehr von Kohle- oder Atomkraft.
  Die Formulierung von Nachhaltigkeitszielen für alle Länder ab 2015 soll nun eine Arbeitsgruppe vorbereiten. Das hört sich nicht nach einem „großen Erfolg“ an – nicht mal nach einer „soliden Basis“.
  Quelle: Gerhard Dilger, taz.
  15.6.2012
  Aufruf zu Protestaktion gegen den Belo Monte-Staudamm vor Voith Hydro in Heidenheim
  Ort: Heidenheim, Voith Konzernzentrale, Sankt Pöltener Straße 43, 89522 Heidenheim Zeit: 20.06.2012, 11.00 – 12.00 Uhr
  Der umstrittene Belo Monte-Staudamm im Amazonasgebiet zerstört Regenwald und vertreibt über 20 000 Menschen aus ihrer Heimat. Voith Hydro ist durch seine Lieferung von Turbinen mit einem Auftragsvolumen von rund 443 Millionen Euro für die Auswirkungen des Projekts mit verantwortlich. Das Unternehmen verletzt damit seine in UN-Leitprinzipien festgelegte menschenrechtliche Verantwortung.
  Zeigen Sie der Leitung von Voith Hydro gemeinsam mit uns, dass sie aus Belo Monte aussteigen muss und sich auch in Zukunft nicht an zerstörerischen Großprojekten beteiligen darf! Wir fordern für alle zukünftigen Projekte, die Empfehlungen der Weltstaudammkommission einzuhalten. Kommen Sie zur Übergabe unseres Protestbriefes am 20.6. um 11 h vor der Konzernzentrale Voith (Sankt Pöltener Straße 43, 89522 Heidenheim)!
  Zeitgleich findet eine Protestkundgebung vor der brasilianischen Botschaft in Berlin statt. Durch die Aktionen zeigen wir außerdem Solidarität mit der brasilianischen Bewegung vor Ort, die die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung aufgerufen hat.
  Hintergrundinformationen
  Das Belo Monte Projekt: Am Xingu-Fluss mitten im Amazonasregenwald soll der drittgrößte Staudamm der Welt entstehen. Dies bedeutet Zerstörung eines einzigartigen Ökosystems und Vertreibung sowie Zerstörung der Lebensgrundlage zehntausender Menschen, darunter vieler Indigener. Voith Hydro, ein Joint Venture aus Voith und Siemens, ist Teil des europäischen Konsortiums, das die elektromechanische Ausrüstung für den Belo Monte-Staudamm liefern wird. Weltstaudammkommission : Die Weltstaudammkommission nahm im Mai 1998 die Arbeit auf, nachdem Proteste Projektbetroffener gegen die negativen Folgen von Großstaudämmen immer mehr zunahmen und auch die Weltbank für ihre Finanzierung von Dämmen kritisierten. Sie war aus WissenschaftlerInnen, ProjektkritikerInnen und Unternehmensvertretern besetzt und erarbeitete Empfehlungen für Planung, Bau und Betrieb von Staudämmen, die sie im November 2000 vorstellte (http://hqweb.unep.org/dams/WCD/report/WCD_DAMS%20report.pdf).
  Grüne Wirtschaft: Wasserkraft wird in der Debatte um „Grüne Wirtschaft“, die im Kontext des am 20.Juni startenden Rio+20-Gipfels geführt wird, als eine saubere, klimafreundliche und kostengünstige Technologie propagiert. So erlebt Wasserkraft mit tausenden weltweit geplanten Dämmen derzeit einen neuen Boom. Doch tatsächlich setzen Stauseen gerade in den Tropen klimaschädliche Treibhausgase in großem Maße frei. Auch ist Wasserkraft nicht günstig, denn die Kosten der sozialen und ökologischen Folgen sind nicht eingerechnet und müssen von der Bevölkerung getragen werden.
  10.6.2012
  Präsidentin Dilma legt nur "Teilveto" ein
  Dilma Rousseff ist doch nicht über ihren Schatten gesprungen. Nach einer wochenlangen Kampagne von Umweltgruppen und Prominenten schien ein vollständiges Veto der brasilianischen Präsidentin gegen die Ende April vom Abgeordnetenhaus in Brasília beschlossene dramatische Aufweichung des Waldgesetzes, durchaus möglich. Doch anstatt sich vor dem UN-Umweltgipfel Rio+20 zum Umweltschutz in Form eines zeitgemäßen Waldgesetzes zu bekennen, entschied sie sich für einen Kompromiss, der vor allem die Agrarier in ihrer Regierungskoalition zufriedenstellt.
  Durch die Novelle wäre die Abholzung von über 750 000 Quadratkilometern Wald, eine Fläche von der doppelten Größe Deutschlands, legalisiert worden. Illegale Rodungen bis 2008 sollten nicht geahndet, Schutzzonen an Abhängen, Hügelkuppen und Flussläufen abgebaut werden. Die mächtige Agrarlobby dominiert das Parlament und ist auch in Rousseffs Mitte-links-Regierung vertreten.
  Nach ihrem Teilveto gebe es keine Amnestie für Waldzerstörer, versicherte Umweltministerin Izabella Teixeira. Das derzeitige Waldgesetz sieht vor, dass auf Privatgrundstücken in Brasilien ein bestimmter, je nach Ökosystem variierender Anteil als »Naturreserve« erhalten werden muss. In Amazonien, dem größten zusammenhängenden Tropenwald der Erde, sind es 80 Prozent. Den Raubbau hat das Waldgesetz dennoch oft nicht verhindern können, allzu oft bleiben Prozesse gegen Waldzerstörer im Justizsystem stecken. »Alle werden wiederherstellen müssen, was zerstört wurde«, versprach Teixeira.
  Dies steht in Widerspruch zur Ankündigung, man sei vor allem den Kleinbauern entgegengekommen. Die nämlich, so viel nahmen die Minister vorweg, brauchen künftig nur noch jeweils fünf bis 15 Meter der zerstörten Flussufer wieder aufzuforsten. Die bisherige Vorschrift von 30 Metern bei bis zu zehn Meter breiten Flüssen gilt nur noch für Großfarmer. »Zehn Jahre Raubbau werden amnestiert«, kritisierte der sozialistische Abgeordnete Ivan Valente. »Immerhin müssen alle ein wenig aufforsten«, tröstet sich der Biologe Ricardo Rodrigues, »vor allem die großen Viehzüchter, die für vier Fünftel der Zerstörungen von Schutzgebieten verantwortlich sind.«
  Die Agrarier zeigten sich weitgehend zufrieden - das Gros ihrer Novelle bleibt unangetastet. Kátia Abreu, Vorsitzende des Großfarmerverbandes CNA und Senatorin, lobte die patriotische Haltung Rousseffs, die angeblich alle Interessen berücksichtigt habe. Der Abgeordnete Homero Pereira freute sich, dass die Staatschefin vor einem vollständigen Veto zurückschreckte und die Verhandlungen nach Rio+20 »in aller Ruhe« weitergehen - nach der Verkündung von Übergangsbestimmungen ist wieder das Parlament am Zug. Fraglich ist, ob das Gesetz noch in diesem Jahr in Kraft tritt.
  Rousseff hat offenbar ihr Ziel erreicht: Das unbequeme Thema Waldgesetz ist vor dem Umweltgipfel im Juni vom Tisch, die juristische Lage bleibt jedoch unübersichtlich. Das dicke Ende komme später, fürchten Umweltschützer. »Die Präsidentin hat die Öffentlichkeit ausgedribbelt«, meint André Lima, Berater der Gruppe SOS Atlantischer Regenwald: »Jetzt weicht sie dem Druck aus, und wenn die Debatte weitergeht, ist die Luft raus«.
  Quelle: "Neues Deutschland"
  23.5.2012
  Fordern Sie die bras. Präsidentin Dilma Rousseff auf gegen das neue Waldgsetz zu stimmen!
  Bis zum 25.5.2012 hat die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff Zeit, ihr Veto gegen das umstrittene Waldgesetz einzulegen, welches der Zerstörung Amazonies Tür und Tor öffnet. Unterstützen Sie die Aktion von avaaz.org.
  18.4.2012
  Belo Monte Staudamm: Enteignete Siedler erhielten noch keine Entschädigungszahlungen
  Kleinbauern und Siedler der Großen Schleife des Xingu beschwerten sich bei der Staatsanwaltschaft in Altmira, dass Norte Energia S.A. die Verträge der Entschädigungszahlungen nicht einhält. Für den Bau des Staudammes Belo Monte wurde das gesamte Gebiet der Großen Schleife enteignet. Norte Energia zahlt aber weder die vereinbarten Beträge noch hält sie die Frist ein.
  "Heute müssen wir um Hilfe bitten, um aus dieser verzwickten Situation heraus zu kommen, die wir nicht verschuldet haben. Niemand kümmert sich um unsere Anliegen. Sie haben uns betrogen; haben einen Betrag für die Entschädigung ausgemacht und nun wollen sie einen anderen zahlen. Sie haben den 15. Februar als Zahltag vereinbart, und bis heute haben wir kein Geld erhalten," sagte einer der Betroffenen.
  19.3.2012
  Bayern - aber nicht nur die Bayern essen den Regenwald auf!
  Schnell und billig soll sie sein: die massenhafte Produktion von Fleisch und Milch. Mittel zum Zweck ist für die Agrarindustrie die eiweißhaltige Sojabohne. 800.000 Tonnen importiert allein der Freistaat Bayern Jahr für Jahr – hauptsächlich aus Südamerika.
  Doch für den Tropenwald und dessen Artenvielfalt ist dieser Sojahunger tödlich. Um Platz für immer neue Monokulturen zu schaffen, wird in Südamerika großflächig abgeholzt. Auch Menschen verlieren so ihre Heimat und ihre Lebensgrundlagen.
  Bayern kurbelt Vernichtung von Regenwald an
  Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner scheint von all dem nichts gehört zu haben. In Sao Paulo unterzeichnete er Anfang März ein Abkommen mit der südamerikanischen Sojaindustrie. Zwar soll nun hauptsächlich gentechnikfreies Soja bezogen werden. Doch Land und Leuten hilft das nicht. Denn auch bei konventioneller Ware wird gespritzt, gerodet und verwüstet.
  Ob genmanipuliertes oder konventionelles Soja: Für beide Sorten werden in Brasilien die Regenwälder und andere natürliche Ökosysteme wie die Cerrado Savanne abgeholzt. Die Artenvielfalt wird vernichtet, die Böden ruiniert, der Wasserhaushalt beeinträchtigt. Durch die Rodungen und den Humusabbau werden zudem gewaltige Mengen an Kohlenstoff freigesetzt. Das schädigt das Klima erheblich. Sollte sich die brasilianische Agrarindustrie mit ihren Forderungen zur Aufweichung des Waldschutzes durchsetzen, stünden zudem weitere Millionen Hektar Regenwald auf dem Spiel. Der Sojaanbau ist derzeit Brasiliens Regenwaldkiller Nr.1.
  Abkommen mit den größten Regenwald-Vernichtern
  Das Soja-Abkommen hat Landwirtschaftsminister Brunner mit der brasilianischen Sojavereinigung ABRANGE unterzeichnet. Gründer und wichtigstes Mitglied von ABRANGE ist die Andre Maggi-Gruppe. Der Konzern ist der weltweit größte Sojaproduzent und wegen seiner illegalen Landnahmen und Regenwaldrodungen berüchtigt. Firmeninhaber Blairo Maggi war bereits zweimal Gouverneur des brasilianischen Bundesstaates Mato Grosso, dem Hauptanbaugebiet von Soja in Brasilien. Während seiner Amtszeit wurden allein in Mato Grosso 13.000 Quadratkilometer Amazonaswald pro Jahr abgeholzt. Der Name des Bundesstaates, der zu deutsch „mächtiger Wald“ bedeutet, klingt zunehmend zynisch im Anbetracht der sich ausdehnenden Ödnis.
  Eine Aktion von unseren Kollegen bei "Rettet den Regenwald" können Sie hier unterstützen.
  8.3.2012
  Brasilianische Regierung verschiebt Entscheidung zum neuen Waldgesetz erneut
  Die Entscheidung über die umstrittene Novelle des Waldgesetzes in Brasilien ist auf nächste Woche verschoben worden. Darauf verständigten sich die Fraktionschefs der Regierungskoalition am Dienstagabend im brasilianischen Abgeordnetenhaus. Die Entscheidung soll nun am 13. März fallen. Durch das Gesetz würden die Schutzbestimmungen für den Regenwald aufgeweicht.
  Umweltschützer kritisieren das Gesetz als „fatales Signal“ und Freibrief für illegale Abholzungen. Die Abgeordneten hatten dem sogenannten Código Florestal bereits 2011 zugestimmt. Nach Änderungen durch den Senat müssen sie sich aber erneut mit dem Thema befassen. Nach einer Zustimmung ginge der Entwurf zur Unterschrift an Präsidentin Dilma Rousseff.
  Die Änderungen sehen unter anderem eine Amnestie für kleine Landwirtschaftsbetriebe vor, die vor Juli 2008 Flächen illegal rodeten. Zudem sollen landwirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten an Hangflächen ausgeweitet, Schutzzonen an Flussufern verringert und gesetzlich fixierte Mindestquoten für Naturflächen unter bestimmten Bedingungen reduziert werden.
  Umweltschutzorganisationen hoffen, dass das Unterhaus mit Blick auf die im Juni 2012 in Rio stattfindende UN-Umweltkonferenz „Rio+20“ den Schutz für den Regenwald nicht lockert. Die Waldzerstörung wird in Brasilien für nahezu zwei Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich gemacht. Brasilien will seine CO2-Emissionen bis 2020 um 39 Prozent und die Waldabholzung um 80 Prozent verringern.
  9.2.2012
  Peru: Illegale Holzfäller im Gebiet unkontaktierter Indianer festgenommen
  Peru hat im Manú-Nationalpark eine Razzia gegen illegale Holzfäller durchgeführt. Die Operation folgte nur wenige Tage nachdem Fotos der dort lebenden unkontaktierten Mashco-Piro-Indianer um die Welt gingen. Survival International hatte die Nahaufnahmen des unkontaktierten Volkes veröffentlicht, um auf die Bedrohungen der Gruppe durch illegale Holzfäller aufmerksam zu machen.
  Bei der Operation, die von Perus Ministerium für Schutzgebiete SERNANP geleitet wurde, entdeckten Polizei und Parkwächter illegal gerodetes Holz. SERNANPs zweitägige Operation führte auch zur Festnahme einer Gruppe von Männern und der Beschlagnahmung ihrer Werkzeuge. Den Männern drohen nun Gefängnisstrafen zwischen drei und sechs Jahren.
  In den vergangenen Monaten wurden die unkontaktierten Mashco-Piro vermehrt gesichtet. Es wird vermutet, dass unter anderem illegale Holzfäller das Volk aus seiner Heimat im Wald treiben.
  FENAMAD, die regionale Indigenen-Organisation, arbeitet inzwischen mit lokalen Gemeinden, um einen Wachposten in der Nähe einzurichten, der helfen soll die Mashco-Piro vor Eindringlingen zu schützen. FENAMAD hat zudem Reiseanbieter dafür kritisiert, Touristen dorthin zu bringen, wo von Sichtungen der unkontaktierten Mashco-Piro berichtet wurde.
  FENAMAD begrüßte das Ergebnis der Razzia und sagte, dass man "mit nationalen und lokalen Behörden arbeitet, darunter auch SERNANP, um die Sicherheit der unkontaktierten Völker zu gewährleisten."
  Quelle: Survival International
  24.01.2012
  Urwaldabholzung trotz richterlichen Verbots in Kamerun
  In den letzten Monaten kämpften verschiedene Naturschutzorganisationen für die Rettung eines alten, besonders artenreichen Regenwalds in Kamerun. Für den Bau einer Palmölplantage sollen, so die Pläne des US-Investors Herakles Farms, 70.000 Hektar Regenwald in einem der bedeutendsten Ökosysteme der Erde gefällt werden.
  Die erheblichen Anstrengungen wie internationale Protestpetitionen, eine Regenwaldkonferenz im August letzten Jahres und eine Klage durch einen internationalen Umweltanwalt zeigten durchaus Erfolg für die Naturschützer: Am 31. August 2011 verfügte ein kamerunisches Gericht den sofortigen Rodungsstopp auf einem Teilstück der Fläche und ein Verbot aller Aktivitäten auf der geplanten Plantage.
  Trotz dieser richterlichen Verfügung erhielt der SAVE Wildlife Conservation Fund immer wieder Informationen von Beobachtern in Kamerun, dass das Unternehmen gegen die Verfügung verstoße.
  Nun konnten diese Verstöße auch erstmalig dokumentiert werden: SAVE liegen Fotos vor, die zeigen, wie Mitarbeiter des ausführenden Unternehmens SG-SOC trotz geltender gerichtlicher Verfügung auf der Plantage weiterarbeiteten und diese nach Einschätzung von Augenzeugen auch vergrößert wurde. Diese Bilder wurden alle um den 5. Januar herum von Mitarbeitern einer örtlichen Naturschutzorganisation gemacht, dem kamerunischen Kooperationspartner des SAVE Wildlife Conservation Fund. Weiterhin zeigen diese Bilder im Vorher-Nachher-Vergleich, dass die Plantage vergrößert wurde. Außerdem ist darauf eine weitere frisch gerodete Fläche sichtbar. Andere Bilder zeigen Holzhütten, die für die Plantagenarbeiter errichtet wurden, was laut richterlichem Beschluss ebenfalls untersagt ist.
  Für jeden Tag, an dem auf der Palmölplantage Verstöße stattfinden, müsste SG-SOC pro Tag umgerechnet rund 760 Euro an die Gerichtskasse zahlen, bis zum heutigen Tag also umgerechnet fast 100.000 Euro. Doch bislang hat sich das Unternehmen geweigert und stattdessen am 23.11.2011 eine Beschwerde bei einem höheren kamerunischen Gericht gegen die angeordneten Strafgeldzahlungen eingelegt.
  Naturschützer sind hochgradig besorgt darüber, wie das Palmöl-Unternehmen das richterliche Urteils verletzt und sich über alle Anordnungen hinwegsetzt.
  Es werden nun große Hoffnungen auf weiterführende gerichtliche Maßnahmen gesetzt, sowie auf ein Einlenken der Firma. „Mensch und Natur vor Ort“, so die Naturschützer, „müssen gleichermaßen beachtet und dürfen nicht übergangen werden“.
  10.01.2012
  Gota d'Água überbringt der Regierung 1,35 Mio Unterschriften gegen Belo Monte
  Der Kampf gegen den Megeastaudamm am Rio Xingu geht weiter:
  Mitglieder der Bewegung Gota d'Água, die in den letzten Wochen mit Videos zu einer großen Medienkampage gegen Belo Monte beigetragen haben, hatten Ende Dezember 2011 ein Treffen mit Ministern in Brasília, um das Kraftwerksprojekt am Xingu zu diskutieren.
  Die Regierung war durch Staatssekretär Gilberto Carvalho, Energieminister Edison Lobão und Umweltministerin Izabella Teixeira vertreten. Die Schauspieler Sérgio Marone und Maria Paula Fernandes bedauerten, dass die Regierung am Kraftwerksprojekt Belo Monte beharrlich festhält.
  Bei dieser Gelegenheit wurden den Ministern 1.350.000 Unterschriften überbracht, die die Bewegung im vergangenen Monat gegen Belo Monte gesammelt hat.
  Die Minister wiederholten, dass keine Indigenen durch den Staudamm Belo Monte überfutet werden. Die Aktivisten widersprachen, dass sie durch den trockengelegten Fluss sehr wohl zu Schaden kommen werden.
  19.12.2011
  Waldgesetzabstimmung im Abgeordnetenhaus auf März 2012 verschoben
  Der Regenwald in Brasilien bekommt noch eine Schonfrist: Das Abgeordnetenhaus wird anders als erwartet nicht mehr in diesem, sondern erst im nächsten Jahr über die umstrittene Novelle des Waldgesetzes entscheiden.
  Mit dem Gesetz werden die Schutzbestimmungen für den Regenwald aufgeweicht. Der Senat hatte den Entwurf bereits vergangene Woche gebilligt. Die Abstimmung über den "Código Florestal" im Abgeordnetenhaus wurde nun auf den 6. und 7. März 2012 gelegt, wie das Unterhaus am Dienstag auf seiner Internetseite mitteilte. Nach der Entscheidung der Abgeordneten bedarf es dann noch der Unterschrift von Präsidentin Dilma Rousseff, damit das Gesetz in Kraft tritt.
  Mehrere Abgeordnete kritisierten nun, dass man erst abstimmen könne, wenn klar sei, welche Auswirkungen die vom Senat beschlossenen Änderungen auf die Landwirte hätten. Umweltschützer hoffen allerdings, dass das Unterhaus mit Blick auf die im Juni 2012 in Rio stattfindende UN-Umweltkonferenz "Rio+20" den Schutz für den Regenwald nicht lockert. Die Waldzerstörung wird in Brasilien für nahezu zwei Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich gemacht. Brasilien will seine CO2-Emissionen bis 2020 um 39 Prozent und die Waldabholzung um 80 Prozent verringern.
  10.12.2011
  Waldgesetzänderung passiert den brasilianischen Senat
  Die Verabschiedung des neuen brasilianischen Waldgesetzes wird immer mehr zur Telenovela: Am 8.12. verabschiedete der Senat mit 59 zu acht Stimmen jene Reform, gegen die Brasiliens Umweltbewegung seit Monaten Sturm läuft. Damit wird die Zerstörung hochsensibler ökologischer Schutzgebiete im ganzen Land legalisiert. Nun muss das Abgeordentenhaus, das bereits im Mai eine noch radikalere Novelle zugunsten großer Farmer verabschiedet hatte, erneut abstimmen.
  Vor der Unterzeichnung des Gesetzes hätte Präsidentin Dilma Rousseff allerdings noch die Möglichkeit, ihr Veto gegen umstrittene Passagen einzulegen. Im Wahlkampf 2010 hatte sie öffentlich gelobt, keinem Gesetz zuzustimmen, das eine Amnestie für Waldzerstörer enthalte - darauf pocht die Umweltbewegung. Denn genau dies zeichnet sich jetzt ab: Die Novelle sieht Straffreiheit für jene Landbesitzer vor, die bis Juli 2008 die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzgebiete zerstört haben. Größere Grundstücke, im Amazonasgebiet fangen sie bei 440 Hektar an, müssen allerdings teilweise wiederaufgeforstet werden.
  Um das Gesetz noch 2011 unter Dach und Fach zu bringen, hatte sich die Regierung mit den Agrariern bereits im Vorfeld geeinigt. Ausgerechnet Senator Jorge Viana von Rousseffs Arbeiterpartei PT, ein früherer Mitstreiter der Umweltikonen Chico Mendes und Marina Silva, koordinierte die Ausarbeitung der Senatsnovelle. Dank ihrer würden in den kommenden zwanzig Jahren je 20.000 Quadratkilometer wiederaufgeforstet, meint er.
  Die PT hat sich mittlerweile nahezu vollständig der Agrarlobby unterworfen, nur Senator Lindbergh Farias aus Rio scherte aus. Die Präsidentin schätzt die industrielle Landwirtschaft als Devisenbringer: Agrarprodukte, allen voran Soja und Rindfleisch, machen 37 Prozent der brasilianischen Exporte aus. Führende Vertreter des Agrobusiness wie "Sojakönig" Blairo Maggi oder Kátia Abreu vom Farmerverband CNA sitzen selbst im Senat.
  "Wir haben die Diktatur der Umweltschützer beendet", jubelte Abreu. 2010 hatten rund 50 Parlamentarier üppige Wahlkampfspenden von solchen Firmen erhalten, die von der künftigen Amnestie profitieren werden, berichtet die Tageszeitung Folha de São Paulo.
  Während der Debatte handelten rechte Parlamentarier Dutzende zusätzliche Gesetzesänderungen aus. Ohne dass die meisten Senatoren wussten, worum es einzelnen ging, stimmten sie spätabends en bloc darüber ab. Selbst zwölf Stunden nach diesem Votum war immer noch unklar, was denn genau beschlossen worden ist. Auf der Webseite des Senats waren die Gesetzesänderungen immer noch nicht eingestellt.
  Für die armen Urwaldbewohner und die Umwelt setzten sich vor allem die beiden Senatoren der linken Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL) ein. Randolfe Rodrigues und Marinor Brito aus dem Amazonas-Bundesstaaten Amapá und Pará stimmten "im Namen all jener, die bei der Verteidigung des Urwalds ihr Leben gelassen haben" gegen das Gesetz.
  Im vergleichsweise fortschrittlich regierten Amapá, das an Französisch-Guyana grenzt, droht nun die ganz legale Zerstörung von 8.000 Quadratkilometern Primärwald. Weil über 65 Prozent seiner Fläche aus Nationalparks und Indianergebieten besteht, sollen auf Privatarealen nur noch 50 Prozent geschützt werden. Im übrigen Amazonien bleibt es bei 80 Prozent. Höhepunkt des Absurden: Die drei Senatoren aus Amapá, die diese Bestimmung übereinstimmend streichen wollten, wurden von ihren Kollegen aus den anderen Bundesstaaten überstimmt.
  Die Aufweichung des Waldgesetzes betrifft aber nicht nur den Regenwald im Amazonasgebiet. Im ganzen Land sollen Schutzgebiete an Flussufern zum Teil erheblich verringert und die landwirtschaftliche Nutzung an Berghängen und Kuppen ausgeweitet werden. Schon jetzt kommt es bei heftigen Regenfällen in dicht besiedelten Gebieten regelmäßig zu großen Erdrutschen mit zahlreichen Todesopfern.
  Im Hinblick auf internationale Klimaverhandlungen hatte sich Brasilien vor zwei Jahren verpflichtet, bis 2020 die Abholzung des Amazonasgebietes um 80 Prozent zu verringern. Auch weil im kommenden Juni der UN-Umweltgipfel "Rio+20" in Brasilien stattfindet, hoffen Umweltschützer nun auf das Veto der Präsidentin.
  Quelle: Gerhard Dilger, klimaretter.info
  2.12.2011
  Neues bras. Waldgesetz nochmals verschoben
  Die Abstimmung über eine Änderung des Waldgesetzes in Brasilien wurde gestern erneut verschoben. Senatoren haben das Eilverfahren angefochten, mit dem das skandalöse Gesetz durch das Parlament gedrückt werden sollte.
  Bereits während der gestrigen Debatte im Senat hatten Umweltschützer und Menschenrechtler dem Senatspräsidenten Sarney und der Präsidentin des Landes Dilma Rousseff 1,5 Millionen Unterschriften übergeben. Sie fordern dazu auf, die Gesetzesinitiative abzulehnen. Diese würde Millionen Hektar bereits gerodeter Regenwaldflächen legalisieren, bis zu 76 Millionen Hektar Wald zusätzlich der Abholzung preisgeben und den Verantwortlichen für alle illegalen Abholzungen bis zum Jahr 2008 Straffreiheit garantieren.
  Das Gesetz wurde von der Agrarindustrie diktiert. Diese will neue Landflächen für noch mehr Soja, Ethanol aus Zuckerrohr und Rinder für die Fleischproduktion in den Regenwaldgebieten schaffen. Nun sollen voraussichtlich am 6. Dezember die 81 Senatoren über die Gesetzesänderung abstimmen. Außerdem wären eine weitere Abstimmung im Abgeordnetenhaus und die Unterschrift der Präsidentin des Landes notwendig, um das neue Gesetz durch das parlamentarische Verfahren zu bringen und in Kraft zu setzen.
  14.11.2011
  Minister Niebel bleibt hart
  Er verweigert die Unterstützung zum Erhalt des Yasuni-Nationalparks in Ecuador - aus unserer Sicht ein Skandal!
  Das ecuadorianische Klimaschutzprojekt Yasuni-ITT wird 2012 nicht mit Mitteln aus dem deutschen Bundeshaushalt unterstützt. Bei der sogenannten Bereinigungssitzung zum Haushalt 2012 im zuständigen Bundestagsausschuss konnten sich die Befürworter der Initiative nicht durchsetzen. "Wir sind schwer enttäuscht, dass sich die Koalition nicht zu einem konkreten Beitrag für Yasuní durchringen konnte", sagte die grüne Bundestagsabgeordnete der Ute Koczy. "Die Koalition hat sich bewegt, das honorieren wir. Doch leider hat sich Minister Niebel mit seiner harten Linie gegenüber dem Treuhandfonds vorerst durchgesetzt."
  Während die CDU/CSU-Fraktion wie auch die Oppositionsparteien im Bundestag Gelder für den Schutz des Regenwalds bereitstellen wollten, spricht sich die FDP und ihr Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel dagegen aus. Sven Kindler, Haushaltsberichterstatter für das Umweltministerium in der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sagte gestern über die Verhandlungen am Donnerstag: "Bis in den Abend haben wir versucht, einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Leider vergebens. Zu dünn war das Eis, zu wenig konkret war die Aussage, mit welcher Summe man tatsächlich rechnen kann, um auf die Angebote aus Ecuador ernsthaft reagieren zu können."
  Mit dem Yasuní-ITT-Projekt hat die ecuadorianische Regierung vorgeschlagen, das im dortigen Regenwald liegende Öl nicht zu fördern, wenn dafür die internationale Gemeinschaft Kompensationszahlungen in einen UN-Fonds leistet. Mit diesen Geldern sollen nachhaltige Entwicklungsprojekte in Ecuador finanziert werden. Vor der Sitzung des Haushaltsausschusses am Donnerstag hatten Umweltverbände vor dem Bundestag auf einer Kundgebung für die deutsche Unterstützung der Initiative geworben und unter anderem 25.000 Unterschriften übergeben.
  12.11.2011
  Gericht weist Klage gegen Belo-Monte-Kraftwerk ab
  In Brasilien hat ein Regionalgerichtshof den Kongressbeschluss zum Bau des umstrittenen Wasserkraftwerkes Belo Monte im Amazonas-Gebiet für rechtmäßig erklärt. Das Richtergremium wies eine Klage der Staatsanwaltschaft zurück, die wegen mangelnder Anhörungsverfahren vor dem Beschluss im Jahr 2005 die Verfassung verletzt sah. Zudem sei gegen die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zum Schutz indigener Gemeinschaften verstoßen worden.
  Das sah Richterin Maria do Carmo Cardoso allerdings anders. Sie gab am Mittwoch mit ihrer Stimme den Ausschlag für die 2:1-Entscheidung des Gerichts. "Der Zeitpunkt der Anhörung steht nicht im Verfassungstext. ... Sie (die Anhörung) ist nicht bindend, sondern rein informativ", begründete die Juristin ihr Urteil. Es komme zudem überhaupt nicht darauf an, dass die Anhörung vor der Beschlussfassung vorgenommen werde. Vielmehr sei ausreichend, wenn dies vor der Umsetzung des Projektes geschehe.
  Gegen das Milliarden-Vorhaben im Bundesstaat Para sind noch gut ein Dutzend Klagen anhängig. Belo Monte wäre mit einer Leistungskapazität von 11.233 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten- Staudamm in China und dem binationalen Itaipú-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay. Die Regierung hält das geplante Werk am Xingu-Fluss zur Energiesicherung für notwendig. Kritiker fürchten die Umsiedlung Zehntausender Menschen. Mehr als 500 Quadratkilometer Fläche sollen überflutet werden.
  Quelle: (APA)
  20.10.2011
  Minister Niebel spürt endlich Gegenwind
  Entwicklungsminister Niebel wird aus den Reihen der Unions-Entwicklungspolitikern für seine Weigerung attakiert, in den Yasuni-Regenwald-Fonds in Ecuador einzuzahlen. Wir hoffen, dass sich der Druck weiter erhöht und Deutschland endlich seinen Teil zum Schutz dieses wertvollen Regenwaldgebietes leistet.
  Lesen Sie hier einen Artikel aus der taz von heute.
  
  29.9.2011
  Amazonas-Indianer bestätigen Abholzung nahe unkontaktierter Völker
  Eine aktuelle Expedition im Amazonasgebiet hat bestätigt, dass illegale Abholzung in Peru weiterhin “rasend schnell voranschreitet und bis in brasilianisches Gebiet eindringt”.
  Fünfzehn Indianer der Ashéninka und Asháninka Völker aus Peru und Brasilien haben gemeinsam die illegalen Abholzungsaktivitäten an der Grenze erforscht. Ihre fünftägige Expedition hat umfassende Beweise für illegale Abholzung enthüllt. In dem erforschten Gebiet gab es aktive Holzfällercamps – und Bäume waren in Brasiliens Asháninka-Gebiet zur Abholzung markiert.
  Die Ausbreitung der illegalen Abholzung über Perus Grenze hinaus nach Brasilien bedroht mehrere Gruppen unkontaktierter Indianer die in der Nähe leben. Sie sind für ihre Nahrung und Unterkunft auf den Wald angewiesen; ohne können sie nicht überleben. Die unkontaktierten Indianer sind auch wegen eingeschleppter Krankheiten gefährdet, gegen die sie nicht immun sind. Kontakt zu Eindringlingen könnte sie töten.
  Die Erkenntnisse der Expedition sind auf GPS-Systeme aufgezeichnet und den brasilianischen Behörden vorgelegt worden. Die Mannschaft fordert eine effizienteres Beobachtungssystem, ergänzt durch die unbeschränkte Teilnahme der lokalen Indianer.
  Eine alarmierende Ausbreitung der illegalen Abholzung verwüstet die peruanische Seite der Grenze. Die Wälder der peruanischen Ashéninka werden zerstört und ihre Anführer bedroht, weil sie darum kämpfen ihr Land zu bewahren. Ein Ashéninka-Indianer sagte: “Wir machen uns die größten Sorgen darüber, dass die Behörden ihrer Verantwortungen noch nicht nachgekommen sind. Wenn sie das Problem nicht lösen, wird unser Gebiet weiterhin besetzt werden, was dazu führen wird, dass wir weiterhin Todesdrohungen erhalten.”
  Im Juli wurde ein Gebiet unkontaktierten Indianer, dass sich in der Nähe des Geländes befindet, welches die Expedition erforscht hat, von Drogenhändlern überfallen. Es wird vermutet, dass die Drogenhändler sich noch immer in der Gegend befinden. Die Lage bleibt angespannt.
  31.8.2011
  Entwaldung in Schutzgebieten viel höher als in Gemeindewäldern
  Eine neue Studie zeigt, dass der Schutz und Erhalt von Tropenwäldern, welche in Gemeindehand verwaltet werden, weit höher ist, als in staatlich ausgewiesenen und verwalteten Schutzgebieten. Dies rüttelt an dem lange Zeit in der westlichen Welt verbreiteten Glauben, dass die beste Art der Waldschutzes, das wegsperren der Natur in Schutzgebieten sei.
  Die Studie, welche in der Zeitschrift Forest Ecology & Management veröffentlich wird und an welcher u.a. Forscher des Center for International Forestry Research (CIFOR) beteiligt waren, zeigt, dass die Ausweisung von Schutzgebieten verglichen mit Gemeindewäldern nicht notwendigerweise den Erhalt des Waldbestands über einen längeren Zeitraum hinweg garantiert. Es zeigt sich, dass in Schutzgebieten der Waldverlust höher ist.
  In dieser Studie, welche auf einem Vergleich zahlreicher Fallstudien aus 16 verschiedenen Ländern der Tropen fußt, wird gezeigt, dass in Schutzgebieten im Durchschnitt jährlich 1,47% der Waldflächen verloren gehen, wohingegen in Gemeindewäldern der Verlust nur bei 0,24% liegt. Auch liegt die Variationsbreite der Entwaldungsraten für die Schutzgebiete weit höher, als dies für die Gemeindewälder der Fall ist.
  Zusätzlich unterstreicht die Arbeit, dass eine höhere Autonomie der lokalen Regelungen / der lokalen Gesetzgebung zu einer besseren Bewirtschaftung der Waldgebiete und zu einer Verbesserung des Lebensunterhalts und der Lebensbedingungen der Lokalbevölkerung führt.
  Hinsichtlich der Milliarden von Dollar, die in REDD+ Programme fließen, bei welchen Entwicklungsländer für die Erhaltung ihrer Wälder bezahlt werden, schlagen die Autoren vor, dass es weit kosteneffizienter und effektiver sein könnte, die Gemeindewaldwirtschaft zu unterstützen und so die Abholzung zu verringern und gleichzeitig die nachhaltige Bewirtschaftung und die Lokalbevölkerung zu fördern.
  So liegt der Nutzen der Bewirtschaftung von Gemeinschaftswäldern langfristig in einer höheren Teilhabe am Naturschutz, einer Verringerung der Armut, einer höheren wirtschaftlichen Produktivität und dem Schutz der Waldbiodiversität. Dabei wollen die Autoren die Ausweisung von Schutzgebieten nicht als generell nutzlos darstellen, jedoch sehen sie die Bewirtschaftung von Gemeindewäldern als Schlüssel zum Waldschutz.
  Die Studienergebnisse unterstreichen damit die Meinung zahlreicher Experten, dass ein Erfolg von REDD+ nur erreicht werden kann, wenn die Partizipation der Lokalbevölkerung bei Planung und Durchführung der Programme gegeben ist. Kürzlich veröffentlichte vorläufige Ergebnisse einer weiteren Studie des CIFOR zeigte, dass Gemeinschaften, welche in oder nahe von Wäldern leben, mehr als 20% ihres Haushaltseinkommens aus waldbürtigen Ressourcen erzielen. Dies lässt vermuten, dass nachhaltige Waldwirtschaft vor allem dann praktiziert wird, wenn die Gemeinschaften für ihren Unterhalt auf die Wälder angewiesen sind.
  Aktuell gehen jährlich mehr als 13 Millionen Hektar Wald verloren. Von den weltweit bewirtschafteten Wäldern stehen bislang nur 8% unter Gemeindeverwaltung, in Südamerika 20%.
  8.8.2011
  Lebensraum indigener Völker am Amazonas wird weiterhin zerstört
  Aktuelle Daten des brasilianischen Instituts für nationale Raumforschung (INPE) zeigen für Juni eine Steigerung der Waldzerstörung in Amazonien um 30 Prozent gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr. Über 312 Quadratkilometer wurden abgeholzt. Das entspricht der Fläche der Stadt München.
  In Kopenhagen hatte Brasilien noch angekündigt, dass die Emissionen aus der Waldzerstörung um 80 Prozent bis 2020 vermindert werden sollen. Vor einigen Wochen wurde jedoch ein Gesetz im Parlament verabschiedet, dass die Schutzflächen reduziert und eine Amnestie für illegale Landnahme vorsieht. Ursache für diese Zerstörungen ist vor allem die Ausweitung von Flächen für Rinderzucht und der Anbau von Soja für den Export. Aber auch Großprojekte und Infrastrukturmaßnahmen dringen immer weiter in den Regenwald vor.
  Betroffen von den Zerstörungen ihrer Lebensgebiete sind vor allem dort lebende indigene Völker und Gemeinschaften von Kautschukzapfern, Kleinbauern und Flussanwohner. Sie werden von ihren Gebieten vertrieben wie z.B. durch das geplante Staudammprojekt von Belo Monte im brasilianischen Bundesstaat Pará. Dort müssen 20.000 bis 50.000 Menschen umgesiedelt werden, weil große Flächen überflutet werden.
  Die COICA, der Kooperationspartner des Klima-Bündnis, veranstaltet in Manaus im August eine internationale Konferenz zur Bedeutung der Regenwälder. Damit werden die unterschiedlichen Partnerorganisationen stärker vernetzt und die Unterstützung der indigenen Organisationen verbessert. Vor allem das Thema REDD (Instrument zur Reduktion von Emissionen aus Waldzerstörung)(*) steht auf der Agenda. Viele indigene Gemeinden werden bereits jetzt, vor der offiziellen Einführung eins REDD-Mechanismus, von Unternehmen aufgesucht. Diese versuchen mit großen Geldversprechen Verträge abzuschließen, um sich dadurch die Rechte zur Vermarktung des Kohlenstoffes in den Wäldern in den indigenen Territorien zu sichern.
  (*) REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) ist ein in den internationalen Klimaverhandlungen befindliches Finanzierungsinstrument, das auf der Funktion von Wäldern als Kohlenstoffspeicher in den globalen Stoffkreisläufen basiert. Dem in den Wäldern gespeicherten Kohlenstoff wird im REDD-Modell ein monetärer Wert gegeben. Dadurch sollen Wälder bei wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen eine Gewichtung bekommen. Derzeit ist REDD ein Sammelbegriff einer Vielzahl unterschiedlicher Vorstellungen, die aber an keinen bestimmten Mechanismus gebunden sind und in ihrer detaillierten Ausgestaltung recht unterschiedlich sind. (Quelle Wikipedia)
  26.06.2011
  Das neue brasilianische "Waldgesetz" wird zur CO2-Bombe
  Das regierungsnahe Applied Economic Research Insistute (Ipea) kommt in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass durch die Änderungen des Gesetzes bis zu 47 Millionen Hektar bislang formell unter Schutz stehender Waldgebiete dann schutzlos sein könnten. Das entspricht der Größe Spaniens. 60 Prozent der betroffenen Flächen liegen im Amazonas-Gebiet.
  Das Gesetz, das der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung Brasiliens Rechnung tragen möchte, sieht vor, dass die Umweltauflagen für Grundbesitzer gelockert werden und dass es eine Amnestie für zurückliegende illegale Rodungen geben soll. Schon im Vorfeld der Abstimmung im Repräsentantenhaus hatte die illegale Abholzung des Regenwaldes in Brasilien dramatisch zugenommen. Treibende Kraft für die Änderungen des Gesetzes ist der Wunsch nach mehr Anbauflächen vor allem für Soja, das zu einem Großteil in unserer mitteleuropäischen Viehmast zur Produktion unseres "täglichen Schnitzels" verschwindet. Somit essen wir quasi mit jedem Stück dieses mit Soja erzeugten Fleisches ein Stück Regenwald auf. So ist die Entwaldung für den Sojaanbau in Amazonien in diesem Jahr bereits um 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen.
  Die Auswirkungen für das Weltklima wären bei der Verabschiedung des Gesetzes verheerend, wie eine Studie des Instituts Climate Observary zeigt. Demnach würden durch die zu erwartenden Abholzungen durch die Novelle 25 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen. Das entspricht dem Treibhausgasausstoß Deutschlands über einen Zeitraum von 25 Jahren. Brasilien hat sich international verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 38.9 Prozent um zu reduzieren.
  09.06.2011
  ITTO-Bericht zum Tropenwaldschutz
  Weltweit werden 53% der gesamten Tropenwaldfläche bewirtschaftet. Davon werden weniger als 10% nachhaltig genutzt und effektiv geschützt. Der am 7. Juni 2011 lancierte zweite Bericht der Internationalen Tropenwaldorganisation (ITTO) kommt zum Schluss, dass trotz Fortschritten in einigen Gebieten der Tropenwald durch Entwaldung und den Raub von Holz und anderen Waldprodukten stark gefährdet bleibt.
  Über 60 internationale Spezialisten haben während der letzten zwei Jahre Daten von den 33 wichtigsten Tropenwaldländern zusammengetragen und analysiert. Sie zeigen auf, dass trotz seiner enormen Bedeutung für die Artenvielfalt, seiner zentralen Rolle als Kohlenstoffspeicher sowie als Lebensraum indigener Völker der Grossteil der tropischen Regenwälder dem Landhunger und der unsachgemässen Holzwirtschaft zum Opfer fällt.
  Der Bericht präsentiert aber auch Fortschritte in der nachhaltigen Tropenwaldbewirtschaftung: Zum Beispiel konnte die Sicherung von Nationalparks und Schutzwäldern verbessert und die zertifizierten Waldflächen in den Tropen seit 2005 von 10 auf 17 Millionen Hektare vergrössert werden. Erfreulich ist auch, dass sowohl eine verbesserte Transparenz in der Bewirtschaftung und Vergabe von Holzkonzessionen als auch der guten Regierungsführung im Waldsektor wahrgenommen wird. Dies ist vor allem den internationalen Anstrengungen im Rahmen der Klimaverhandlungen zu verdanken.
  Dennoch bleibt das Fazit düster: Wenn der Wald als zukünftige Kohlenstoffsenke tatsächlich eine wesentliche Rolle zur Minderung der Klimaveränderung spielen soll, muss der Schutz der Wälder wesentlich verbessert werden. Ausserdem muss das grosse Defizit an quantitativer und qualitativer Informationen über den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Tropenwälder ausgeglichen werden. Dies ist indes nur durch enorme gemeinsame Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft zu schaffen.
  Der Bericht der ITTO erscheint anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Tropenholzorganisation sowie zum Internationalen Jahr des Waldes der Vereinten Nationen. Er wird in Fach-kreisen als die wichtigste Bestandesaufnahme der globalen Tropenwaldressourcen betrachtet, da die Anstrengungen der Länder hin zu einer nachhaltigeren Bewirtschaftung der Tropenwälder darin systematisch präsentiert werden. Länderprofile liefern detaillierte Informationen über die Situation von 1.4 Milliarden Hektaren tropischem Regenwald in den wichtigsten Waldländern in Afrika, Asien, Lateinamerika, der Karibik und dem Pazifikraum.
  Den Originalbericht finden Sie bei ITTO.
  04.06.2011
  Brasilien genehmigt den bau des Megastaudammes am Rio Xingu in Amazonien
  Die brasilianischen Umweltbehörden haben den Bau des drittgrößten Staudamms der Welt im brasilianischen Amazonas-Gebiet genehmigt und damit den Weg für das umstrittene Projekt endgültig frei gemacht. Das staatliche Institut für Umwelt und Naturressourcen (Ibama) teilte mit, dem Baukonsortium Norte Energia die Lizenz zum Bau des Belo-Monte-Staudamms erteilt zu haben. Die Entscheidung fuße auf einer "robusten technischen Analyse", in der geplante Ausgleichsmaßnahmen für die zu erwartenden Folgen des Staudammprojekts für Mensch und Umwelt berücksichtigt worden seien.
  Mit einer Leistung von gut 11.000 Megawatt soll das Wasserkraftwerk Belo Monte am Fluss Xingú der drittgrößte Staudamm der Welt werden. Die Baukosten wurden mit elf Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) veranschlagt. Norte Energia will 2015 die erste Turbine in Betrieb nehmen, die letzte dann bis 2019.
  Das Projekt hatte wütende Proteste von Umweltschützern und indianischen Ureinwohnern ausgelöst. Sie verwiesen darauf, dass amtlichen Angaben zufolge eine Fläche von 500 Quadratkilometern geflutet werden und 16.000 Menschen umgesiedelt werden müssen. Die katholische Kirche unterstützt die Ureinwohner. Die Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten forderte, das Bauprojekt so lange auf Eis zu legen, bis die Ureinwohner konsultiert und über die Folgen des Baus aufgeklärt worden sind. Auch die Justiz des Bundesstaates Pará war gegen das Projekt vorgegangen und hatte es als "Affront gegen Umweltgesetze" bezeichnet.
  Die brasilianische Regierung beteuert jedoch, Ländereien von Ureinwohnern seien nicht bedroht. Außerdem seien hohe Summen ausgegeben worden, um mögliche Folgen im sozialen und im Umweltbereich abzufedern.
  26.5.2011
  Brasiliens Parlament beschneidet Schutzregeln für den Regenwald
  Das Brasilianische Parlament hat gestern eine schwerwiegende Änderung des Forstgesetzes zugunsten von Agrokonzernen beschlossen. Durch den Neuentwurf befürchten Forscher einen starken Anstieg der Abholzungsrate und eine weitere Verringerung der Waldschutzgebiete in Brasilien. Die bereits festgestellten verstärkten Abholzungen der letzten Monate seien die Vorboten für die künftige Entwicklung, so Experten. Welche Auswirkungen eine weitere intensive Entwaldung für das Ökosystem Amazonasregenwald, die Bevölkerung und das Weltklima haben können, haben deutsche Biodiversitätsforschende untersucht. Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung hat Beispiele davon in einem Themenpaket zusammengestellt.
  410 Abgeordnete stimmten für den Neuentwurf, nur 60 dagegen. Das Gesetz muss nun noch vom Senat verabschiedet werden. Bei diesem Konsens scheint die Wahrscheinlichkeit für eine Ablehnung dort jedoch gering. Die letzte Entscheidung trifft dann die Präsidentin Dilma Rousseff.
  Satellitenbildauswertungen des Staatlichen Institutes für Weltraumforschung (Inpe) hatten bereits eine deutlich verstärkte Aktivität von meist illegalen Abholzungen festgestellt. Besonders betroffen sei der Bundesstaat Mato Grosso, wo die Waldzerstörung von August 2010 bis April 2011 um 43 Prozent gestiegen sei. "Diese Bilder zeigen nur, was uns in den kommenden Jahren erwarten wird." sagt Dr. Christoph Knogge, der für das Institute of Ecological Research IPE in Brasilien die Auswirkungen von Waldzerschneidung auf die Ausbreitung von Tieren untersucht hat. "Das neue Gesetz sieht auch vor, in der Vergangenheit stattgefundene illegale Rodungen im Nachhinein zu legitimieren." Bisher waren die Verantwortlichen verpflichtet, dafür einen Ausgleich zu schaffen, dies wird nun erlassen. "Man kann davon ausgehen, dass die Verantwortlichen der Rodungen in der Mato Grosso sich schon in Sicherheit fühlten." sagt Knogge. Forscher in Brasilien beschweren sich, dass das neue Gesetz mit dem Argument durchgesetzt wurde, die alten Regelungen hätten nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Dabei seien die neuen Regelungen aus Forschungssicht unvernünftig und widersprächen zudem internationalen Abkommen wie z.B. dem Übereinkommen über die Biologische Vielfalt CBD. Hier hatte die Staatengemeinschaft mit Brasilien noch letzten Herbst verstärkte Anstrengungen zum Waldschutz beschlossen.
  Quelle: Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland
  19.5.2011
  Regenwaldzerstörung am Amazonas sprunghaft gestiegen
  In Brasilien hat die Abholzung des Regenwaldes in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Das belegen Daten zweier unterschiedlicher brasilianischer Institute. Besonders betroffen ist demnach der Bundesstaat Mato Grosso. Dort stieg die Waldzerstörung nach Analysen des staatlichen Institutes für Weltraumforschung (Inpe) von August 2010 bis April 2011 um 43 Prozent. Im März dieses Jahres seien allein in dem für Soja-Anbau bekannten Bundesstaat knapp 75 Quadratkilometer Wald vernichtet worden, im April seien es gar 406 Quadratkilometer gewesen. Insgesamt seien in Brasilien in den beiden Monaten 593 Quadratkilometer Regenwald verloren gegangen.
  Das Institut Imazon hatte - ebenfalls unter Berufung auf Satellitenbilder - kleinere, aber immer noch beeindruckende Zahlen gemeldet. Demnach sind in Mato Grosso im April 243 Quadratkilometer Wald abgeholzt worden - das Gebiet ist größer als etwa das Stadtgebiet von Essen. Das sei ein Anstieg um 537 Prozent im Vergleich zum April 2010.
  Umweltministerin Izabella Teixeira reagierte äußerst besorgt auf die Zahlen. Sie kündigte ein rigoroses Vorgehen gegen die Verantwortlichen der illegalen Rodungen an. Wer auf den frisch gerodeten Flächen sein Vieh weiden lasse, dessen Rinder würden beschlagnahmt, warnte sie in Brasília. Gleiches gelte für Pflanzungen auf den Flächen. Unklar ist allerdings, warum die Abholzung so sprunghaft anstieg. Dies sei untypisch, sagte Teixeira. Die Ursache müsse geklärt werden.
  Die brasilianische Regierung hat nun die Einsetzung einer Notfallkommission angekündigt. Sie solle sich aus Vertretern der Regierung und der Bundesstaaten zusammensetzen, sagte Umweltministerin Teixeira in Brasília. Außerdem sollen sich die Bundesstaaten beteiligen, in denen die Zerstörung der Wälder am ausgeprägtesten ist.
  Die neuen Zahlen dürften die derzeit hitzig geführte Debatte über die Novelle des Waldgesetzes verschärfen. Die Agrarlobby will wichtige Punkte des sogenannten Código Florestal aufweichen und unter anderem Auflagen zur Wiederaufforstung illegal abgeholzter Flächen umgehen. Die Abstimmung über den Gesetzentwurf im Parlament wurde bereits dreimal verschoben.
  Ende des letzten Jahres erst hatte die brasilianische Regierung Zahlen präsentiert, die Hoffnung machten: 2009 wurden demnach in dem Land so wenig Bäume abgeholzt wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Doch nun zeigt sich: Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes ist keineswegs unter Kontrolle. Zudem musste der Wald 2010 eine extreme Dürre verkraften, die die Hälfte des Regenwaldes heimsuchte und viele Bäume eingehen ließ.
  Quelle: Spiegel-Online
  30.4.2011
  Dramatische Waldverluste bis 2050
  Der Erde droht bis 2050 ein Waldverlust von 230 millionen Hektar.Dies entspräche einer Fläche von der siebenfachen Größe Deutschlands. Das Verschwinden der Wälder hätte erhebliche negative Folgen für Klima, Artenvielfalt und die weltweite wirtschaftliche Entwicklung. „Die Verantwortlichen des globalen Waldschwunds sind Politik und Wirtschaft. Sie sägen an dem Ast, auf dem wir alle sitzen“, sagt Philipp Göltenboth, Leiter des Fachbereichs Wald beim WWF Deutschland. Wichtig sei es jetzt, die Verursacher in die Pflicht zu nehmen.
  Der WWF fordert ein gemeinsames Handeln von Wirtschaft und Politik, um bis 2020 die so genannte Netto-Entwaldung sowie die so genannte Walddegradation zu stoppen. Dies bedeutet, monotone, artenarme Wälder ebenso zu verhindern wie den Verlust kompletter Waldgebiete. Im Gegenzug müsse die nachhaltige Nutzung von Wäldern gefördert werden. Um die Abholzung zurückzufahren, sei es nötig, den weltweiten Konsum einzudämmen und die Verschwendung von Energie und Lebensmitteln zu stoppen.
  „Wald gehört zu den wichtigsten Naturschätzen der Erde: Bäume bieten die Lebensraum für unzählige Arten. Wälder sorgen für saubere Luft, verhindern Erosionen, verbessern die Bodenqualität und filtern und speichern Trinkwasser. Sie liefern nicht nur die Lebensgrundlage für Mensch und Natur, sondern auch für viele Unternehmen. Deshalb bedroht der rasante Waldschwund auch die Wirtschaft, und deshalb ist das Ziel der Null Netto-Entwaldung nicht allein Aufgabe der Politik”, so Göltenboth. Derzeit verliert die Erde pro Minute Wald in der Größenordnung von 35 Fußballfeldern.
  Die Studie belegt, dass nachhaltige, profitable Alternativen entstehen, sobald Wirtschaft und politische Entscheider das Problem gemeinsam anpacken. Ein Beispiel ist die vom WWF unterstützte Initiative „Herz von Borneo”. In dem 220 000 Quadratkilometer großen Gebiet stellen Unternehmen auf nachhaltige Waldwirtschaft um, während gleichzeitig die politischen Kriterien für die Nutzung und den Schutz von Land verschärft werden. Parallel entstehen wirtschaftliche und steuerliche Anreize für nachhaltiges Wirtschaften. Die Insel Borneo ist Teil von Indonesien und gehört zu den waldreichsten Regionen der Erde.
  Die heute veröffentlichte Studie ist das erste Kapitel des breit angelegten WWF-Living Forests Reports, der anlässlich des UN-Jahres der Wälder aufgelegt wird. Das nächste Kapitel der Studie befasst sich mit dem Thema Bioenergie und Wald und erscheint am 29. Juni.
  Quelle:WWF 2011
  8.3.2011
  Belo Monte: Gericht hebt Baustopp für Kraftwerk wieder auf
  Für Teilgenehmigung zum Baubeginn müssten noch nicht alle Umweltauflagen erfüllt sein
  Die Freude der Staudammgegner währte nur kurz: In Brasilien hat ein Bundesgericht einen erst vor wenigen Tagen verhängten Baustopp für das weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet kassiert. Bundesrichter Olindo Menezes begründete dies am 4.3.2011 damit, dass für die Teilgenehmigung zum Baubeginn noch nicht alle Umweltauflagen erfüllt sein müssten. Mit der Entscheidung können die Bauarbeiten für das umstrittene Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Para wieder aufgenommen werden.
  1.3.2011
  Vorläufiger Baustopp für Belo Monte durch Gerichtsbeschluss
  Plattform Belo Monte - Das Bundesgericht von Pará verfügte am Freitag (25.2.) die sofortige Aussetzung der partiellen Lizenz zur Errichtung der Baustelle für das Wasserkraftwerk Belo Monte am Rio Xingu (PA). Die Entscheidung verbietet auch, dass die Nationale Entwicklungsbank (BNDES) Gelder an das Betreiberkonsortium Norte Energia SA (Nesa) überweist. Nach Angaben des Staatsanwalts und Klägers Felicio Pontes Junior ist somit einstweilen alles gestoppt, auch die Erteilung der definitiven Lizenz, die die Regierung noch vor dem Karneval durch IBAMA ausstellen lassen wollte.
  Ende Januar hatte das brasilianische Umweltinstitut noch die Rodung von 238 Hektar Wald genehmigt. Die Behörde erlaubte dem mit dem Bau betrauten Konsortium Norte Energia außerdem, Zugangsstraßen zu bauen, Areale für die Lagerung von Asphalt und Holz anzulegen sowie Einebnungsarbeiten vorzunehmen. Der Weg für die Verwirklichung des Mega-Wasserkraftwerks Belo Monte am Xingú, einem Zufluss des Amazonas im nördlichen Bundesstaat Pará, schien frei zu sein.
  Für Richter Ronaldo Destêrro vom Bundesgericht in Belém wurden die von IBAMA für den Baubeginn gesetzten 40 Bedingungen nicht erfüllt. "Statt dass die Umweltbehörde IBAMA das Verfahren bestimmen würde, gibt das Betreiberkonsortium Nesa im Hinblick auf seine Interessen und den gefassten Zeitplan vor, wie IBAMA die Lizenzvergabe für Belo Monte durchzuführen habe", sagte der Richter bei der Entscheidung.
  Durch diese Verfügung ist Belo Monte jedoch nicht vom Tisch. Einsprüche seitens des Betreibers sowie gerichtliche Auseinandersetzungen werden erwartet. Zehn weitere Gerichtsverfahren zum Stopp von Belo Monte sind im Laufen.
  7.2.2011
  Fotos von unkontaktierten Indianern im Amazonien
  Die Menschenrechtsorganisation Survival International hat neue Fotos erhalten, die eine unkontaktierte indigene Gruppe in noch nie zuvor gesehenem Detail zeigen. Die abgebildeten Indianer leben in Brasilien, in der Nähe der peruanischen Grenze.
  Die Bilder wurden von der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten (FUNAI) aufgenommen und Survival im Rahmen einer Kampagne zum Schutz indigener Landrechte zur Verfügung gestellt. Die Bilder zeigen eine gesunde und aktive indigene Gemeinde mit Körben voll frisch geerntetem Maniok und Papaya.
  Für weitere Informationen über die Indigenen und die Fotos, besuchen Sie Survivals neue Webseite über unkontaktierte Völker:www.uncontactedtribes.org.
  Die indigene Gemeinde ist durch einen Ansturm illegaler Holzfäller im benachbarten peruanischen Amazonasgebiet stark gefährdet. Brasilianische Behörden befürchten, dass die Holzfäller isolierte Völker aus Peru über die Grenze nach Brasilien treiben, wo beide Gruppen in Konflikt geraten könnten.
  „Es ist notwendig nochmals zu belegen, dass diese Menschen existieren. Wir unterstützen den Gebrauch dieser Bilder zum Beleg von Fakten. Die grundlegendsten Rechte dieser Menschen, besonders ihr Recht auf Leben, wurden bisher ignoriert ... es ist daher sehr wichtig, dass wir sie schützen,“ sagte Marcos Apurinã, Koordinator der brasilianischen Amazonas-Indianer Organisation COIAB.
  Der bekannte Sprecher der brasilianischen Yanomami Indianer, Davi Kopenawa Yanomami, sagte heute: „Der Ort an dem die Indianer leben, fischen, jagen und pflanzen muss geschützt werden. Deshalb ist es hilfreich die Bilder dieser unkontaktierten Indianer zu zeigen, damit die Weltöffentlichkeit weiß, dass sie dort in ihrem Wald sind und die Behörden ihr Recht schützen müssen dort zu leben.“
  Die peruanische Indigenenorganisation AIDESEP sagte in einer Erklärung: „Wir sind sehr besorgt über den Mangel an Einsatz der Behörden (...) obwohl es, aus Peru und von außerhalb, Beschwerden über illegales Abholzen gibt, wurde nichts getan.“
  Bruce Parry, Moderator der britischen TV Serie Tribe, sagte: „Das Land zu schützen auf dem unkontaktierte Indianer leben ist von globaler Bedeutung. Wir sind immer wieder dabei gescheitert, sie in unsere Welt einzuführen ohne schreckliche Traumata hervorzurufen. Sie müssen selbst entscheiden wann sie unsere Welt kennen lernen wollen. Nicht wir.“
  „Die illegalen Holzfäller werden dieses Volk zerstören. Es ist wichtig, dass die peruanische Regierung sie aufhält bevor es zu spät ist. Die Menschen in diesen Bildern sind offensichtlich gesund und wohlbehalten. Was sie von uns brauchen ist den Schutz ihres Landes, damit sie ihre eigenen Entscheidungen über ihre Zukunft treffen können. Aber das Land ist in Gefahr und wenn das illegale Abholzen nicht stoppt, nehmen wir ihnen ihre Zukunft aus den Händen. Das ist nicht nur eine Möglichkeit: es ist unwiderlegbare Geschichte der letzen fünf Jahrhunderte, geschrieben auf den Gräbern von unzähligen indigenen Völkern,“ sagte Stephen Corry, Direktor von Survival International.
  
  20.1.2011
  Belo-Monte-Aktion: Bitte um Teilnahme
  Behörde genehmigt Staudamm trotzt Bedrohung für Indigene
  Quelle: Survival International e.V.
  Die brasilianische Behörde für indigene Angelegenheiten, FUNAI, hat eine Anordnung erlassen, die den Zugang zu einem Gebiet in der Nähe des geplanten Belo Monte Staudamms einschränkt. Dieser Schritt folgte Hinweisen auf die Existenz unkontaktierter Indianer in dem Gebiet.
  Obwohl FUNAI mit der Anordnung die Existenz der unkontaktierten Gruppen anerkennt, hat die Behörde dennoch ihre Zustimmung zu dem Bau des Staudamms erteilt. FUNAI hat zudem bekannt gegeben, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre nur Mitarbeiter der Behörde selbst in dem Gebiet zugelassen sind, um die Anwesenheit unkontaktierter Gruppen zu studieren.
  Der Bau von Belo Monte würde die Überflutung großer Gebiete bedeuten, Regenwald zerstören und den Fischbestand verringern, von dem die indigenen Gruppen leben. Die unkontaktierten Indianer sind besonders durch die starke Zuwanderung in das Gebiet bedroht, welche der Staudamm bringen würde, da sie kaum Abwehrkräfte gegen eingeschleppte Krankheiten (z.B. Grippe) haben. Mitglieder der Asurini Indianer, die ebenfalls in dem betroffenen Gebiet leben, haben angegeben unkontaktierte Gruppen in den Wäldern gesehen zu haben und haben vor den ernsthaften Folgen des Staudamms für deren Überleben gewarnt.
  Der Präsident der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA, Abelardo Bayma, trat letzte Woche zurück. Berichten zufolge war auf Bayma zuvor Druck ausgeübt worden, die Genehmigung für den Bau von Belo Monte trotz Bedenken über die ökologischen Folgen zu unterschreiben. Brasiliens Minister für Bergbau und Energie, Edson Lobão, hat erklärt, dass die Baugenehmigung für den Staudamm in Kürze erteilt werden wird. Es wird angenommen, dass der Bau bereits im Februar beginnen könnte.
  Survival International setzt sich für den Schutz der Landrechte unkontaktierter indigener Gruppen ein. Unterschreiben Sie hier eine internationale Petition von Avaaz, in der Präsidentin Dilma Rousseff gebeten wird den Bau des Staudams zu stoppen.
  Zur AKTION
  
  14.1.2011
  Amazonien und die neue brasilianische Präsidentin
  Seit dem 1. Januar 2011 hat Brasilien ein neues Staatsoberhaupt: Dilma Rousseff. Unter Präsident Lula war sie zunächst Bergbau- und Energieministerin, dann Kabinettschefin. Mit leidenschaftlichem Urwaldschutz ist sie nicht in Erscheinung getreten. Wie wird ihre künftige Amazonaspolitik aussehen?
  Brasilien hat sich durch seine Entwaldungsrate zum viertgrößten CO2-Emittenten der Welt entwickelt. Fast 18 Prozent seiner tropischen Regenwälder sind in den vergangenen vierzig Jahren verschwunden. Allein im Bundesstaat Amazonas sind 700.000 Quadratkilometer Wald verloren - eine Fläche so groß wie die Niederlande, Deutschland und Italien zusammen. 80 Prozent dieser Entwaldung gehen auf das Konto der Rinderzucht.
  Die gewaltige Zerstörung der Wälder lässt aber auch die Brasilianer nicht kalt. Der Umweltschutz war im Wahlkampf ein heißes gesellschaftliches Thema. Kein Brasilianer will, dass der Amazonas-Regenwald, ein so bedeutendes Naturerbe des Landes, zerstört wird.
  Das haben auch die Kongresswahlen 2010 gezeigt. 78 Prozent der Gewählten stehen mit Umweltschutzthemen in Verbindung. Ob ein Kandidat sich für oder gegen Urwaldschutz aussprach, trug zu Stimmengewinn oder -verlust bei. So gewann Ivan Valente von der Oppositionspartei PSOL 105.000 Stimmen hinzu. Er hatte gegen die Abschwächung des Urwaldschutzgesetzes Stellung bezogen.
  Vor diesem Hintergrund sprach sich Rousseff (63) im Wahlkampf verhalten positiv zum Urwaldschutz aus. "Brasilien kann seine landwirtschaftliche Produktion ohne weitere Entwaldung ausweiten." Sie neige dazu, diese zu beenden. Auf einen völligen Entwaldungsstopp wollte sie sich allerdings nicht festlegen.
  Skepsis ist angebracht. Als Kabinettschefin stellte die studierte Ökonomin 25 Projekte zurück, durch die Urwaldschutzgebiete geschaffen oder schon bestehende vergößert worden wären. Gleichzeitig nannte Ex-Präsident Lula da Silva sie die "Mutter des PAC", des nationalen Wachstumsbeschleunigungsplans. Der PAC sieht gewaltige Infrastrukturprojekte vor, die auch zu Lasten des Urwalds gehen würden. Beste Beispiele dafür sind die gigantischen Vorhaben beim Bau von Wasserkraftwerken an vielen Nebenflüssen des Amazonas (siehe unten).
  
  21.12.2010
  Film zu den Auswirkungen des Belo-Monte-Staudamms am Rio Xingu
 
  Wenn Sie die Petition gegen den Bau von Belo Monte unterstützen wollen, können Sie dies unter folgendem link tun: International Rivers
  
  1.12.2010
  Belo Monte-Staudamm am Xingu-Fluss stoppen
  Gesellschaft für bedrohte Völker reicht Beschwerde bei der Bundesanwaltschaft im Bundesstaat Pará ein
  Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist in großer Sorge um Angehörige indianischer Völker, die in Reservaten am Rio Xingu im brasilianischen Bundesstaat Pará leben und durch den geplanten Bau des Belo Monte-Staudamms akut gefährdet sind. Recherchen der GfbV-Mitarbeiterin Rebecca Sommer in Brasilien weisen nach, dass mit dem Bau des Megastaudamms eine groß angelegte Industrialisierung dieser Amazonasregion eingeleitet werden soll. Die im Einzugsgebiet des Xingu lebenden Indianervölker und insbesondere eine kleine isoliert lebende indianische Gemeinschaft in unmittelbarere Nähe des Staudamms sind damit existenziell bedroht. Außerdem wird der Stausee eine Fläche von 500 Quadratkilometer Wald und Anbauflächen der Ureinwohner mit etwa der Größe des Bodensees unter Wasser setzen. Die GfbV hat gemeinsam mit der brasilianischen Umweltorganisation KANINDE und 12 weiteren Nichtregierungsorganisationen heute eine Sammelklage bei der Bundesanwaltschaft (Ministério Publico Federal) von Pará eingereicht, damit sie den Bau des Belo Monte-Staudamms stoppt.
  Die Ureinwohner der Xingu-Region leben in Unsicherheit und Angst. Sie wurden über die Konsequenzen des Belo Monte-Projekts auf ihre Lebensgrundlagen nicht umfassend informiert und nie um ihr Einverständnis zum Bau gebeten. Dazu ist Brasilien durch die Ratifizierung der Konvention 169 der Internationalen Arbeitorganisation ILO und durch die UN-Deklaration zu den Rechten indigener Völker zum Schutz der Ureinwohnerrechte jedoch verpflichtet. Seit die brasilianische Verfassung von 1988 den indigenen Völkern des Landes einen gewissen Schutz zuspricht, wurden über 20 Prozent des Amazonasregenwaldes als Reservate ausgewiesen. Nun soll dieser Auftrag der Gier nach Bodenschätzen geopfert werden. Für die noch isoliert lebenden Ureinwohner, die nur 70 km vom geplanten Staudamm entfernt gesichtet worden sind, ist diese Entwicklung besonders bedrohlich. Ihr Gebiet soll für den Holzeinschlag freigegeben werden.
  Das Belo Monte Projekt weckt zudem schon jetzt Begehrlichkeiten bei Bergbauunternehmen. Geologen vermuten in der Umgebung des Staudammes große Rohstoffvorkommen. Laut Umweltverträglichkeitsbericht für den Belo Monte-Staudamm, der vom staatlichen Energiebetrieb Eletrobrás verfasst wurde, wurden über rund 63 Prozent der Gesamtfläche der Indianerreservate bereits Genehmigungen für die Suche nach Bodenschätzen beantragt. Die Indianer selbst wurden darüber bislang weder informiert, noch haben sie einem künftigen Rohstoffabbau in ihrem Siedlungsgebiet zugestimmt.
  Auf der Webseite der GfbV-Schweiz - www.gfbv.ch - welche die Kampagne für die GfbV- International koordiniert, finden Sie die Beschwerde an die Bundesanwaltschaft des Bundesstaates Pará (in portugiesisch sowie deutsche Übersetzung), drei Karten, welche die Folgen der industriellen Entwicklung sowie die Anträge von Firmen zum Abbau von Bodenschätzen in Indigenenreservaten zeigen (Quelle: Umweltverträglichkeitsbericht von Eletrobrás) und eine Liste der unterzeichnenden Organisationen.
  
  26.10.2010
  Dürre im Amazonas-Gebiet: Notstand in 25 Gemeinden
  Im brasilianischen Amazonas-Gebiet ist wegen anhaltender Dürre in zahlreichen Gemeinden der Notstand ausgerufen worden. Der Katastrophenalarm gilt in 25 der insgesamt 62 Gemeinden im nordwestlichen Bundesstaat Amazonas. Von den Folgen der Dürre sind inzwischen mehr als 40.000 Familien betroffen. Deshalb ist mit der Lieferung von Hilfsgütern in die betroffenen Gemeinden begonnen worden.
  Die Dürre macht sich insbesondere an den Flüssen der Region bemerkbar. "Die Schiffe können nicht fahren, der Transport kann nur mit Kanus vorgenommen werden und einige Lebensmittel beginnen auszugehen", sagte ein Vertreter der Gemeindeverwaltung von Ipixuna. Der Pegelstand einiger großer Flüsse wie der Solimoes und der Rio Negro drohen den Stand im Jahr 1963 zu unterschreiten, als die Region die schlimmste Dürre in ihrer Geschichte erlebte. Die Regenzeit im Amazonas-Gebiet beginnt voraussichtlich erst im November.
  
  20.9.2010
  Trockenkatastrophe am Amazonas - Amazonien trocknet aus
  Nach der verheerenden Trockenheit am Amazonas im Jahr 2005 und dem letztjährigen Jahrhunderthochwasser, reissen, die Klimaextreme am Amazonas nicht ab - im Gegenteil: In diesem Jahr verursacht eine erneute Trockenheit z.B. die niedrigsten, jemals am Rio Negro gemessenen Pegelstände, wobei selbst die im Jahr 2005 gemessenen Pegelstände noch unterboten werden. So verursacht die aktuelle Trockenheit momentan ca. 50.000 Brandherde in Amazonien mit verheerenden Folgen für das gesamte Ökosystem. Es besteht die Gefahr, dass größere Teile der Regenwälder durch diese kurzzeitige Aufeinanderfolge von Wetter-Extremen große Schäden erleiden und eine Versteppung großer Waldflächen eintritt.
  
  26.8.2010
  Ressourcen der Erde bereits am 21. August aufgebraucht
  In weniger als neun Monaten hat die Menschheit in diesem Jahr bereits das ökologische Jahresbudget aufgebraucht. Nach den Berechnungen des Global Footprint Networks fiel in diesem Jahr der sogenannte ‚Earth Overshoot Day', also der Tag, an welchem die menschliche Beanspruchung der natürlichen Ressourcen deren natürliche Regenerationsfähigkeit überschritten hat, bereits auf den 21. August. Seit diesem Tag leben wir also sozusagen nicht mehr von den Zinsen, sondern von der Substanz und betreiben damit massiven Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen. 2009 fiel dieser Tag noch auf den 25. September und lag damit über einen Monat später. Geschuldet ist diese extreme Veränderung innerhalb eines Jahres zwar nicht ausschließlich dem zunehmenden Ressourcenverbrauch, sondern auch der verbesserten Datengrundlage und den verfeinerten Berechnungsmethoden, an der Tatsache, dass wir weit über unseren ökologischen Verhältnissen leben, ändert dies jedoch nichts. Im Gegenteil, die neue Berechnung zeigt, dass wir schon seit Jahren deutlich stärker Raubbau betrieben hatten, als angenommen.
  
  25.8.2010
  Schwere Waldbrände in Bolivien
  Im Amazonasgebiet, insbesondere in den Departmenten Beni und Pando in der Grenzregion zu Brasilien, wüten dagegen aktuell wieder immense Waldbrände, welche durch die Trockenheit begünstig werden. Mehr als 25 000 Feuer haben bereits 1,5 Millionen Hektar Wald vernichtet. Die Brände, die vor allem von Kleinbauern zur Rodung von Anbauflächen gelegt worden sind, gerieten durch die extreme Trockenheit außer Kontrolle. Zahlreiche Dörfer und kleine Städte, aber auch der Nationalpark Tonari werden ebenfalls von den Feuern bedroht, bzw. wurden bereits Opfer der Flammen. Am 19. August rief die Regierung daher den Notstand in der Amazonasregion aus.
  
  15.7.2010
  Illegales Abholzen von Regenwäldern zurückgegangen
  Eine gute Nachricht im Kampf gegen den Klimawandel: Das illegale Abholzen der tropischen Regenwälder ist deutlich zurückgegangen. Das ergab eine Studie des politischen Forschungsinstituts Chatham House in London.
  Die weltweite Produktion von illegalem Holz hat demnach seit 2002 um 22 Prozent abgenommen. In dem afrikanischen Land Kamerun betrug der Rückgang sogar 50 Prozent, im brasilianischen Amazonasgebiet zwischen 50 und 75 Prozent und in Indonesien 75 Prozent. Insgesamt sei dadurch 17 Millionen Hektar Regenwald gerettet worden. Das ist eine Fläche von der Größe Englands.
  Die Regenwälder gelten als Lunge der Erde, weil sie das klimaschädliche CO2 aufnehmen und neutralisieren. Die Bewahrung des Regenwalds ist deshalb gleichbedeutend mit Klimaschutz. Trotz der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre bleibt illegales Abholzen ein großes Problem, betont der Bericht von Chatham House. So kauften im Jahr 2008 Unternehmen aus den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden 17 Millionen Kubikmeter illegales Holz und Holzprodukte - oft hat es sich nach Angaben der Autoren dabei um Möbel aus China gehandelt.
  In den untersuchten Ländern wurden 2009 insgesamt 100 Millionen Kubikmeter Holz illegal geschlagen. «Würde man die Stämme aneinanderreihen, würden sie mehr als zehn Mal den Erdball umkreisen», erläuterte einer der Autoren, Larry MacFaul. Für die Studie, die nach Angaben des Instituts die bislang größte Untersuchung zu diesem Thema ist, wurden als Holzlieferanten neben Brasilien, Kamerun und Brasilien auch Malaysia und Ghana untersucht. Als Importländer analysierten die Experten Daten aus den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Vietnam und China standen vor allem als Verarbeiter von illegalem Holz im Fokus der Wissenschaftler.
  
  17.6.2010
  Studie: Abholzung der Regenwälder erhöht Malaria-Risiko
  Quelle: AFP
  Durch die Abholzung der Regenwälder erhöht sich einer Studie zufolge das Malaria-Risiko in den betroffenen Gebieten deutlich. Die am Mittwoch veröffentlichte Studie von US-Wissenschaftlern der Universität von Wisconsin zeigt für die brasilianische Amazonas-Region einen Anstieg der Malaria-Erkrankungen um bis zu 50 Prozent. Das Ausmaß der Rodungen wurde dabei mit Satellitenfotos festgestellt und in Zusammenhang mit Malaria-Infektionen in 54 brasilianischen Gesundheitsbezirken gebracht. "Es scheint, dass Entwaldung einer der auslösenden ökologischen Faktoren für eine Malaria-Epidemie ist", sagte Sarah Olson, Ko-Autorin der Studie.
  Der in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "CDC Journal" veröffentlichten Untersuchung zufolge schafft die Urwald-Rodung gute Bedingungen für eine Verbreitung der Anopheles-Mücke, die Malaria-Erreger auf Menschen überträgt. "Die entwaldete Landschaft mit offenen Flächen und teils sonnenbeschienenen Tümpeln scheint der ideale Lebensraum für die Mücke zu sein", sagte Olson. Ein Rückgang des Regenwaldes um vier Prozent hatte den Angaben zufolge einen Anstieg des Malaria-Infektionen um 48 Prozent zur Folge.
  Die Wissenschaftler untersuchten einen Streifen des Amazonas-Gebiets in der Nähe von Peru. Die Ergebnisse der Studie legen aber nahe, dass auch in anderen Regionen abgeholzte Regenwälder zu einem Malaria-Anstieg führen könnten. Zwischen 1997 und 2006 erkrankten schätzungsweise 500.000 Brasilianer jährlich an der gefährlichen Infektionskrankheit.
  
  19.5.2010
  Mega-Staudämme im Amazonas gefährden unkontaktierte Indigene
  Zwei Mega-Staudämme werden im brasilianischen Teil des Amazonas errichtet und drohen, mehrere Gruppen unkontaktierter Indigener zu vernichten. Der Santo Antonio und der Jirau Damm werden entlang des Madeira Flusses gebaut, in unmittelbarer Nähe eines Gebietes isoliert lebender indigener Völker, die nichts darüber wissen, dass viel von ihrem Land zerstört werden könnte.
  Eine Forschungsreise der FUNAI – der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten – bestätigte kürzlich, dass in dem betroffenen Gebiet unkontaktierte Indigene leben und jagen. Mindestens vier Gruppen isoliert lebender Indigener sind in dem Gebiet des Staudamm-Projektes beheimatet. Zwei dieser Gruppen sind bekannt als die Mujica Nava und die unkontaktierten Jacareuba / Katawixi.
  Für das Staudamm-Projekt werden neue Straßen gebaut und die Zahl der Einwanderer in dem Gebiet wird stark ansteigen, wodurch der Wald der Indigenen zerstört wird. Die Einwanderer schleppen zudem Krankheiten wie Grippe und Masern ein, gegen welche die isolierten Indigenen kaum Abwehrkräfte besitzen. Jede Art von Kontakt zwischen Unkontaktierten und Außenstehenden ist extrem gefährlich für die Gesundheit der Indigenen und kann zum Tod vieler führen, wie es bereits häufig in der Vergangenheit passiert ist.
  FUNAIs Bericht führt an, dass der Lärm des Baus der Dämme höchstwahrscheinlich bereits einige unkontaktierte Indigene von ihrem Land in ein Gebiet vertrieben hat, in dem illegale Minenarbeiter tätig, und Malaria und Hepatitis weit verbreitet sind. Neben der Bedrohung der unkontaktierten Indigenen beeinträchtigen die Dämme auch eine Vielzahl von anderen indigenen Völkern in der Region. Sie wurden vor dem Beginn des Dammbaus nicht angemessen konsultiert. Domingos Parintintin vom Volk der Parintintin sagte: „Unser Land ist noch unberührt. Wir hoffen, dass das Projekt nicht fortgeführt wird, weil unsere Kinder diejenigen sind, die leiden werden. Es wird nicht mehr genügend Fische oder Tiere für uns zum Jagen geben.“
  Das französische Unternehmen GDF Suez, im Teilbesitz der französischen Regierung, ist für den Bau des Jirau Damms zuständig. Eine Vereinigung von NROs bestehend aus Survival International, Kaninde, Amigos da Terra-Amazonia Brasileira, International Rivers und Amazon Watch hat sich mit Protesten an die brasilianischen Behörden und das Unternehmen GDF Suez gewandt und fordert den umgehenden Baustopp der Dämme.
  Als kürzlich ein Aktionär von GDF Suez auf der Hauptversammlung des Unternehmens den Präsidenten, Gérard Mestrallet, zu den unkontaktierten Indigenen in der Nähe des Jirau Damms befragte, antwortete dieser, dass Präsident Lula den Damm unterstützt und, „wenn einer weiß, was gut für die brasilianische Bevölkerung ist und gleichzeitig den Schutz der lokalen indigenen Bevölkerung berücksichtigt, dann ist es Präsident Lula“.
  Der Sprecher der Kayapó Indigenen, Megaron Txucarramãe, sagte kürzlich, dass „Lula sich selbst als größten Feind der Indigenen offenbart hat“, weil dieser den Bau des umstrittenen Belo Monte Damms am Xingu Fluss trotz großer Proteste weiterverfolgt.Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: „Wenn der Bau des Santo Antonio und des Jirau Damms nicht eingestellt wird, werden viele Indigene zusehen müssen, wie in ihr Land eingedrungen wird und die natürlichen Ressourcen geplündert werden. Unkontaktierte Völker könnten dezimiert oder gar ausgelöscht werden. Die brasilianische Regierung wird für solch eine Katastrophe verantwortlich gemacht werden.“
  
  15.4.2010
  Yanomami protestieren gegen illegale Bergleute
  Yanomami und Yekuana Indigene aus dem nördlichen Brasilien, haben letzte Woche gegen das illegale Eindringen von Goldgräbern in ihr Gebiet protestiert. Sie forderten die Verantwortlichen auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Golgräber auszuweisen.
  Die Demonstration fand letzten Mittwoch vor dem Gebäude von FUNAI – der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten – im Bundesstaat Roraima statt.
  Die Indigenen, mit Körperfarben geschmückt, tanzten vor dem Gebäude und ließen ihre Forderungen durch Lautsprecher ertönen. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift „FUNAI muss seinem Auftrag folgen und die Eindringlinge ausweisen“ sowie „Stoppt die Invasion! Entfernt die Viehzüchter und Bergleute“.
  Davi Kopenawa, Schamane und Sprecher der Yanomami sagte: „FUNAI schläft…Es ist Zeit, dass sie den Belangen der Yanomami Aufmerksamkeit schenken. Die Bergleute bedrohen die Yanomami, sie zerstören die Natur und sie bringen immer noch Krankheiten zu unserem Volk…Wir kämpfen für unser Volk, unser Land und unseren Wald.“
  Der Demonstration gingen bereits eine Vielzahl von Warnungen seitens der Yanomami Organisation Hutukara voraus. Hutukara hatte wegen dem Eindringen der Bergleute zahlreiche Briefe an die brasilianische Regierung geschrieben. Mitglieder der Yanomami Organisation hatten zudem Treffen mit Funktionären einiger Ministerien abgehalten. Es gelang den Behörden jedoch nicht, die Bergleute, deren Anzahl stetig steigt, zum Verlassen des Gebietes zu bewegen.
  Nach den Protesten kündigte die Bundespolizei an, die Ausweisung der Bergleute, die in den kommenden Monaten durchgeführt werden soll, bei einem Treffen in Brasília in dieser Woche zu thematisieren.
  Die Bergleute schaden der Gesundheit der Yanomami, da sie ihre Flüsse mit Quecksilber verschmutzen und Krankheiten verbreiten, gegen die die Yanomami kaum Abwehrkräfte haben.
  Die Bergleute sind zumeist bewaffnet und Konflikte mit den Yanomami, die ihr Land und ihre Gemeinschaften verteidigen wollen, könnten gewaltsam enden. Im Januar 2009 erschossen Bergleute einen Yekuana Indigenen und verletzten seinen Sohn, nachdem er sich geweigert hatte, sie in das Gebiet der Yanomami zu führen.
  Vor wenigen Tagen sendete Survival International eine dringende Anfrage an James Anaya, UN Berichterstatter für die Rechte indigener Völker, mit der Bitte, die Situation mit der brasilianischen Regierung zu besprechen und sie zu drängen, alle Bergleute umgehend von dem Land der Yanomami zu entfernen.
  
  26.3.2010
  UN: Erste Erfolge im Kampf gegen Waldschwund
  Trotz weiterer dramatischer Waldverluste sehen die Vereinten Nationen (UN) erstmals auch Erfolge im Kampf gegen den Raubbau. So seien in den Jahren 2000 bis 2010 jährlich etwa 13 Millionen Hektar Waldflächen verloren gegangen, berichtete die UN- Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) in den Kernergebnissen des Weltwaldberichts 2010, den sie am Donnerstag in Rom veröffentlichte. In den zehn Jahren zuvor seien es hingegen noch 16 Millionen Hektar Wald pro Jahr gewesen.
  Nähere Informationen können Sie hier nachlesen.
  04.2.2010
  Megastaudamm im Regenwald Amazoniens genehmigt
  Brasiliens Umweltminister Carlos Minc hat die Baugenehmigung für den umstrittenen Staudamm Belo Monte am Amazonas-Nebenfluss Xingu erteilt. Die beteiligten Firmen müssten allerdings 40 Auflagen mit Kosten von rund 570 Millionen Euro erfüllen. Mit einer Kapazität von 11.200 Megawatt wird Belo Monte das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt mit verheerenden Auswirkungen auf Wald und Menschen.
  Bischof Erwin Kräutler von der Diözese Xingu sagte Chaos für die Region voraus: "Die Folgen für Menschen und Umwelt sind unabsehbar und können nicht ausgeglichen werden." Präsident Lula da Silva habe sein Versprechen gebrochen, das Projekt nicht um jeden Preis durchzusetzen.
  12.000 Familien würden durch Umsiedlung oder indirekt betroffen, räumte Roberto Messias Franco von der Umweltbehörde Ibama ein. Zudem dürften 100.000 Menschen durch die Bauarbeiten in das fragile Ökosystem gelockt werden. Bei den Arbeiten westlich von Altamira wird so viel Erde bewegt werden wie beim Bau des Panamakanals; geflutet werden zunächst 516 Quadratkilometer Regenwald.
  Wegen vieler Ungereimtheiten beim Genehmigungsverfahren kündigte die Staatsanwaltschaft in Belém Einspruch gegen die Lizenz für das mindestens zwölf Milliarden Euro teure Vorhaben an. Ein Vorläuferprojekt hatten die Ureinwohner 1989 durch Proteste verhindert.
  Der Energieexperte Célio Bermann weist darauf hin, dass es durchaus Alternativen zu Megastaudämmen wie Belo Monte gibt. Neben dem Ausbau der Wind- oder Solarenergie könne in Brasilien ein "enormes Potenzial" durch Effizienzsteigerungen bei der Stromübertragung und die Modernisierung der bereits bestehenden Dämme eingespart werden. Viel gewonnen wäre schon, wenn die Kapazität von Belo Monte um die Hälfte reduziert würde, findet Bermann: "Sonst wird wegen der saisonalen Schwankungen bei der Wasserzufuhr des Xingu mittelfristig der Bau weiterer Dämme zwingend."
  Genau darauf spekuliert die Strom- und Baulobby. Die Bauriesen Odebrecht und Camargo Corrêa, die zu den größten Sponsoren von Lulas Arbeiterpartei zählen, wollen zur Ausschreibung im April mit einem Konsortium antreten. Auch der französisch-belgische Wassermulti Suez bewirbt sich.
  
  09.1.2010
  Korruption im Regenwald kostet Indonesien Milliarden
  Die Idee klingt nicht schlecht: Als Ausgleich für ihren Ausstoß an Treibhausgasen bezahlen die Industrienationen waldreiche Entwicklungsländer wie Indonesien dafür, dass diese ihre Wälder nicht mehr so hemmungslos abholzen wie bisher. Der Plan eines solchen Waldschutzabkommens wird ab kommender Woche auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen beraten. Indonesien könnte damit Milliardensummen kassieren. Doch Kritiker befürchten, dass Unsummen in dunklen Kanälen versickern und der Regenwald wenig davon hat, so lange die Korruption blüht.
  Korruption und Missmanagement in der Holzwirtschaft kosten Indonesien einem am Dienstag veröffentlichten Bericht von Human Rights Watch zufolge jährlich mindestens zwei Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) - so viel, wie das Land gleichzeitig für sein Gesundheitswesen ausgibt. Ein Geldsegen würde das Problem nur noch verschlimmern, glaubt der stellvertretende Programmdirektor der Menschenrechtsorganisation, Joe Saunders. «Die Hoffnung beim Kohlenstoffmarkt ist, dass endlich echtes Geld auf den Tisch kommt, das den dunklen Mächten Paroli bietet. Aber wenn man nicht aufpasst, wohin das Geld fließt, versickert es in einem löchrigen System, das keine Ergebnisse zeitigt», sagte er der AP.
  «Nicht in die Hände korrupter Leute»
  Die Korruptionsbekämpfung dürfe den Kampf gegen die Abholzung nicht bremsen, mahnte der Vorsitzende des indonesischen Rates für den Klimawandel, Rachmat Witoelar. «Ich stimme zu, dass das Geld nicht in die Hände korrupter Leute gelangen darf», sagte er. «Aber das ist kein Grund, dass wir den Wald nicht retten.»
  Indonesien verfügt über ein Zehntel des Regenwaldes auf der Erde. Den Nachforschungen von Human Rights Watch zufolge sind dem Staat in den vier Jahren bis einschließlich 2006 durch illegalen Holzeinschlag, schöngerechnete Abgaben und Unterbewertung von Exporten an ausländische Tochterfirmen insgesamt sechs Milliarden Dollar entgangen. Mit steigender Tendenz: 2003 waren es noch 1,2 Milliarden, 2006 - dem letzten Jahr mit verfügbaren Daten - schon zwei Milliarden Dollar.
  Drittgrößter Klimasünder
  Und das ist noch vorsichtig gerechnet, wie es in dem Bericht heißt. So ist darin weder das geschmuggelte Holz enthalten, das weder von Indonesien noch vom Empfängerland gemeldet wird, noch die Summe entgangener Unternehmens- und Einkommensteuer. Die Korruption in der Industrie werde in dem Bericht grob unterschätzt, meinte der Leiter der Umweltorganisation Greenomics Indonesia, Elfian Effendi. Er schätzt sie mit über fünf Milliarden Dollar mehr als doppelt so hoch.
  Trotz der verlorenen Summen verdiente Indonesien 2007 immer noch 6,6 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) mit seinen Regenwäldern. Damit ist seine Holzindustrie die lukrativste nach der Brasiliens. Die Zerstörung der Wälder vorwiegend durch Brandrodung zugunsten von Palmölplantagen, Bergbau oder Industrieansiedlung trägt dazu bei, dass Indonesien an dritter Stelle der Klimasünder steht. Mehr Treibhausgase produzieren nur noch die USA und China.
  
  11.12.2009
  Ende der Amazonas-Regenwaldabholzung möglich
  São Paulo (dpa) - Ein umfassendes Programm zum Stopp der Regenwaldabholzung im Amazonas bis 2020 würde einer Studie zufolge zwischen 6,5 und 18 Milliarden US-Dollar (4,3 bis 12 Milliarden Euro) kosten.
  Die 18 an der Untersuchung beteiligten internationalen Wissenschaftler sind sich aber einig: Der Nutzen würde die Kosten übertreffen. So würde etwa ein Ende der Abholzung im brasilianischen Amazonas den globalen Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zwischen zwei und fünf Prozent verringern, schreiben sie im Fachjournal «Science» (Bd. 326, S. 1350) vom Freitag.
  Hinzu kämen eine Reduzierung der Waldbrände, der Luftverschmutzung, der Überflutungen und der Landerosion. Die zusätzlichen finanziellen Kosten könnten durch den sogenannten REDD- Mechanismus aufgebracht werden, der die Tropenländer für den Schutz der Regenwälder und den damit verhinderten CO2-Ausstoß finanziell entschädigen soll. Er ist ein Hauptthema auf dem am Montag in Kopenhagen beginnenden UN-Klimagipfel.
  Die brasilianische Regierung will die Abholzung im Amazonas-Gebiet bis zum Jahr 2020 um 80 Prozent verringern. Als Vergleichszeitraum dienen die Jahre 1996 bis 2005, in denen durchschnittlich eine Fläche von 19 500 Quadratkilometern Regenwald im Jahr vernichtet wurde.
  Nach einer kürzlich vorgestellten Erhebung der Regierung wurden von August 2008 bis Juli 2009 im Amazonas «nur» 7000 Quadratkilometer abgeholzt und damit 45 Prozent weniger als in den zwölf Monaten zuvor. Die Forscher bestätigten den Trend: Von Juli 2005 bis Juli 2009 sei die Abholzung um 36 Prozent zurückgegangen.
  Ein Grund dafür seien die in den Jahren 2005 und 2006 gesunkenen Weltmarktpreise für Soja und Rindfleisch. Die Soja-Farmer und die Rinderzüchter sind die Hauptverantwortlichen für die Abholzung im Amazonas. «Die Viehhaltung ist für annähernd vier Fünftel der Entwaldung im Amazonas verantwortlich», heißt es in dem «Science»- Bericht. Notwendig sei, die Flächen für die Rinderhaltung und den lukrativen Soja-Anbau stabil zu halten und kleine Unternehmen, die den Regenwald nachhaltig nutzten, zu unterstützen.
  
  12.11.2009
  Wald in Paraguay von unkontaktiertem Volk für Rinderzucht gerodet!
  Der Wald des einzigen unkontaktierten Volkes in Südamerika außerhalb des Amazonasgebietes wird unaufhörlich und illegal von Viehzüchtern zerstört, um Platz für Rinderweiden zu schaffen.
  Die Ayoreo-Totobiegosode sind das einzige unkontaktierte Volk weltweit, das derzeit Land an die Produktion von Rindfleisch verliert.
  Die Tätigkeiten der Viehzüchter wurden durch Satellitenfotos vom 1. November aufgedeckt. Durch eine Radioanzeige von Survival, welche von einem bedeutenden paraguayischen Radiosender, Radio Nanduti, gebracht wird, wird die Abholzung des Waldes seit dem 2. November publik gemacht.
  Die Viehzüchter des brasilianischen Unternehmens “Yaguarete Pora S.A.” arbeiten auf dem Land des Ayoreo-Totobiegosode Volkes in Paraguay, obwohl ihnen das Umweltministerium bereits im August aufgrund von früheren illegalen Abholzungen die Lizenz dafür entzogen hat.
  Sie roden das Waldgebiet und damit die Heimat des Ayoreo-Totobiegosode Volkes. Die Bulldozer gehören angeblich Jacobo Kauenhowen, dem Besitzer eines großen Bulldozer-Unternehmens in einer nahegelegenen Mennonitensiedlung.
  „Das ist eine ernstzunehmende Gefahr für die Totobiegosode. Die illegale Abholzung durch Yaguarete in Paraguay wird ohne jegliche Kontrolle fortgesetzt“, sagte die paraguayische Nichtregierungsorganisation GAT, welche dafür kämpft das Land der Ayoreo zu schützen.
  Im letzten Jahr zerstörte Yaguarete, zusammen mit einem anderen brasilianischen Unternehmen (River Plate S.A.) , tausende Hektar von Land des indigenen Volkes. Einige der Totobiegosode wurden bereits kontaktiert. Sie haben Angehörige unter jenen Indigenen, die noch unkontaktiert im Wald leben.
  
  14.10.2009
  Alte Regenwälder trotzten offenbar einem Klimawandel
  Die Regenwälder könnten flexibler auf den Klimawandel reagieren als bisher angenommen. Der Fund eines 300 Millionen Jahre alten fossilen Waldes zeigt, dass sich die Regenwälder vergangener Epochen offenbar erstaunlich schnell von katastrophalen Klimawechseln erholten. Das berichten amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift "Geology".
  Die Regenwälder weltweit schrumpfen. Eine Ursache für diesen Rückgang ist die Rodung durch den Menschen. Aber auch eine allmählich zunehmende Trockenheit, ausgelöst durch den Klimawandel, macht den grünen Lungen" der Erde zu schaffen. Wie widerstandsfähig ist der Tropenwald gegenüber solchen Entwicklungen? Wird es ihn in der heutigen Form womöglich bald nicht mehr geben?
  Größter Fund eines fossilen Regenwalds
  Einen ganz neuen Einblick in die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit tropischer Wälder haben jetzt Wissenschaftler um Howard Falcon-Lang von der Universität von London sowie der Smithsonian Institution und dem Illinois Geological Survey gewonnen. Denn in Kohlenminen im amerikanischen Bundesstaat Illinois stießen sie auf gut erhaltene Relikte eines 300 Jahre alten Regenwalds aus dem Karbon. Die spektakuläre Entdeckung entpuppte sich jedoch nicht nur als das größte fossile Vorkommen dieses Typs weltweit, es zeigte auch Überraschendes über die Entwicklung dieser Wälder.
  Rückkehr nach Fast-Vernichtung
  Analysen der Fossilien und ihrer Umgebungsgesteine enthüllten, dass diese ersten Regenwälder der Erdgeschichte mehrere starke Klimaschwankungen überdauerten. Während extremer Kälteperioden trockneten die damaligen Tropen aus und die Regenwälder wurden an den Rand der Vernichtung getrieben. Doch schon wenig später, sobald das Klima wieder ein wenig feuchter wurde, erholten sie sich und kehrten zu ihrem früheren Ausmaß und Artenreichtum zurück. Die reichen Kohlenschichten des Karbon zeugen davon.
  "Diese Entdeckungen verändern unsere Vorstellung von den ersten Regenwäldern der Erde radikal", erklärt Falcon-Lang. "Wir dachten sie wären stabile Ökosysteme, die Millionen von Jahren unverändert bleiben. Jetzt wissen wir, dass sie unglaublich dynamisch sind und ständig durch Klimawandel hin- und hergeworfen."
  Widerstandsfähigkeit nicht grenzenlos
  Die neuen Erkenntnisse werden auch ein neue Licht auf den Einfluss des heutigen Klimawandels auf den Amazonas-Regenwald. "Wenn wir verstehen, wie das Klima die Regenwälder der fernen Vergangenheit formte, dann können wir daraus schließen, wie sie in Zukunft reagieren werden", so der Forscher. "Wir haben gezeigt, dass Regenwälder innerhalb bestimmter Grenzen flexibel gegenüber Klimaänderungen reagieren, ein extremer Wandel allerdings könnte sie über einen Schwellenwert hinaus treiben und zum ,Umkippen' bringen."
  
  20.9.2009
  Gegen Palmölplantagen
  Die Umweltorganisation ROBIN WOOD kritisiert, dass für Baumplantagen großflächig Regenwälder zerstört und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. ROBIN WOOD unterstützt daher den vom World Rainforest Movement ausgerufenen internationalen Protesttag gegen Baum-Monokulturen. Der heutige Protesttag soll die öffentliche Aufmerksamkeit darauf lenken, dass Plantagen keine Wälder sind, sondern eine "grüne Wüste", für die Wälder vernichtet und Menschen vertrieben werden. Die Rohstoffe aus den Plantagen landen in großem Stil in Form von Konsumartikeln auch auf dem deutschen Markt.
  Besonders dramatisch ist die Situation in Indonesien, wo für riesige Palmölplantagen die letzten Regenwälder platt gemacht werden. Profiteure dieser Entwicklung sind Konzerne wie Unilever, die in großen Mengen Palmöl einkaufen - trotz gewaltsamen Landkonflikten und Naturzerstörung durch die Plantagen, aus denen der Rohstoff stammt.
  "Der Handel mit Palmöl aus Indonesien ist ein schmieriges Geschäft auf Kosten der Regenwälder", sagt ROBIN WOOD-Tropenwaldreferent Peter Gerhardt. "Die weltweite Expansion der Großplantagen muss gestoppt werden. Der Druck auf Großabnehmer des Palmöls wie Unilever in Deutschland muss wachsen."
  Unter dem Motto "Bei Rama ist nichts in Butter" waren Aktivistinnen von ROBIN WOOD kürzlich der Zentrale von Unilever Deutschland in Hamburg aufs Dach gestiegen und hatten dort gegen die Verwendung von Palmöl aus Indonesien demonstriert.
  Unilever, Produzent von Rama, Langnese-Eiscreme und Knorr-Tütensuppen, versucht, die Kritik zu mit dem Versprechen zu entkräften, künftig mehr RSPO-zertifiziertes Palmöl einzukaufen. Mit dem RSPO-Siegel - die Abkürzung steht für Roundtable on Sustainable Palmoil (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) - soll Palmöl gekennzeichnet werden, das angeblich nachhaltig produziert wurde. Da aber beim RSPO Lebensmittelkonzerne, Palmölfirmen und Chemiemultis den Ton angeben - Unilever hat den Vorsitz - zertifiziert sich die Raubbau-Branche dort gewissermaßen selbst. Dementsprechend lax sind die Standards. Für neue Plantagen dürfen weiterhin Wälder zerstört werden. Selbst hochgiftige Totalherbizide dürfen in RSPO-zertifizierten Plantagen eingesetzt werden. "Die Industrie hängt sich ein grünes Deckmäntelchen um, bescheinigt sich selbst, wie ökologisch sie ist und macht weiter, wie gehabt", sagt Gerhardt.
  Die Anlage von Plantagen schadet außerdem dem Klima. Natürliche Wälder speichern viel mehr Kohlenstoff als Baum-Monokulturen und sorgen deshalb dafür, dass weniger Klimagas Kohlendioxid in der Luft ist. Ein großer Teil des Kohlenstoffs ist in den Waldböden gespeichert. Wird der Wald durch Plantagen ersetzt, wird die organische Substanz des Bodens mineralisiert. Klimagase werden freigesetzt. Indonesien ist so zum drittgrößten Kohlendioxid-Emittenten der Welt geworden. Wenn dort für Plantagen Waldgebiete zerstört und trockengelegt werden, gelangt Kohlenstoff aus meterdicken Torfschichten in die Luft.
  
  25.8.2009
  Waldbrände in Indonesien
  Der Indonesische Regenwald wächst auf Torfmooren. Diese Böden speichern enorme Mengen an Kohlendioxid (CO2) - so lange sich auf ihm eine intakte Vegetation befindet. Wird diese niedergebrannt, entschwindet das CO2 in die Atmosphäre. Und genau das passiert gerade in vielen Regionen Indonesiens. Die Wälder werden zerstört für billiges Sperrholz und wetterfeste Gartenmöbel, für Papier- oder Palmölplantagen.
  Um die Wälder abbrennen zu können, müssen zunächst die Torfmoore trocken gelegt werden. Dafür werden ständig neue Entwässerungsgräben durch den Wald gezogen. Im Forest Defenders Camp wurden verschiedene Methoden ausprobiert, wie die Lebensgrundlage der Indonesier erhalten bleiben kann. Die Aktivisten zeigten Einwohnern aus der Provinz Riau damals, wie sie Waldbrände selbst löschen können und setzten zum Schutz vor Austrocknung Dämme in frisch ausgehobene Entwässerungsgräben.
  Jetzt brennt es wieder. Allein in der Province Riau gab es in diesem Juli 2800 Brandherde. Nun beginnt die Trockenzeit, und es werden noch etliche Feuer mehr erwartet. Das Greenpeace-Team, das die Wälder zu retten versucht, besteht aus gerade einmal 15 Personen. Doch trotzdem konnten sie das Feuer in einem etwa 10 Hektar großen Waldstück unter Kontrolle bringen. Dieses Stück Land liegt nahe eines Gebietes für geplante Palmöl-Plantagen, wo kürzlich 1000 Hektar Land vernichtet wurden. Dort hat ein Palmöl-Könzern dafür gesorgt, dass die Feuer nicht gelöscht wurden.
  Die Vernichtung des Regenwaldes mit seinen Torfmooren hat zur Folge, dass Indonesien nach China und den USA beim Ausstoß von Treibhausgasen auf Platz drei steht. Unzähligen Pflanzen- und Tierarten wird der Lebensraum genommen. Dabei dürfte Indonesiens Regenwald eigentlich gar nicht mehr abgeholzt werden. Nach starken Waldbränden in den Jahren 1997/98 wurde 1998 ein Gesetz verabschiedet, das die Brandrodung verbietet. Es sieht bei einem Verstoß Strafen von bis zu 10 Jahren Haft und einer Milliarde US Dollar vor. Dieses Gesetz gibt es aber nur auf dem Papier - zu viele korrupte Beamte und komplizierte gesetzliche Prozesse machen seine Umsetzung kaum möglich.
  Überdies war 2007 von Riaus damaligem Gouverneur Wan Abu Bakar ein Moratorium auf die Abholzung vereinbart worden. Doch der aktuelle Gouverneur, Rusli Zainal, hat verhindert, dass es Inkraft tritt. Nun müsste eigentlich Indonesiens Präsident Yudhoyono handeln und sich an sein Versprechen von Anfang 2009 erinnern, als er sich zur Halbierung der indonesischen CO2-Emissionen verpflichtete. Doch die Aussichten für eine andere Waldpolitik sind düster. Hat doch sein Forstwirtschaftsminister erst kürzlich die Umwandlung vieler Waldgebiete zu Palmöl- und Papierplantagen genehmigt.
  
  27.7.2009
  Kahlschlag auf Borneo
  Weil Malaysias Regierung auf der Insel Borneo für 63 Millionen Euro einen Staudamm bauen möchte, sollen der Regenwald abgeholzt und die Ureinwohner vertrieben werden. Zwar wehren sich die Betroffenen gegen das Projekt, doch machen ihnen bereits Palmöl-Plantagen im Süden des Landes zu schaffen. Die Abholzung des Regenwaldes auf ganz Borneo bedroht auch die einzigartige Tierwelt der Insel.
  Die Ureinwohner der Insel Borneo, Dayaks genannt, leben vom Regenwald. "Der Regenwald ist unsere Heimat, er spendet uns das Baumaterial für unsere Hütten, gibt uns Essen und Trinken und sogar die Medizin", erzählten Dayaks Reportern der Tagesthemen, als diese den malaysischen Teil der Insel bereisten. Doch den Ureinwohnern droht die Vertreibung: Mit Hilfe chinesischer Firmen plant Malaysias Regierung, die einen Teil des Nordens der Insel beherrscht, für 63 Millionen Euro einen Staudamm zur Stromproduktion zu errichten. Die Baustelle ist bereits eröffnet und schwere Bagger fressen sich in den Regenwald.
  Die Dayaks wollen sich nun gegen die Pläne wehren und vor Gericht ziehen. Erfahrung damit haben sie bereits: Nicht nur Staudämme bedrohen ihre Heimat, sondern auch die gigantischen Palmöl-Plantagen, für die Malaysia als weltgrößter Exporteur des Rohstoffs überall auf der Insel den Urwald roden lässt. Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte den Ureinwohnern im Mai bei einer Klage dagegen bereits Recht gegeben.
  Im wesentlich größeren und von Indonesien beherrschten Teil im Süden der Insel sieht es nicht viel besser aus: Indonesien rangiert auf der Weltrangliste der Palmölexporteure auf Platz zwei und beteiligt sich ebenso an der Abholzung Borneos - alle 20 Minuten verschwindet wertvoller Regenwald von der Größe eines Fußballfeldes. Das bleibt für die einzigartige Tierwelt nicht folgenlos, so findet die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS) kaum noch sichere Gebiete, in denen sie die mühsam aufgepäppelten und großgezogenen Affen aussetzen kann.
  Der Holländer kämpft seit 17 Jahren für das Überleben der Orangutans, die ständig in der Gefahr schweben, getötet oder von Tierhändlern gefangen zu werden. Die Situation hat sich durch die Dezimierung des Waldbestandes noch verschärft, denn immer weniger Lebensraum steht zur Verfügung. Mit mehr als 900 Orang-Utans quellen die beiden BOS-Rehabilitationszentren Nyaru Menteng und Samboja im Zentrum und im Osten Kalimantans mittlerweile über. "Viele sind schon seit Jahren hier und längst für die Auswilderung bereit. Doch es gibt kaum noch Wälder, in denen wir sie gefahrlos frei lassen können", so Smits.
  
  22.6.2009
  Jahrhundertflut am Amazonas
  Von den hiesigen Medien fast völlig ignoriert, hat die Jahrhundertflut Amazonien weiter fest im Griff. Im Hafen von Manaus wurde nun der zweithöchste Pegelstand der Geschichte registriert. In der kommenden Woche könnte zudem die Rekordmarke des Rio Negro von 1953 übertroffen werden - eine Flutkatastrophe bedroht die Region.
  Die Jahrhundertflut am Amazonas in Brasilien ist noch nicht vorüber. Der Rio Negro bei Manaus ist erneut gestiegen und hat am Samstagmorgen die zweithöchste Marke in der Geschichte geknackt. Mit 29.62 Meter liegt er nun im Hafen der Amazonasmetropole ein Zentimeter über dem Wert der Flut von 1976 und nur noch sieben Zentimeter unter der Rekormarke von 1953. Damals wurde mit 29.69 Meter bislang höchste Stand in der Geschichte des gewaltigen Flusses gemessen.
  Sollten die Vorhersagen des Zivilschutzes zutreffen, so wird der Pegel des Rio Negro in den kommenden Tagen weiter ansteigen. Am Freitag wurde eine entsprechende Warnmeldung herausgegeben, nachdem die Wetterdienste im Norden und Nordwesten des Bundesstaates massive Niederschläge registrierten. Die Meteorologen wollen weitere Regenfälle nicht ausschliessen, die Sicherheitsbehörden warnen zudem vor der Gefahr von grossflächigen Stromausfällen.
  Auch steigt stündlich die Gefahr von Flutschäden entlang der Flüsse der Region im Herzen Amazoniens. Besonders völlig durchweichte Uferbegrenzungen könnten wegbrechen, Mauern und Dämme zerstört werden. Weitere katastrophale Überschwemmungen wären die Folge. Die Bewohner der Region wurden über TV und Radio aufgefordert, nun schnellstmöglich alle Bereiche zu verlassen, die nicht genügend Schutz gegen Gewitter und Sturmböen bieten oder in tieferen Lagen gelegen von den Wassermassen überflutet werden könnten.
  In den vergangenen Monaten wurden im Norden und Nordosten Brasiliens durch endlose Regenfälle Zehntausende obdachlos, Hunderttausende mussten zumindest zeitweise ihre Häuser verlassen. Die Schäden gehen in die Milliarden, durch Dammbrüche und reissende Fluten kamen dutzende Menschen ums Leben. In mehreren Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen, die brasilianische Regierung stellte finanzielle Notfallhilfe bereit, das Militär lieferte Lebensmittel und andere Hilfsgüter in die betroffenen Regionen.
  
  27.5.2009
  Landnahme im Amazonasgebiet gegen den Widerstand von Umweltschützern rückwirkend legalisiert
  Das brasilianische Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag einem Gesetzentwurf zugestimmt, der die Inbesitznahme von Land im geschützten Regenwald des Amazonas-Gebiets vor Dezember 2004 nachträglich legalisiert. Die Regierung hatte vorgesehen, 300.000 Titel über insgesamt 600.000 Quadratkilometer Land zuzuteilen, überwiegend an das staatliche Institut für die Agrarreform.
  Doch die einflussreiche Farmerlobby setzte gegen den Widerstand von Umweltschützern durch, dass die Zahl der Landtitel um 100.000 erhöht und die Frist zur Wiederaufforstung des abgeholzten Regenwaldes von ursprünglich zehn Jahren auf 30 Jahre heraufgesetzt wurde.
  Der brasilianische Umweltminister Carlos Minc verteidigte die nunmehr verabschiedete Regelung, die noch den Senat passieren muss. Er warnte allerdings vor Verstößen gegen die Umweltschutzgesetze des Landes, die zu massiver Abholzung und einer "enormen Umweltkatastrophe" führen könnten. Gemäß den derzeitigen Bestimmungen müssen Grundbesitzer 80 Prozent ihres Landes im ursprünglichen Zustand belassen.
  
  14.4.2009
  Klimawandel bedroht Motor des weltweiten Wetters
  Selbst wenn es gelingt, die Klimaziele von Kyoto sofort umzusetzen, wird der Regenwald langfristig geschädigt. 600 Milliarden Tonnen Kohlendioxid sind im Amazonas-Regenwald gespeichert.
  Bei einem wahrscheinlichen globalen Temperaturanstieg um vier Grad Celsius in diesem Jahrhundert werden 85 Prozent des Regenwaldes vernichtet - zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der britischen Forschungsgesellschaft "Met Office". Auch wenn die globale Erwärmung unter einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von zwei Grad gehalten werden kann, würden noch immer 20 bis 40 Prozent des Regenwaldes innerhalb der nächsten 100 Jahre irreversibel geschädigt werden.
  Selbst wenn es gelingt, die Klimaziele von Kyoto sofort umzusetzen, wird der Regenwald trotzdem langfristig leiden, befürchtet die Studie. Es handle sich um ein sehr empfindliches Ökosystem. Wissenschaftliche Simulationen prognostizieren einen Kippeffekt bei einer Schädigung des Waldes über einen bestimmten Prozentsatz hinaus. Dann brechen die restlichen Teile des Feuchtigkeitskreislaufs zusammen. Damit wäre die Artenvielfalt am Amazonas verschwunden - mit heute noch unvorstellbaren Auswirkungen auf alle Kontinente. Denn die tropischen Wälder sind die Motoren des weltweiten Wetters.
  Wenn Regenwälder wie jener am Amazonas von der Erde verschwinden, ändert sich das Wetter extrem. Überschwemmungen, Hitze- und Frostperioden, rasche Umschwünge, Ernteausfälle und Wasser- sowie Energiekrisen wären auch in Mitteleuropa vorprogrammiert. Außerdem tragen die sterbenden Regenwälder selbst auch massiv zur globalen Erwärmung bei. 600 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (etwa 170 Milliarden Tonnen Kohlenstoff) sind laut neuen Forschungsergebnissen des Schweizer IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) allein im Amazonas-Regenwald gespeichert. Ein sterbender oder brennender Wald gibt den Kohlenstoff wieder frei.
  
  5.3.2009
  Klimafaktor Regenwald - Trockenheit schwächt das Amazonasgebiet als Kohlendioxidpuffer
  Der Amazonas-Regenwald ist in Trockenzeiten überraschend empfindlich: In der extremen Trockenperiode des Jahres 2005 gab der Regenwald erstmals mehr Kohlendioxid an die Atmosphäre ab als er in Form von Biomasse binden konnte. Das hat ein internationales Forscherteam zum Oliver Phillips von der Universität in Leeds herausgefunden. Bislang galt das Amazonasgebiet als sichere Bank für die Klimaforschung: In durchschnittlichen Jahren fixierte er zwei Milliarden Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid und trug damit wesentlich zu einer Abschwächung des globalen Klimawandels bei. Da Trockenzeiten in Zukunft vermutlich häufiger auftreten, könnte der Amazonasregenwald den Klimawandel sogar beschleunigen, schreiben die Forscher.
  Rund 70 Wissenschaftler aus insgesamt 13 Ländern arbeiten im Projekt Rainfor zusammen und beobachten die Entwicklung des Regenwaldes auf 136 weit verteilten Waldparzellen. Die Aufzeichnungen reichen 25 Jahre zurück. Nach der ausgedehnten Trockenperiode im Jahr 2005 unternahmen die Forscher eine besonders genaue Inventarisierung der Parzellen. Die Bäume wuchsen langsamer und es starben deutlich mehr Bäume ab als im langjährigen Durchschnitt, stellen sie fest. Besonders die schnell wachsenden Baumarten mit geringer Holzdichte waren vom Absterben betroffen. Das schränkt die Regenerationsfähigkeit des Waldes ein, sollten sich die Trockenperioden häufen, berichten die Forscher.
  Im Jahr 2005 verzeichneten Wetterforscher eine der schwersten Trockenperioden der vergangenen hundert Jahre im Amazonas-Regenwald. "Äußerlich ist das dem Wald kaum anzusehen, doch unsere Daten zeigen eine beschleunigtes Absterben bei den Bäumen", erklärt Oliver Phillips. Aufsummiert über die riesige Fläche des Regenwaldes führen schon kleine Änderungen zu riesigen Auswirkungen auf dem Kohlenstoffkreislauf. In normalen Jahren absorbiert der Regenwald rund zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Für das Jahr 2005 deuten die Daten daraufhin, dass die bisherige Kohlenstoffsenke hingegen drei Milliarden Tonnen Kohlendioxid verlor.
  Insgesamt sorgte die Trockenzeit für fünf Milliarden Extratonnen Kohlendioxid in der Atmosphäre. Zum Vergleich: Die Kohlendioxid-Emissionen aller Verbraucher in Deutschland liegen bei etwas unter einer Milliarde Tonnen Kohlendioxid. Wenn sich solche Trockenzeiten wiederholen - und davon gehen einige Klimamodelle aus -, könnte der Amazonas-Regenwald seine Pufferwirkung verlieren und sogar den Klimawandel beschleunigen, konstatieren die Forscher.
  Quelle: Oliver Phillips (Universität in Leeds ) et al.: Science, Bd. 323, S. 1344
  
  18.2.2009
  EU sagt illegaler Waldzerstörung den Kampf an
  Mit einem mutigen Gesetzentwurf hat der Umweltausschuss des EU-Parlaments der illegalen Ausplünderung der Wälder den Kampf angesagt. Ein komplexes Prüfsystem soll nach dem Willen des Ausschusses künftig verhindern, dass in Europa Holz aus illegalen Quellen gehandelt und verarbeitet wird. Zu diesem Zweck sollen Europäische Unternehmen unter anderem verpflichtet werden, genau zu dokumentieren, woher ihr Holz stammt. Nationale Behörden sollen zudem mit der notwendigen Macht ausgestattet werden, Verstöße zu ermitteln und Sanktionen zu verhängen. Umweltverbände begrüßen die Entscheidung und sehen in ihr ein starkes Signal gegen die massiv fortschreitende Waldzerstörung weltweit.
  Der Entwurf geht weit über den Kommissionsvorschlag vom 17. Oktober 2008 hinaus. Es besteht nun die berechtigte Hoffnung, dass nun die zähen Verhandlungen auf EU-Ebene über ein Gesetz zur Unterbindung des illegalen Holzhandels zu einem Ende kommen. Dabei vor allem die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner in der Pflicht. Seit fünf Jahren wird über ein solches Gesetz in Brüssel gestritten. In Deutschland wurde unter der rot-grünen Bundesregierung eine ähnliche Initiative unter dem Begriff "Urwaldschutzgesetz" gestartet, von der Koalition dann jedoch mit Verweis auf die kommende europäische Regelung gestoppt.
  Dabei ist es eines der wichtigsten Gesetzesvorhaben auf umweltpolitischer Ebene und zum Schutz des Klimas. Fast 20 Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen werden durch die Vernichtung von Wäldern verursacht. Als einer der weltweiten Hauptimportregionen für Holz kommt der EU hier eine besondere Verantwortung zu. Mit besonderem Interesse wird daher die endgültige Entscheidung des EU-Parlaments am 23. April 2009 erwartet.
  
  13.1.2009
  Computer-Hacker helfen bei der Regenwaldzerstörung
  Zahlreiche Holzfirmen in Brasilien werden beschuldigt, sich mit der Hilfe von Computerkriminellen illegale Abholzgenehmigungen besorgt zu haben. Auf diese Weise haben mindestens 1,7 Millionen Kubikmeter Holz den Amazonas illegal verlassen. Wie die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Brasilien erfuhr, sollen 107 größere und kleinere Firmen beteiligt gewesen sein.
  Eigentlich verstand sich der brasilianische Bundesstaat Pará als gut gerüstet gegen illegalen Einschlag und unerlaubtem Handel mit Regenwaldholz: Mithilfe eines Computersystems wurden die Waldwirtschaftsgenehmigungen seit zwei Jahren zentral erstellt und mit der Gesamtmenge des ausgelieferten Holzes abgeglichen. Sobald die staatlichen Vorgaben erreicht sind, stoppt die Ausgabe der Genehmigungen. Auf diese Weise sollte sicher gestellt werden, dass nicht mehr Regenwald abgeholzt wird, als durch Aufforstungsmaßnahmen nachwachsen wird.
  Allerdings ließ sich das System offenbar von den Behörden unbemerkt austricksen. Durch die kriminelle Manipulation des Genehmigungssystems haben diese Firmen ihre Holzlieferungen legal und in Einklang mit den Waldmanagement-Plänen aussehen lassen. In Wirklichkeit aber handelten sie mit illegalem Holz, was das Problem der Regenwaldzerstörung noch verschlimmert.
  Die Angst vor Strafverfolgung scheint nicht sonderlich groß zu sein. Brasilien gilt als Hauptstadt des Hackings und hat schon in der Vergangenheit durch Hacker-Skandale auf sich aufmerksam gemacht. Und etwa die Hälfte der jetzt betroffenen Unternehmen sind bereits in Strafverfahren verwickelt.
  Doch nun will der brasilianische Staat, der seit 2007 ermittelt, die betroffenen Firmen auf etwa 820 Millionen US Dollar Schadensersatz verklagen. Es geht immerhin um die enorme Menge von 1,7 Millionen Kubikmeter Holz von illegal gefällten Bäumen (zum Vergleich: das entspricht der Füllmenge von 780 olympischen Schwimmbecken). Ein dringend notwendiges Zeichen auch angesichts der Pläne des brasilianischen Parlamentes, mittels einer Änderung des Forstgesetzes die legalen Abholzungsquoten zu erhöhen. Das Einzige jedoch, was wirklich gegen illegale Abholzung hilft, ist ein eindeutiges Verbot, das keinerlei Spielräume offen lässt.
  
  19.12.2008
  Deutschland unterstützt Brasilien im Kampf gegen den Klimawandel
  Deutschland und Brasilien schützen gemeinsam den brasilianischen Regenwald. Der Regenwald mit seinen unschätzbaren genetischen Ressourcen hat eine besondere Bedeutung für das Weltklima. Die beiden Länder leisten somit einen Beitrag im Kampf gegen den globalen Klimawandel. Deutschland sagt Brasilien 18 Millionen Euro für den Amazonien-Fonds zu. Dieser Fonds ist eine Initiative der brasilianischen Regierung, um die Entwaldung in Amazonien zu bekämpfen. Über den Fonds werden zum Beispiel Maßnahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, der Besitz- und Eigentumsregelung, des Biodiversitätsschutzes und der Wiederherstellung entwaldeter Flächen finanziert. Der Fonds soll dazu beitragen, dass die Entwaldung bis zum Jahr 2017 auf 5.000 qkm jährlich (2008: fast 12.000 qkm) zurückgeführt werden kann.
  Deutschland unterstreicht mit seinem finanziellen Beitrag zum Amazonien-Fonds seine Bereitschaft, ein innovatives und von der brasilianischen Regierung getragenes Programm zum Waldschutz im brasilianischen Amazonas zu unterstützen. Darüber hinaus würdigt die Bundesregierung mit diesem Schritt die Klimapolitik der brasilianischen Regierung - der brasilianische Präsident Lula hatte am 1. Dezember den ersten Nationalen Plan zum Klimawandel verkündet. Mit diesem Plan setzt Brasilien freiwillige Ziele zur Minderung der Treibhausgasemissionen fest.
  Das deutsche Engagement im Amazonien-Fonds ist eingebettet in die Entwicklungszusammenarbeit mit Brasilien. Schwerpunkt der deutsch-brasilianischen Entwicklungszusammenarbeit ist der Klimaschutz sowohl im Waldschutz als auch bei der Einführung alternativer Energien. Weitere Beiträge der Entwicklungspolitik für den Klimaschutz im Jahre 2008 sind eine Zusage an den brasilianischen Bundesstaat Amazonas für Maßnahmen für den Walderhalt und ein Kredit an die brasilianische Entwicklungsbank BNDES zur Finanzierung von Windparks.
  
  19.11.2008
  Abholzung am Amazonas bald gesetzlich legalisiert?
  Gesetzesnovelle soll Waldbesitzern die Ausweitung ihrer Agrarflächen erlauben
  Brasiliens Kongressabgeordnete entscheiden am 19. November über die Zukunft des Amazonasregenwaldes. Stimmen sie einer Änderung des bestehenden Waldnutzungsgesetzes zu, besiegeln sie die großflächige Zerstörung eines der letzten großen Regenwaldgebiete.
  Dem Kongress liegt eine Gesetzesnovelle vor, nach der private Waldbesitzer zukünftig bis zu 50 Prozent statt wie bisher 20 Prozent ihres Grundstücks abholzen dürfen. Die zusätzlichen 30 Prozent würden mit der geplanten Änderung des Forstgesetzes zur Rodung für Ölpalm- oder Eukalyptusplantagen freigegeben werden. Nach Schätzungen von Greenpeace wären dadurch über 30 Millionen Hektar des Amazonaswaldes, eine Fläche fast so groß wie Deutschland, unmittelbar bedroht.
  Der jetzt vorliegende Gesetzentwurf wurde bereits vom brasilianischen Senat gebilligt und liegt nun zur Abstimmung im Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses vor. Sollte dieser den Entwurf billigen, kann ihn nur noch Präsident Lula durch ein Veto verhindern. "Die brasilianische Regierung muss diesen Gesetzentwurf stoppen", fordert Riedl. Präsident Lula könne nicht für einen internationalen Urwaldschutzfonds werben und gleichzeitig die großflächige Zerstörung des Urwaldes genehmigen.
  Unterstützung für den Regenwaldschutz erhielt Brasilien bisher auch aus Deutschland. Die Bundesregierung hat dem Land dafür seit 1992 rund 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auf der Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) in Bonn versprach Bundeskanzlerin Merkel im Mai, bis 2012 zusätzlich 500 Millionen Euro für den Urwaldschutz bereitzustellen. Ein schnelles Handeln beim Waldschutz ist besonders wichtig, da 70 Prozent der brasilianischen Treibhausgasemissionen aus der Zerstörung des Amazonasregenwaldes stammen. Dadurch ist Brasilien der weltweit viertgrößte Erzeuger von Kohlendioxid.
  Trotz der andauernden Bedrohung seiner Waldflächen hat es Brasilien bisher nicht geschafft, den Umgang mit dem Regenwald klar zu regeln. Nachdem im Jahr 1996 der Höhepunkt der Abholzungen erreicht war, führte der damalige Präsident Cardoso ein Dekret ein, das die maximale Umwandlung von Wald in Agrarflächen auf 20 Prozent beschränkte. Dieses Dekret ist seitdem als Provisorium gültig, es wurde aber nie in die Forstgesetzgebung überführt. Aufgrund der steigenden Preise für Agrargüter und der zunehmenden Nachfrage nach Agrosprit fordert die brasilianische Agrar- und Agrospritlobby nun eine Ausweitung der Rodungen.
  
  8.10.2008
  Tropenwälder rücken ins Visier der Klimaschützer
  Barcelona (AP) - Im Kampf gegen die Erderwärmung sollte nach Ansicht von Umweltschützern die Rolle der Tropenwälder stärker in den Mittelpunkt rücken. Das Problem der Vernichtung riesiger Waldflächen dulde keinen Aufschub, sagte der Vizepräsident der Internationalen Naturschutzunion (IUCN), Glenn Prickett, am Mittwoch in Barcelona. Die Brandrodung und Abholzung der Regenwälder ist nach Schätzungen für ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen verantwortlich.
  Bäume absorbieren Kohlendioxid, gleichzeitig wird das Treibhausgas aber freigesetzt, wenn Wälder abgeforstet werden. «Damit müssen wir uns jetzt befassen», forderte Prickett in einem Interview am Rande des Weltnaturschutzkongresses in Barcelona. Dort beraten mehrere tausend Vertreter von Naturschutzorganisationen und 84 Staaten bis kommende Woche über Artenschutz und Klimawandel.
  Länder mit großen Tropenwäldern, wie beispielsweise Indonesien, könnten dem Vorschlag zufolge Ausgleichszahlungen für den Schutz dieser Wälder erhalten. Das Geld soll als Anreiz dienen, die Bäume zu erhalten und nicht abzuholzen. Die Wälder seien aus Sicht der Entwicklungsländer, eine Art freies Gut, das sie der Welt zur Verfügung stellen, erläuterte Prickett. «Sie zahlen den Preis, indem sie ihre eigene wirtschaftliche Entwicklung bremsen, während wir alle davon profitieren.»
  Die Rolle der Tropenwälder ist auch Gegenstand in den Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das im Jahr 2012 ausläuft. Der neue Vertrag soll bis zu einem Gipfeltreffen in Kopenhagen im Dezember 2009 unter Dach und Fach sein.
  
  23.9.2008
  Norwegen sagt Milliardenspende für Regenwaldschutz zu
  Statistisch gesehen wird im Amazonas Wald von der Größe von anderthalb Fußballfeldern abgeholzt - pro Minute. Norwegen verspricht eine Milliardenspende, um den brasilianischen Regenwald besser zu schützen.
  Brasilia (AP) - Es ist eine eindrucksvolle Zusage, die der norwegische Präsident Jens Stoltenberg in der brasilianischen Hauptstadt gemacht hat: Norwegen, reich geworden durch die Ausbeutung seiner Öl- und Gasfelder in der Nordsee, will mit einer Milliarde Dollar die Abholzung des Amazonas in Brasilien stoppen. Das Geld, so stellte Stoltenberg in Aussicht, soll bis zum Jahr 2015 in mehreren Runden fließen. Nutznießer ist ein spezieller Fonds, den die brasilianische Regierung vor kurzem aufgelegt hat. Sie hofft, dass eines Tages insgesamt 21 Milliarden für die Rettung des Amazonas zur Verfügung stehen. Verwaltet wird der Fonds von der Nationalen Entwicklungsbank BNDES. Ein Gremium, in dem sowohl die Regierung als auch die brasilianischen Amazonas-Staaten und sogar Bürger vertreten sind, muss einstimmig darüber entscheiden, wohin die Mittel fließen.
  "Anstrengungen gegen die Abholzung könnten für die größten, schnellsten und billigsten Reduktionen beim Ausstoß von Treibhausgasen sorgen", sagte Stoltenberg. Der Amazonas ist in doppeltem Sinne wichtig für das Weltklima: Zum einen kann seine Pflanzenwelt eine riesige Menge CO2 binden, zum anderen sorgt seine großflächige Abholzung für einen Großteil des brasilianischen Treibhausgasausstoßes. Geschätzt 400 Millionen Tonnen Treibhausgas, etwa 80 Prozent des Gesamtausstoßes Brasiliens, kommen so pro Jahr zusammen.
  Statistisch gesehen wird im Amazonas Wald von der Größe von anderthalb Fußballfeldern abgeholzt - pro Minute. Zwischen 2005 und 2007 hatte die Abholzung des Regenwaldes etwas an Geschwindigkeit verloren, doch Umweltschützer befürchten, dass sich dieser Trend wieder umkehren könnte: Um Weideland für Rinder zu schaffen werden wieder verstärkt Bäume gerodet - und um an ihrer Stelle Sojaplantagen für den Biotreibstoffhunger der Industrieländer anzulegen.
  In diesem Jahr wollen die Norweger mit 21 Millionen Euro die Unterstützung starten. Das weitere Geld soll dann aber erst fließen, wenn die Brasilianer Fortschritte beim Waldschutz dokumentieren können. Nach Angaben der Brasilianer wollen sich auch Japan, Schweden, Südkorea, die Schweiz und Deutschland an dem Fonds beteiligen.
  
  20.8.2008
  Der Amazonas-Regenwald wird durch die Suche nach Rohstoffen unwiederbringlich zerstört
  Rio de Janeiro (dpa) - Die Erdöl- und Gasförderung im Nordwesten und Westen Südamerikas zerstört einer Studie zufolge den Amazonas-Regenwald und bedroht außerdem zahlreiche Indio-Stämme.
  Betroffen sei ein etwa 688 000 Quadratkilometer großes Gebiet, auf dem 180 Förderungsprojekte betrieben würden, heißt es im Online-Journal «PLoS ONE» vom Mittwoch. Die Region ist fast doppelt so groß wie Deutschland. Das westliche Amazonas-Gebiet, das den weltweit intaktesten und artenreichsten Regenwald beherberge, werde in Brasilien, Bolivien, Peru, Kolumbien und Ecuador bald ganz von Förderanlagen und Pipelines bedeckt sein.
  Die Studie der US-amerikanischen Umweltschutzorganisationen Save Americas Forests und Land Is Life sowie der Duke University in Durham dauerte den Angaben zufolge drei Jahre. Die Wissenschaftler seien dabei zu alarmierenden Ergebnissen gekommen. «Wir haben ermittelt, dass die Öl- und Gasanlagen sich mit den Gebieten mit der größten Biodiversität der Vögel, Säugetiere und Amphibien genau überdecken», erklärt Studien-Koautor Clinton Jenkins von der Duke University. Sorgen lösten vor allem die Gefahren für die Amphibien aus, da diese die weltweit am stärkten bedrohten Wirbeltiere seien.
  Sogar in Naturschutzparks wie dem Yasuní in Ecuador oder dem Madidi in Bolivien werde gebohrt, heißt es. Am stärksten bedroht sei allerdings der peruanische Teil des Amazonas-Regenwaldes, meinen die Wissenschaftler. Dort bedecken laut Studie 64 Energieprojekte rund 72 Prozent des gesamten Urwalds. Die meisten «Blocks» stammten aus der Zeit nach 2003, als die Regierung in Lima ein großes Entwicklungsprogramm für das Amazonasgebiet gestartet habe. Der mit den Energieprojekten verbundene Straßenbau führe daneben zu Entwaldung, illegalen Ansiedlungen und exzessiven Jagdaktivitäten.
  Aber nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt ist bedroht. Viele Förderungsgebiete reichten nicht nur in Peru in Indioschutzgebiete hinein oder bedrohten isoliert lebende Indiostämme, heißt es. «Die Art und Weise, wie die Ölprojekte im West-Amazonas durchgeführt werden, stellt eine grobe Verletzung der Rechte der indigenen Bevölkerung in der Region dar», klagt Brian Keane von Land is Life. Die Ausbeutung von Ressourcen ohne Einverständnis der Ureinwohner werde von internationalen Abkommen und den interamerikanischen Menschenrechtsgesetzen ausdrücklich verboten.
  Verantwortlich sind allerdings nach Meinung der Wissenschaftler nicht nur die Behörden und Unternehmen der betroffenen südamerikanische Länder. Die weltweit zunehmende Energienachfrage nähre die Suche nach immer mehr Öl und Gas im Amazonasgebiet, die unter anderem von Unternehmen aus den USA, Kanada, Europa und China betrieben werde.
  
  3.8.2008
  Holzkonzern plündert Urwald und Staatkasse
  + Fast acht Millionen Euro sind eine Menge Geld - vor allem im Kongo. Um diese Summe hat der deutsch-schweizerische Holzkonzern Danzer die Demokratische Republik Kongo und die Republik Kongo betrogen.+
  Der aktuelle Greenpeace-Report Steuertricks im Kongo zeigt, wie der Konzern Gelder aus dem Geschäft mit Urwaldholz verschiebt und dadurch massiv Steuern hinterzieht. Und Danzer will noch mehr: deutsche Enwicklungshilfegelder - für den Einschalg im kongolesischen Regenwald.
  Das System der Reutlinger Familie Danzer mit Firmensitz in der Steueroase Zug/Schweiz ist ausgefeilt. Siforco, die afrikanische Tochterfirma von Danzer, verkauft Tropenholz unter seinem Marktwert an Interholco, die schweizerische Handelsfirma von Danzer. Die Differenz gleicht Interholco durch inoffizielle Zahlungen auf Bankkonten in europäischen Niedrigsteuerländern aus. So vermeidet Danzer eine Reihe kongolesischer Steuern.
  Auf diese Weise sind den Kongostaaten zwischen 2000 und 2006 mindestens 7,8 Millionen Euro Steuereinnahmen entgangen. Das sind zum Beispiel 700.000 nötige Schutzimpfungen für Kinder unter fünf Jahren.
  "Während die Weltbank und ihre Geldgeber im Namen der Armutsbekämpfung Milliarden von Dollar in die Länder des Kongo-Beckens fließen lassen, brechen Holzkonzerne wie Danzer Gesetze und zerstören die Lebensgrundlagen der Bevölkerung", sagt Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace.
  Gleichzeitig versucht das Unternehmen, von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Entwicklungshilfegelder für den Holzeinschlag im kongolesischen Regenwald zu erhalten. Hölzel dazu: "Wir fordern die deutsche Regierung auf, jegliche finanzielle Unterstützung für Danzer zu unterlassen."
  Nur vier europäischen Firmen kontrollieren etwa drei Viertel der Holzausfuhr in der Demokratischen Republik Kongo. 40 Prozent davon exportierte Danzer im Jahr 2006. Schon frühere Berichte von Greenpeace belegen, dass Danzer für den Einschlag von seltenen Edelhölzern die Korruption im Kongo fördert.
  Doch nicht nur die Geldgeschäfte sind von zweifelhafter Moral: Das Kongobecken ist nach Amazonien der zweitgrößte Regenwald der Erde. Es hat eine wesentliche Bedeutung für die Biodiversität und das Klima. Die weltweite Waldzerstörung ist bereits für 20 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.
  Quelle: Greenpeace | Anja Franzenburg 2008
  
  24.7.2008
  Wieder einmal: Brasilien geht härter gegen Umweltsünder vor
  Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat am Dienstag zwei neue Dekrete unterzeichnet, die das illegale Abholzen des tropischen Regenwaldes am Amazonas stoppen sollen. So erhalten staatliche Inspektoren das Recht, Eigentum und Waren von Leuten zu beschlagnahmen, bei denen illegal gefälltes Holz entdeckt wird. Außerdem wird die Zahl der Polizeibeamten im Amazonasbecken aufgestockt. Die genaue Zahl steht noch nicht fest.
  Eine neue Behörde soll die Überwachung der wichtigsten Nationalparks Brasiliens sicherstellen und dafür sorgen, dass die Abholzung des Regenwaldes eingedämmt wird. Brasiliens neuer Umweltminister Carlos Minc erklärte, die Neuerungen setzten der Straffreiheit von Umweltsündern ein Ende. "Wer die Behörden herausfordert, wird die starke Hand des Staates zu spüren bekommen." Bis zu 60 Prozent der verhängten Strafgelder können künftig durch gemeinnützige Arbeit in Umweltschutzprojekten abgegolten werden, bisher galt eine Obergrenze von 90 Prozent.
  Brasilien hat zwar einige der schärfsten Umweltgesetze der Welt - ihre Durchsetzung erfolgt aber oft nur lückenhaft. So kritisieren Umweltschützer, dass im vergangenen Jahr nur ein Prozent der verhängten Bußgelder gegen Umweltsünder am Amazonas auch tatsächlich eingetrieben worden seien. Rund 20 Prozent des für das Weltklima wichtigen Regenwaldes am Amazonas wurden bereits abgeholzt.
  
  8.7.2008
  Verstärkter Kahlschlag in Schutzgebieten am Amazonas
  Jeder fünfte im brasilianischen Regenwald gefällte Baum kommt aus Schutzgebieten, in denen Rodungen illegal oder zumindest erheblich eingeschränkt sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle brasilianische Studie.
  Aufgrund der Auswertung von Satellitenbildern ermittelte die brasilianische Umweltbehörde, dass 22 Prozent aller Rodungen des vergangenen Jahres in Indianerreservaten oder anderen Schutzgebieten erfolgten.
  «Schutzgebiete auf dem Papier reichen nicht»
  «Das zeigt, dass unsere Reservate nicht gut geschützt sind», sagte Umweltminister Carlos Minc der Zeitung «O Globo». «Es reicht nicht aus, ein Schutzgebiet auf dem Papier einzurichten, um die Erhaltung des Waldes zu sichern.»
  Der Studie zufolge nahmen die Rodungen in Schutzgebieten 2007 binnen Jahresfrist um 6,4 Prozent zu. Das gesamte Ausmass der Rodungen im Amazonas-Becken ging hingegen um 20 Prozent zurück, was von der Regierung als Erfolg gefeiert wurde.
  Neue Naturreservate
  Erst im Juni hat Präsident Luiz Inacio Lula da Silva drei neue Naturreservate im Amazonas-Becken eingerichtet, in denen Rodungen verboten sind. In zwei weiteren Gebieten dürfen nur die Bewohner Nüsse, Früchte und Kautschuk aus dem Wald beziehen.
  Der Amazonas-Regenwald erstreckt sich über 6,2 Millionen Quadratkilometer. Davon befinden sich 63 Prozent in Brasilien. Etwa 20 Prozent des ursprünglichen Waldes ist bei Rodungen, durch die Landwirtschaft oder andere Erschliessungen zerstört worden.
  Quelle: AP
  
  15.5.2008
  Brasilianische Umweltministerin Marina Silva ist zurückgetreten!
  Brasilia/Berlin - Noch vor zwei Wochen schwärmte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei seinem Brasilien-Besuch in den höchsten Tönen: "Eine phantastische Frau ist das". Mit Marina Silva würde er auch ohne offizielle Tagesordnung gern reden - stundenlang. Bei den offiziellen Gesprächen zu Themen wie Bioethanol oder Amazonas-Schutz lobte der Minister dann auch immer wieder die "extrem hohe Glaubwürdigkeit" seiner brasilianischen Kollegin.
  Politikerin Silva: "Zunehmender Widerstand bei wichtigen Sektoren der Regierung und der Gesellschaft" Doch mit dieser Glaubwürdigkeit hat sich die 50 Jahre alte Silva nun selbst um ihr Amt gebracht. Am Dienstag trat sie zurück, weil sie sich mit ihren Plänen für den Schutz der amazonischen und atlantischen Regenwälder nicht durchsetzen konnte. Bei Präsident Lula da Silva vermisste sie zuletzt den Rückhalt für ihre Politik der nachhaltigen Entwicklung. Ihr Team sei "auf zunehmenden Widerstand bei wichtigen Sektoren der Regierung und der Gesellschaft gestoßen", beklagte Silva in ihrem Rücktrittsschreiben, aus dem brasilianische Medien zitieren.
  Die Ikone der südamerikanischen Umweltbewegung verlässt die Regierung zu einem kritischen Zeitpunkt: Nach neuen Analysen steigt das Abholzungstempo im Regenwald nach mehreren Jahren der Stagnation derzeit wieder an. Das würde drastische Schritte nötig machen, um die Entwicklung wieder umzudrehen. Und der Plan Lula da Silvas, Brasilien zu einer Energiegroßmacht aufzubauen, die fünf Prozent des Benzinbedarfs aus Zuckerrohr deckt, wirft Umweltprobleme von neuer Dimension auf.
  Mit Silva geht eine Ikone der Waldschutzbewegung, die in der internationalen Umwelt-Community großen Respekt erhielt, die mit Ehrungen überhäuft wurde und als Schutzpatronin des Waldes galt. Aufgewachsen ist Marina Silva mitten im Amazonas-Waldes als Tochter eines Kautschukzapfers. Sie hat sich mit 16 Jahren das Lesen und Schreiben in kürzester Zeit selbst beigebracht. Mit dem später von der Holzmafia ermordeten Chico Mendes leitete sie eine Waldschutzbewegung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellte, besonders die Menschen, die von intakten Regenwäldern leben. Ihr Aufstieg ins Ministeramt im Jahr 2003 galt vielen als Symbol der Hoffnung, dass die brasilianische Regierung es endlich ernst meint damit, die Weltklimaanlage und Naturschatzkammer in Amazonien zu bewahren.
  Bis 2007 konnte Marina Silva schon auf erste Erfolge einer strengeren Naturschutzpolitik verweisen: Die Entwaldung des Amazonas war von 28.000 Quadratkilometer im Zeitraum Juli 2003 bis Juli 2004 auf 12.000 Quadratkilometer im Zeitraum Juli 2006 bis Juli 2007 gesunken - obwohl die brasilianische Volkswirtschaft brummte wie selten zuvor. Doch offenbar haben steigende Erlöse für Soja und Fleisch die Waldzerstörung wieder sehr lukrativ gemacht. Aufgeschreckt von vorläufigen Prognosen, denen zufolge die Entwaldung zwischen Juli 2007 und Juli 2008 wieder deutlich zunimmt, griff Silva kürzlich zu wirklich drastischen Maßnahmen.
  Erfolg bei der "Operation Feuerbogen"
  In einer "Operation Feuerbogen" haben Umweltbeamte, Polizei und Militär in den 36 Gemeinden mit der höchsten Entwaldungsrate in den vergangenen Monaten hart zugeschlagen. Grundstück für Grundstück im "Feuerbogen" am Südrand des Amazonas, wo der Wald in Flammen aufgeht, haben sie die Verantwortlichen dingfest gemacht. Und jetzt sollte es den Holz-, Vieh- und Sojabaronen an den Kragen gehen: Im Internet sind ihre Namen veröffentlicht, samt den betroffenen Flächen, die "unter Embargo" gestellt sind. "Wer diesen Leuten künftig einen Kredit gibt oder ihnen Fleisch abkauft, macht sich selbst strafbar", sagte Silvas Staatssekretär Capobianco. "Wir wollen die große Fleischwirtschaft dazu bringen, nicht länger von illegalem Holzeinschlag zu profitieren." Schließlich handle es sich um kein Kavaliersdelikt.
  Der elektronische Pranger funktionierte offenbar bereits: "Wir verzeichnen Zehntausende Klicks von besorgten Holz-, Soja und Fleischkäufern, die Angst haben, Probleme zu bekommen", berichteten Mitarbeiter der Umweltministerin. Als nächstes wollte Silva die "Operation Grüner Bogen" anpacken, den Aufbau ökonomischer Alternativen für die 24 Millionen Menschen im brasilianischen Amazonas-Gebiet. Mitarbeiter des Amazonas-Schutzprogramms "Arpa" hatten bereits Pläne entwickelt, stolze 60 Prozent des Amazonas-Waldes bis 2020 unter strengen Schutz zu stellen und durch Wiederaufforstung zu einer Walddecke von 80 Prozent zu gelangen. In den letzten Jahren hatte Arpa bereits neue Schutzgebiete von der Größe Spaniens geschaffen. In diesem Tempo sollte es nun weitergehen.
  Doch mit dieser Strategie hat Silva mächtige Gegner mobilisiert. Nachdem sie bereits den Bau einer neuen Straße durch den Amazonas und zwei Wasserkraftwerke im Regenwald nicht verhindern konnte, wurde der Gegenwind nun offenbar zu stark. Im Norden des Landes haben zuletzt Großgrundbesitzer gemeinsam mit der Regierung des Bundesstaates Roraima gegen ein bereits ausgewiesenes Ureinwohner-Reservat namens Raposa Serra do Sol geklagt. Die Großgrundbesitzer wollen vor dem Obersten Gericht Brasiliens durchsetzen, dass die 1,7 Millionen Hektar große Fläche weiter für den Reisanbau freigegeben wird.
  Erst am 8. Mai hatte Silva den Konflikt zur Schicksalsfrage für den ganzen Wald erhoben - nur um eine Woche später ganz aufzugeben. In Zukunft wolle sie sich wieder ihrer Arbeit im brasilianischen Senat konzentrieren, erklärte sie nun.
  Der Rücktritt der brasilianischen Umweltministerin bringt nicht nur Präsident Lula da Silva, sondern auch die deutsche Bundesregierung in eine schwierige Situation. Gerade ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Brasilien zu Gast, um ein Energieabkommen zu unterzeichnen, das auch den fortgesetzten Import von brasilianischem Biosprit nach Deutschland erleichtern soll.
  Das Abkommen beruht aber ganz darauf, dass Marina Silva beim deutschen Umweltminister Gabriel vor zwei Wochen ihre persönliche Glaubwürdigkeit in die Waagschale geworfen hatte. Ihre Aussage, die Biosprit-Expansion gefährde die brasilianische Natur nicht, erscheint durch den Rücktritt in einem anderen Licht. Zudem braucht die Bundesregierung Brasilien, damit die Uno-Naturschutzkonferenz, die kommenden Montag in Bonn beginnt, ein Erfolg wird.
  Nun kommt alles darauf an, ob Präsident Lula da Silva den Abgang seiner Ministerin zu einem umweltpolitischen Rückfall nutzt oder einen starken neuen Umweltminister inthronisiert, der in Silvas Fußstapfen treten kann. Nach bisherigem Kenntnisstand könnte Carlos Minc das Amt übernehmen. Er arbeitet bisher als Chef der Umweltbehörde in Rio und gehört zu den Gründern der Grünen-Partei in Brasilien.
  Sigmar Gabriel jedenfalls, der zu den größten Fans von Marina Silva zählte, schlug am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zum Uno-Naturschutzgipfel gegenüber Brasilien viel härtere Töne an als noch bei seinem Brasilia-Besuch: "Ich hoffe, dass die Brasilianer mehr Flexibilität im Rahmen der Konferenz zeigen" als sich derzeit abzeichne, sagte Gabriel - und warnte vor einem "Scheitern" des Gipfels.
  Quelle: Christian Schwägerl, SPIEGEL-Online, 14.5.08
  
  6.3.2008
  Wirtschaft und Regenwald - Geht das zusammen?
  Von Torsten Arndt, freier Journalist.
Ein völliger Stopp der Abholzung des Regenwaldes ist unmöglich und gehört auch nicht zu den Zielen der brasilianischen Regierung. Diese nüchterne Feststellung von Umweltrechtler José Benatti vom Institut für Landfragen Pará stellte sich zum Abschluss des Entwicklungspolitischen Forums am Freitag als ein Leitmotiv des Vormittags heraus. Denn eines wurde in der Diskussion über "Politische Steuerungsoptionen für Amazonien" sehr schnell deutlich: Ein effektiver Schutz des Regenwaldes wird ohne Richtlinien für dessen Bewirtschaftung kaum zu erreichen sein.
  Kontrolle, Bestrafung und Landreform
  Entwaldung ist nicht gleich Entwaldung. Der Vertreter des brasilianischen Umweltministeriums Jorg Zimmermann stellte klar, dass seine Regierung mit ihren Maßnahmen zum Schutz des Regenwaldes in erster Linie die illegale Abholzung ins Visier nehme. Der Erfolg dieser Strategie hänge davon ab, ob es dem Staat gelingen wird, im Amazonasgebiet wirksame Überwachungs- und Sanktionsmechanismen zu etablieren.
  Neben der Verfolgung von Umweltverbrechen will Brasilien eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes durch die bisher vernachlässigte traditionelle Bevölkerung fördern. Genau zugeschnittene Nutzungslizenzen und die Vergabe von langfristigen Krediten sollen wichtige Werkzeuge dieser Politik werden. Im Bundesstaat Pará verpflichtet bereits heute ein Gesetz die Käufer von Waldgebieten dazu, 80 Prozent des erworbenen Landes nur nachhaltig zu bewirtschaften.
  Die Regulierung des Landbesitzes ist in Brasilien angesichts der regelmäßigen Vertreibung von ansässigenKleinbauern und Pächtern zugleich ein Kampf für Umweltschutz, Demokratie und Menschenrechte. Leticia Tura beklagte, dass die bisherigen Gesetze es der traditionellen Bevölkerung im Amazonasgebiet erschweren, eigene Landrechte geltend zu machen. Darüber hinaus gebe es mittlerweile eine Art "grünen Kolonialismus", bei dem Unternehmen sich großer Waldgebiete bemächtigen, um Handel mit Umweltprodukten zu betreiben oder sich für den internationalen CO2-Markt zu rüsten.
  Was kann Deutschland tun?
  Offenbar eine ganze Menge. Die Bundesregierung setzt sich auf multilateraler und bilateraler Ebene gegen die Entwaldung im Amazonasgebiet ein. Bei den internationalen Verhandlungen über das Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) spielt Deutschland Jochen Flasbarth vom Bundesumweltministerium zufolge eine Vorreiterrolle. Dabei sei die deutsche Delegation allerdings regelmäßig von zahlreichen "Blockierern" umgeben, zu denen leider auch Brasilien gehöre.
  Die direkte Zusammenarbeit zwischen der deutschen und brasilianischen Regierung ist anscheinend positiver geprägt. Dorothea Groth vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung lobte das "Pilotprogramm zur Bewahrung der tropischen Regenwälder Brasiliens" (PPG7) das in diesem Jahr ausläuft. Bei einem Folgeprogramm müsse darauf geachtet werden, dass die Kooperation mit den anderen Staaten Amazoniens und den engagierten Nichtregierungsorganisationen verstärkt wird. Auch mit den vermeintlichen "Feinden" des Regenwaldes müsse verhandelt werden. Dazu gehören beispielsweise die Weltbank und das brasilianische Agrobusiness.
  Groth appellierte auch an die deutschen Verbraucher. Damit rückte das Problem der Nachfrage nach den Produkten der Entwaldungsindustrie in den Vordergrund. Die riesigen Rinderfarmen Amazoniens sind letztlich nur deshalb profitabel, weil das billige Fleisch in aller Welt gekauft wird. Appelle an ein verantwortungsbewusstes Kaufverhalten werden allerdings angesichts der komplexen Zusammenhänge kaum ausreichen. Regine Rehaag vom Kölner Institut für angewandte Umweltforschung "Katalyse" war überzeugt, dass es niemandem zuzumuten sei, vor dem Kauf von Lebensmitteln aufwändige Nachforschungen für eine "private Masterarbeit" über deren Herstellung anzustellen. Die Einführung überzeugender Label und konsequente Informationskampagnen seien effektivere Mittel, die allerdings auch entsprechend finanziert werden müssten.
  
  4.2.2008
  Illegale Rodung zerstört den Amazonas
  Der Regenwald in Brasilien wird bis zum Jahr 2030 um fast 20 Prozent schrumpfen. Die Folgen für das Weltklima sind irreversibel.
  (apa) - Wissenschaftern aus Brasilien zufolge wird der Regenwald am Amazonas bis zum Jahr 2030 um 20 Prozent schrumpfen. Durch illegale Rodungen und Baumaßnahmen könnten rund 670.000 Quadratkilometer Fläche in den kommenden Jahren zerstört werden. Dies bedeute einen irreparablen Schaden für den Amazonas und den gesamten Planeten Erde.
  Die illegale Rodung des Waldes schreitet unaufhörlich voran, zudem warnen Umweltschützer davor, dass Bauern wegen der steigenden Nachfrage nach Soja und Rindfleisch ihre Felder vergrößern und dafür ehemalige Waldstücke nutzen. Der Regenwald am Amazonas umfasst 4,1 Millionen Quadratkilometer und bedeckt fast 60 Prozent der Fläche Brasiliens. Etwa ein Fünftel des Waldes ist bereits zerstört. Zwischen August und Dezember des vergangenen Jahres waren 7.000 Quadratkilometer Urwald gerodet worden. Seit 1970 verlor der Amazonasurwald bereits knapp 700.000 Quadratkilometer. Das entspricht nahezu der zweifachen Ausdehnung Deutschlands. Der Wald gilt als einer der artenreichsten Lebensräume der Erde.
  Auswirkungen auf das Klima
  Die wichtige Rolle des Regenwaldes im Klimawandel hatte der World Wide Fund for Nature bereits im Dezember 2007 hervorgehoben: Demnach könnte bis 2030 mehr als die Hälfte des Amazonas-Waldes zerstört sein, was drastische Folgen für den Kohlenstoffhaushalt hätte. Der Autor Dan Nepstad vom Woods Hole Research Center in Massachusetts rechnete damit, dass in so einem Fall von heute bis 2030 55,5 bis 96,9 Mrd. Tonnen CO2 zusätzlich freigesetzt würden. Letztere Zahl wäre mehr als das doppelte der jährlichen weltweiten Kohlendioxid-Emissionen von heute.
  "Die Wichtigkeit des Amazonaswaldes für das Weltklima darf nicht heruntergespielt werden", warnte Nepstad. Als Grundlage für das Szenario dienen Berechnungen über die Trends in Landwirtschaft und Viehzüchtung, Feuer, Dürre und Abholzung. Insgesamt könnten den Berechnungen des Wissenschafters zufolge bis 2030 55 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört werden, wenn es so weiter geht wie bisher. Wenn dann zusätzlich noch die Niederschläge zurückgehen, wie dies von Wissenschaftern angenommen wird, könnten zusätzliche vier Prozent des Waldes auf der Strecke bleiben.
  
  28.1.2008
  Regenwaldzerstörung in Brasilien immer dramatischer
  Brasilia (dpa) - Die Zerstörung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes hat nach einer zweijährigen «Verschnaufpause» in den vergangenen Monaten wieder drastisch zugenommen. Die die monatliche Zerstörungsrate wuchs von 234 Quadratkilometern im August 2007 auf 948 Quadratkilometer im Dezember.
  Das gab die Regierung am Mittwochabend (Ortszeit) in Brasilia bekannt. Die in nur einem Monat vernichtete Fläche der «grünen Lunge der Erde» ist damit größer als Hamburg.
  «Nie zuvor hatten wir zu dieser Jahreszeit solch eine große Zerstörungsrate festgestellt», staunte Gilberto Camara, Leiter des für die offiziellen Messungen zuständigen «Nationalen Instituts für Weltraumforschungen» (INPE), dessen Satellitenbilder das Ausmass der Zerstörung zeigen.
  Von «extrem Besorgnis erregenden Zahlen» sprach der Exekutivsekretär im Umweltministerium, José Capobianco. Allein zwischen August und Dezember 2007 seien 3235 Quadratkilometer Urwald abgeholzt worden. Das sei aber lediglich eine vorläufige Zahl, die sich noch ohne weiteres verdoppeln könne, da man die Satellitenbilder mit Hochauflösung noch genauer analysieren müsse.
  Erst vor wenigen Monaten hatte die Regierung von Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva die Abnahme der Regenwaldzerstörung um 50 Prozent zwischen Juli 2005 und Juli 2007 gefeiert. Der Erfolg wurde auf schärfere Kontrollen zurückgeführt. Umweltministerin Marina Silva, die bis zum 18. Lebensjahr als Gummischneiderin im Urwald arbeitete, versicherte, sie werde mit Lula und Ministern noch im Laufe des Donnerstags weitere Maßnahmen zum Schutz des Urwalds erörtern. «Wir werden nicht tatenlos zuschauen», meinte sie.
  Seit 1970 verlor der Amazonasurwald bereits knapp 700 000 Quadratkilometer. Das entspricht nahezu der zweifachen Ausdehnung Deutschlands. Das größte Urwaldgebiet der Erde im Tiefland des Amazonas umfasst heute noch rund sechs Millionen Quadratkilometer. Der Wald gilt als einer der artenreichsten Lebensräume der Erde.
  
  7.12.2007
  Ausbau der Bioenergie bedroht Mensch und Umwelt - Beispiel Kolumbien
  In ihrem Klimaschutzpaket setzt die Bundesregierung auf einen steigenden Anteil der Energiegewinnung aus Biomasse. Da die Agrarflächen in Deutschland knapp sind, werden nachwachsende Rohstoffe verstärkt importiert. Doch die Gewinnung von Palmöl auf Monokulturen bringt ökologische Folgeschäden mit sich und entzieht vielen Menschen die Lebensgrundlage. Besonders schlimm ist die Situation in Kolumbien.
  »Schon 1997 hat eine Militäroperation unter dem Vorwand, gegen die Guerilla vorzugehen, die Gemeinden am Flussbecken Curvarado gewaltsam von ihrem Land vertrieben«, erzählt Henry Ramirez Soler, Aktivist aus der nordkolumbianischen Region Choco. Seither seien hunderte Menschen getötet und viele Hektar Wald zerstört worden. Dort wüchsen heute Ölpalmen. Soler und zwei weitere Kolumbianer machen gerade eine Europatour, um die Verbrechen ihres Staates und der Unternehmen bekannt zu machen. Immerhin sind die Hauptimporteure von kolumbianischen Palmöl Deutschland, Holland und Großbritannien.
  Immer häufiger kommt es nun auch in anderen Regionen des Landes zu Zwangsumsiedlungen und der Zerstörung von kostbarem Regenwald. »In den letzten Jahren sind bis zu 3,8 Millionen Menschen von ihrem Land vertrieben worden«, zieht Liodoro Hurtado traurige Bilanz. Er kommt aus dem Bundesstaat Nariño im Süden Kolumbiens, ist dort Gemeinderat und Vertreter des »Prozesses schwarzer Gemeinden« (PCN), die ihre eigene Strategie gegen die Vertreibung entwickelt haben. »Normalerweise läuft es so: Sie kommen und vertreiben die Menschen von ihrem Land und legen riesige Plantagen an. Die Menschen haben die Wahl, in die Städte abzuwandern oder unter den neuen Besitzern zu arbeiten«, erzählt Hurtado. Obwohl die Regierung teilweise sogar anerkennt, dass das Land rechtmäßig den Gemeinden und nicht den Plantagenbesitzern gehört, tue sie nichts. »Wir wollen nicht unter den selbsternannten Besitzern arbeiten oder sie gar anerkennen. Deshalb kehren wir zurück und gehen unseren traditionellen Tätigkeiten nach.«
  Im Norden der Region Choco sind sogenannte humanitäre Zonen gegründet worden. Die Idee: Die Vertriebenen kehren in Begleitung der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation »Justicia y Paz« oder auch internationaler Unterstützer wie den »Peace Brigades International« zurück und leben auf den Plantagen - aber ohne Arbeitsverhältnis und Zustimmung des neuen »Eigentümers«.
  Palmöl ist für engagierte Kolumbianer wie Hurtado oder Soler keine Alternative. Selbst wenn sie die Möglichkeit bekämen, auf ihrem Land Plantagen anzulegen, würden sie dies aus sozialen und ökologischen Gründen nicht tun, betonen sie. »Die Plantagen vernichten tropischen Regenwald, während wir im Einklang mit der Natur leben«, erklärt Diego Alejandro Cardona von »Censat Agua Viva«, der kolumbianischen Sektion von »Friends of the Earth«. Um eine Plantage zu bewirtschaften, müssten große Flächen trockengelegt werden. Das führe zu Erosion und Unfruchtbarkeit der Böden.
  Trotz des Widerstandes der lokalen Bevölkerung habe sich die kolumbianische Regierung gerade entschlossen, ein Energiepflanzenprogramm aufzulegen, berichtete der Umweltaktivist Cardona. Damit soll die Palmölproduktion von derzeit 350 000 Hektar auf 3,5 Millionen Hektar ausgeweitet sowie der Anbau von Zuckerrohr und der Yucca-Pflanze gefördert werden.
  Dies dürfte die deutschen Importeure freuen, denn hier steht die Biomasseproduktion erst am Anfang: Bis 2020 soll der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch auf 25 bis 30 Prozent steigen; davon würden 70 Prozent aus Biomasse stammen, so die Prognosen. Liegt der Anteil von Biomasse bei Strom, Wärme und Kraftstoffen heute bei 5,8 Prozent, könnte er laut Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums 2030 schon bei über 17 Prozent liegen. »Zahlen über die konkrete Verwendung von Palmöl sind aber schwer zu bekommen«, sagt Jan Dunkhorst vom Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika in Berlin. Er schätzt, dass schon heute in Deutschland über 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Palmöl erzeugt werden. Die Importe werden angesichts der geplanten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes noch steigen, meint Dunkhorst. Wirkungsvolle Nachhaltigkeitskriterien, die die Verwendung von derart »schmutzigen« Importen mindern könnten, gebe es bis jetzt nicht.
  Quelle: Susanne Götze, Neues Deutschland
  
  17.11.2007
  UN-Generalsekretär in Amazonien
  Ban Ki Moon verspricht Hilfe für brasilianischen Regenwald
  Belem (AP) Bei einem Besuch im Amazonas-Becken hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon der brasilianischen Regierung Unterstützung für den Schutz des tropischen Regenwalds zugesagt. Ban beendete am Dienstag eine einwöchige Südamerika-Reise mit einer Bootsfahrt und der Besichtigung der abgelegenen Amazonas-Insel Combu. Dort sprach er mit Umweltministerin Marina Silva über Schutzmaßnahmen für den Regenwald, wie das Ministerium mitteilte.
  Silva stellte Ban Pläne vor, wonach Unternehmen, die die Rohstoffe im Amazonas-Becken nutzen, die örtlichen Dorfgemeinschaften dafür entschädigen sollen. Ban bezeichnete Brasilien als den «stillen grünen Giganten» und würdigte die Bewohner der Amazonas-Region als Pioniere für den Naturschutz. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva sicherte Ban zu, dass im Amazonas-Becken keine zusätzlichen Flächen für die Produktion von Biokraftstoff bereitgestellt werden sollen.
  Angesichts der schädlichen Emission von Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Energieträger und steigender Ölpreise forciert Brasilien die Herstellung von Ethanol auf der Grundlage von Zuckerrohr. Ban wollte sich aus erster Hand über diese Projekte informieren, um sich auf die bevorstehende Weltklimakonferenz in Indonesien vorzubereiten. Am Freitag besuchte er die Antarktis, um den Einfluss des Klimawandels auf die dortigen Gletscher zu beobachten.
  
  26.9.2007
  Dürre ließ Amazonaswald ergrünen
  Von Norbert Suchanek. Die Abholzung der Regenwälder beschleunigt die globale Erwärmung. Aber umgekehrt muss der Klimawandel die Wälder nicht unbedingt schädigen. Ohnehin ist das Hauptproblem am Amazonas die Rodung aus wirtschaftlichen Interessen.
  Vor einigen Monaten schlugen brasilianische Klimaforscher des Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (INPE) Alarm: Ihre Computermodelle hatten gezeigt, dass sich die Regenwälder des Amazonasbeckens aufgrund der globalen Erwärmung und häufigerer Dürren in semiaride Savannen (Cerrados) verwandeln könnten. Doch nun hat eine internationale Untersuchung von Forschern der Universitäten von Arizona und São Paulo ergeben: Der Amazonasregenwald könnte viel dürreresistenter sein als bisher angenommen.
  Die Wissenschaftler Scott R. Saleska, Kamel Didan, Alfredo R. Huete und Humberto R. da Rocha ermittelten mit Hilfe von Satellitenaufnahmen die Veränderung der Baumkronen während der extremen Trockenperiode in Südwest- und Zentralamazonien im Jahr 2005. Ihre These: Wenn Trockenheit einen negativen Einfluss auf den Regenwald hat, dann müsste dies während dieser Dürre die Photosynthese in den Baumkronen entsprechend verändern. Doch zur Überraschung der Forscher stellten sie bei der Auswertung der Satellitendaten fest: Die grüne Blattmasse nahm in den untersuchten intakten Regenwaldgebieten nicht ab, sondern signifikant zu. Der Regenwald »ergrünte« regelrecht.
  Intakte Wälder sind widerstandsfähig
  »Diese Beobachtungen legen nahe, dass intakte Amazonaswälder widerstandsfähiger sein können, als viele Ökosystemmodelle annehmen - zumindest in Bezug auf kurzzeitige Klima-Anomalien«, resümiert das Wissenschaftlerteam. Entwarnung sei aber nicht angesagt. Denn eine gewisse Dürreresistenz heißt natürlich nicht, dass die Amazonasregenwälder auch gegen Feuer und Motorsägen resistent sind. Und die seien das eigentliche Problem. Die jährlich mehr oder weniger stark auftretenden Dürren würden lediglich die von Infrastrukturprojekten, Großgrundbesitzern, Rinderzüchtern, Bodenspekulanten, Agroindustrie und Weltmarkt-Soja- sowie Biotreibstoff-Preisen angetriebene Abholzung unterstützen. So brennt es seit Einsetzen der Trockenperiode im Juli in diesem Jahr wieder an allen Ecken und Enden, und zwar nicht nur in den brasilianischen Amazonas-Bundesstaaten, sondern auch im bolivianischen Amazonasgebiet.
  Anfang September meldeten brasilianische Medien in Rondonópolis (Bundesstaat Mato Grosso) die größten Brände in der Geschichte dieser Region. Und die Tageszeitung »Folha de São Paulo« berichtete vor wenigen Tagen, dass sich die Abholzungsrate in Mato Grosso von Mai bis Juli um 200 Prozent gegenüber derselben Periode 2006 erhöht habe. Einen Tag später berichtete der INPE-Wissenschaftler Alberto Setzer, dass sich die Anzahl der per Satellit registrierten Brände in diesem August gegenüber August 2006 auf 16 592 mehr als verdoppelte. Die Situation sei am schlimmsten in den Amazonasstaaten Pará (5020 Feuer), Mato Grosso (4665) und Rondônia (1663).
  Besonders bedenklich ist, dass die Feuer nicht vor den Naturschutzgebieten halt machen. So nahmen die Brände in diesen gesetzlich geschützten Zonen zwischen Januar und August um 43 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zu. Allein im Juli und August registrierten die Satelliten 6500 Brände in Naturreservaten, wo Feuer keinesfalls auftreten dürften, so der Wissenschaftler. So seien bereits 15 Prozent des Nationalparks Chapada dos Guimarães im Bundesstaat Mato Grosso in Rauch aufgegangen.
  Die Brandperiode hat erst begonnen
  Auch wenn diese Ereignisse schon Schlimmes erahnen lassen, können noch keine Aussagen über die Waldbrand- und Abholzungsbilanz für das Gesamtjahr getroffen werden. Die meisten Brände treten nämlich laut Alberto Setzer zwischen August und November auf.
  
  28.8.2007
  Bundesregierung versagt beim Schutz der Wälder
  Zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/Die Grünen zur Bekämpfung des illegalen Holzhandels erklärt Cornelia Behm, agrarpolitische Sprecherin:
  Ein EU-Importverbot für illegal geschlagenes Holz liegt in weiter Ferne. Dies muss man angesichts der Antworten der Bundesregierung auf unsere Fragen zum illegalen Holzhandel annehmen. Denn die Bundesregierung hält ein Importverbot für ungeeignet, um den illegalen Holzeinschlag zu bekämpfen. Damit versperrt sie trotz aller Lippenbekenntnisse den Weg zu einem wirksamen Urwaldschutz in der EU, während es selbst im US-Senat Initiativen für ein Importverbot für illegales Holz gibt.
  In der Debatte um ein nationales Besitz- und Handelsverbot für illegales Holz verwies die Bundesregierung noch auf die EU-Hoheit in dieser Frage. Nunmehr erweist sich, dass dies offensichtlich nur ein Ablenkungsmanöver war, das verdecken sollte, dass sie nie vorhatte, ein Importverbot für illegal geschlagenes Holz zu erlassen. Jeder, der das Tempo der Entwaldung in bestimmten Weltregionen betrachtet, schüttelt den Kopf. Bald brauchen wir über den Schutz der Urwälder und die sinnvollen Instrumente dafür nicht mehr nachzudenken. Den Wald gibt es dann nicht mehr.
  Die Fortschritte in der EU sind bescheiden - eine europäische Vorreiterrolle wird nicht sichtbar. Denn die EU kommt mit ihren Verhandlungen über die sogenannte FLEGT-Partnerschaftsabkommen zur Verhinderung des Handels mit illegal geschlagenem Holz nur sehr langsam voran. Schlimmer noch: Sie verhandelt immer noch mit nur fünf Ländern (Malaysia, Indonesien, Ghana, Kongo-Brazzaville und Kamerun) über den Abschluss solcher Abkommen. Damit wird allenfalls ein Bruchteil der Holzimporte aus Urwäldern in die EU von der FLEGT-Verordnung erfasst. Das bedeutet, dass die EU weitere Maßnahmen ergreifen muss. Notwendig wäre ein generelles Importverbot für illegales Holz.
  Anstatt den vollmundigen Äußerungen zur Notwendigkeit des Urwaldschutzes nun Taten folgen zu lassen, tritt die Bundesregierung nicht als treibende Kraft auf, sondern will die Vorschläge der EU-Kommission zur Fortentwicklung von FLEGT abwarten und sich erst danach eine Meinung bilden. Vorschläge hat die EU allerdings erst für 2008 angekündigt.
  In der Debatte um ein nationales Besitz- und Handelsverbot für illegales Holz - das sogenannte Urwaldschutzgesetz - hatten die Koalitionsfraktionen noch angekündigt, sich in der EU für eine Verschärfung und Fortentwicklung der EU-Maßnahmen einzusetzen. Bundesumweltminister Gabriel sprach sich dafür aus, die europäische FLEGT-Verordnung in den nächsten Jahren deutlich zu verbessern. Davon will die Bundesregierung heute nichts mehr wissen.
  Mit Verweis auf die noch nicht gefassten EU-Beschlüsse lehnt es die Bundesregierung auch ab, zur 9. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt, die im Mai 2008 in Bonn stattfinden wird, Maßnahmen zur multilateralen Regelung des Handels mit illegalen Holzprodukten initiieren. Auch damit setzt sich die Bundesregierung über die Ankündigungen der Koalitionsfraktionen hinweg, die diese in der Debatte zum Urwaldschutz gemacht hatten. Sie hatten angekündigt, den Urwaldschutz im Rahmen der 9. Vertragsstaatenkonferenz zu einem Schwerpunktthema zu machen.
  Wer seine Hoffnung in Sachen Urwaldschutz auf die schwarz-rote Bundesregierung gesetzt hatte, wird angesichts der in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen ein weiteres mal tief enttäuscht.
  
  12.7.2007
  Brasilien genehmigt umstrittene Amazonas-Staudämme
  (APA) - Die brasilianische Regierung hat grünes Licht für den Bau eines umstrittenen Staudamm-Projekts im Amazonas-Gebiet gegeben. Die Entscheidung der Umweltbehörde Ibama vom Montag macht den Weg frei für die Ausschreibung. Umweltschützer und die indigene Bevölkerung haben gegen das Vorhaben protestiert.
  Die Regierung hofft, den Jirau- und den Santo-Antonio-Staudamm am Rio Madeira bis zum Jahr 2012 fertig stellen zu können. Die Wasserkraftwerke sollen 6.450 Megawatt Energie liefern und damit acht Prozent des gesamten brasilianischen Bedarfs abdecken. Die amtliche Nachrichtenagentur Agencia Brasil berichtete, Ibama habe mehr als 30 Auflagen gemacht, um die Auswirkungen des Großprojekts auf die Umwelt zu reduzieren.
  Dennoch müssen für das Projekt mehrere hundert Quadratkilometer Regenwald überflutet werden. Außerdem wird von Umweltschützern und der indigenen Bevölkerung befürchtet, dass Fische durch die Staudämme daran gehindert werden, zu ihren angestammten Laichplätzen zu schwimmen.
  
  21.06.2007
  Google Earth schützt Amazonas-Indianer
  (pte) - Surui setzen im Kampf gegen Holzfäller auf Weltöffentlichkeit Die von illegalen Holzfällern und Bergbauarbeitern bedrohten Surui-Indianer aus dem brasilianischen Amazonas-Gebiet haben einen ungewöhnlichen Verbündeten gefunden. Nachdem die brasilianische Regierung die seit Jahren anhaltende Gewalt nicht stoppen konnte, setzt der 1.200 Mitglieder zählende Stamm seine Hoffnung nun in Google Earth, berichtet der San Francisco Chronicle. Die Bilder der Erderkundungs-Software sollen den Surui nun helfen, die Aktivitäten der Holzfäller besser zu überwachen.
  Mit seiner Anfrage lief er offene Türen ein
  Häuptling Almir Surui - der erste Surui, der über einen College-Abschluss verfügt - war im Mai nach Kalifornien aufgebrochen, um bei Google um Satellitenaufnahmen zu bitten, die das 243.000 Hektar große Stammesgebiet zeigen. Mit seiner Anfrage lief er offene Türen ein. Google arbeitet nun bereits an einem Plan, der es den Surui ermöglichen soll, die Google-Earth-Technologie einzusetzen, um mit Hilfe von Satellitenanbietern auf die Notlage des Stammes aufmerksam zu machen. Bereits elf Häuptlinge sollen dem Kampf gegen die Eindringlinge zum Opfer gefallen sein.
  Weltaufmerksamkeit
  Das Projekt könne die Weltaufmerksamkeit auf den Kampf der Surui um den Schutz ihres Landes und der Kultur lenken, indem es 200 Mio. Google-Earth-User rund um den Globus erreiche, zitiert der San Francisco Chronicle die Google-Sprecherin Megan Quinn. Von der Verfügbarkeit hochauflösender Satellitenbilder erhofft sich Almir Surui aber nicht nur eine bessere Überwachung von Holzfällern sondern auch die Stärkung der Surui-Kultur durch eine Katalogisierung von medizinischen Pflanzen, Jagdgründen, Friedhöfen und Heiligtümern. Das Surui-Projekt soll Google zufolge andere Amazonas-Stämme inspirieren.
  Nicht das erste Projekt
  Das geplante Projekt ist aber nicht das erste, bei dem Google Earth für Umwelt- oder humanitäre Zwecke verwendet wird. So hat Google in Zusammenarbeit mit dem Holocaust Memorial Museum ein Projekt gestartet, das den Bürgerkrieg in der sudanesischen Krisenregion Darfur in den Blickpunkt der Öffentlichkeit stellen soll. Nach Einbindung des Layers "Crisis in Darfur" findet der User mit Flammen markiert die Standorte von 1.600 Dörfern, die von den arabischen Reitermilizen zerstört worden sind. Dahinter verbergen sich Fotos und Daten, die über das Ausmaß der Zerstörung informieren sollen.
  Keine Real-Time Infos
  Allerdings finden sich auf Google Earth keine Real-Time-Informationen, wie Google-Sprecher Kay Oberbeck gegenüber pressetext betont. "Die entsprechenden Bilder sind von Satellitenbildern und Luftaufnahmen abhängig." Derzeit finden sich in dem Programm Bilder aus den Jahren 1996 bis 2007. Über regelmäßige Updates wird die Software mit besseren Daten, also aktuelleren Bildern mit höherer Auflösung versorgt.
  
  08.06.2007
  Satelliten entlarven Riesen-Raubbau an Afrikas Urwäldern
  Washington (dpa) - Satellitenbilder haben erstmals das volle Ausmaß des Raubbaus an den zentralafrikanischen Wäldern zu erkennen gegeben. Der Urwald galt bislang als eines der unberührtesten und besterhaltenen Waldgebiete der Erde.
  Doch die Holzindustrie hat mit ihren Baumsägen tiefe Schneisen in die einst verschlossenen Wälder gezogen, weisen Nadine Laporte und Kollegen vom Woods Hole Research Center in Falmouth (US-Bundesstaat Massachusetts) jetzt nach. Im Wissenschaftsjournal «Science» (Bd. 316, Bd. 1451) vom Freitag berichtet das Team, dass jede dritte jetzt benutzbare Straße (38 Prozent) durch den Urwald einmal als Schneise von industriellen Holzfällern geschlagen worden war.
  Die US-Forscher verschafften sich anhand von 300 Landsat-Satellitenaufnahmen einen Überblick über drei Jahrzehnte Raubbau an einem Urwaldgebiet von vier Millionen Quadratkilometern.
  Prozentual am meisten zerfurcht sind dieser Auswertung nach die tropischen Wälder von Kamerun und Äquatorialguinea. Am schnellsten aber veränderte die Holzindustrie das Urwaldgebiet im Norden der Republik Kongo (Brazzaville), wo das Straßennetz durch Kahlschlag innerhalb eines Jahrzehnts um das Vierfache wuchs.
  Außer in den Okoumé Wäldern von Gabun wählte die Industrie selektiv Baumbestände mit dem wertvollsten Holz wie afrikanischem Mahagoni, bedauerten die Autoren. Ihrer Schätzung nach fielen bisher etwa fünf Prozent des zentralafrikanischen Urwaldgebietes den Holzfällern zum Opfer. Vor allem aber machten die neu geschlagenen Wege etwa ein Drittel dieses Urwalds für Wilddiebe und andere Eindringlinge zugänglich. Durch die Holzfäller-Siedlungen entstanden gleichzeitig neue Märkte, die die Nachfrage nach Wild und anderen Produkten aus dem Urwald weiter ankurbelten, heißt es in «Science».
  
  26.5.2007
  Urwaldzerstörung mitverantwortlich für Klimawandel
  Von Sigrid Totz
  Klimaschutz und Urwaldschutz sind nicht zu trennen. Jahr für Jahr, das zeigt eine neue internationale Studie, gelangen 1,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid allein durch die Vernichtung der tropischen Wälder in die Atmosphäre. Das sind fast 20 Prozent der CO2-Menge, die der Mensch jährlich durch seine Aktivitäten freisetzt.
  Die Wissenschaftler des internationalen Global Carbon Project und der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization (CSIRO) werteten für eine aktuelle Studie Daten der Neunzigerjahre aus. Auf dieser Basis errechneten sie, dass die Entwaldung der Tropen bis zum Jahr 2100 zwischen 87 und 130 Milliarden Tonnen Kohlendioxid verursachen wird.
  Würde die Urwaldzerstörung bis 2050 auch nur um fünfzig Prozent reduziert, sagen die Forscher, so würden damit fünfzig Milliarden Tonnen Kohlendioxid vermieden. Die tropischen Regenwälder zu erhalten, sei also besonders wichtig, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu stabilisieren.
  Die Bedeutung der Urwälder für das Klima ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Wälder sind wichtige Kohlendioxidspeicher. Durch die rasante Entwaldung riesiger Flächen in Südostasien, Brasilien und Zentralafrika geht nicht nur dieser Speicher verloren. Die Brandrodung sorgt für eine erhebliche zusätzliche CO2-Bildung.
  Vor allem in Indonesien und Amazonien werden Wälder, die in Jahrtausenden entstanden sind, großflächig für die Landwirtschaft niedergebrannt. Auf den kahlen Flächen entstehen Soja- beziehungsweise Palmölplantagen - nicht zuletzt für den Export in die Industrieländer. Die wiederum sind hauptverantwortlich für den Klimawandel. Einen traurigen Rekord kann sich Indonesien auf die Fahnen schreiben. Das Land hat es mittlerweile ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft - als schnellster Urwaldvernichter der Welt.
  Die neue Studie bestätigt auch Greenpeace-Untersuchungen. Im Report "Carving Up The Congo" vom April 2007 warnt Greenpeace unter anderem vor den Folgen der Urwaldzerstörung für das Weltklima. Allein die Entwaldung in der Demokratischen Republik Kongo könnte bis 2050 fast 35 Millionen Tonnen CO2 verursachen. Das entspricht etwa dem CO2-Ausstoß Großbritanniens innerhalb der letzten sechs Jahrzehnte.
  
  16.5.2007
  Haftstrafe für Auftraggeber von Mord an US-Missionarin Stang
  (AFP) - Einer der Auftraggeber des Mordes an der US-Missionarin Dorothy Stang ist von einem brasilianischen Gericht zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Dies teilte das Gericht in Belem, der Hauptstadt des Bundesstaats Para, mit. Die sieben Richter seien zu dem Schluss gekommen, dass der Großgrundbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura einer der Auftraggeber des Mordes gewesen sei. Ein weiterer Großgrundbesitzer war bereits verurteilt worden, ein dritter wartet in Frei heit auf den Beginn seines Prozess.
  Die Missionarin Stang, die 27 Jahre lang in Brasilien lebte und die brasilianische Staatsbürgerschaft hatte, setzte sich für die Rechte von landlosen Bauern ein, wofür sie sich den Unmut von Großgrundbesitzern zuzog. Wegen ihres Einsatzes für den Erhalt des Regenwaldes war sie mehrfach ausgezeichnet worden. Die 74-Jährige war am 12. Februar 2005 in Anapu im Bundesstaat Para ermordet worden, als sie von einer Versammlung mit Landlosen kam.
  Zwei Männer, die die Tat gestanden hatten, wurden bereits zu Strafen von 27 beziehungsweise 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Die drei örtlichen Großgrundbesitzer sollen den beiden Männern für die Tat umgerechnet 20.000 Euro bezahlt haben.
  Der nordbrasilianische Bundesstaat Para ist Schauplatz eines erbitterten Kampfes um Land. Skrupellose Händler eignen sich mit kriminellen Methoden Grundbesitz an und nutzen ihn für den illegalen Handel mit Tropenholz. Den einheimischen Bauern wird dadurch vielfach ihre Lebensgrundlage entzogen. Von 1971 bis 2004 wurden dort 772 Bauern ermordet.
  
  10.5.2007
  Zur Abholzung der Wälder in Indonesien
  In Indonesien geht nach Darstellung von Greenpeace so viel Wald verloren wie in keinem anderen Land weltweit. Jede Stunde würden dort Waldgebiete in einer Größenordnung von 300 Fußballfeldern zerstört, erklärte die Umweltorganisation am Donnerstag. Das Guinness-Buch der Rekorde werde das südostasiatische Land in seiner neuen Ausgabe als «schnellster Waldzerstörer der Welt» aufführen. Zwischen 2000 und 2005 seien jährlich etwa 1,8 Millionen Hektar Wald gerodet worden, erklärte Greenpeace-Aktivist Hapsoro.
  Das Forstministerium bestritt diese Zahlen nicht, unterstrich aber, man bemühe sich darum, das Tempo der Waldzerstörung zu bremsen. «Wir sind sehr besorgt», sagte ein Ministeriumssprecher. Neben der kommerziellen Abholzung werden die Wälder in Indonesien auch durch Brandrodung dezimiert, um Platz für Palmölplantagen zu machen.
  
  21.03.2007
  Klimawandel erreicht Rio Negro
Notstand durch Trockenheit in Amazonien ausgerufen
  oekonews.at
  Verringerte Niederschläge und gleichzeitiger Temperaturanstieg gefährden den Regenwald und dessen BewohnerInnen. Klimabündnis-PartnerInnen am Rio Negro hoffen auf wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz.
  Vergangenen Februar fiel im Gebiet des Rio Negro (Amazonien) nur etwa die Hälfte der durchschnittlichen Regenmenge dieser Jahreszeit - dadurch sank der Wasserspiegel um drei Meter. Der Bootsverkehr musste eingestellt werden, die Versorgung der Orte São Gabriel da Cachoeira und Santa Isabel ist nicht mehr möglich. Über 400 Dörfer sind bereits von der Außenwelt abgeschnitten. Am 3. März wurde daher der Notstand in der Region ausgerufen.
  Laut Domingos Barreto, Präsident der Klimabündnispartnerorganisation FOIRN, ist die Situation in den Dörfern noch nicht dramatisch, weil sie sich selbst mit Nahrungsmittel versorgen. Aber in den Städten und größeren Orten fehlen bereits Lebensmittel und die Preise dafür sind stark gestiegen. Das Dieselöl für die Stromaggregate geht zu Ende und damit bricht die Energieversorgung zusammen.
  Die Indigenen beobachten schon seit Jahren, dass sich die Niederschläge verringern und immer öfter ausbleiben, während die Temperatur steigt. Ende Februar veröffentlichte die brasilianische Umweltministerin Marina da Silva eine Studie, die einen Temperaturanstieg um bis zu 8Grad für Amazonien prognostiziert. Gleichzeitig werden sich die Niederschläge verringern, was zur Schwächung und zum Absterben vieler Pflanzen führen wird. Sollte der Klimawandel ungehemmt weiter gehen wird der Großteil des Regenwaldes absterben. Welche globalen Auswirkungen das Verschwinden des letzten großen Regenwaldgebietes der Erde, in dem sich auch ein Fünftel der weltweiten Süßwassermenge (!) befindet, haben wird kann niemand wirklich voraussagen. Aber nach Meinung der Schamanen ist dasÜberleben der Menschheit stark an das Schicksal der Wälder geknüpft.
  "Wir indigene Völker haben immer die Natur mit Respekt und Verantwortung behandelt und den Regenwald erhalten. Aber jetzt leiden wir unter den Folgen des Klimawandels, der letztlich durch die Profitgier und Verantwortungslosigkeit von Unternehmern und Politikern, die nur ihre eigenen Interessen verfolgen, verursacht wird" stellt Domingos Barreto fest. "Wir hoffen, dass jene, die sich schon seit langem für den Klimaschutz einsetzen, viel mehr Gehör finden und dass wirksame Maßnahmen ergriffen werden!"
  
  13.03.2007
  Klimakiller Palmöl - das schmutzige Geschäft mit den Blockheizkraftwerken. Von Mike Lingenfelser und Frank Brendel, BR Bayerischer Rundfunk
  München - Während in Deutschland die Nachfrage nach Palmöl wächst, müssen in Südostasien immer mehr Urwaldfläche neuen Palmölplantagen weichen. Nach Recherchen des ARD-Politmagazins Report München sind nahezu alle deutschen Betreiber größerer Blockheizkraftwerke mittlerweile vom heimischen Raps- auf billigeres Palmöl aus Übersee umgestiegen. Die eigentlich klima-freundlichen Blockheizkraftwerke zur Erzeugung erneuerbarer Energie geraten dadurch ins Zwielicht, weil die nachhaltige Herstellung von Palmöl in Ländern wie Indonesien völlig ungesichert ist. Der Brennstoff aus der Ölpalme wird auch noch über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) subventioniert - mit Geld, das auf die Stromrechnung der Verbraucher umgelegt wird.
  Wie Report München in seiner Sendung am Montag (12.3.07) berichtet, liegt die Stromerzeugung deutscher Blockheizkraftwerke mittels Palmöl in diesem Jahr bei rund 1,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Das entspricht beispielsweise der gesamten Stromerzeugung aus Solarenergie des Jahres 2005. Die Betreiber von Blockheizkraftwerken nützen eine Lücke im Gesetz: Unabhängig von der fragwürdigen Herkunft des verwendeten Palmöls bekommen sie allein 2007 mindestens 200 Millionen Euro aus der im Strompreis enthaltenen EEG-Umlage vergütet. Denn formal betrachtet, ist Palmöl genau wie Raps ein nachwachsender Rohstoff aus landwirtschaftlicher Produktion - unabhängig davon, wo er hergestellt wird.
  Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sieht angesichts der paradoxen Entwicklung sogar die Wende zu mehr erneuerbaren Energien in Gefahr. Gabriel gegenüber Report München: "Das ist schon besorgniserregend: Jeder, der EEG-Strom benutzt, denkt er tut etwas Gutes, und wenn er das zum Teil durch die Zerstörung des Regenwaldes gemacht hat, dann sind wir kurz davor, den Sinn dieses Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu diskreditieren."
  Die Kraftwerksbetreiber rechtfertigen den Einsatz von preiswertem Palmöl damit, dass sich Rapsöl als Brennstoff wegen des gestiegenen Marktpreises nicht mehr lohne. Außerdem verweisen einige darauf, das von ihnen verwendete Palmöl komme aus Altplantagen und erfülle Kriterien für nachhaltige Produktion, wie sie etwa von der Arbeitsgemeinschaft RSPO (Round Table on Sustainable Palmoil) entwickelt werden. Doch solche Rechtfertigungen lässt Axel Friedrich vom Bundesumweltamt zum jetzigen Zeitpunkt nicht gelten: "Wenn hier jemand behauptet, er hat Palmöl von alten, bestehenden Plantagen gekauft, nimmt er aus dem System Palmöl heraus und erhöht den Druck, neue Palmölplantagen anzulegen zu Lasten des Urwaldes. Wer so etwas macht, macht Urwald kaputt. Jede zusätzliche Nachfrage nach Palmöl führt zu neuen Abholzungen."
  Obwohl die Ölpalme grundsätzlich ein nachhaltiger und sehr ertragreicher Rohstoff ist, fällt wegen der aggressiven Flächennutzung in den tropischen Anbauländern die Klimabilanz von Palmölplantagen oftmals vernichtend aus - besonders dann, wenn Plantagen auf Torfböden angelegt werden. Denn in den Urwäldern und Torfsümpfen ist besonders viel Kohlenstoff gespeichert. "Durch unkontrollierte Brände im Vorfeld der Errichtung von Palmölplantagen entweicht um ein Vielfaches mehr CO2 aus den Torfböden und Urwäldern, als durch Palmölplantagen und durch den Einsatz von Palmöl als Brennstoff später überhaupt wieder eingespart werden kann", warnt Professor Florian Siegert von der Uni München.
  Der Druck auf den Bundesumweltminister wächst. Er prüfe derzeit sogar ein Importverbot. Dies habe aber wenig Aussicht auf Erfolg. Aus Gabriels Umfeld verlautet, dass eine geplante Novellierung des EEG darauf abziele, nur noch "nachweislich nachhaltiges Palmöl" zur Stromerzeugung zuzulassen.
  Doch dafür braucht es ein Zertifizierungssystem, mit dem die Nachhaltigkeit kontrolliert werden kann - ein System, das nur im Verbund mit der EU und Palmölerzeugerländern wie Indonesien oder Malaysia und den Plantagenbetreibern funktionieren kann. Dieses Vorhaben bezeichnet Axel Friedrich vom Bundesumweltamt als "eine der schwierigsten Aufgaben, die das Amt hier in den letzten Jahrzehnten begonnen hat, weil viele Interessen und sehr viel Geld damit verbunden sind."
  Erste Vorschläge waren eigentlich für Juni dieses Jahres angekündigt. Doch bereits dieses Ziel wird nicht erreicht werden, so Friedrich.
  
  24.01.2007
  Der Holzweg zum besseren Klima
  UNO-Umweltprogramm möchte durch globale Aufforstungskampagne Reduktion von Treibhausgasen bewirken
  Wien (APA) - Über den Holzweg zum besseren Klima: Das UNO-Umweltprogramm UNEP hat eine Kampagne gestartet, in deren Rahmen in diesem Jahr weltweit eine Milliarde Bäume gepflanzt werden soll. Die Idee dazu stammt von der kenianischen Umweltaktivistin Wangari Maathai, die 2004 mit dem Friedensnobelpreis auszeichnet worden war. Sie und der monegassische Fürst Albert haben den Ehrenschutz über die Kampagne übernommen.
  Ein durchschnittlicher Baum absorbiert, wie aus der UNEP-Homepage zu der Aktion unter dem Titel "Plant for the Planet" hervorgeht, pro Jahr zwölf Kilogramm Kohlendioxid (CO2) - anteilsmäßig das bei weitem bedeutendste der Treibhausgase, die für die globale Erwärmung zumindest mitverantwortlich gemacht werden. Ein Baum produziert zugleich genug Sauerstoff, um den Jahresbedarf von vier Menschen zu decken.
  Ein ein Hektar großer Wald schluckt pro Jahr sechs Tonnen Kohlendioxid. Zum Vergleich: 2004 lag die pro-Kopf-Emission von CO2-Äquivalenten innerhalb der EU-15 bei elf Millionen Tonnen. Die weltweit größten Verursacher von CO2-Emissionen sind mit etwa 21 Prozent die USA. Auf Europa entfällt weniger als ein Fünftel. Für jeweils nur vier Prozent sind Lateinamerika und Afrika verantwortlich.
  Wälder nehmen rund 30 Prozent der Landflächen der Erde ein, in ihrer Biomasse sind schätzungsweise 283 Gigatonnen Kohlenstoff (CO) gespeichert. Die CO-Menge, die darin sowie in Totholz und Böden enthalten ist, macht um die Hälfte mehr aus als jene in der Atmosphäre. Aber: Von 1990 bis 2005 sind die Kohlenstoff-Reserven der Wälder pro Jahr um 1,1 Gigatonnen zurückgegangen. "Der weltweite Verlust an natürlichen Wäldern trägt jedes Jahr mehr zu den globalen Emissionen bei als der Transportsektor", warnt die UNEP.
  Regenwälder machen nur sieben Prozent der Landflächen aus, enthalten aber fast die Hälfte des weltweiten Baumbestandes. Dementsprechend groß ist ihre Sauerstoff-Produktion: Von ihnen kommen 40 Prozent der weltweit vorhandenen Menge.
  13 Millionen Hektar oder 130.000 Quadratkilometer Wald werden den UNEP-Angaben zufolge jedes Jahr abgeholzt. Das entspricht der Fläche von Griechenland oder Nicaragua. Afrika und Südamerika haben den höchsten Rückgang an Waldflächen, in Europa nehmen sie zu. In der vergangenen Dekade ist eine Fläche von der Größe Perus abgeholzt worden. Um dieses Areal aufzuforsten, müssten pro Jahr 14 Milliarden Bäume gesetzt werden - zehn Jahre lang.
  
  8.01.2007
  Saharastaub düngt den Amazonas
  Mehr als die Hälfte des mineralhaltigen Staubes, der für die notwendige Düngung des brasilianischen Regenwaldes sorgt, stammt aus einem Gebiet im Norden Tschads. Das hat eine internationale Forschergruppe um Ilan Koren vom Weizmann-Institut in Rehovot (Israel) herausgefunden. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt ist bekannt, dass Mineralstoffe, die bei Regenfällen aus Böden der Sahara gelöst und mit dem Wind über den Atlantik verfrachtet werden, zur Düngung des Amazonas-Regenwaldes beitragen.
  Die israelischen Forscher und ihre Kollegen aus Brasilien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten haben nun mit Hilfe verschiedener Satellitendaten die transportierten Staubmengen berechnet. Ihren Ergebnissen zufolge gelangen jährlich ungefähr 50 Millionen Tonnen von Afrika in das Amazonasgebiet. Bei früheren Schätzungen war man auf nur 13 Millionen Tonnen gekommen.
  Wie die Forscher weiter herausgefunden haben, stammen rund 56 Prozent des Staubes aus einem einzigen Gebiet Afrikas, nämlich der Bodele-Niederung in Tschad. Diese Region wird von Basaltbergen flankiert, die nach Ansicht der Wissenschaftler für eine Art Trichtereffekt sorgen. Es komme zu hohen Windgeschwindigkeiten, und der aufgewirbelte Staub werde zum Meer hin geblasen und so auf den Weg nach Südamerika gebracht.
  
  18.12.2006
  Abholzung des Regenwaldes führt zu gesundheitlichen Problemen bei den Bewohnern
  Dass Schneisen, die zum Straßenbau durch den Regenwald geschlagen werden, für diesen selbst schädliche Folgen haben, ist verständlich: ist erst einmal eine Straße gebaut, kommen die Holzfäller, Brandroder oder Rinderbarone im Eiltempo hinterher. Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt jedoch untersucht, dass neben menschlichen Invasoren auch Krankheitserreger dankbar für die Schnellstraße zu ihren Opfern sind.
  Wird der Regenwald von Straßen oder Pipelines ( Droht dem Amazonas eine Ölkatastrophe? (1)) erschlossen und damit durchschnitten, so hat dies umfassende ökologische Folgen. Das größte Problem sind dabei Glücksritter, die nun entlang der neu freigeschlagenen Pfade in den Urwald eindringen und dort Unheil anrichten. Doch die Eindringlinge müssen nicht unbedingt böse Absichten haben, allein ihre Anwesenheit sorgt bereits für Probleme und bringt das Ökosystemen des Urwalds und auch seiner menschlichen Bewohner durcheinander.
  An sich kennt man das Phänomen bereits aus dem 15. Jahrhundert, als die spanischen Eroberer nach Amerika kamen und die Indianer mit ihren Krankheiten wie Erkältungen und Pocken ansteckten - zunächst versehentlich, später absichtlich, um sie auszurotten. Dieses Problem ist auch heute noch akut, ein halbes Jahrtausend später, denn im Urwald des Amazonas gibt es noch viele Gebiete, die keine Verbindung mit der Rest der Welt haben und in denen die Menschen abgeschieden leben. Doch nun werden immer mehr Schneisen in den Urwald geschlagen und es ist vorbei mit der Abgeschiedenheit.
  Joseph Eisenberg von der Public Health School der University of Michigan hat mit einigen Kollegen insgesamt 21 Dörfer in Ecuador von 2003 bis 2005 jeweils dreimal für je 15 Tage besucht, die in unterschiedlichen Abständen von einer von 1996 bis 2001 neu angelegten asphaltierten Schnellstraße an der nördlichen Küste des Landes liegen. Von dieser gehen weitere, kleinere Straßen ab, hauptsächlich zum Holzeinschlag, die bis 2003 angelegt wurden. Dabei haben die Forscher speziell untersucht, welchen Effekt die neue Straße auf die Verbreitung von schweren, für Kinder unter fünf Jahren oft tödlichen, Durchfallerkrankungen hat.
  Die Ergebnisse erscheinen in Kürze in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Sie bestätigen die Befürchtungen der Wissenschaftler: Diejenigen Ortschaften, die am nächsten an der Schnellstraße liegen (vier von den 21 Orten lagen direkt an ihr), haben ein 18,4-fach größeres Risiko, an Magenbeschwerden durch das Bakterium Escherichia coli zu erkranken, als die mit der höchsten Entfernung von der Schnellstraße. Auch mit zwei anderen Durchfall erzeugenden Krankheitserregern kombiniert ist es immer noch dreimal wahrscheinlich, an der Straße an Durchfall zu erkranken als im Hinterland.
  Einer der möglichen Gründe, so vermutet Karin Levy von der University of California, Berkeley, Mitautorin der Studie, im aktuellen New Scientist, sei die Auflösung dörflicher geschlossener Wohngebiete zu Gunsten von losen Siedlungen mit weniger sesshaften Zuwanderern. Zudem herrscht in den Bautrupps und anderen neu entstehenden Siedlungen zunächst einmal eine sehr provisorische sanitäre Versorgung. In Afrika, aber auch im Amazon-Regenwald in Peru und in Indien soll alleine das Abholzen bereits dazu führen, dass sich Dengue-Fieber und Malaria stärker verbreiten. Doch auch bislang völlig ortsfremde Krankheiten schleichen sich über die neugebauten Straßen schneller ein.
  Und natürlich können auch die Bauaktivitäten direkt zu Problemen führen: So führte der Bau des Trans-Amazon Highway zu einem Ausbreitung der Malaria, weil die Bautätigkeit zu vermehrter Pfützenbildung Anlass gegeben hatte - und in diesen können sich die Malaria verbreitenden Stichmücken besser vermehren. Ebenso konnte in Uganda nachgewiesen werden, dass die Verbindungsstraße zwischen Kenia und Kampala die Ausbreitung von Aids gefördert hat.
  Quelle: Wolf-Dieter Roth, heise.de
  
  6.12.2006
  Brasilien schafft weltweit größtes Naturschutzgebiet
  Rio de Janeiro (dpa) - Brasilien hat im Amazonas-Regenwald nach Regierungsangaben das größte Naturschutzgebiet der Erde geschaffen. Sieben neue Nationalparks mit einer Gesamtfläche von 160 000 Quadratkilometern - knapp halb so groß wie Deutschland - ergänzen die bereits bestehenden Schutzgebiete.
  «Das ist das größte Naturschutzgebiet des Planeten», jubelte der Gouverneur des nördlichen Bundeslandes Pará, Simao Jatene, am späten Montagabend (Ortszeit) vor Journalisten.
  Die neuen Parks verbinden mehrere bereits geschützte Regionen. Auf diese Weise solle Tieren ein möglichst zusammenhängender Lebensraum geboten werden, betonte die Umweltorganisation Conservation International. In den Schutzgebieten wimmele es vor wilden Tierarten wie Jaguaren, Ameisenbären und farbenprächtigen Aras. Die Tiere erhielten nun die Möglichkeit, über lange Strecken zu wandern. Dies sichert einen regen Gen-Austausch - Voraussetzung für das langfristige Überleben vieler Arten.
  Das Gebiet soll nach Jatenes Worten nachhaltig genutzt werden. Landwirtschaftliche Betriebe würden erlaubt, aber nur unter strikter Kontrolle des Staates. In einigen Regionen wird der Eingriff des Menschen allerdings ganz untersagt. «In einer Zeit, in der das größte Problem der Erde Klima ist, macht so eine Maßnahme Riesenhoffnung», sagte der Präsident der Grünen Partei in Brasilien, Jose Luis Pena.
  Mit den neuen Parks seien im Amazonas-Regenwald 42 Prozent der «grünen Lunge der Erde» in irgendeiner Form geschützt, betonte Adalberto Veríssimo, Sprecher des staatlichen Umweltinstituts für Amazonien (Imazon). Die nachhaltige Entwicklung biete große Chancen für «gute und rechtmäßige Industrieunternehmer». Die positiven Auswirkungen des Projekts würden global zu spüren sein.
  Das Amazonasgebiet und besonders der Bundesstaat Pará werden seit Jahrzehnten von Konflikten erschüttert. Kleinbauern werden im Landstreit von «Pistoleiros» der Großgrundbesitzer oder der Holzmafia ermordet. Indios werden unter sklavenähnlichen Bedingungen zum Abholzen wertvoller Bäume gezwungen. Zudem drängen Viehzüchter und Sojabauern in die Region. Brasilien ist zweitgrößter Sojaproduzent.
  Nach Angaben von Conservation International ist in der Region seit 1970 eine Waldfläche der Größe Frankreichs vernichtet worden. In diesem Jahr hat die Urwaldzerstörung in Brasilien nach einer Hochrechnung des Umweltministeriums von September zum zweiten Mal in Folge aber deutlich abgenommen. 2006 werde demnach eine Fläche von rund 16 700 Quadratkilometern abgeholzt. Das seien zwar immer noch rund 6700 Fußballfelder pro Tag, bedeute aber eine Abnahme um 11 Prozent im Vergleich zu 2005 (18 790 Quadratkilometer). 2005 war die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes um 31 Prozent im Vergleich zum Jahr 2004 zurückgegangen.
  Das größte Urwaldgebiet der Erde im Tiefland des Amazonas umfasst heute noch rund sechs Millionen Quadratkilometer. Der Wald gilt als einer der artenreichsten Lebensräume. Viele Tier- und Pflanzenarten sind noch gar nicht beschrieben.
  
  4.12.2006
  Bio-Diesel-Boom zerstört Regenwälder
  Das Europaparlament stimmt in der Woche ab dem 11. Dezember 2006 über die Novellierung der so genannten EU-Biodiesel-Richtlinie ab. Sie war ursprünglich als Umweltschutz-Maßnahme gedacht, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu bremsen. Die Realität sieht so aus, dass in der EU ausreichend Platz fehlt zum Anbau von Energiepflanzen und diese ohnehin nicht mit tropischen Importen konkurrieren können. Die Ausdehnung solcher Importe zerstört Regenwälder und andere Ökosysteme, führt wegen praktizierter Brandrodungen zu einem gigantischen CO2-Ausstoß und ist mit Menschenrechtsverletzungen verbunden.
  Palmöl, die "billigste" Energiepflanze, benötigt feucht-tropische Wachstumsbedingungen. Die Anlage neuer Plantagen findet daher sowohl in Lateinamerika als auch in Afrika und Südostasien häufig auf Kosten von Regenwäldern statt. Nach Untersuchungen von Friends of the Earth sind Palmöl-Plantagen in Indonesien und Malaysia für 10 Millionen Hektar Waldzerstörung verantwortlich. Friends of the Earth Indonesia haben Europas steigenden Bedarf an Biodiesel als eine von zwei Schlüsselursachen für die Regenwaldvernichtung auf Borneo ausgemacht.
  Wissenschaftler um Florian Siegert vom Geo-Bio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität München haben gerade Satellitenbilder von Bränden auf Borneo ausgewertet und kommen zu dramatischen Schlussfolgerungen. Ein Teil der Regenwälder in Südostasien wächst auf Torf, der sich in Jahrtausenden gebildet hat. Diese Schichten, die bis zu 18 Meter dick sein können, speichern große Mengen Kohlenstoff. Siegert zufolge tragen die Torfwaldbrände in Indonesien maßgeblich zum Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre bei. "Unsere Zahlen für 1997 zeigen, dass die Kohlendioxidmenge aus verbrannten Torfwäldern Indonesiens damals rund ein Viertel der globalen CO2-Emissionen ausmachte", sagt Siegert. 2006 betrage dieser Anteil bisher hochgerechnet 5 bis 15 Prozent. Die Zahlen führen die angeblich neutrale Klimabilanz von Treibstoffen oder Strom aus Palmöl ad absurdum.
  Auch die steigende Produktion von Soja und Zuckerrohr in den Tropen, um Biodiesel bzw. Ehtanol zu produzieren, führt zur Vernichtung von Regenwald - etwa im brasilianischen Amazonas - und anderen, wertvollen Ökosystemen wie dem Atlantischen Regenwald und der Cerrado (Savanne) in Brasilien sowie zur Bedrohung des Pantanal, dem größten Feuchtgebiet der Erde. Diese Ökosysteme sind sämtlich wichtige globale CO2-Speicher und Garanten für Biodiversität.
  Unsere Kollegen von "Rettet den Regenwald" haben dazu eine Protestaktion initiiert, an der Sie sich hier beteiligen können.
  
  8.11.2006
  Katastrophale Waldbrände in Indonesien
  Menschen tragen Atemschutzmasken, zahlreiche Flüge werden wegen fehlender Sicht abgesagt, Autofahrer müssen auch am Tage das Licht anschalten. In den Regenwäldern Indonesiens verschmutzen tausende Feuer die Luft. Der Smog zieht auch über das Meer und belastet die Nachbarländer Singapur und Malaysia.
  In diesem Jahr sind die Waldbrände besonders katastrophal. Das haben Wissenschaftler um Florian Siegert vom Geo-Bio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität München bei der Auswertung von Satellitenbildern herausgefunden. Demnach gab es in diesem Jahr bis Mitte Oktober bereits 75 000 Feuer auf Sumatra und Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo. Die Flammen vernichteten mehr als fünf Millionen Hektar Regenwald, Busch- und Grasland. "Die meisten Brände werden gelegt, um Platz für Plantagen zu schaffen", sagt Siegert. "Oft geraten diese Brände dann außer Kontrolle, weil die Wälder durch illegalen Holzeinschlag ohnehin geschädigt sind."
  Besonders groß sind die Schäden in solchen Jahren, in denen das Klimaphänomen El Niño die Trockenzeit in Indonesien verlängert. So verwüsteten die Feuer zwischen Juli 1997 und April 1998 in Indonesien zehn Millionen Hektar Land. Auch 2006 ist ein El-Niño-Jahr. Und die Zahl der Feuer in Siegerts Aufzeichnungen steigt jeden Monat: Im Juli waren es 5 000, im August 20 000, im September 25 000, in der ersten Oktoberhälfte 24 000 Brände.
  Dramatisch sei, dass die Feuer auch viele Torfwälder vernichten. Ein Teil der Regenwälder wächst nämlich auf Torf, der sich in Jahrtausenden gebildet hat. Diese Schichten, die bis zu 18 Meter dick sein können, speichern große Mengen Kohlenstoff. Siegert zufolge tragen die Torfwaldbrände in Indonesien maßgeblich zum Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre bei. "Unsere Zahlen für 1997 zeigen, dass die Kohlendioxidmenge aus verbrannten Torfwäldern Indonesiens damals rund ein Viertel der globalen CO2-Emissionen ausmachte", sagt Siegert. 2006 betrage dieser Anteil bisher hochgerechnet 5 bis 15 Prozent.
  Diese Tragweite werde Siegert zufolge hierzulande nicht erkannt. "Es ist doch Wahnsinn, wenn in Deutschland Autos aus ökologischen Gründen mit Biodiesel betankt werden sollen, der auch von Plantagen im indonesischen Regenwald kommt", sagt Siegert.
  
  25.09.2006
  Tropenholz: Umweltgruppen protestieren gegen FSC-Zertifikate für Monokulturen
  (epo.de)-Umweltorganisationen aus acht Ländern haben den Forest Stewardship Council (FSC) aufgefordert, Zertifikate für Konzerne in Brasilien, Kolumbien, Chile, Ecuador, Irland, Südafrika, Spanien und Uruguay zu widerrufen. In allen Fällen handele es sich um große Holzplantagen, die nach Auffassung der Organisationen die FSC-Selbstverpflichtung verletzen, nur Waldmanagement zu unterstützen, das ökologisch verträglich ist, der lokalen Bevölkerung soziale Vorteile bringt und wirtschaftlich überlebensfähig ist.
  "In Südafrika hätte der FSC keine einzige Plantage zertifizieren dürfen, weil es sich nicht um Wälder handelt und weil sie schwere Umwelt- und Sozialprobleme anrichten", erklärte Wally Menne von der Timberwatch Coalition. Im Fall Ecuador forderte Nathalia Bonilla von Acción Ecológica die Rücknahme von Zertifikaten für 20.000 Hektar Pinien- und Eukalyptuswälder in den Anden sowie für 8000 Hektar, die Endesa/Botrosa gehören, einem ecuadorianischen Unternehmen, das für "skrupellose Geschäftspraktiken" bekannt sei. "Wir haben die negativen Auswirkungen der Plantagen auf die betroffene indigene Bevölkerung detailliert dokumentiert. Jetzt muss der FSC die Zertifikate wieder aberkennen."
  Marcelo Calazans, Mitglied der brasilianischen "Bewegung gegen die Ausbreitung der grünen Wüsten", forderte die Rücknahme der Zertifikate in drei Fällen: für Suzano-Bahia Sul, Vallourec & Mannesmann und Plantar. "Die sozialen und ökologischen Schäden, die diese drei Konzerne anrichten, sind so gravierend und im Detail nachgewiesen, dass der FSC seine Zertifikate sofort zurück nehmen muss."
  In Kolumbien habe der transnationale Konzern Smurfit Kappa eine lange, unrühmliche Geschichte, insbesondere, was Konflikte mit der Bevölkerung betrifft. "Wir verstehen nicht, dass das Unternehmen seine Produkte mit dem FSC-Logo verkaufen darf", kommentierte Diego Alejandro Cardona von der kolumbischen Sektion der Friends of the Earth. "Der Konzern arbeitet vermutlich profitabel, aber nicht ansatzweise ökologisch und sozial verantwortlich. Der FSC verspielt seine Glaubwürdigkeit, wenn er dem Unternehmen erlaubt, weiter das FSC-Label zu nutzen."
  In Spanien fordern verschiedene Organisationen bereits seit mehr als einem Jahr, dem Plantagenkonzern Norfor die FSC-Anerkennung wieder zu kündigen. Antón Masa, Vertreter der Association for the Defence of the Ria of Pontevedra, erklärte: "Im Zertifizierungsbericht gibt es gravierende Mängel. Es gibt klare Verstöße durch das Norfor-Managementsystem gegen die FSC-Leitlinien."
  Auch in Irland protestieren mehrere Umweltorganisationen gegen die Zertifizierungspraxis des FSC. Dort geht es um 438.000 Hektar Plantagen des Unternehmens Coillte. Nach Angaben von Ciaran Hughes von der Woodland League verstößt Coillte gegen die FSC-Kriterien. In Chile betrifft die Kritik von Umweltgruppen Unternehmen, die traditionelle Landtitel der indigenen Mapuche missachteten. Dazu gehörten Forestal Monte Aguila und Forestal Bio Bio (Forestal Arauco). Der FSC habe die Landkonflikte genauso ignoriert wie die Umweltschäden, die von den Holzfirmen angerichtet werden, sagte Alfredo Seguel, Mitglied der Coordination of Mapuche Territorial Identities.
  In Uruguay verlangen lokale Umweltgruppen die Rücknahme der FSC-Zertifikate für zwei nationale Firmen, Cofusa und Fymnsa, sowie für zwei internationale, Cofosa aus Finnland und Eufores aus Spanien. In allen vier Fällen gehe es um große, industriell gemanagte Monokulturen, die mit nachhaltiger Waldwirtschaft nichts zu tun hätten.
  Inzwischen haben die beteiligten Umweltorganisationen aus den genannten acht Ländern von der FSC-Geschäftsführung die sofortige Rücknahme der FSC-Zertifikate verlangt. Nicht eines der Unternehmen erfülle das FSC-Mandat, nur nachhaltige Forstwirtschaft zu unterstützen, heißt es in der Begründung.
  
  08.09.2006
  Sojabohne gegen Regenwald
  aus der FAZ vom 5.9.2006
  Seit es die BR-163-Piste gibt, herrscht im brasilianischen Bundesstaat Para Goldgräberstimmung. Immer mehr wohlhabende Leute und Glückssucher aus dem Süden Brasiliens kommen in den Staat im Nordwesten des Amazonasbeckens, um billig Land zu erwerben, es zu roden und mit dem Anbau von Sojabohnen reich zu werden. Zu beiden Seiten der sogenannten Soja-Straße Brasiliens, die das Amazonasbecken von Südost nach Nordwest bis zum Zusammenfluß des Amazonas mit dem Topo durchquert, weiten sich die Soja-Plantagen unerbittlich aus - auf Flächen, die vorher Regenwald waren.
  Seit dem Jahr 2003, dem Beginn der Amtszeit von Präsident Lula da Silva, sind nahezu 70.000 Quadratkilometer Regenwald - das entspricht zweieinhalbmal der Größe Belgiens - dem unersättlichen Hunger der Welt nach der proteinreichen Sojabohne zum Opfer gefallen. Im vergangenen Jahr hat Brasilien 20 Millionen Tonnen Sojabohnen exportiert und die Vereinigten Staaten vom ersten Platz als größter Soja-Exporteur der Welt verdrängt. Mehr als 5 Prozent der Weltproduktion stammt aus dem 1,2 Millionen Hektar großen, aber stetig wachsenden Anbaugebiet im Amazonasbecken. Etwas mehr als 50 Prozent der Produktion aus dem Amazonasbecken geht als Futtermittel nach Europa.
  Landwirtschaft soll verdreifacht werden
  In Mato Grosso im Südosten des Amazonas-Gebietes hat die Sojabohne den Regenwald schon besiegt. Gouverneur Blairo Maggi, Brasiliens größter Soja-Produzent und ungekrönter Soja-König, hat dort 2003 sein Amt mit dem Ziel angetreten, die landwirtschaftliche Produktion in Mato Grosso innerhalb von zehn Jahren zu verdreifachen. Er ist auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen.
  Im benachbarten Rondonia an der Grenze zu Bolivien sind nach Aussagen der staatlichen Stellen bereits mehr als 30 Prozent des Regenwaldes in landwirtschaftliche Felder umgewandelt worden. Da Land in Mato Grosso und Rondonia inzwischen teuer geworden ist, drängen die Soja-Farmer immer stärker nach Norden in die Staaten Para, Roraima und Tocantins.
  Versteppung bald nicht mehr aufzuhalten?
  In Para agieren die Soja-Bauern mit Unterstützung des amerikanischen Getreide-Großhändlers Cargill. Der soll nicht nur den Landkauf und die Rodung weitgehend finanziert haben, wie Greenpeace in seiner Studie "Eating up the Amazon" schreibt. Das Unternehmen hat überdies mit einem 20 Millionen Dollar teuren Getreide-Terminal in der Hafenstadt Santarem den Grundstein für den Ausbau der Exportroute nach Nordamerika, China und Europa gelegt. Sobald die BR 163 asphaltiert sei, werde Santarem jährlich 2 bis 3 Millionen Tonnen Soja umschlagen, schätzt das Unternehmen.
  Noch sind die letzten 90 Kilometer bis Santarem nicht geteert. Greenpeace und andere Nichtregierungsorganisationen, aber auch zahlreiche Indianerstämme warnen, daß sich mit jedem Meter Asphalt die Zerstörung des Waldes beschleunigen und die sich bereits sichtbaren Klimaveränderungen noch verstärken werden. 17 Prozent des größten zusammenhängenden Regenwaldgebiets der Erde ist nach Aussagen brasilianischer Wissenschaftler bereits zerstört. Sobald 40 Prozent des Regenwaldes der Landwirtschaft oder anderen wirtschaftlichen Interessen zum Opfer gefallen seien, sei die Versteppung des Amazonas nicht mehr aufzuhalten.
  Umweltministerium machtlos
  Schon heute gibt es Warnsignale: Flüsse trocknen aus, Sandbänke werden sichtbar, es regnet weniger. Im Staat Acre an der Grenze zu Peru hat es in diesem Jahr während 40 Tagen nicht ein einziges Mal geregnet. Viele fürchten bereits, daß sich die verheerende Dürre des vergangenen Jahres wiederholen könnte.
  Marina Silva, die brasilianische Umweltministerin, betont zwar immer wieder, Brasilien dürfe auf keinen Fall seine langfristigen Ressourcen für kurzfristigen Profit verschleudern. Gegen die Interessen der Wirtschaft, deren Verbindungen bis in die höchsten Amtsstuben reichen, kann ihr Ministerium aber nur wenig ausrichten. Für eine wirkungsvolle Überwachung und Durchsetzung der Gesetzesvorschriften fehlen die Mittel. Kaum jemand wird bestraft, obwohl gut 75 Prozent aller Feuerrodungen illegal sind. Indianer werden von ihren Feldern verjagt, ermordet oder in die Sklaverei getrieben, ohne daß dies gerichtliche Folgen nach sich zieht. Selbst Cargill hat seine Hafenanlage ohne die gesetzliche Umweltuntersuchung errichtet.
  Bauern roden lieber, anstatt zu düngen
  Brasilien habe schon jetzt genug Anbaufläche für den Soja-Anbau; weitere Rodungen seien bei effizienter Nutzung gar nicht mehr nötig, betonen die Agrarwissenschaftler. Dies setzt allerdings voraus, daß die Bauern die kargen Böden des Regenwaldes bereits im dritten Jahr nach der Rodung mit Nährstoffen zum Preis für 800 Dollar pro Hektar anreichern müßten. Da die Feuerrodung von Neuland aber höchstens 300 Dollar je Hektar kostet, sehen die Bauern keinerlei Veranlassung für die intensive Bearbeitung.
  Die Umweltschützer führen somit einen nahezu ausweglosen Kampf gegen die Wirtschaftsinteressen. Gleichwohl haben sie kürzlich einen kleinen Sieg errungen. Ende Juli unterzeichneten die großen internationalen Getreidehandelsfirmen Cargill, Bunge, ADM und Amaggi eine Verpflichtung, von Oktober 2006 an keine Sojabohnen aus illegalem Anbau zu kaufen. Den Stein des Anstoßes gab die amerikanische Fast-Food Chain McDonald's, einer der größten Kunden Cargills. McDonald's liefen die Kunden weg, nachdem Greenpeace in einer großangelegten Kampagne viele Kunden in Europa und Amerika überzeugt hatte, McDonald's zerstöre den brasilianischen Regenwald, weil es seine Hühner mit Sojabohnen aus illegalem Anbau füttere.
  
  03.08.2006
  2006 - Wieder ein Dürrejahr am Amazonas??
  Paris, London und Berlin melden in diesen Tagen höhere Temperaturen als Bangkok, Hongkong oder Neu Delhi. In England fangen die Hochmoore Feuer, Atomkraftwerke werden runtergefahren, weil das Kühlwasser nicht mehr kühlt, und mancherorts wie in Kalifornien und der Tschechischen Republik brechen die Stromnetze zusammen, weil zu viele Klimaanlagen angeworfen werden. Ganz Europa und große Teile Nordamerikas stöhnen unter einer rekordverdächtigen Hitzewelle. Der hiesige Städter mag es noch von der sonnigen Seite sehen und den Badeurlaub an Nord- und Ostsee statt auf Mallorca buchen. Doch auf den Stirnen der Landwirte werden die Furchen mit jedem Sonnentag tiefer, und aus dem tiefen Süden, vom brasilianischen Äquator, kommen Nachrichten, die Experten eine Gänsehaut über den Rücken jagen.
  Versteppung
  Am Amazonas zeichnet sich eine Wiederholung der extremen Trockenheit ab, die in der zweiten Jahreshälfte 2005 den größten tropischen Regenwald der Erde heimgesucht hatte. Um vier bis fünf Meter war 2005 der Wasserspiegel des Amazonas und seiner Nebenflüsse unter das übliche Maß gefallen. Viele Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten, weil sie auf den Flüssen nicht mehr erreichbar waren. Mächtige Ströme wurden zu schmalen Rinnsalen, deren Oberflächen mit toten Fischen bedeckt waren. Und der ungewöhnlich trockene Wald fing Feuer wie selten zuvor. Im September 2005 registrierten Satelliten rund 73000 Brandherde gleichzeitig. Für die Menschen, die vom Wald und Fluß leben, waren das einige sehr schwere Monate, für die Umweltschützer allerdings noch kein Grund für Alarmmeldungen: Der Regenwald kann bisher Trockenperioden ganz gut überstehen.
  Doch immerhin war die Trockenheit schlimmer als alles, was man an dem wasserreichsten Strom der Erde seit mindestens 40 Jahren gesehen hatte. Einige sprachen gar von der schlimmsten Dürre seit Menschengedenken. - Die sich in diesem Jahr zu wiederholen scheint: Die jährliche Trockenzeit hat gerade erst begonnen, aber im brasilianischen Bundesstaat Acre, ganz im Westen des Landes, hat es schon seit Mitte Juni nicht mehr geregnet. Dabei ist dort für gewöhnlich die Trockenzeit geringer ausgeprägt als weiter im Osten. Schon jetzt, so zitiert die britische Zeitung The Independent einen Umweltschützer aus der Region, falle das Wasser der Flüsse schneller als im Vorjahr.
  Das ist um so alarmierender, als brasilianische und US-amerikanische Wissenschaftler gerade in einem Großversuch gezeigt hatten, daß zwei Jahre Wasserentzug reichen, um den Wald dauerhaft zu schädigen. Nun hat es seit der letzten Trockenheit natürlich wieder geregnet, aber offenbar reichen bereits wenige trockene Jahre wie 2005, um die Baumriesen, die den Wald beschatten und so für sein feuchtes Klima verantwortlich sind, großflächig zum Absterben zu bringen.
  Die Folge wäre nicht nur eine Versteppung des Amazonasbeckens und der Verlust von etwa 25 Prozent aller pflanzlichen und tierischen Arten der Welt. Ein Absterben des Amazonas-Regenwaldes würde auch die globale Erwärmung beschleunigen. Verbrennt oder vermodert sein Holz nämlich, dann würde etwa zehnmal soviel vom Treibhausgas Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen, wie derzeit von Autos, Kraftwerken, Zentralheizungen und Industriebetrieben jährlich an die Umwelt abgegeben wird.
  Globale Erwärmung
  Doch was ist die Ursache der Amazonas-Dürre? Trockenzeiten sind über weiten Teilen des Amazonasbeckens eine jährliche Erscheinung, auch das Absinken der Pegelstände in den Flüssen. Das Ausbleiben des Regens ist ein Ergebnis der jährlichen Schwankungen in den großräumigen Luftbewegungen. Während des nordhemisphärischen Winters und Frühlings steigt die warme Luft über dem Amazonasbecken auf und zieht die Passatwinde aus dem tropischen Nordatlantik an, die zusätzliche Feuchtigkeit vom Meer heranbringen. In der aufsteigenden Luft über dem Wald bilden sich mächtige Wolken, die vor Ort abregnen. Weiter im Norden über der Karibik und dem Atlantik sinkt die Luft hingegen ab. Später im Jahr, wenn die Meeresoberfläche wärmer wird, kehrt sich der Prozeß um. Nun steigt die Luft bereits über dem warmen Meer auf. Zum Ausgleich sinkt die Luft über dem Amazonasbecken ab. Dort herrscht entsprechend von Juni bis November überwiegend Hochdruck, in dem sich keine Wolken bilden können.
  Etwas vereinfacht läßt sich sagen, daß die Trockenheit um so drastischer ausfällt, je stärker sich das benachbarte Meer erwärmt. Und genau das ist der Fall. Die Oberflächentemperatur der tropischen Ozeane hat sich seit 1970 im Mittel um 0,5 Grad erhöht. Im tropischen Teil des Atlantik, das heißt in der Nachbarschaft des Amazonas, war sie in den vergangenen Jahren besonders hoch. Darin ist übrigens auch der Grund für die besonders heftige Hurrikan-Saison 2005 zu sehen. Noch im November 2005 lag die Wassertemperatur in weiten Teilen der Karibik und im angrenzenden Atlantik zwischen 28 und 30 Grad.
  Eine Ursache der Dürre ist also die globale Erwärmung. Eine andere ist die anhaltende Abholzung. 20 Prozent des Waldes sind bereits verschwunden und weitere 22 Prozent geschädigt. Brasilianische Wissenschaftler gehen davon aus, daß bei etwa 50 Prozent Waldverlust eine Schwelle überschritten sein wird, bei der sich das Klimasystem des Regenwaldes nicht mehr selbst erhält. Der Wald würde nicht mehr genug Feuchtigkeit speichern können. Einiges deutet darauf hin, daß dieser Punkt früher erreicht werden könnte als bisher angenommen.
  Quelle: Wolfgang Pomrehn, Junge Welt, 2.8.06
  
  27.7.2006
  Soja-Moratorium am Amazonas - "Soja-Industrie einigt sich mit Umweltschützern"
  ... und einige ähnlich lautende Schlagzeilen geistern derzeit durch die Medien. Woher diese Euphorie stammt, ist für uns nicht nachvollziehbar (siehe dazu unten stehende Pressemitteilung von Greenpeace). Das zweijährige Soja-Moratorium wird nicht einen Regenwald-Baum retten - im Gegenteil: die Sojabauern reiben sich die Hände:
  Sie können nun in Seelenruhe ihre Gebiete roden und für den Sojaanbau vorbereiten. Nach Ablauf der zwei Jahre wird das nun dort angebaute Soja mit gutem Gewissen verkauft. So die Situation, wenn sich die Großgrundbesitzer im günstigsten Falle an das "Moratorium" halten. Ob sie sich überhaupt daran halten, ist in diesem riesigen und dünn besiedelten Gebiet ohnehin nicht zu kontrollieren und Mc Donalds und all die anderen können weiterhin - jetzt mit reingewaschenem Gewissen - Nutznießer des Regenwald-Sojas sein!
  Immerhin, einen positiven Aspekt hat der Wirbel sicherlich:
Dem Verbraucher wird klar, was er mit seinem "täglich Schnitzel" und Chicken Mc-Nuggets anrichtet. Der einzig Erfolg versprechende Hebel ist in den Händen der Konsumenten. Sie haben es letztlich in der Hand durch entsprechendes Verhalten zum Schutz der Regenwälder beizutragen...
  Pressemitteilung von Greenpeace:
Atempause für den Amazonas-Regenwald
Greenpeace handelt mit internationalen Agrarfirmen befristeten Stopp für Sojaanbau aus
  Im Kampf um die Rettung der letzten Urwälder Brasiliens hat Greenpeace einen Teilsieg errungen. Die weltweit führenden Agrarfirmen und Soja-Händler Cargill, Bunge, ADM und A.Maggi stimmten gestern einem zweijährigen Moratorium für brasilianische Urwald-Soja zu. Die Unternehmen werden zwei Jahre auf den Kauf von Soja von neu angelegten Feldern innerhalb des Amazonas-Regenwaldes verzichten. Die Entscheidung der Agrar-Riesen ist das Ergebnis einer internationalen Kampagne von Greenpeace unter dem Motto Der Regenwald brennt für unser Essen.
  Die Umweltorganisation hatte zum Schutz Amazoniens auch von führenden Lebensmittelverarbeitern in Europa wie McDonald's gefordert, dem meist illegalen Anbau von Soja mitten im Regenwald und der Beschäftigung von Arbeitern unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den Feldern ein Ende zu setzen.
  Wir hoffen, dass dieses Moratorium ein erster wichtiger Schritt ist, die Urwaldzerstörung durch den Soja-Anbau zu stoppen, sagt Oliver Salge, Waldexperte bei Greenpeace. Dann könnte man zumindest diese Gefahr für die Schatzkammer der Artenvielfalt auf lange Sicht wirksam bannen. Das ist die Herausforderung für die Soja-Händler. Der in Brasilien weit verbreitete Anbau von Soja auf illegalen Feldern unter Einsatz von Sklaven muss endlich beendet werden.
  Nach der Veröffentlichung eines Reports im April 2006, der illegalen Soja-Anbau in Brasilien mit in Europa hergestellten Lebensmitteln in Verbindung brachte, haben McDonald's und europäische Lebensmittelhändler (u.a. Marks&Spencer, El Corte Ingles, Ritter-Sport, Tegut) eine Greenpeace-Initiative zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes unterstützt. Sie haben von den Soja-Händlern Maßnahmen gefordert, die Urwaldzerstörung für den Anbau von Soja zu stoppen und damit gedroht, sich andere Lieferanten zu suchen. Außerdem haben die Unternehmen deutlich gemacht, auch künftig nur gentechnikfreie Soja von ihren Lieferanten zu beziehen.
  Nachdem McDonald's vor Jahren beschlossen hatte, kein Rindfleisch zu kaufen, für das der Amazonas-Regenwald gerodet wurde, will der Konzern nun auch keine Soja aus Urwaldzerstörung (z.B. für Hühnerfutter/ChickenMcNuggets) beziehen. Er hat vor, mit Lieferanten und der brasilianischen Regierung den Amazonas-Regenwald und das Land indigener und lokaler Gemeinschaften vor Zerstörung zu bewahren. Der Druck der Fast-Food-Kette war ein Grund, weshalb Agrar-Riesen wie Cargill schließlich einlenkten, obwohl sie gut an der Urwald-Soja auch aus Indianer-Gebieten verdienen, die unter anderem über einen illegal gebauten Hafen in Santarem im brasilianischen Bundesstaat Pará nach Europa verschifft wird.
  Das auf zwei Jahre befristete Soja-Anbau-Moratorium verkommt allerdings zur Geste, wenn die Händler nicht sofort Maßnahmen ergreifen, die den Schutz des Urwaldes sicher stellen, sagt Oliver Salge. Jede Minute wird eine Urwaldfläche in der Größe von fünf Fußballfeldern vernichtet - meist für den Soja-Anbau. Das Anbau- und Handelsverbot muss so lange in Kraft bleiben, bis ein Konzept für Schutzgebiete für den Amazonas-Regenwald von der brasilianischen Regierung entwickelt und umgesetzt wurde. Brasilien ist der größte Soja-Exporteur der Welt.
  
  14.7.2006
  Handyboom bedroht Menschenaffen
  Worldwatch: Ungehemmter Handyboom bedroht Menschenaffen im Kongo Washington (dpa) - In den USA liegen nach einer neuen Studie des Worldwatch-Instituts eine halbe Milliarde ausgemusterter Handys herum. Der elektronische Müll werde ein immer größeres Problem, schreibt das Umwelt-Institut in seiner neuesten Ausgabe weltweiter Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialtrends («Vital Signs 2006-07»).
  Gleichzeitig bedrohe der weltweite Handyboom und die Unlust zum Recyclen die Menschenaffen in Afrika. Das für die Mikrochips in Handys notwendige Erz Coltan wird praktisch nur in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut. Dabei werden die Lebensräume der Menschenaffen zerstört. 46 Zoos haben deshalb nach Angaben von Worldwatch weltweit Recycling-Programme für Handys aufgelegt.
  Im vergangenen Jahr wurden nach der Studie weltweit gut 815 Millionen Handys verkauft, 20 Prozent mehr als 2004. Der größte Markt ist der chinesische, wo jedes 5. Mobiltelefon angemeldet ist. Insgesamt habe sich die Zahl der Handybenutzer innerhalb von fünf Jahren verdreifacht, auf 2,1 Milliarden 2005. Ein Handy wird im Schnitt nach 14 Monaten ausgesondert.
  Worldwatch warnt in seiner Studie, dass Handel und Konsum zwar weltweit auf Rekordniveau stiegen, die Umweltzerstörung aber gleichzeitig voranschritt. Während im vergangenen Jahr Produktionsrekorde bei Stahl (gut eine Milliarden Tonnen), Aluminium (31 Millionen Tonnen) und Autos (45,6 Millionen) erreicht wurden, stieg die durchschnittliche Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre um 0,6 Prozent. 20 Prozent der Korallenriffe sind zerstört, und 20 Prozent der Mangrovenwälder.
  «So weiter machen wie bisher schädigt die Ökosysteme und die Menschen, die darauf angewiesen sind«, sagte der Autor der Studie, Erik Assydourian. «Wenn jeder so leben würde wie die Durchschnittsbevölkerung in den reichen Ländern, könnte der Planet nur 1,8 Milliarden Menschen tragen, nicht die 6,5 Milliarden, die heute leben. Und die Bevölkerung wächst noch, auf 8,9 Milliarden bis 2050.»
  
  4.7.2006
  Millionen unbekannter Bakterien im Regenwald
  Sao Paulo (pte/03.07.2006/13:50) - Wissenschafter der Universität von Sao Paulo entdeckten, laut einer in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlichte Studie, vermutlich 13 Millionen neue Bakterienarten. Bei Forschungen im brasilianischen Regenwald konnte deren Existenz anhand von analysiertem Blattmaterial nachgewiesen werden. Dieser Fund spielt nicht nur eine wichtige Rolle für die Stabilität des Ökosystems, sondern stellt auch eine neue Möglichkeit für die Produktentwicklung der Pharmazie-Industrie dar.
  Das Team um den Wissenschafter Marcio Lambais nahm für die Studie Proben von neun verschiedenen Baumarten, deren Blätter im Labor untersucht wurden. Aus der gewonnenen DNA konnte ein Vergleich zwischen der bakteriellen Zusammensetzung der Baumgruppen angestellt werden. Dabei wurde einerseits festgestellt, dass jeder Baum zwischen 95 und 671 verschiedene Bakterienarten beheimatet. Andererseits erkannte man, dass sowohl zwischen den unterschiedlichen Baumarten, als auch innerhalb einer Art, Unterschiede in der Bakterienzusammensetzung bestehen.
  Die gefundenen Bakterien spielen laut Lambais nicht nur eine wichtige Rolle für die Stabilität des Ökosystems. Der Wissenschafter hält es ebenso für möglich, dass sie als Grundlagen für pharmazeutische Produkte verwendet werden können. Zurzeit führt das Team die Untersuchungen im Brasilianischen Regenwald fort. Dabei werden weitere Baumarten untersucht, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und unter anderen einen möglichen Zusammenhang zwischen Standort und bakterieller Zusammensetzung zu erklären.
  
  26.6.2006
  Regenwaldzerstörung fordert Todesopfer
  Nach den Überschwemmungen und Erdrutschen in Indonesien ist die Zahl der ums Leben gekommenen Einwohner auf 167 gestiegen. Wie die Behörden weiter mitteilten, wurden 123 Menschen vermisst. Am schlimmsten betroffen ist die Insel Sulawesi, wo am Montag und Dienstag schwere Regenfälle niedergingen. Die meisten der Opfer ertranken, nachdem das Wasser extrem schnell angestiegen war, oder wurden von Erdrutschen an zahlreichen Orten der Insel begraben.
  Die Regenfälle halten unterdessen an, was die Rettungsarbeiten erschwerte. Vor knapp einem Monat erst waren in Indonesien bei einem Erdbeben mehr als 5800 Menschen ums Leben gekommen.
  In Indonesien kommt es besonders auf dem Höhepunkt der Regenzeit immer wieder zu tödlichen Erdrutschen und Überschwemmungen. Anfang Januar waren durch Unwetter auf der Insel Java mehr als 150 Menschen getötet worden. Als Hauptgrund für die schweren Folgen der Niederschläge gilt die Abholzung der Wälder in Indonesien. Auch auf Sulawesi werden große Flächen gerodet, oft von illegalen Banden.
  
  15.5.2006
  Abholzen für Olympia?
  China will für die Olympischen Spiele 2008 rund 800.000 Kubikmeter indonesisches Merbau-Holz in Sportanlagen einbauen. Das Tropenholz wächst fast nur noch in den Regenwäldern von West-Papua. Mindestens drei Viertel des gehandelten Merbau-Holzes stammen aus illegalem Raubbau.
  Fordern Sie noch heute vom deutschen Nationalen Olympischen Komitee und seinen Sponsoren, gegen die chinesischen Pläne zu protestieren.
  Dass China eigens für die olympischen Bauvorhaben eine Großinvestition in die indonesische Holzindustrie plant, gab der indonesische Forstminister Malem Sambat Kaban kürzlich in Jakarta bekannt. Eine chinesische Firma hat dazu bei indonesischen Behörden die Errichtung eines Sägewerks im Wert von über einer Milliarde US-Dollar in der Provinz Papua beantragt.
  Das luxuriöse, dunkelrote Merbau wächst hauptsächlich auf der Insel Neuguinea, deren westlicher Teil West-Papua (mit den Provinzen Papua und Irian Jaya Barat) zu Indonesien gehört. Merbau wird vor allem für die Herstellung von Holzfußböden verwendet. Das indonesische Forstministerium beteuert zwar, dass das verwendete Holz ausschließlich aus Plantagenwirtschaft stammen soll, doch dieses Versprechen kann unmöglich eingehalten werden.
  Tatsächlich wächst Merbau im tropische Regenwald. Mindestens drei Viertel des weltweit gehandelten Merbau-Holzes stammen aus illegalem Raubbau. Selbst wenn heute mit der Anlage neuer Plantagen begonnen würde, könnten diese niemals bis 2008 das benötigte Holz liefern.
  Fordern Sie noch heute von den Sponsoren der Olympischen Spiele und dem deutschen Nationalen Olympischen Komitee von China zu verlangen, dass für die Olympischen Spiele 2008 keine Regenwälder zerstört werden und China eine entsprechende Garantie abgibt.
  Bitte schreiben Sie einen Protestbrief an:
  NOK für Deutschland, Präsident Dr. Klaus Steinbach, Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt, Fax: 069 - 677 1229, E-mail: franke-mittrenga@nok.de
  
  14.5.2006
  Landnahme und Waldzerstörung zur Produktion von Klopapier
  "Aracruz zerstörte unser soziales Leben, hat uns die Freiheit genommen und die intakte Natur, die unsere Lebensgrundlage bildete." Das sagt Werá Kwaraí vom Stamm der Guarani. Zusammen mit Paulo Henrique Vicente de Olivira, Anführer einer Tupinikim-Gemeinschaft, kämpft Kwaraí für die traditionellen Landrechte der Ureinwohner gegen den Zellstoffkonzern Aracruz im Südosten Brasiliens.
  Als Aracruz sich 1967 im damaligen Küstenregenwald niederließ, nahm er sich große Landflächen und wandelte den Wald in Eukalyptus-Plantagen um. Doch die Gegend war nicht menschenleer. Hier lebten indianische Ureinwohner, in 40 Dörfern. Heute sind es noch sieben. Aracruz, weltgrößter Hersteller von Eukalyptuszellstoff, betreibt hier zudem die größere seiner beiden Zellstoffabriken.
  Etwa 2200 Tupinikim und Guarani leben in unmittelbarer Nähe der Zellstoffabrik. Plantagen und Fabrik zerstörten nach und nach ihre Umwelt. Flüsse trockneten aus, weil die durstigen Bäume den Wasserhaushalt überstrapazierten. Andere Flüsse litten unter dem Wasserbedarf und dem Abwasser des Zellstoffwerkes. De Olivira erzählt: "Wir können nicht mehr jagen und fischen. Selbst Acker- und Kaffeeanbau sind wegen des Wassermangels kaum möglich." Doch das Hauptproblem sei das fehlende Land, dadurch habe die nachwachsende Generation keine Zukunft mehr in der Region.
  Seit Anfang Mai bereisen die beiden Stammesführer Europa, hauptsächlich Deutschland. Aus ihrer Sicht tragen die Konsumenten in den Industriestaaten Mitschuld an ihrer Misere: Eukalyptus-Zellstoff liefert besonders flauschiges und weiches Papier. Es wird deshalb hauptsächlich zu Hygienepapieren verarbeitet. "Mit Tempo in die Armut" hieß entsprechend eine öffentliche Veranstaltung in Hamburg, die der Umweltverband Robin Wood in Hamburg organisierte.
  Tatsächlich gibt es eine Verbindung zwischen der Marke "Tempo" und den Problemen der Ureinwohner. "Die Taschentücher produziert der US-Konzern Procter & Gamble", erklärt Ute Bertrand, Sprecherin von Robin Wood. "Der Konzern ist ein Hauptkunde von Aracruz. Wir haben die Herkunft des im Werk in Neuss verarbeiteten Zellstoffs zurückverfolgen können bis nach Brasilien."
  Ein weiterer Großkunde sei Kimberly-Clark (Hakle, Kleenex). Ute Bertrand appelliert an die Verbraucher, gezielt Hygienepapiere aus Recyclingware zu kaufen. Sie seien am Umweltzeichen "Blauer Engel" gut zu erkennen.
  
  30.3.2006
  Regenwald sprießt in der Trockenzeit
  Große Teile des südamerikanischen Regenwalds folgen nicht dem herkömmlichen Wachstumsmuster. Ausgerechnet während der Trockenzeit gedeihen die Bäume im Amazonasbecken besonders gut.
  Das belegt eine Analyse von Satellitendaten, die eine amerikanisch-brasilianische Forschergruppe im Fachblatt "Geophysical Research Letters" vorstellt.
  "Sobald der Regen versiegt und die Trockenperiode beginnt, erwacht das Amazonasbecken zu neuem Leben", erläutert Alfredo Huete von der University of Arizona in Tucson. "Neue Blätter entfalten sich und allerorten grünt es, solange die Trockenzeit anhält." Ganz offenbar sei Wassermangel für diese Wälder nicht das Problem - im Gegensatz zu den Verhältnissen in anderen Teilen der Welt.
  Huete und Kollegen analysierten Daten des MODIS-Spektrometers an Bord des amerikanischen Satelliten Terra. Aus dem Spektrum des von Boden und Vegetation reflektierten Sonnenlichts berechneten die Forscher für verschiedene Gebiete und Jahreszeiten den Enhanced Vegetation Index, eine Maßzahl für die Intensität des Pflanzenwachstums. Während Weiden und andere vom Menschen veränderte Flächen während der Trockenzeit förmlich zu verdorren schienen, stellte sich in altem Regenwald erst jetzt das stärkste Wachstum ein.
  Die Ursache vermutet Huete in tief reichenden Wurzeln älterer Bäume. Diese könnten auch während der niederschlagsarmen Zeit genügend Wasser liefern, sodass das Laub die stärkere Sonneneinstrahlung voll ausnutzen könne. "Wir können diese starke Ergrünung auch als Maß für den Zustand des Amazonas-Regenwalds betrachten", so der Forscher. Ein solches Maß sei umso wichtiger, als jede Veränderung der Wachstumsaktivität im Regenwald sich auf den globalen Kohlenstoffkreislauf auswirke.
  
  12.3.2006
  Umstrittene Privatisierung des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien
  Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat in Brasilia ein umstrittenes Gesetz zur Nutzung des Amazonas-Regenwaldes unterzeichnet. Damit wird ein Teil des Umweltgebietes faktisch privatisiert.
  Mit dem Gesetz soll in erster Linie die Holzgewinnung geregelt werden. Gleichzeitig soll nach dem Willen der brasilianischen Regierung auch die nachhaltige Entwicklung der Urwaldregion gefördert werden.
  Das brasilianische Umweltministerium teilte mit, in den nächsten zehn Jahren wolle man für rund drei Prozent der Gesamtfläche des Amazonas-Urwaldes Lizenzen verteilen. Das entspricht in etwa fünf Millionen Quadratkilometer Wald.
  Die linksgerichtete Regierung versichert, dass dadurch der illegalen Landaneignung und Holzgewinnung Einhalt geboten werde. Kritiker des Gesetzes meinen dagegen, die Regierung könne das Geschäft in dem Riesenland nicht kontrollieren.
  Im Rahmen des "Gesetzes zur Verwaltung der öffentlichen Wälder" sollen Ausbeutungslizenzen mit 5- bis 40-jährigen Laufzeiten gewährt werden. Es sollen jedoch nach Zusicherung aus Brasilia nur jene Aktivitäten zugelassen werden, die nicht zur dauerhaften Zerstörung des Regenwaldes führen.
  Holzfirmen müssten sich zur umweltfreundlichen Verwaltung ihres jeweiligen Gebietes verpflichten. Alle fünf Jahre solle diesbezüglich eine unabhängige Kontrolle durchgeführt werden.
  
  2.3.2006
  Illegale Abholzung gefährdet Papua Neuguineas Regenwald
  Port Moresby/London (pte/02.03.2006) - Der Regenwald auf der Insel Neuguinea ist nach Angaben der Umweltorganisation Forest Trends http://www.forest-trends.org massiv von illegalen Rodungen betroffen. Laut einem gestern, Mittwoch, veröffentlichten Bericht zufolge, sind es vor allem malaysische Holzunternehmen, die auch vor geschützten Regionen nicht halt machen. Die wertvollen Edelhölzer werden nach China exportiert und dort für den europäischen und US-amerikanischen Markt weiterverarbeitet.
  Dem Report "Logging, Legality and Livelihoods in Papua New Guinea" zufolge werden von der Regierung in Port Moresby nachhaltige Regenwaldprojekte nicht unterstützt. Waldmanagement biete keine langfristigen Vorteile für das Land und seine Leute, so die Antwort der Regierung. Umweltverbände haben schon in den vergangenen Jahren große Sorge über den Regenwald auf der Insel zum Ausdruck gebracht. 65 Prozent der Landfläche Papua Neuguineas ist von Regenwald bedeckt. Insgesamt sind es 29,6 Mio. Hektar Waldfläche. Die Regenwälder der tropischen Insel sind Heimat von Pflanzen und Tieren, die bisher zum Teil nicht erforscht sind. Erst vor zwei Jahren hatten Wissenschaftler des College of Pharmacy der University of Utah in den Wäldern nach neuen Heilmitteln gegen Infektionskrankheiten gesucht.
  Nach dem Bericht der Experten ist die Art und Weise wie der Kahlschlag in Neuguinea derzeit stattfindet, allerdings mehr als bedenklich: Die Arbeiter, die die Bäume fällen, kommen als Gastarbeiter ins Land. Die Erlöse für die Landbesitzer fallen äußerst dürftig aus. "Einzig und allein die Konsumenten können Druck ausüben und derartige Methoden stoppen", so der Bericht. Die in Papua Neuguinea existierenden Gesetze zum Schutz der Umwelt würden ausreichen, die Regenwaldbestände zu sichern. Allerdings müssten die Gesetze vollzogen werden, argumentiert Forst Trends. Falls der derzeitige Trend weiter anhält, könnte der Regenwald in Papua Neuguinea in nur einer Dekade zerstört sein. Und damit würde die natürliche Ressource "Wald" verloren gehen.
  
  8.2.2006
  Dutzende von neuen Tier- und Pflanzenarten in Indonesien entdeckt
  Jakarta (AP) In einem abgelegenen Dschungel auf Neuguinea haben Naturforscher Dutzende von bislang unbekannten Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Die Expedition stieß in den Foja-Bergen im indonesischen Teil der Insel auf neue Arten von Fröschen und Schmetterlingen. Teilnehmer äußerten sich am Dienstag begeistert über eine einzigartige «verlorene Welt».
  Die elf Forscher aus Indonesien, den USA und Australien seien Tieren begegnet, die erstaunlich wenig Angst vor den ungewohnten menschlichen Besuchern gehabt hätten, sagte Bruce Beehler, einer der Expeditionsleiter des gemeinsamen Projekts der Umweltschutzorganisation Conservation International mit dem Indonesischen Institut der Wissenschaften. So trafen sie auf zwei Langschnabeligel (Zaglosus), die sich von den Wissenschaftlern furchtlos aufheben ließen. Die Forscher brachten die vom Aussterben bedrohten urtümlichen Säugetiere zur eingehenden Untersuchung in ihr Stammlager.
  Die Expedition erkundete ein mehr als eine Million Hektar großes Dschungelgebiet im Westen der Insel Neuguinea. «Es gab dort keinen einzigen Pfad, kein Zeichen von Zivilisation oder Hinweise auf Dorfgemeinschaften», sagte Beehler. Begleitet wurden die Forscher von zwei Führern des Kwerba- und des Papasena-Stammes, die als Eigentümer des Landes gelten. «Sie waren so erstaunt wie wir darüber, wie isoliert es dort ist», sagte Beehler. «Soviel sie wissen, war keiner von ihren Clans jemals in diesem Gebiet gewesen.»
  Die Wissenschaftler registrierten 20 neue Froscharten, darunter ein winziger Engmaulfrosch mit einer Länge von weniger als 14 Millimetern, vier bislang unbekannte Schmetterlingsarten und mindestens fünf neue Arten von Palmen. Vor der offiziellen Anerkennung als neue Arten müssen die Ergebnisse der Expedition noch publiziert und von anderen Wissenschaftlern anerkannt werden - ein Prozess, der mitunter mehrere Jahre dauern kann.
  Ebenfalls neu entdeckt wurde ein zu den Honigfressern gehörender Vogel mit einem hellen orangefarbenen Lappen unter jedem Auge. Zu den besonders wertvollen Entdeckungen gehörte auch Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi pulcherrimus), der bislang als nahezu ausgestorben galt. Die Forscher machten die ersten bekannten Fotos eines Carola-Paradiesvogels (Parotia carolae berlepschi), der im 19. Jahrhundert von Jägern auf Neuguinea beschrieben wurde.
  Die Naturforscher entfernten sich im Dezember 2005 nur wenige Kilometer von ihrem Basislager. «Wir haben nur an der Oberfläche gekratzt», sagte Beehler. Der stellvertretender Leiter eines Artenschutzzentrums von Conservation International hofft, später in diesem Jahr in die Foja-Berge zurückkehren zu können.
  Einer der Gründe für die Isolierung des Regenwalds in den Foja-Bergen ist nach Angaben Beehlers die geringe Besiedlung von nur wenigen hundert Menschen in der Region. Außerdem gebe es am Fuß der Berge so viel Wild zum Jagen, dass niemand bislang eine Veranlassung gesehen habe, in das Innere des Dschungels vorzustoßen. Beehler hält das wertvolle Biotop für derzeit nicht gefährdet, da es noch nicht einmal eine Straße dorthin gebe. Allerdings kann sich dies nach seiner Einschätzung ändern, wenn die Nachfrage nach Tropenholz vor allem aus China und Japan weiter steigt.
  
  5.2.2006
  Sojaanbau im brasilianischen Bundesstaat Pará
  Innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren wurden im brasilianischen Bundesstaat Pará 80.000 Hektar Regenwald für den Anbau von Soja vernichtet. Die hier geernteten 4 Millionen Sack Soja haben einen Wert von etwa 300 Millionen Real, was dem dreifachen Budget der Hauptstadt Belém entspricht.
  Dabei handeln illegale Landräuber wie Eigentümer. Sie sperren Straßen und errichten Kontrollpunkte. Sie zerstören die Wälder und vertreiben die traditionellen Bewohner unter Gewaltanwendung. Nur einige wenige, organisierte Bewohner lehnen sich gegen die Verteibungen auf.
  Diejenigen, welche sich der Vertreibung widersetzen, werden von den Landräubern auf eine Todesliste gesetzt. Diesem Druck halten nicht viele Menschen stand, einige wurden bereits von Todeskommandos liquidiert.
  
  21.01.2006
  Malaria-Epidemie bei den Yanomani
  Der Indio-Stamm der Yanomami im Amazonas-Becken ist zunehmend von Malaria betroffen. Die Fieberkrankheit habe im vergangenen Jahr rund 1.400 der rund 15.000 Stammesmitglieder erfasst, teilte die brasilianische Menschenrechtsgruppe für die Rechte der Yanomami mit.
  2004 seien es lediglich 622 Fälle gewesen -weniger als die Hälfte. Zu früheren Zeiten sei die Zahl ständig gesunken bis auf 418 im Jahre 2003. Seitdem sei ein rasanter Anstieg zu verzeichnen.
  "Wir sind mit einer Malaria-Epidemie konfrontiert", warnte der Arzt Claudio Esteves. Hinzu komme, dass sich die Krankheit auf Gebiete ausgebreitet habe, in denen sie zuvor als bekämpft gegolten habe. Die Indio-Bevölkerung werde dadurch stark geschwächt, so dass viele nicht mehr für ihren Lebensunterhalt sorgen könnten.
  Der Regierung in Brasilia warf Esteves vor, den Ureinwohnern keine angemessene Gesundheitsversorgung zur Verfügung zu stellen. Die Yanomami führen noch heute in abgeschiedenen Gegenden ein Leben fast wie in der Steinzeit.
  
  6.01.2006
  Baumpflanzen kann Umwelt mehr schaden als nutzen
  (dpa) Das Pflanzen von Bäumen aus Klimaschutzgründen kann einer US-Studie zufolge der Umwelt mehr schaden als nutzen. Vor allem Kiefern und Eukalyptus-Bäume verbrauchen so viel Wasser, dass viele Flüsse in ihrer Nähe flacher werden oder gar austrocknen. Das berichten US-Forscher im Fachjournal «Science».
  Zudem mache der große Nährstoffhunger der aufgeforsteten Wälder den Boden in ihrer Umgebung sauer und salzig. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten diese Umweltbelastungen in vielen Regionen nicht damit aufgewogen werden, dass die neuen Bäume das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen.
  Das Team um Robert Jackson von der Duke University in Durham (North Carolina) hat für seine Studie mehr als 600 Beobachtungen zusammengefasst. Demnach verursachen neu angelegte Baumplantagen, dass die Wasserpegel der umliegenden Flüsse um durchschnittlich mehr als 50 Prozent absanken. Jeder zehnte Wasserlauf trocknete sogar für mindestens ein Jahr komplett aus. Für manche Länder könne dieser Wasserverlust negative Auswirkungen auf die Wasserversorgung haben, schreiben die Forscher. Die steigende Zahl der Bäume führe meist nicht - wie zum Beispiel in tropischen Regionen - zu einer Zunahme beim Niederschlag - dafür sei es vielerorts nicht warm genug.
  Diese neuen Erkenntnisse über den hohen Wasserverbrauch und der Vergiftung der Böden mache es leichter, die ökologischen Kosten der Aufforstung zu ermitteln und gegen den Nutzen aufzurechnen, schreiben die Forscher. In vielen Fällen zeige der Vergleich, dass das Pflanzen von Bäumen aus Klimaschutzgründen sich nicht rechne.
  
  7.12.2005
  Raubbau an Brasiliens Wald scheint sich zu verlangsamen
  Im brasilianischen Teil des Amazonas- Beckens ist 2004/2005 knapp ein Drittel weniger Wald zerstört worden als im Vorjahr. Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva feierte den Rückgang der Rodungen als Folge besserer staatlicher Überwachung.
  Rio de Janeiro · Mit 18 900 Quadratkilometern übertrifft die Waldfläche, die 2004/2005 den Motorsägen zum Opfer fiel, zwar immer noch die Fläche Sachsens, aber verglichen mit den vergangenen Jahren ist das schon ein beträchtlicher Erfolg. Denn 2003/2004 sind in Brasilien noch 27 200 Quadratkilometer Amazonas-Wald vernichtet worden.
  Die aktuelle Zahl ist die niedrigste seit 2000/2001, aber vor allem stellt sie zum ersten Mal seit neun Jahren eine deutliche Verringerung der jährlich zerstörten Fläche dar, die seit 1996/97 stetig gewachsen war. Brasilien überwacht die Entwaldung im Amazonas-Gebiet seit 1988 per Satellit. Seitdem ist die Waldfläche um 317 000 Quadratkilometer geschrumpft.
  Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva, die die neuen Zahlen noch verkündete, bevor sie zur Klimakonferenz nach Montreal flog, bewertete die Zahl als Erfolg der Regierung. Die Geldstrafen für Waldfrevel seien erhöht und die Patrouillen verstärkt worden. Außerdem wirke sich die Ausweisung von Schutzgebieten und Indianer-Reservaten positiv aus. Entlang der Straße in Zentralbrasilien, die die Soja-Anbaugebiete im Südwesten mit dem Amazonas-Hafen Santarém verbindet, sei der Staat präsenter und unterbinde die schlimmsten Rodungsexzesse.
  Die Überlandverbindung wird derzeit ausgebaut, um die Transportwege für Soja zu verkürzen. Es ist deutlich billiger, das Hauptexportprodukt Brasiliens auf einer neuen Straße nach Norden zu transportieren und in Santarém nach Europa und die USA zu verschiffen. Bisher wird Soja rund 2000 Kilometer nach Süden gefahren und dort verschifft. Verbesserte Straßenverbindungen erhöhen erfahrungsgemäß den Druck auf den Wald, weil sie Siedler, Farmer und Holzfirmen anziehen.
  Umweltschutzorganisationen lobten zwar, dass der Staat mehr Präsenz zeige als vorher. Aber sie wiesen auch darauf hin, dass brasilianisches Soja nicht mehr so konkurrenzfähig sei wie noch vor kurzem. Somit würde sich die zurzeit starke nationale Währung waldschützend auswirken.
  Während in manchen Gegenden die Rodungen deutlich zurückgegangen sind, kommen die Motorsägen in anderen Gebieten noch stärker als früher zum Einsatz. In Mato Grosso beispielsweise wurde im vergangenen Juni ein Korruptionssystem gesprengt, in das auch Beamte der Naturschutzbehörde verwickelt gewesen waren - prompt nahm noch im Juni die Abholzung in der Gegend um 92 Prozent ab.
  Dagegen verzeichnet São Félix de Xingu, wie schon im Vorjahr, die radikalste Entwaldung im Amazonas-Becken. Die Gegend ist ein prosperierendes Zentrum der Viehzucht und Fleischerzeugung - klassische Gründe für die Umwandlung von Urwald in Weidefläche.
  Wolfgang Kunath, Frankfurter Rundschau, 6.12.05
  
  21.11.2005
  SPD fordert Importstopp für tropisches Bauholz
  Die deutsche SPD hat sich für ein EU-weites Importverbot für tropisches Bauholz ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag wurde am vom Bundesparteitag in Karlsruhe beschlossen. Die Bundesregierung wird damit aufgefordert, "dafür Sorge zu tragen, dass der Import von Tropenhölzern aus möglicherweise illegalem Einschlag stärker kontrolliert wird und entsprechend unter Strafe gestellt wird".
  
  12.11.2005
  Deutsche Bank kooperiert mit Tropenwaldvernichtern in Indonesien
  Die Deutsche Bank macht Geschäfte auf Kosten des Regenwaldes in Indonesien. Das hat ROBIN WOOD aufgedeckt. Um dies öffentlich anzuprangern, sind AktivistInnen der Umweltorganisation heute Vormittag auf das Vordach der Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt am Main geklettert und haben dort ein Transparent entrollt. Aufschrift: "Deutsche Bank: Aktienkurs oben, Tropenwald platt!"
  Holz- und Zellstoffkonzerne in Indonesien haben in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich daran mitgewirkt, zwei Drittel der Waldfläche des Landes zu zerstören. Die Folgen sind dramatisch: Eine besonders artenreiche Tier- und Pflanzenwelt ging verloren. Gewässer wurden verschmutzt, Böden erodierten, klimaschädliche Gase gelangten in die Atmosphäre.
  Trotz des fortgeschrittenen Raubbaus will das an der Börse in Singapur notierte Unternehmen United Fiber System (UFS) seine Zellstoffproduktion in Indonesien weiter ausbauen. Zu diesem Zweck plant UFS, das Zellstoffwerk Kiani Kertas in Südkalimantan zu übernehmen sowie dort ein weiteres Zellstoffwerk und eine Hackschnitzelfabrik zu bauen. Die Deutsche Bank koordiniert die Transaktion und hat als "financial advisor" eine Schlüsselrolle bei dem Geschäft übernommen. Kalimantan, einst das waldreichste Gebiet Indonesiens, ist inzwischen soweit gerodet, dass die dortige Holzindustrie gezwungen ist, Holz zu importieren. Auch das Zellstoffwerk Kiani Kertas, das seit 1997 in Betrieb ist, musste wiederholt die Arbeit unterbrechen, weil nicht genügend Holz geliefert werden konnte.
  ROBIN WOOD hat gemeinsam mit den Organisationen Urgewald und Watch Indonesia! am 26.September 2005 die Deutsche Bank mit der Kritik an dem Projekt konfrontiert und um ein Gespräch gebeten. Doch bislang verweigert die Deutsche Bank jegliche Gespräche. Dabei hat sich das Geldinstitut nach eigenen Angaben der Nachhaltigkeit verschrieben und zählt zu den Unterzeichnern der UNEP- Erklärung (United Nations Environment Programme) zu Umwelt und nachhaltiger Entwicklung. Darin verpflichtet sich die Deutsche Bank, regionale, nationale und internationale Umweltauflagen zu erfüllen. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass in Indonesien bei der Vergabe von Konzessionen zur Umwandlung von Regenwald in Plantagen die Korruption regiert und Gesetze zum Schutz des Waldes missachtet werden.
  "Die Deutsche Bank macht sich mitschuldig am Raubbau im Regenwald und weigert sich, öffentlich darüber Rechenschaft abzulegen", sagt Jule Naundorf, die für ROBIN WOOD recherchiert hat. "Wir appellieren an Kunden und Aktionäre der Bank, ihrem Geldinstitut dafür die Quittung zu geben."
  ROBIN WOOD fordert von der Deutschen Bank, ihre Zusammenarbeit mit UFS als "financial advisor" nieder zu legen und keine Geschäfte mehr zu unterstützen, die zu Raubbau an den letzten Regenwäldern dieser Erde führen.
  
  1.10.2005
  Klima wird sich in den nächsten Jahren so schnell wie nie verändern
  Hamburg (AFP) - Das Klima auf der Erde wird sich nach neuen Modellrechnungen in den kommenden hundert Jahren so schnell wie noch nie ändern. Nach der am Donnerstag in Hamburg vorgestellten Prognose des Max-Planck-Instituts für Meteorologie könnte die globale Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zur vier Grad steigen. Der Meeresspiegel würde sich dadurch durchschnittlich um bis zu 30 Zentimeter erhöhen. Die Forscher rechnen zudem damit, dass sich im Zuge der Erwärmung auch in Europa extreme Wetterereignisse wie Hochwasser weiter häufen und verstärken werden.
  Im Sommer rechnen die Wissenschaftler unter bestimmten Bedingungen sogar mit dem vollständigen Abschmelzen des Meereises in der Arktis. Für Europa erwarten sie eine Zunmahme von trockeneren und wärmeren Sommern. Die Winter werden dagegen wärmer und feuchter. Die Modellrechnungen bestätigen zudem die Vermutung, dass der Mensch "einen großen und bislang nie da gewesenen Einfluss auf unser Klimageschehen hat und die globale Erwärmung fortschreitet".
  Das "wesentliche Ereignis der Zukunftsszenarien" sei die fortschreitende Erhöhung der Temperatur und die damit verbundene Verschiebung von Klimazonen, erklärte der Projektleiter der Modellrechnungen, Erich Roeckner. Die Forstwirtschaft werde so in fast allen Teilen der Erde andere als die bislang üblichen Baumarten bewirtschaften müssen. Die Ergebnisse der Hamburger Klimaforscher werden in den Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Kilmaänderungen einfließen, der alle fünf Jahre im Auftrag der Weltorganisation für Meteorologie und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen erstellt wird und den Regierungen als unabhängige Information zur Verfügung steht.
  (Anm. d. Red.: Ein ebenfalls unlängst vom Potsdamer MPI veröffentliches Modell sagt voraus, dass auch die Regenwälder am Amazonas vom weltweiten Klimawandel stark betroffen sein werden - danach könnten die dortigen Regenwälder vertrocknen(!) - mit weiteren dramatischen Konsequenzen für das Weltklima).
  
  19.9.2005
  Tag der Tropenwälder: Jürgen Trittin: Wenn wir Wälder schützen, schützen die Wälder uns
  Zum Tag der Tropenwälder am 14. September wies Bundesumweltminister Juergen Trittin auf die Bedeutung der Wälder für den Schutz des Klimas und den Schutz vor durch den Klimawandel verursachten Extremereignissen hin. Trittin: "Diese Generation wird Augenzeuge, wie weltweit die Wälder in einem atemberaubenden Tempo vernichtet werden. Allein in den Tropen werden jedes Jahr 15 Millionen Hektar Wald abgeholzt, eine Fläche halb so groß wie Italien. Dabei verursacht die Entwaldung 20 Prozent der globalen CO2-Emissionen." Die Waldbrände dieses Sommers in Indonesien vernichteten nicht nur Lebensräume für Tiere und Pflanzen und führten zu gesundheitlichen Schäden in der Region, sondern sie trugen auch zur Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei. Hinzu kommt, dass steigende Temperaturen die Gefahr von Waldbränden noch vergrössern. "Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen", so der Minister. Trittin hob hervor, dass bei Naturkatastrophen - seien sie durch den Klimawandel ausgelöst oder nicht - Wälder zur Abmilderung der Folgen dieser Katastrophen beitragen können. "Dort, wo an den Küsten der Tropen schützende Mangrovenwälder zerstört wurden, haben Ueberflutungen schlimmere Folgen als an Küsten mit intakten Mangrovenwäldern. Bei Überflutungen im Binnenland verhindern Wälder Bodenerosion durch Abschwemmungen. Auch deshalb müssen wir weiter auf allen Ebenen - in Deutschland, in der EU und weltweit - Waldschutzmassnahmen entschieden vorantreiben." Die Bundesregierung fördert in großem Massstab Waldschutzprojekte in Entwicklungsländern und setzt sich aktiv für international abgestimmte Waldschutzprogramme ein. Der Bundesumweltminister: "Wir werden auch die Arbeiten an einem deutschen Urwaldschutzgesetz weiter vorantreiben, mit dem Besitz und Vermarktung von illegal in Urwäldern eingeschlagenem Holz und daraus hergestellten Holzprodukten in Deutschland verboten wird."
  
  29.8.2005
  Rückgang der Waldzerstörung am Amazonas
  Gute Nachrichten für den Regenwald im Amazonasgebiet: Die Zerstörung hat sich in jüngster Zeit offenbar deutlich verlangsamt. Die brasilianische Regierung führt das auf verstärkte Überwachung, aber auch auf die gesunkene Preise für Soja zurück. Die Abholzung für neue Ackerflächen nehme daher ab.
  Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva sagte, Schätzungen zufolge seien in den letzten elf Monaten etwa 9 100 Quadratkilometer Wald zerstört worden. Im Vergleichszeitraum 2003/2004 war es mehr als doppelt so viel. Die Ministerin warnte jedoch davor, von einer Verringerung um 50 Prozent zu sprechen: Die Daten stammen von einem Satellitenüberwachungssystem, das die Zerstörungen in Echtzeit erfasst, um die Bekämpfung von großflächigen Waldfreveln zu verbessern. Die Schnelligkeit gehe jedoch zu Lasten der Präzision: Das System registriere nur Zerstörungen von über 65 Hektar.
  Die aktuellen Zahlen würden also lediglich einen Trend andeuten. "Sicher ist nur, dass sich die Zerstörung bedeutend verringert", sagte ein Beamter des Umweltministeriums. Wie viel Wald wirklich verschwunden ist, wird erst zum Jahresende genau zu sagen sein. Dann präsentiert die Regierung die Ergebnisse eines anderen Beobachtungssystems, das zwar langsamer, aber genauer arbeitet. 2003/2004 lagen die von diesem System ermittelten Zahlen deutlich höher als die des schnellen Satellitensystems, und zwar um rund ein Drittel.
  Die Umweltministerin führte den Rückgang auf verschärfte Überwachung sowie ein Schutzprogramm zurück, das die Regierung Anfang letzten Jahres einführte. Seit 2003 sind 8,5 Millionen Hektar als geschütztes Gebiet ausgewiesen worden, bis Ende 2006 sollen weitere 24 Millionen Hektar folgen.
  Die Umweltschutzorganisation WWF und Greenpeace begrüßten die Entwicklung und lobten die verstärkten Anstrengungen des Staates. Ein WWF-Sprecher sagte jedoch, es wäre "naiv und unverantwortlich", allein die staatliche Überwachung und Bekämpfung als Ursache zu nennen und den wirtschaftlichen Hintergrund zu übersehen. Die in jüngster Zeit eingebrochenen Soja-Preise habe die Abholzung zu Gunsten neuer Anbauflächen und damit den Druck auf den Wald verringert. Erfahrungsgemäß nehme die Abholzung aber zu, wenn die Preise wieder anziehen. Am stärksten ist die Waldvernichtung im Bundesstaat Parà gebremst worden, nämlich um 81 Prozent. Im Soja-Staat Mato Grosso ist ein Drittel weniger Wald eingeschlagen worden als im Vergleichszeitraum. (Quelle: Berliner Zeitung 29.8.2005).
  
  16.8.2005
  Waldrodung und Luftverschmutzung gefährden indischen Monsun
  Zunehmende Luftverschmutzung und Waldrodung in Südasien könnten zu einem Ausbleiben des indischen Monsuns führen. Dies zeigen Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer Studie, in der sie die Stabilität des indischen Monsuns untersuchten. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Geophysical Research Letters" erschienen.
  Die jährlich wiederkehrenden Monsunniederschläge bestimmen maßgeblich die Lebensumstände der indischen Bevölkerung. Mit einem schwachen Monsun gehen häufig Dürren einher; hierdurch können Ernten ausbleiben und Hungersnöte unter der ländlichen Bevölkerung entstehen, die zwei Drittel der Gesamtbevölkerung Indiens ausmacht. Monsunniederschläge, die stärker ausfallen als gewöhnlich, können ähnlich verheerende Folgen haben, wie die Jahrhundert-Regenfälle der letzten Wochen in Mumbai (Bombay) gezeigt haben.
  In der aktuellen PIK-Studie haben Wissenschaftler anhand eines einfachen Modells einen Mechanismus entdeckt, der zu einem Ausbleiben des indischen Sommermonsuns führen könnte: Durch die zunehmende Luftverschmutzung mit Schwebeteilchen (Aerosolen) über Indien - verursacht durch Brände und den Verbrauch fossiler Brennstoffe - sowie Waldrodungen, die regional zu einer helleren Landoberfläche führen, wird mehr Sonnenlicht reflektiert (Zunahme der "Albedo"). Hierdurch sinkt die Temperatur über der Landmasse, da weniger Sonnenlicht die Erde erreicht. Die Zufuhr feuchter Luftmassen vom Indischen Ozean, die den Monsunregen speisen, wird gestoppt und die Niederschläge nehmen dramatisch ab.
  Wie wahrscheinlich das Ausbleiben des Sommermonsuns tatsächlich ist, kann aus der Studie nicht geschlossen werden. Hierzu wären Analysen notwendig, die realistische Prognosen (so genannte "Szenarien") berücksichtigen - von der Entwicklung der Luftverschmutzung sowie der Veränderung der Landnutzung in Südasien. Auch ein weiterer Effekt müsste beachtet werden: die steigenden Konzentrationen von Treibhausgasen. Letztere haben einen entgegengerichteten Effekt auf den Sommermonsun: Mehr Treibhausgase in der Atmosphäre führen zu einer Temperaturzunahme über der Landmasse und dadurch zu stärkeren Niederschlägen. Welcher der beiden Effekte letzendlich dominieren wird, ist derzeit offen.
  Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) wurde 1992 gegründet und beschäftigt rund 110 Wissenschaftler. Seine Forschungen zu Klimawandel, Klimafolgen und nachhaltiger Entwicklung sind international anerkannt. Das PIK ist Mitglied der Leibniz- Gemeinschaft.
  Quelle/Text: Informationsdienst Wissenschaft
  
  13.8.2005
  Malaysia ruft den Notstand aus
  Kuala Lumpur/Jakarta (AFP) - Durch Brandrodungen auf der Insel Sumatra haben indonesische Bauern die Luft so stark verschmutzt, dass im benachbarten Malaysia in einigen Landesteilen der Notstand ausgerufen werden musste. Während die malaysische Regierung für Kuala Selangor und die Hafenstadt Port Klang den Notstand erklärte, zog auch durch die Straßen der Hauptstadt Kuala Lumpur ein gelblicher Nebel, der die Luftverschmutzung auf alarmierende Werte ansteigen ließ. Der malaysische Umweltminister Adenan Satem bot Indonesien Hilfe bei der Löschung der Brände an. Satellitenbilder zeigten 993 verschiedene Brandherde.
  In den Notstandsgebieten wurde das gewöhnliche Arbeitsleben unterbrochen, nur Lebensmittelläden durften öffnen. Im Gegensatz zur malaysischen Regierung, die Spannungen mit Indonesien zu vermeiden sucht, kündigte die Opposition für Freitag eine Demonstration vor der indonesischen Botschaft in Kuala Lumpur an. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief die Regierung in Jakarta auf, verstärkt gegen die Brandrodung einzuschreiten. Strafen für die Landwirte sind jedoch bislang nicht vorgesehen.
  "Im Interesse gut nachbarschaftlicher Beziehungen müssen wir uns zusammensetzen und verhandeln", sagte der malaysische Außenminister Syed Hamid Albar. Die indonesische Regierung erklärte, hunderte Feuerwehrleute seien im Einsatz. Eine Auswertung der Satellitenbilder ergab, dass mehr als 60 Prozent der Brände von Landwirten gelegt wurden, um Waldgebiete niederzubrennen und für den Ackerbau nutzbar zu machen. Wegen der schlechten Sichtverhältnisse musste einer der beiden Flughäfen von Kuala Lumpur geschlossen werden. Auch Hunderte von Schulen wurden vorsichtshalber geschlossen.
  
  8.8.2005
  Kohlenstoffkreislauf am Amazonas läuft viel schneller - Kohlendioxid bleibt nur etwa fünf Jahre gespeichert
  (pte) - Einem US-Forschungsteam ist es gelungen zu zeigen, dass der Kohlenstoffkreislauf im Amazonas wesentlich schneller vor sich geht als bisher angenommen. Der größte Teil des Kohlenstoffs, der als CO2 von den Flüssen abgegeben wird, stammt von Bäumen und Pflanzen und war dort nur etwa fünf Jahre gespeichert, berichtet die National Science Foundation NSF.
  Die Forscher waren nicht davon ausgegangen, dass die Kohlenstoffkreisläufe so schnell vor sich gehen. "Das wirft ein völlig neues Licht auf das globale Kohlenstoff Puzzle", meint James Morris, Direktor des NSF-Programms, das gemeinsam mit dem Center of Accelerator Mass Spectrometry am Lawrence Livermore National Laboratory, der NASA und der Research Support Foundation für den Staaat San Paulo in Brasilien durchgeführt wurde. "Bisher war man davon ausgegangen, dass Regionen wie das Amazonas Becken mit seiner Fläche von 3,8 Mio. Quadratkilometern, CO2 während der Photosynthese schluckt und Dekaden oder sogar Jahrhunderte speichert", so Studienleiter Emilio Mayorga von der University of Washington.
  Das bedeutet, dass die Annahmen dahingehend waren, dass das aufgenommene CO2 in einem langsamen Prozess wieder abgegeben wird. "Die bisher größte Radiocarbon-Studie an einem einzelnen Flusssystem hat ergeben, dass die enormen Mengen von CO2, die leise in die Atmosphäre abgegeben wird, viel jünger ist als der Kohlenstoff, der mit den Flüssen hinunterfließt", erklärt Anthony Aufdenkampe vom Stroud Water Research Center in Pennsylvania. Kohlenstoff entsteht beim Zerfall von organischem Material wie Blättern und Holz und wandert über Regen und Grundwasser ins Flusssystem. Mikroorganismen und Fische nehmen es auf und scheiden es als CO2 aus.
  "Da sich aber die Landnutzung und auch die Vegetation durch Menschenhand ändern, ändern sich auch die Parameter. Das System antwortet sehr schnell", führt Mayorga aus. "Menschen wie auch natürliche Systeme werden dadurch beeinträchtigt."
  
  18.7.2005
  Taiga filtert weniger Kohlendioxid als angenommen
  Die Pflanzen der sibirischen Taiga filtern nach Erkenntnissen von Klimaforschern weniger Treibhausgase aus der Luft als bisher angenommen. Die Wälder nähmen weniger als 20 Prozent des menschengemachten Kohlendioxid-Ausstoßes Russlands auf.
  Das sagte der Wissenschaftler Martin Heimann vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie am Donnerstag auf einer Tagung zu zwei internationalen Klimaforschungsprojekten in Jena. Das sei weniger als allgemein vermutet.
  Einige Wälder könnten die Konzentration von Kohlendioxid weniger reduzieren als allgemein erhofft, sagte der Potsdamer Wissenschaftler Wolfgang Lucht. Umso wichtiger sei eine drastische Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Forscher aus neun Ländern hatten in den vergangenen fünf Jahren klimatische Vorgänge in einem 3,2 Quadratkilometer großen Gebiet der sibirischen Taiga untersucht. Sie sammelten dafür Daten von Satelliten der europäischen, amerikanischen und japanischen Weltraumbehörden und von Bodenmessstationen vor Ort.
  Die Wissenschaftler betrachten die sibirische Taiga wegen der großen Fläche und der kalten Temperaturen als einen besonders geeigneten Indikator für den Klimawandel. In dem untersuchten Gebiet sei die durchschnittliche Oberflächentemperatur seit 1960 um drei Grad gestiegen. Die deshalb zeitiger einsetzende Tauperiode führt nicht nur zu einem vermehrten Pflanzenwachstum. Die Bodenerwärmung führe auch zu beschleunigten Zersetzungsprozessen im Boden, bei denen Kohlendioxid frei werde. Nach Ansicht der auf Fernerkundungen spezialisierten Forscherin Christiane Schmullius von der Universität Jena können diese Erkenntnisse möglicherweise auch auf andere Wälder der nördlichen Erdhalbkugel übertragbar sein, dafür seien aber Langzeitdaten nötig.
  Aus Sicht der Klimaforscher müsste der Ausstoß von Kohlendioxid in den nächsten 50 Jahren um bis zu 40 Prozent verringert werden. Nach dem Kyoto-Protokoll müssen die Industrieländer den Ausstoß ihrer Treibhausgase bis 2010 im Schnitt um 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Einige Länder dürfen sich einen Teil ihrer Wirtschaftswälder für ihr Klimaschutzziel anrechnen lassen. Ende November soll auf der Klimakonferenz in Montréal über eine weiter gehende Treibhausgasreduktion verhandelt werden.
  Quelle:dpa
  
  8.7.2005
  Verstärkte Waldzerstörung jetzt auch im Bundesstaat Amazonas
  Im brasilianischen Bundesstaat Amazonas, der bisher von Regenwaldzerstörungen weitgehend verschont blieb, wurde zwischen 2003 und 2004 ebenfalls eine starke Waldzerstörung festgestellt. Wie das brasilianische Institut für Weltraumforschung mitteilt, nahm die Waldzerstörung in 2004 am südlichen Rand Amazoniens, wo sich der "Sojagürtel" nach Norden frisst, um 16 Prozent im Vergleich zum Jahr 2003 zu. Das entspricht einer Zerstörung von 8223 Quadratkilometern im Vergleich zu 6926 im Jahre 2003.
  
  7.6.2005
  Schwerer Schlag gegen die Holzmafia in Amazonien
  Brasilien hat am Donnerstag zum größten Schlag seiner Geschichte gegen den illegalen Holzeinschlag ausgeholt. Die Bundespolizei nahm 89 Beamte und Holzfäller fest, darunter Mitarbeiter der Umweltbehörde IBAMA. Die Bande hatte 14 Jahre lang illegale Einschlagkonzessionen im Mato Grosso erteilt, genutzt oder zum eigenen Vorteil geduldet.
  Die Festgenommenen werden beschuldigt, für 1,9 Millionen Kubikmeter illegal geschlagenen Holzes verantwortlich zu sein - eine Menge, die 76.000 Lastwagen füllen würde. Aneinandergereiht würden diese LKWs die Route von Rio de Janeiro bis Brasilia abdecken.
  Im Laufe der Untersuchungen enttarnten Bundespolizei und IBAMA-Beamte 431 Briefkastenfirmen. 283 Forstpläne wurden vorläufig ausgesetzt, 36 weitere ersatzlos gestrichen und vorgetäuschte Transportgenehmigungen aus dem Verkehr gezogen.
  Der brasilianische Greenpeace-Experte Paulo Adário begrüßte das Vorgehen gegen die Holzmafia. Er betonte aber, dass Korruption und ungenehmigter Einschlag nicht nur im Mato Grosso an der Tagesordnung seien. "Die Bundespolizei und die IBAMA sollten ihre Untersuchungen auch auf die anderen Amazonas-Bundesstaaten ausweiten - auf Pará und Rondonia beispielsweise, wo Entwaldung und illegaler Einschlag grassieren."
  Adário wünscht sich, dass Polizei, Umweltbehörde und die brasilianische Behörde für Besiedlungspolitik und Landreform personell aufgestockt werden. "Die drei Institutionen müssen gestärkt und besonders geschult werden, um gegen illegalen Einschlag, Landraub und Menschenrechtsverstöße vorgehen zu können."
  
  19.5.2005
  Entwaldungsrate in Amazonien steigt um 6 Prozent im Zeitraum 2003-2004
  Laut dem brasilianischen Institut für Weltraumforschung (INPE), das Amazonien mit Satelliten überwacht, ist die Waldzerstörungsrate im brasilianischen Amazonasgebiet im Erhebungszeitraum 2003-2004 um 6 Prozent auf nunmehr 26130 Quadratkilometer (von offiziell 23750 km² im Jahr davor) angewachsen. Damit entspricht die jährliche Waldzerstörung etwa der Fläche des Bundeslandes Brandenburg und der Zerstörung einer Waldfläche von 8.600 Fußballfeldern pro Tag. Durch eine Umstellung bei der Datenerhebung ist jedoch davon auszugehen, dass diese Zahl in Wirklichkeit noch erheblich höher ausgefallen ist:
  Wurden bisher Regionen, welche auf den Satellitenbildern mit Wolken bedeckt waren entsprechend der im Umfeld bekannten Entwaldungsraten geschätzt, so ging man in der aktuellen Erhebung davon aus, dass die Wälder in den von Wolken bedeckten Regionen völlig intakt seien. Es wird angenommen, dass dadurch die wirklichen Entwaldungszahlen um 15-20 Prozent höher liegen als offiziell bekannt gegeben.
  In den vergangenen vier Jahrzehnten wurden dei Regenwälder am Amazonas auf einer Fläche von 680.000 Quadratkilometern zerstört. Das sind rund 18 Prozent der Gesamtfläche des brasilianischen Regenwaldes.
  Genaue Zahlen, verteilt auf die einzelnen brasilianischen Bundesstaaten können Sie den Tabellen im (allerdings potugiesischen Text) entnehmen und hier als .pdf-Datei herunterladen.
  
  18.4.2005
  Nach 30 Jahren: Umstrittenes Indianerreservat in Amazonien anerkannt
  Brasiliens Präsident Luíz Inacio Lula da Silva hat am Freitag Abend in Brasilia das Dekret zur Anerkennung des Indianergebietes Raposa/Serra do Sol unterzeichnet. Für die über 15.000 Indianer des 1,74 Millionen Hektar großen Gebietes, das im nördlichsten Teil Brasiliens an der Grenze zu Venezuela und Guayana liegt, endet damit ein über 30 Jahre dauernder Kampf um traditionelle Landrechte.
  Raposa/Serra do Sol ist eines der größten und das umstrittenste Indianergebiet Brasiliens. Die Gegner der Landrechtsvergabe wollten landwirtschaftlich nutzbare und rohstoffreiche Ländereien aus dem Indianergebiet ausgespart sehen. Die Militärs fürchteten, dass sie nach Anerkennung ihren Grenzsicherungsaufgaben nicht nachkommen könnten. Zahlreiche Indianer bezahlten den Kampf um das verfassungs- gemäß ihnen zustehende Land mit ihrem Leben. Mehrere Präsidenten schieden aus dem Amt, ohne diesen Konflikt durch ihre Unterschrift zu beenden. Selbst die Regierung Lula ließ sich durch immer neue Einsprüche und Klagen fast zweieinhalb Jahre aufhalten, bis der Oberste Bundesgerichtshof nun am Donnerstag den Weg für die Anerkennung freigemacht und alle Klagen gegen das Indianergebiet abgewiesen hat.
  Mit der Unterzeichnung der Homologationsurkunde durch Präsident Lula da Silva tritt das Dekret Nr. 534/05 in Kraft, welches am 15. April im offiziellen Mitteilungsblatt Brasiliens veröffentlicht wurde und das weitere Vorgehen regelt. Demnach werden nur eine Garnison und die Stadt Uiramutá an der Grenze zu Guayana sowie wichtige Straßen und Stromleitungstrassen zum Zwecke der Landesverteidigung und der Grundversorgung aus dem Gebiet ausgespart. Die Bewohner von drei Dörfern, 47 kleineren Farmen und 16 größeren Reisfarmen müssen innerhalb eines Jahres in andere Gebiete umgesiedelt und entsprechend entschädigt werden. Der Zugang ins Gebiet ist außer Beamten der Bundesregierung nur solchen Nicht-Indianern gestattet, die eine Sondergenehmigung haben und den Indianern keinen Schaden zufügen.
  
  13.4.2005
  Peru schützt ein großes Stück Amazoniens
  Am Donnerstag hat in Lima der World Wide Fund for Nature (WWF) den Präsidenten Perus, Alejandro Toledo, mit der Auszeichnung «Gift of the Earth» bedacht, in Anerkennung seines Verdienstes um die Schaffung eines großen Schutzgebietes am Oberlauf des Rio Purús in der südöstlichen Ecke des Amazonas-Tieflandes in Nachbarschaft zu Brasilien. Das Reservat hat mit 2,7 Millionen Hektar beinahe die Ausdehnung von Belgien und wird damit zu einem der weltweit größten Schutzgebiete für indigene Völker.
  Schutz der Ureinwohner
  Mit der Publikation im Amtsblatt «El Peruano» am 24. November des vergangenen Jahres hatte Peru seinen größten Nationalpark gesetzlich abgesichert, was bisher aber in der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen wurde. Der Akt besitze jedoch für die Umweltpolitik des Anden- und Amazonas-Staates eine wegleitende Funktion. Insbesondere werde das Vordringen der Erdöl- und Erdgasindustrie in das Kerngebiet des Nationalparks verhindert. Im nahe gelegenen Gebiet von Camisea fördert Peru bereits den größten Teil seiner Gasproduktion, die mittels einer gigantischen Pipeline quer über die Anden an den Pazifik transportiert wird. In den hauptsächlichen Erdölfördergebieten, an den Flüssen Tigre und Corrientes im Grenzgebiet zu Ecuador, ist der Umwelt und den Ureinwohnern grosser Schaden zugefügt worden.
  Das Besondere am Projekt Alto Purús ist die Rücksichtnahme auf die dort lebenden Ureinwohner. Im Gebiet leben etwas über 3000 Personen, die zu neun verschiedenen Völkern gehören. Unter ihnen befinden sich schätzungsweise 200 Mitglieder der Mashco-Piro, die sich den ausgestreckten Fängen der «Zivilisation» verschließen und die selbstgewählte Isolation vorziehen. Mitglieder einer Interessenvertretung von Indigenen haben quasi als ungefragte Beistände mit der Regierung die Verankerung eines geschützten Territoriums für die Mashco-Piro ausgehandelt. Laut Gesetz können nämlich in Nationalparks keine Landtitel vergeben werden, doch für die Mashco-Piro bedeutet die Verbriefung des speziellen Territoriums innerhalb des Parks eine Absicherung und gar eine Vergrösserung ihres bisherigen Lebensraumes.
  Nur noch nachhaltige Nutzung
  Laut Suito ist für die Angehörigen der anderen acht Völker angrenzend an den Nationalpark ein kommunales Reservat geschaffen worden, dessen Nutzung nur ihnen offen steht, wofür sie aber trotzdem einen Plan vorlegen müssen. Sie können Ökotouristen herumführen, jagen und sammeln sowie eine angepasste Landwirtschaft betreiben, wovon die Brandrodung ausdrücklich ausgenommen ist.
  Das Reservat Alto Purús beherbergt seltene Tierarten wie Jaguare, Harpyie-Habichte, Riesen-Flussotter und Spinnenaffen. Das Reservatsgebiet ist reich an seltenen Pflanzen, darunter vor allem die von Holzfällern begehrten grossblättrigen Mahagoni-Bäume. In der Region des Alto Purús sollen auch die Grundlagen für die nachhaltige Nutzung der peruanischen Tropenwälder verfeinert und durchgesetzt werden.
  Quelle: NZZ
  
  21.3.2005
  Trittin will Vermarktung von illegal geschlagenem Holz verbieten
  Angesichts des Ausmaßes des illegalen Holzeinschlags und der dramatischen Konsequenzen für die biologische Vielfalt hat Bundesumweltminister Jürgen Tr ittin dringend Maßnahmen zum Schutz der Urwälder angemahnt. Trittin: "Maßnahmen gegen den illegalen Holzeinschlag können nicht länger warten, sondern müssen jetzt ergriffen werden. Wir haben deshalb ein Urwaldschutzgesetz erarbeitet, das die Vermarktung von Holz und Holzprodukten verbietet, wenn das Holz in Urwäldern illegal eingeschlagen wurde", erklärte Trittin aus Anlass des morgigen Tag des Waldes.
  Obwohl die Bedrohungen für die Wälder und ihre biologische Vielfalt allgemein bekannt sind und eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit genießen, setzt sich der Waldverlust nahezu ungebremst fort. Eine wesentliche Ursache ist der illegale Holzeinschlag. Zum Ausmaß des illegalen Einschlags gibt es naturgemäß nur Schätzungen. Danach beträgt der illegale Holzeinschlag in den drei für Deutschland wichtigsten Importländern Brasilien 80 Prozent, für Indonesien 73 Prozent und Russland 20-30 Prozent.
  Mit dem Gesetzentwurf kommt Bundesumweltminister Trittin entsprechenden Forderungen der Koalitionsfraktionen und auch der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag nach. Ende April soll der Entwurf mit Umwelt- und Wirtschaftsverbänden und mit den Ländern erörtert werden.
  Jürgen Trittin: "Natürlich reicht es nicht, nur den illegalen Einschlag in Urwäldern zu stoppen. Wir müssen weltweit zu einem Umgang mit den Wäldern kommen, dass dieses Naturerbe für kommende Generationen bewahrt wird." In diesem Zusammenhang hob Trittin die Bedeutung des Übereinkommens zur biologischen Vielfalt (CBD) hervor.
  Hinweis: Weitere Informationen zum Thema biologische Vielfalt sind im Internet unter www.bmu.de (Themen Natur und Arten) abrufbar.
  
  22.2.2005
  Reaktion auf Gewalt und Regenwaldzerstörung
  Brasiliens Präsident Lula da Silva hat per Dekret mehr als fünf Millionen Hektar Regenwald im Amazonas zu neuen Naturschutzgebieten erklärt, eine Fläche größer als die Niederlande. Damit reagierte er auf die jüngste Gewaltwelle und die illegale Abholzung. In der von Gewalt erschütterten Ortschaft Anapu im Bundesstaat Pará war vor einer Woche die Nonne Dorothy Stang erschossen worden. Wenige Tage später wurden ein Kleinbauer und ein Landgewerkschaftler in Pará ermordet. Die Polizei vermutet illegale Landschieber und Großgrundbesitzer hinter den Gewalttaten.
  
  16.2.2005
  Brasilien will gegen illegale Rodungen vorgehen
  Brasiliens Regierung hat mit unerwarteter Schärfe auf den Mord an der aus den USA stammenden Nonne und Umweltschützerin Dorothy Stang im Amazonas reagiert. So sollen Flugzeuge der brasilianischen Armee massive Aktionen der Umweltbehörde Ibama und der Bundespolizei gegen illegale Landnahmen und Rodungen unterstützen, teilte Umweltministerin Marina Silva mit. Silva und neun weitere Minister aus dem Kabinett von Präsident Luis Inacio Lula da Silva trafen sich am Dienstag zu einer Krisensitzung, um das weitere Vorgehen in dem Mordfall und gegen die ausufernde Gewalt in der Amazonas-Region zu beschließen. Die 74 Jahre alte Nonne war am Samstag von mutmaßlichen Auftragskillern nahe Anapu, einer Amazonasgemeinde etwa 2000 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro, erschossen worden. Seit den siebziger Jahren hatte sie sich vehement gegen die fortschreitende Abholzung des Regenwaldes und für landlose Bauern in der Amazonas-Region eingesetzt. Tausende Menschen kamen zur Totenwache für Stang. Am Dienstagnachmittag wurde sie in Anapu beigesetzt.
  Brasiliens Generalstaatsanwalt Claudio Fonteles warf der Regierung des Bundesstaats Para unterdessen Nachlässigkeit vor. Stang hatte die Behörden bereits vor einem Jahr auf Todesdrohungen gegen Landarbeiter in Anapu hingewiesen. "Wir können keine weiteren Märtyrer in Amazönien hinnehmen", empörte sich auch Paulo Adario, der Leiter von Greenpeace im Amazonas, der selbst wiederholt Morddrohungen erhielt.
  Quelle: SZ vom 16.2.2005
  
  09.02.2005
  Zentralafrika auf dem Holzweg
  Die Staaten des zentralafrikanischen Kongobeckens wollen ihre Regenwälder mit den Erlösen aus dem Tropenholzexport schützen. Umweltschützer wundern sich.
  Von DOMINIC JOHNSON: Die Urwälder Zentralafrikas sollen zukünftig mit den Einnahmen aus dem Tropenholzexport geschützt werden. Auf diese paradoxe Konstruktion einigte sich am Samstag der Regenwaldgipfel in Kongo-Brazzaville, auf dem die Anrainerstaaten des Kongo-Flussbeckens zusammen mit Vertretern der reichen Industrienationen über den Schutz des nach dem Amazonasbecken zweitgrößten tropischen Regenwaldgebiets der Erde diskutiert hatten. "Der Gipfel hat das Prinzip eines Finanzmechanismus beschlossen, wonach Steuern auf die Erlöse des Exports von Wald- und Tierprodukten die Finanzierung des Konvergenzplans garantieren sollen", heißt es in der am Samstag verabschiedeten Abschlusserklärung des Gipfels. Der "Konvergenzplan" mit einem Umfang von 1,3 Milliarden Dollar beinhaltet ein Zehnjahreskonzept zum langfristigen Erhalt der afrikanischen Regenwälder.
  Zuvor hatte Kongo-Brazzavilles Präsident Denis Sassou-Nguesso, Gastgeber des Gipfels, einen "gerechten Weg zwischen der notwendigen Erhaltung der Umwelt und den Überlebensnotwendigkeiten der Anwohner der zu schützenden Wälder" gefordert. Kongo-Brazzaville will mit einem länderübergreifenden Zertifikatssystem dafür sorgen, dass die Länder Zentralafrikas Tropenhölzer exportieren können, ohne dafür der Umweltzerstörung beschuldigt zu werden. Die Zertifikate sollen garantieren, dass nur solche Hölzer auf den Weltmarkt gelangen, für deren Einschlag es eine Regierungsgenehmigung gibt.
  Weiterhin sagte die EU auf dem Gipfel 40 Millionen Euro zur Finanzierung der "Kongobecken-Initiative" zu, ein bereits vor mehreren Jahren beschlossenes 300-Millionen-Dollar-Programm zum Schutz der zentralafrikanischen Regenwälder, für das bisher nur Zusagen aus den USA in Höhe von 53 Millionen Dollar vorlagen; von diesen waren bisher auch nur 20 Millionen ausgezahlt.
  Umweltschützer reagierten gespalten auf den Gipfelbeschluss. "Zentralafrika ist ein Vorbild für die gesamte Welt, wie grenzüberschreitende Umweltprobleme zu lösen sind", lobte Claude Martin, Direktor des World Wildlife Fund (WWF). Die britische "Rainforest Foundation" sowie "Greenpeace" kritisierten die Beschlüsse hingegen als Freibrief zum Abholzen. Die Korruption in der Rohstoffwirtschaft der Länder des Kongobeckens sei gigantisch, hieß es. "Schlechte Regierungsführung und mangelnde Transparenz müssen prioritär angegangen werden", forderte Jean-Luc Roux von Greenpeace. Außerdem müssten die Volkswirtschaften der Region ihre Abhängigkeit vom Holzexport eigentlich verringern und nicht erhöhen.
  
  22.01.2005
  Gen-Soja und die Zerstörung der Regenwälder
  Lesen Sie einen Interessanten Beitrag von Elmar Getto über das Zusammenwirken von Soja-anbau, Politik und Regenwaldzerstörung. Der Bericht liegt hier als .pdf-Dokument zum herunterladen bereit.
  
  17.01.2005
  Ungebremste Regenwaldzerstörung
  Bundestag: Tropenwaldzerstörung bisher nur in Ansätzen vermindert
  Trotz internationaler Anstrengung auf vielen Ebenen ist es bisher nur in Ansätzen gelungen, die (Tropen-)Waldzerstörung zu bremsen. Das stellt die Bundesregierung in ihrem "Fortschrittsbericht zur deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit im Waldsektor" (15/4600) fest. Viele Erfolge seien durch Bevölkerungswachstum und den damit steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Boden und Süßwasser wieder ausgeglichen worden. Naturkatastrophen nähmen zu, ebenso wie Kriege und Krisen.
  In vielen Tropenländern sei Holz immer noch einer der wichtigsten Devisenbringer. Weiter stellt die Regierung fest, dass die Unterstützung der Formulierung und Umsetzung nationaler Waldprogramme umso erfolgreicher sei, je ernsthafter die Regierung des Partnerlandes ihre Verpflichtungen zur Umsetzung der vereinbarten Aktionsfelder des Nationalen Waldprogrammprozesses wahrnehme.
  Gleiches gelte, je gezielter die Strategien formuliert würden und wenn eine langfristige Zusage zur Unterstützung seitens der Gebergemeinschaft vorliege. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Interessen im Waldbereich könne das Konfliktrisiko bei Waldvorhaben und damit der Bedarf an Konfliktlösung und Mediation phasenweise sehr hoch sein.
  Die Regierung führt weiter aus, dass in vielen Ländern der Nutzen nachhaltiger Waldbewirtschaftung erkannt worden sei. Da diese aber sehr stark durch Rahmenbedingungen außerhalb des Sektors beeinflusst werde, gingen die Umsteuerungsprozesse nur sehr langsam vonstatten. Hierbei gelte es, die Partnerinstitutionen darin zu unterstützen, die Belange des Waldes auch in anderen Ressorts zu vertreten, Minimalstandards festzustellen und sie in übersektorale Entwicklungsprogramme einzubringen.
  Die vielschichtigen Aufgaben beim Waldschutz seien nicht isoliert zu bewältigen. Dies koste angesichts der komplexen internationalen Regelwerke Zeit, Geld und Personal und binde so erhebliche Mittel. Viele Probleme reichten über die nationale politische Kraft hinaus. Zu diesem Zweck hätten immer mehr Staatengruppen und Regionen begonnen, regionale Initiativen ins Leben zu rufen und Strategien zur Waldwirtschaft zu entwickeln. Die zukünftige Herausforderung des internationalen Walddialogs, so die Regierung weiter, bestehe nun darin, eine Einigung darüber herbeizuführen, mit welchen Instrumenten und Prozessen die Prinzipien nachhaltiger Waldwirtschaft stärker und wirkungsvoller als bisher umgesetzt werden können.
  Die Staaten müssten entscheiden, ob sie dazu ein eigenes rechtsverbindliches Regelwerk für den Wald verabschieden möchten oder ob die bereits bestehenden Regelwerke ausreichen. Daneben seien nationale Waldprogramme ein noch viel zu wenig genutztes Instrument der Politikgestaltung.
  Deutschland werde sich weiterhin dafür einsetzen, nationale Waldprogramme zu fördern und die Partnerländer darin zu unterstützen, Wald zum Thema von Politik zu machen.
  Quelle/Text: Deutscher Bundestag
  
  10.01.2005
  Fordern Sie ökologische Hermes-Kriterien!
  Mit Hermes-Krediten sichert die Bundesregierung Exportgeschäfte deutscher Firmen im Ausland ab. Häufig wurden in der Vergangenheit Projekte gestützt, die katastrophale Auswirkungen für die Umwelt und die lokale Bevölkerung hatten. Schlimmstes Beispiel sind die Hermes-Bürgschaften für die indonesische Papierindustrie. In den neunziger Jahre gewährte die Bundesregierung Hermes-Deckungen in Höhe von über 350 Millionen Euro für den Ausbau der indonesischen Produktionskapazitäten. Zellstoff- und Papiergiganten wie APRIL haben seitdem den Raubbau an der Natur in Indonesien beträchtlich voran getrieben. Da ihnen eine nachhaltige Holzversorgung fehlt, bedienen sie sich in den heimischen Regenwäldern. Das hat fatale Folgen: Allein auf der Insel Sumatra wurden für die Papier- und Zellstoffproduktion schon über 830.000 Hektar Regenwälder vielfach illegal vernichtet - mit Hilfe deutscher Steuergelder.
  In der rot-grünen Koalition ist jetzt ein Streit darüber entbrannt, ob die Hermes-Richtlinien sich künftig stärker am Umweltschutz orientieren sollen. Die Grünen wollen die Leitlinien schärfer formulieren, Minister Clement und SPD-Abgeordnete wollen das verhindern. Entschieden wird voraussichtlich Mitte Januar.
  Unsere Kollegen von "Rettet den Regenwald" haben dazu einen Musterbrief entworfen, welchen wir Sie bitten zu unterstützen. Bitte fordern Sie die SPD-Abgeordneten aus den drei Ausschüssen für Wirtschaft, Entwicklungshilfe und für Auswärtiges mit dem Musterbrief auf, sich für ökologische und soziale Hermes-Richtlinien stark zu machen.
  Den Musterbrief finden Sie hier.
  Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
  
  10.12.2004
  Brandrodungen verschlimmern Treibhauseffekt
  Die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes durch Brandrodungen ist hauptverantwortlich für die schädlichen Gasemissionen des südamerikanischen Landes, die den so genannten Treibhauseffekt verursachen.
  Das geht aus einer Regierungsstudie aus den Jahren 1990 bis 1994 hervor, die in Brasilien erstmals veröffentlicht wurde. Sie sollte auch bei der UNO-Klimakonferenz in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires vorgestellt werden.
  Nach der in Brasilia veröffentlichten Studie war das grösste Land Lateinamerikas zwischen 1990 und 1994 für drei Prozent aller weltweiten Treibhaus-Gasemissionen verantwortlich.
  Als überraschend werteten Experten die Tatsache, dass die Brandrodungen zur Vorbereitung von Anbauflächen im Urwald 1994 für drei Viertel aller Treibhausgasemissionen in Brasilien sorgten. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe hatte nur einen Anteil von 23 Prozent.
  Der brasilianische Ausstoss von Kohlendioxid (CO2), jenes Gases, das für den Treibhauseffekt und die globale Temperaturerhöhung hauptverantwortlich ist, erhöhte sich laut der Studie allein zwischen 1990 und 1994 um fünf Prozent auf 1,03 Milliarden Tonnen.
  Brasiliens Umweltministerin Marina Silva versicherte, die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva tue alles, um die Zerstörung des Regenwaldes zu bremsen. Dazu müssten vor allem die illegalen Aktivitäten bekämpft werden, sagte sie.
  
  03.12.2004
  Nie wurde in Amazonien mehr Regenwald zerstört als im vergangenen Jahr
  Brasiliens Regierung hat diese Woche aktuelle Zahlen zur Urwaldabholzung im Amazonas veröffentlicht. Demnach sind 2004 zwischen 23.000 und 33.000 Quadratkilometer Regenwald unwiederbringlich zerstört worden. Tatsächlich könnten die Zahlen noch höher liegen. Die brasilianische Presse berichtet über eine zerstörte Fläche, die so groß wie Belgien ist. Damit wäre ein neuer Rekord in Brasiliens Geschichte der Waldzerstörung erreicht. "Die Abholzungsstatistiken dieses Jahres liegen wahrscheinlich höher als die Regierung zugeben möchte. Es sind alarmierende Zahlen aber sie spiegeln nicht wider, wie grässlich die Situation wirklich ist. Das Vorhaben der brasilianischen Regierung, die Abholzung des Regenwaldes zu stoppen, ist fehlgeschlagen", sagt Paulo Adario, Amazonas-Experte von Greenpeace. Einer der Gründe für die Zerstörung ist der Straßenbau der B-163. Umweltschützer warnen davor, dass Straßen, Staudämme und Pipelines zu einer rasanten Urwalderschließung und Waldbesiedlung führen und somit profitgierigen Industriekonzernen den Weg ebnen. Sie stellen die größte Gefahr für den einzigartigen Regenwald dar, der 30 Prozent der weltweiten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet.
  
  16.11.2004
  Programm zur Bewahrung des Atlantischen Regenwaldes
  Das Staatssekretariat für Biodiversität und Wälder des brasilianischen Umweltministerium will noch im Jahre 2004 die Weichen für ein Programm zur Bewahrung des Atlantischen Regenwaldes Brasiliens stellen. Diese Initiative wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ausdrücklich begrüßt und untertützt. Damit soll dem Atlantischen Regenwald Brasiliens, als einem der bedrohtesten Naturräume der Welt und der zu einem der "Hotspots" der internationalen Strategie zum Biodiversitätserhalt erklärt wurde, mehr Gewicht als bisher beigemessen werden.
  In einem ersten Seminar, das für Ende November angesetzt wurde, sollen Spezialisten der brasilianischen Bundesregierung, der betroffenen Bundesstaaten, der schon bestehenden EZ-Vorhaben sowie von NROs eine Bestandaufnahme machen, was zur Zeit an Projekten und Programmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung des Atlantischen Regenwaldes läuft und wie diese Anstrengungen gebündelt und in einem Programm zusammengefaßt werden können, das klare Leitlinien für eine Politik der nachhaltigen Entwicklung vorsieht.
  Eine wichtige Rolle werden bei dieser Diskussion die sogenannten bilateralen Projekte spielen, wobei es sich in der Hauptsache um Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit den brasilianischen Bundesstaaten des Südens und Südostens handelt, die erstmalig in ihrer Gesamtheit vorgestellt und zur Diskussion gestellt werden. Hierin liegt die Chance, den Projekten, von denen jedes unter spezifischen Vorgaben und in verschiedenen Epochen mit den einzelenen Bundesstaaten verhandelt worden sind, einen übergordneten Programmcharakter zu verleihen und die Synergieeffekte und den Austausch zwischen den einzelnen Projekten zu fördern.
  Als Ergebnis dieses ersten Gedankenaustausches in Form eines zweitägigen Seminars wird die Erstellung eines Arbeitsplanes erwartet, der das weitere Vorgehen im Hinblick auf die Ausgestaltung des "Programms Atlantischer Regenwald" und die Stärkung dieses Naturraums innerhalb der brasilianischen Umwelt- und Entwicklungspolitik orientieren soll.
  Von Armin Deitenbach, Tropenwaldnetzwerk
  
  01.11.2004
  Regenwald-Institut mit neuer Geschäftsführung
  Der Vorstand des Regenwald-Instituts hat mit Wirkung zum 1. November 2004 die Diplom-Biologin Dr. Susann Reiner als neue Geschäftsführerin bestellt. Frau Dr. Reiner löst damit Herrn Dr. Putz ab, welcher während der ersten sieben Jahre seit Bestehen des Institutes als geschäftsführender Vorstand tätig war. Er bleibt dem Institut als Vorstand weiterhin verbunden und stellt seine volle Arbeitskraft nun dem Regenwaldladen zur Verfügung. Wir heissen Frau Dr. Reiner herzlich willkommen und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.
  
  28.10.2004
  Politiker im Regenwald
  Die Münchner Stadträtin Sabine Krieger reist mit dem Klima-Bündnis ins Amazonasgebiet
  Seit Samstag sorgt RTL mit einer Neuauflage seiner umstrittenen Dschungel-Show wieder für hohe Einschaltquoten. Ein weltweit bedrohtes Ökosystem dient als Kulisse für einen fragwürdigen Medien-Zirkus. Gleichzeitig fallen andernorts große Regenwaldgebiete und mit ihnen die dort lebenden indigenen Völker den Interessen von Erdölfirmen zum Opfer - und das ganz im Stillen, ohne viel Aufmerksamkeit. Sabine Krieger, Stadträtin für Bündnis 90/Die Grünen in München, will sich nun selbst ein Bild von den Folgen unseres industriellen "Energiehungers" machen. Am Samstag packt sie ihre Koffer und besucht zusammen mit österreichischen Politikern, Journalisten und Mitarbeitern des Klima- Bündnis e.V. ein schwer zugängliches Regenwaldgebiet in Peru.
  Erdölfirmen dringen tief in abgelegene Regenwaldgebiete vor, Waldflächen werden abgeholzt, Menschen müssen Baggern weichen und Pipeline-Lecks vergiften immer wieder Flüsse und Grundwasser. Auch die Bundesrepublik hat durch die Einfuhr von Erdöl und Erdgas sowie die Beteiligung deutscher Firmen und Banken an Pipeline-Projekten Einfluss auf diese Situation. Das Klima-Bündnis, ein europäisches Städtenetzwerk zum Klimaschutz, will politischen Entscheidungsträgern nun die Möglichkeit geben, sich persönlich von den ökologischen und sozialen Folgen der Erdölförderung zu überzeugen.
  "Die Reise bietet eine einmalige Chance, die Münchner Bevölkerung darüber zu informieren und sie zu sensibilisieren, dass unser Energieverbrauch nicht nur die Umwelt vor Ort schädigt, sondern auch weitreichende Folgen für das Leben der Menschen und die Natur in den Erdölfördergebieten hat", begründet Sabine Krieger, Städträtin in München für Bündnis 90/Die Grünen, ihre Teilnahme. München treibe den Klimaschutz seit Jahren voran, nicht nur mit Aktivitäten vor Ort, so Krieger.
  Seit elf Jahren ist München Mitglied im Klima-Bündnis, dem deutschlandweit fast 400 Städte und Gemeinden angehören, darunter auch Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Bremen und Stuttgart. Stellvertretender Vorsitzender des Klima-Bündnis ist der Münchner Umweltreferent Joachim Lorenz. Schon seit längerem unterstützt München Projekte mit den Asháninka-Indianern in Peru. Erst vor wenigen Wochen folgte einer ihrer Vertreter, Guillermo Ñaco Rosas, einer Einladung der Stadt und besuchte Schulen in bayerischen Klima-Bündnis-Kommunen. Nun soll diese Verbindung auch in die andere Richtung genutzt werden.
  Die zweiwöchige Reise führt am Samstag zunächst über die peruanische Hauptstadt Lima nach Iquitos, einer Stadt im nördlichen Amazonasbecken. Nach letzten Vorbereitungen geht es dann per Boot weiter auf dem Río Corrientes in ein schwer zugängliches Regenwaldgebiet. Buchstäblich "mit im Boot" sitzen dabei auch Bürgermeister österreichischer Kommunen und Journalisten. Neben dem Besuch indigener Dorfgemeinschaften ist die Besichtigung von Ölfeldern und Umweltschäden in der Region rund um Trompeteros, dem Stützpunkt der argentinischen Erdölfirma Pluspetrol, geplant.
  
  10.10.2004
  Friedensnobelpreis für Wangari Maathai
  Der Friedensnobelpreis 2004 geht an die Kenianerin Wangari Maathai. Die Umweltaktivistin und Menschenrechtlerin gehört seit vielen Jahren zu den prominentesten Frauen Afrikas. 1977 gründete sie die Umweltbewegung "Grüner Gürtel" (Green Belt Movement) - ein Projekt gegen den Kahlschlag. Mittlerweile wurden im Rahmen dieses Projektes weit über Kenia hinaus rund 30 Millionen Bäume gepflanzt.
  In einem Interview mit dem Greenpeace Magazin Ende 2002 begründete die heute 64-Jährige ihre Initiative: "Bäume verhindern Erosion, erhalten die Artenvielfalt, garantieren Schatten, sind notwendig als Trinkwasserspeicher, liefern Brennholz und schaffen Einkommensquellen. In armen Ländern sind Wälder noch bedeutender als in reichen. Wir in Afrika sind auf sie angewiesen, ohne Wälder können wir nicht existieren."
  Die promovierte Biologin legte sich mit dem kenianischen Regime unter Daniel arap Moi an, prangerte Korruption an, setzte sich für Demokratie und Bürgerrechte ein. Während sie im eigenen Land geschmäht, verfolgt und mehrmals inhaftiert wurde, genoss sie im Ausland hohes Ansehen. 1984 wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
  Die Wende in ihrem Leben kam mit dem Regierungswechsel im Dezember 2002. Maathai wurde ins Parlament gewählt und zur stellvertretenden Umweltministerin ernannt. Im April 2004 nahm sie den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung entgegen. Wangari Maathai ist die erste Afrikanerin, deren Engagement mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird.
  
  02.10.2004
  Trittin kündigt Gesetz zum Urwaldschutz an
  Berlin (ddp). Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat am Donnerstag ein Gesetz zum Urwaldschutz angekündigt. Es soll die Vermarktung und den Besitz von illegal geschlagenem Holz und daraus gefertigten Produkten verbieten. Das Naturerbe Urwald dürfe nicht verspielt werden. «Raubbau und illegaler Holzeinschlag müssen beendet werden», sagte Trittin im Bundestag in Berlin.
  Zu den Kernpunkten des neuen Gesetzes gehört ein Recht der Abnehmern auf Informationen zur Herkunft des Holzes. Holz, das illegal in Urwäldern geschlagen wurde, und Produkte, die aus solchem Holz hergestellt wurden, sollen beschlagnahmt werden können.
  Trittin verwies darauf, dass Urwälder nicht nur Naturräume, sondern auch Lebensräume für Völker seien, die seit Jahrhunderten ein Miteinander von Mensch und Natur praktizierten. Er begrüßte, dass die EU-Kommission im Juli dieses Jahres Vorschläge für eine Verordnung vorgelegt hat, die auf ein Importverbot von illegal geschlagenem Holz abzielt. Am wirksamsten seien Bemühungen zum Urwaldschutz, wenn Maßnahmen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene zusammenwirkten, sagte Trittin.
  
  25.09.2004
  Wir essen Amazonien auf
  Konrad Adenauer Stiftung - Focus Brasilien Nr. 11, September 2004:
  Die Vernichtung des tropischen Regenwaldes schreitet in Brasilien auch unter der Regierung Lula ungebremst voran. Der weiterhin ungezügelte Appetit der Konsumenten in Südamerika, Europa und den Vereinigten Staaten auf billiges Fleisch aus Brasilien ist letztlich für die Zerstörung des tropischen Regenwaldes verantwortlich.
  Den gesamten Bericht lesen Sie unter: http://www.adenauer.com.br/focusbrasilien/11_2004.zip (gepackte PDF-Datei, 6 Seiten A4, 450 kb)
  
  10.09.2004
  Artentod löst Kettenreaktion aus
  Washington (dpa) - Das Aussterben von Tieren und Pflanzen setzt eine Kettenreaktion in Gang und ist damit weitaus dramatischer als bisherige Prognosen vermuten lassen.
  So kann das Verschwinden einer einzigen Tierart wie der südamerikanischen Wanderameise Eciton burchelli bis zu 100 Vogel-, Käfer- und Milbenarten ihrer Existenzgrundlage berauben und viele von ihnen verschwinden lassen.
  Diese Berechnungen stellt ein internationales Forscherteam im US- amerikanischen Wissenschaftsmagazin «Science» (Bd. 305, S. 1632) vom Freitag vor.
  Die Wissenschaftler warnen, dass die bisherigen Zahlen bedrohter Arten nicht das Gesamtbild reflektieren. Nach ihren Kalkulationen muss die Welt zusätzlich mit dem Verschwinden von 6300 «abhängigen» Arten rechnen. Im Jahr 2003 hatte die Weltnaturschutzunion (IUCN) 12 259 Arten als gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht aufgelistet.
  Insbesondere in komplexen Lebensräumen wie dem tropischen Regenwald seien viele Tierarten voneinander abhängig, schreibt die Gruppe um den Biologen Lian Pin Koh von der Universität Singapur. Sterbe eine «Schlüsselart» aus, ziehe sie oft viele abhängige Arten nach sich. Derartige Abhängigkeiten bestehen beispielsweise zwischen Beute- und Raubtier, Wirt und Parasit oder Pflanzen und auf sie spezialisierte Pflanzenfresser.
  Die Kettenreaktion nach einem Artentods hat laut «Science» bisher wenig Beachtung gefunden. So habe es lange gedauert, bis der Verlust tropischer Schmetterlinge in Singapur mit dem Aussterben jener Pflanze in Verbindung gebracht wurde, von der sich die Raupen der Falter ernähren.
  Ein anderes Beispiel liefert die Bedrohung eines Parasites, der Taubenlaus Columbicola extinctus, durch das Aussterben der Wandertaube Ectopistes migratorius. Allerdings sei diese Laus auch eine Ausnahme. Sie habe ihr Schicksal inzwischen selbst in die Hand genommen und nach dem Aussterben der Taube andere Arten gefunden, die ihr Nahrung «frei Haus» bieten.
  
  03.09.2004
  Menschen ignorieren Warnungen der Erde - Forscher beklagt Ignoranz des Homo sapiens
  London/Stockholm (pte) - Bereits irreversible Schäden in einigen Regionen der Erde werden von den Bewohnern des Blauen Planeten kaum ernst genommen. Zu diesem Schluss kommt ein renommierter Experte beim Euroscience-Forum in Stockholm. Der Wissenschaftler John Schellnhuber, Forschungsdirektor am Tyndall Centre for Climate Change Research, kritisiert vor allem die Tatsache, dass die wichtigsten Umweltprobleme am wenigsten verstanden werden. Der Forscher hat 12 so genannte Regionen, die massive Regulatoren der Umwelt sind, identifiziert.
  Eines der gravierendsten Probleme wäre zum Beispiel der Ausfall des Monsun in Asien. Ein Problem, das sehr schnell passieren könne, wie der Fachmann bestätigt. "Ein besseres Verständnis für das Risiko wäre dringend erforderlich", so Schellnhuber. Das komme ungefähr der Gefahr der Kollision mit einem Asteroiden gleich. Wenn die kritischen Regionen der Erde weiter geschädigt werden, könnte es auf dem Planeten zu einer Art Kettenreaktion kommen, befürchtet der Forscher. Das Risiko sei bisher bei weitem unterschätzt. Zu den kritischen Regionen zählen unter anderem auch die Meeresströmungen im Nordatlantik wie etwa der Golfstrom. Eine Veränderung oder ein Ausfall hätten weitreichende Konsequenzen für das Klima Europas.
  Die Welt reagiert aber auch kaum auf die Gefahren, die von der Veränderung der westantarktischen Eisdecke, der Sahara und dem Abholzen des Regenwalds im Amazonas-Becken ausgehen. Der Forscher kritisiert, dass in die Wettervorhersage zuviel Geld investiert wird, umgekehrt werden die vitalen Elemente des Planeten immer noch ungeklärte Phänomene darstellen. "Wir müssen endlich begreifen, wo die wirklichen Gefahrenzonen, sozusagen die Achillesfersen des Planeten liegen", so Schellnhuber. Denn andere Forscher haben bereits erkannt, dass die plötzlichen Wechsel, innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten stattfinden werden.
  Weitere Informationen: www.igbp.kva.se
  
  05.08.2004
  Zweitgrößter Regenwald der Welt soll gerodet werden: Weltbank gefährdet größte Urwälder Afrikas
  Nach Angaben der Naturschutzorgansiation Pro Wildlife will die Weltbank 60 Millionen Hektar Regenwald der Demokratischen Republik Kongo für den kommerziellen Holzeinschlag öffnen. Von diesem Wald seien 35 Millionen Menschen abhängig, betont Sandra Altherr, Sprecherin von Pro Wildlife. Die Weltbank und die Interimsregierung des Kongo vereinbarten, die gesamte Waldfläche des Landes in Nutzungskategorien aufzuteilen. Dieser Prozess soll bereits im Oktober 2004 abgeschlossen sein. Bis dahin ist ein Rodungsmoratorium vereinbart.
  Die ganze Nachricht im Internet: bitte hier klicken
  
  26.07.2004
  Indigene Völker schützen Wälder effektiver
  Das Potenzial indigener Völker gegen die Zerstörung und zum Schutz der Wälder bezeichnet die Internationale Non-Profit-Organisation Forest Trends http://www.forest-trends.org in einer jüngst veröffentlichten Studie als besonders hoch. Beispiele aus drei verschiedenen Staaten, Brasilien, Indien und Thailand, haben gezeigt, dass lokale Verwaltungseinheiten mindestens genauso effektiv schützen wie staatliche Regierungen.
  Nach der Studie fordern Experten mehr Kompetenzen und finanzielle Unterstützung im Bemühen zum Schutz der lokalen Wälder für lokale Dörfer. Dass der Schutz der Wälder von den Gemeinden ernst genommen wird, hat nach Ansicht der Fachleute auch damit zu tun, dass Flora und Fauna in zahlreichen Kulturen als Heiligtümer angesehen werden. Zusätzlich dazu liefern Wälder einen Großteil von lokalen Heilpflanzen, die zur Versorgung der Dörfer notwendig sind. Hingegen existierten staatlich unter Schutz gestellte Areale wie Nationalparks häufig nur auf dem Papier. Vielfach fehlt das Personal zum Schutz der Naturgebiete und es kommt immer wieder zu illegalen Rodungen und Wildereien.
  Anhand der Studie konnten die Forscher 80 indigene Gebiete von Indianern am Amazonas miteinander vergleichen. Anhand von Satellitenbeobachtungen konnten in den untersuchten Arealen keine groben Zerstörungen festgestellt werden. Nach der Studie waren insbesondere jene Gebiete optimal genutzt, in denen die lokale Bevölkerung auch finanzielle Vorteile aus der Bebauung ihrer Ländereien ziehen konnte. Dazu zählten eben botanische Produkte oder die Vermarktung von Holz, die im Rahmen einer nachhaltigen Nutzung exportiert werden können.
  Der Report der Organisation kommt genau zeitgerecht, da 59 Staaten über eine Erneuerung des so genannten International Tropical Timber Agreement nachdenken. Darin sollten mehr Rechte für die indigenen Völker einbezogen werden, fordern die Umweltforscher. Bisher wären diese von den wichtigsten Vertragswerken ausgeklammert worden.
  Diese Studie ist eine eindrucksvolle Bestätigung unserer Arbeit zum Schutz der Regenwälder in Amazonien. Durch unser Fair-Handels-Projekt "Regenwaldladen" www.regenwaldladen.de unterstützen wir neben indigenen Bevölkerungsgruppen auch andere traditionelle Bevölkerungsgruppen im brasilianschen Amazonasgebiet. Der Regenwaldladen importiert verkaufsfertige Nicht-Holz-Waldprodukte, welche über die Weltläden in Deutschland vermarket werden.
  
  12.07.2004
  Verschärfter Raubbau in Amazonien
  In Brasilien, wo es noch den größten Regenwald gibt, geht der Kahlschlag weiter. Die neue linke Regierung unter Präsident Lula hat zwar mehr Schutz für den Regenwald am Amazonas versprochen, aber auch dieser Regierung ist die Entwicklung der Wirtschaft und der Export brasilianischen Rindfleischs wichtiger als der Schutz der Regenwälder am Amazonas. Riesige Flächen werden vernichtet, weil Großbauern immer größere Rinderherden für den Fleischexport züchten.
  Von August 2002 bis August 2003 wurden in Brasilien 23.000 Quadratkilometer Wald vernichtet - von 1999 bis 2000 waren es insgesamt 170.000 Quadratkilometer - das ist eine Fläche, die doppelt so groß ist wie Portugal. Um den erhöhten Fleischbedarf der US- und europäischen Fast-Food-Ketten zu befriedigen werden immer mehr und immer schneller Regenwälder abgeholzt.
  In den letzten 12 Jahren hat sich die Zahl der Rinder in Brasilien von 25 Millionen auf 50 Millionen verdoppelt. Seit der BSE-Krise in Europa wirbt die brasilianische Fleischindustrie mit "Rindfleisch aus Brasilien ohne Tiermehl".
  
  05.07.2004
  Grangel um Tropenholz wird härter
  Allein in die EU werden jährlich Holzprodukte im Wert von 1,2 Milliarden Euro importiert, die aus illegalen Quellen stammen. Die Brennpunkte des Raubbaus sind die großen Waldgebiete in Zentralafrika, Südostasien und in Amazonien. Noch immer ist illegal geschlagenes Tropenholz weder in der Europäischen Union noch in Deutschland verboten. Und auch die Pläne der EU-Kommission zu diesem Thema sehen lediglich vor, dass sich Länder freiwillig verpflichten, schärfere Waldgesetze und Forstkontrollen zu etablieren und ihre Holzprodukte mit entsprechenden Zertifikaten ausgezeichnet werden.
  Deshalb landen, wie die Zeitschrift natur+kosmos in ihrer neuesten Ausgabe berichtet, immer wieder illegal geschlagene Hölzer aus dem Regenwald als Gartenmöbel, Fensterläden oder Parkettböden in Kaufhäusern, Gartencentern oder Baumärkten. Selbst das von verschiedenen Umweltverbänden anerkannte FSC-Siegel, das eine ökologische und sozial akzeptable Produktion sichern soll, kann bislang keine absolute Sicherheit garantieren.
  Das Bundesumweltministerium arbeitet allerdings derzeit an einem Urwaldschutz-Gesetz, das den Besitz, Kauf und Verkauf von illegalen Hölzern verbietet. Sowohl das Rohmaterial als auch die daraus hergestellten Produkte sollen beschlagnahmt werden können.
  Etwas harschere Töne kommen derzeit aus Indonesien. Die Regierung überlegt, den Tätern mit der Todesstrafe zu drohen. "Sie sind Umweltterroristen. Sie stehlen dem Staat Millionen und zerstören die Natur", sagt Fachnir Fathoni, ein hoher Beamter aus dem Forstministerium. Eine "schnelle Eingreiftruppe" soll künftig die Polizei bei der Ergreifung der Täter unterstützen. Umweltschutzorganistionen empfehlen Kunden für den Besuch im Baumarkt: "Fragen Sie nach, ob das Holz aus verantwortungsvoller Waldnutzung stammt, oder ob dafür Wälder und der Lebensraum für Wildtiere zerstört wurden."
  
  29.06.2004
  Kampf um Diamanten im brasilianischen Regenwald
  Unschätzbaren Reichtum verhieß das Diamantenvorkommen, auf das Antonio José Alves dos Santos tief im brasilianischen Regenwald stieß. Dass es in einem indianischen Reservat lag, kümmerte ihn wenig. Die Ureinwohner aber wohl: Statt reiche Beute zu machen, rettete Dos Santos mit Mühe seine nackte Haut.
  Dos Santos ist einer der Überlebenden eines Massakers, das die brasilianische Gesellschaft schockierte. Der Tod von 29 Diamantenschürfern, erschossen oder erschlagen vom Stamm der Cinta Larga, brachte einen seit langem schwelenden Konflikt ins öffentliche Bewusstsein: Wem gehören die Bodenschätze im Amazonasgebiet, das die größten bekannten Diamantenvorkommen Südamerikas beherbergt?
  Der blutige Überfall der Indianer am 7. April setzte dem vierjährigen Ansturm von Schatzsuchern aus ganz Brasilien auf das Roosevelt-Reservat im Nordwesten des Landes vorläufig ein Ende. «Sie haben zwei Männer sofort getötet - Peng! Peng! Dann haben sie die anderen aneinandergefesselt und sie wie Tiere abgeschlachtet», berichtet Dos Santos.
  Der Indianerhäuptling Pio Cinta Larga bestreitet den Überfall nicht. «Die Tötungen waren eine Warnung. Wir wollen keine Weißen hier.» Er weist auf die Vorgeschichte hin: Wieder und wieder seien die «Garimpeiros», wie die Diamantenschürfer in Brasilien heißen, widerrechtlich in das Reservat eingedrungen.
  Schon die Anwesenheit auf indianischem Gebiet ist Nicht-Indianern in Brasilien mit wenigen Ausnahmen verboten, der Abbau von Bodenschätzen erst recht. Doch das schreckte die überwiegend bettelarmen Garimpeiros nicht davon ab, in dem rund 27.000 Quadratkilometer großen Gebiet ihr Glück zu suchen. Mit schlimmen Folgen für die Cinta Larga: Die Garimpeiros brachten Alkohol, Drogen und Geschlechtskrankheiten mit, die den nur 1.300 Köpfe zählenden Stamm in seiner Existenz bedrohten.
  Außerdem wollen die Ureinwohner, die den Schürfern anfangs gegen eine Gebühr bei der Suche nach Diamanten geholfen hatten, die Bodenschätze selbst abbauen. Um Konflikte zu verhindern, vertrieb die brasilianische Bundespolizei vor zwei Jahren mehrere tausend Zugewanderte aus dem Roosevelt-Reservat - aber zahlreiche kehrten zurück. Seit 1999 wurden nach Schätzungen der Regierung Diamanten im Wert von umgerechnet rund zwei Milliarden Euro aus dem Gebiet geschmuggelt.
  Am 7. April riss den Indianern offenbar endgültig der Geduldsfaden. Den Konflikt regelten sie so, wie sie es nach Angaben von Häuptling Pio Cinta Larga gewohnt sind: «Wir sind Krieger. Ehe der weiße Mann kam, war keiner der Stämme hier mit dem anderen befreundet.»
  Die Anthropologin Carmen Junqueira weist zudem darauf hin, dass die Weißen den Cinta Larga früher ausschließlich mit Gewalt begegneten: «Für sie ist das unsere politische Sprache. Wir haben es ihnen vorgemacht.» Blutige Überfälle auf Dörfer des Stammes gab es noch bis in die 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, das Reservat wurde erst 1976 eingerichtet.
  Dieser geschichtliche Hintergrund stellt die brasilianische Polizei nun vor ein Problem. Sie will Pio Cinta Larga und elf seiner Stammesbrüder wegen der Ermordung der Garimpeiros vor Gericht bringen. Sie könnten jedoch für nicht schuldfähig befunden werden, wenn sie als der heutigen Kultur nicht hinreichend angepasst eingestuft werden.
  Der Garimpeiro Dos Santos hält dies für unangebracht. Die Cinta Larga seien modern gekleidet, führen Auto und schössen mit Gewehren statt mit Pfeil und Bogen, sagt er. Die meisten Opfer vom 7. März wurden laut gerichtsmedizinischer Untersuchung allerdings sehr wohl mit Pfeilen getötet - oder niedergeknüppelt.
  Einige Beobachter sehen in dem Massaker noch mehr als einen plötzlichen Gewaltausbruch seit Jahren gereizter Ureinwohner. Der Lokalpolitiker Celio Renato da Silveira glaubt, dass «organisierte Verbrechen» habe seine Hand im Spiel und verstecke sich hinter dem Sonderstatus der Indianer. Auch Carlos Fantim von der Vereinigung der Garimpeiros hält weiße Verbrecher, die die Diamanten für sich beanspruchten, für die Hintermänner. Solche Gerüchte über eine «Diamantenmafia» erhielten kürzlich neue Nahrung, als 15 Personen wegen Diamantenschmuggels verhaftet wurden - darunter drei Polizisten.
  
  16.06.2004
  Metro verkauft Regenwaldpapier
  METRO verkauft Papier, in dem Zellstoff aus tropischen Naturwäldern steckt. Das belegt eine Laboranalyse des Papiers, die ROBIN WOOD in Auftrag gegeben hat.
  Bei dem beanstandeten Produkt handelt es sich um Kopierpapier der Marke Sigma Universal, das in den zur METRO-Gruppe gehörenden Real-Märkten angeboten wird. Laut Faseranalyse, die ein renommiertes Forschungsinstitut in den USA vorgenommen hat, enthält das Produkt "mixed tropical hardwood".
  "Die METRO ist einer der einflussreichsten Handelskonzerne und steht in der Verantwortung, nicht zur Zerstörung der letzten Regenwälder beizutragen", sagt Jens Wieting, Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD. "Wir fordern den Vorstand auf, öffentlich und verbindlich zu erklären, dass die Metro Gruppe aus dem Handel mit Produkten aus Urwaldzerstörung aussteigt."
  Insbesondere soll Metro seine Handelsbeziehungen zu dem als Regenwaldzerstörer berüchtigten Konzern Asia Pulp & Paper (APP) abbrechen. Galeria Kaufhof - ebenfalls zum Metro-Konzern gehörend - bietet beispielsweise Papier der Marke Sinar Spectra von APP an. Produziert wurde es in der Zellstoff-Fabrik Indah Kiat auf der indonesischen Insel Sumatra.
  Allein der Konzern APP hat bisher rund 300.000 Hektar Regenwald auf Sumatra vernichtet. Das entspricht einer Fläche, die größer ist als die des Saarlands. Proteste der Bevölkerung gegen die Vertreibung von ihrem Land hat APP mehrfach mit Gewalt niederschlagen lassen. Alle Versuche von indonesischen Umweltorganisationen, zumindest die wertvollsten Wälder vor der Zerstörung durch APP zu bewahren, scheiterten bislang. Selbst Schutzgebiete sind nicht vor den Holzfällertrupps sicher.
  ROBIN WOOD hat hierzulande andere Unternehmen wie Karstadt und die Deutsche Post bereits davon überzeugen können, Papier von Konzernen, die Regenwald auf Sumatra vernichten, aus dem Sortiment zu nehmen.
  
  09.05.2004
  Papier Union mitverantwortlich für Waldzerstörung
  Vetreter indonesischer Umweltorganisationen haben das führende deutsche Papierhandelsunternehmen Papier Union aufgefordert, seine Geschäfte mit dem Zellstoffkonzern April abzubrechen. April ist auf Sumatra für massive Waldzerstörung und Vertreibungen verantwortlich. Um die Forderung zu unterstützen, wandten sich heute 50 Umweltorganisationen aus aller Welt mit einem Offenen Brief an die Geschäftsführung des Papierunternehmens.
  Longgena Ginting, Direktor des indonesischen Umweltforums Walhi, machte im Gespräch mit Papier Union deutlich: "Wer Produkte von April kauft, macht sich mitschuldig an Menschenrechtsverletzungen und an der Zerstörung unserer Wälder." Rivani Noor von der Allianz der Opfer der Zellstoffindustrie CAPPA war entrüstet über Äußerungen des Marketingdirektors der papier Union David Wischmann. Dieser hatte erklärt, Papier Union verfüge über keine schriftlich festgehaltenen Umwelt- und Sozialstandards für den Papiereinkauf, aber man habe volles Vertrauen in die Redlichkeit des Geschäftspartners April.
  April betreibt auf Sumatra eine der größten Zellstofffabriken der Welt und verbraucht rund sechs Millionen Kubikmeter Holz aus Naturwald jährlich. Kein anderes Land weltweit verliert so schnell so viel Wald wie Indonesien. Um dies zu stoppen, macht Robin Wood Druck auf deutsche Unternehmen, die mit Regenwaldzerstörern zusammenarbeiten. Im vergangenen Jahr hatte daraufhin die Deutsche Post Papier von April aus dem Sortiment genommen.
  Papier Union jedoch ignoriert seit über einem Jahr die Forderungen von Umweltorganisationen, das Geschäft mit April zu beenden und kauft weiter jährlich 15.000 Tonnen Papier der Marke "Paper One" des Konzerns. Für die Produktion dieses Papiers verwandelt April Jahrtausende alte Torfwälder, die Lebensraum des seltenen Sumatra-Tigers sind, in Monokulturen.
  
  27.04.2004
  Katastrophen im Regenwald vorprogrammiert
  Heftige Kritik an Erschließungsmanahmen, die die neue brasilianische Regierung unter Staatspräsident Lula in den Regenwäldern Amazoniens plant, übt die Internationale Expertenkommission (International Advisory Group-IAG ), die das "Pilotprogramm zur Rettung der Wälder Brasiliens" begleitet.
  Sie übergab ihr Gutachten im letzten Jahr dem brasilianischen Umweltministerium. Die fünf brasilianischen und zwei deutschen Wissenschaftler befassten sich mit dem im Mehrjahresplan 2004 - 2007 der Regierung Lula vorgesehenen Ausbau des Rio Madeira als Wasserstraße, der Asphaltierung der Bundesstraße BR 163, die von Cuiaba nach Belem quer durch Amazonien führen soll, einer Gaspipeline von Urucu nach Porto Velho sowie zwei großen Staudammvorhaben zur Stromgewinnung. "Wir mussten in unserem Gutachten die Regierung Lula auffordern, alle diese Vorhaben grundlegend zu überdenken, denn wir konnten nachweisen, dass im Falle der Realisierung katastrophale Folgen für die dort lebende Bevölkerung und für die Wälder Amazoniens vorprogrammiert sind" begründet Prof. Dr. Manfred Niekisch, Mitglied der Kommission und Vizepräsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), die ungewöhnlich scharfe Formulierung des Gutachtens.
  Bedrohte Existenzen
  Als Beispiel für die Unsinnigkeit der Vorhaben führt Niekisch den Ausbau des Rio Madeira zur Wasserstraße an. "Das brasilianische Konsortium begründet die Pläne unter anderem damit, bei verbesserten Transportmöglichkeiten könne die Sojaproduktion von derzeit drei auf dann 28 Millionen Tonnen gesteigert werden. Dazu benötigt man bei den vorgesehenen 500 Quadratkilometern Staufläche weitere 80000 Quadratkilometer Anbaufläche. und zwar vor allein in bisher intakten Waldgebieten. Davon ist nirgends die Rede.
  Sogar Indianerschutzgebiete wären betroffen-, rechnet Niekisch vor. Die Experten wiesen auch darauf hin, dass zehntausende von Kleinbauern. die bisher an den Flussufern wirtschaften, und viele Dörfer, die vom Fischfang leben, durch die Staumaßnahmen ihre Lebensgrundlage verlören und dann in neu zu erschließende Waldgebiete ausweichen müssten.
  Kahlschlag außer Kontrolle
  "Die Lage vor allem im Süden Amazoniens ist schon jetzt völlig chaotisch", charakterisiert Prof. Nickisch, der an der Universität Greifswald internationalen Naturschutz lehrt, die aktuelle Situation. "Allein die Aussicht auf die geplanten Maßnahmen führt in großem Stil zu illegaler Landbesitznahme und zum Kahlschlag auch geschützter Primärwälder. Bei Überflügen in den Bundesstaaten Amazonas und Rondonia stellten wir fest, dass es nicht arme Kleinbauern sind, die dort die Wälder zerstören, sondern agroindustrielle Großbetriebe, die mit schwerem Gerät große Waldflächen illegal freischlagen." In Gesprächen mit den Experten bestätigten die staatliche Naturschutzbehörde IBAMA und die Landvergabe- und Katasterbehörde INCRA, dass sie kaum über genügend Mittel verfügen, um die Lage auch nur einigermaßen unter Kontrolle zu halten. "In Brasilien gibt es noch nicht einmal ein funktionierendes amtliches Grundstücksverzeichnis" ergänzt Niekisch.
  Ein weiteres Beispiel für Fehlplanung ist die geplante Gaspipeline zur Versorgung der 400.000-Einwohner-Stadt Porto Velho mit Strom. "Die Pipeline würde durch noch ungestörten Regenwald führen, ist aber völlig unsinnig. Es gibt Alternativen, beispielsweise die Verlängerung einer schon bestehenden Stromleitung." Im übrigen sei hierbei nicht einmal geklärt, wem die Flächen an der 520 km langen Trasse gehören. Ähnlich schlampig sei die erste Umweltverträglichkeitsstudie zu den Staudämmen durchgeführt worden. "Hier werden Fischarten genannt, die nur noch mehr als tausend Kilometer entfernt in den Küstenwäldern vorkommen, aber sicher nicht in Zentralamazonien, wo man die Staudämme plant", kritisiert der Biologe Niekisch.
  Rückzug ist die falsche Lösung
  Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva versicherte dem Expertenteam, dass sie sich der Problematik bewusst sei und die Vorschläge intensiv prüfen werde. "Wir wünschen Frau Silva. dass sie sich in der Regierung Lula durchsetzen kann, doch ist Eile geboten", fasst Niekisch die Stimmung des Teams zusammen, das im Rahmen des "Pilotprogramms zur Rettung der Wälder Brasiliens" tätig ist. Deutschland ist an der Finanzierung dieses seit zehn Jahren bestehenden Programms mit rund 350 Millionen US-Dollar beteiligt.
  "Nach brasilianischen Regierungsangaben ist die Abholzungsrate in den Regenwäldern des Amazonas in den letzten Jahren weiter stark angestiegen. 16 Prozent der Wälder gelten offiziell als vernichtet" führt Niekisch aus - doch ohne dieses Programm wäre die Situation wohl noch viel schlimmer."
  Gerade jetzt dürften sich die internationalen Geber nicht aus Brasilien zurückziehen. "Aber natürlich wollen wir einen auf Dauer funktionierenden, innerbrasilianischen Finanzierungsmechanismus für den Schutz der Amazonaswälder entwickelt sehen. Deshalb schlagen wir eine Amazonas-Steuer auf alle Produkte von dort vor. Damit könnte Brasilien seine Tropenwälder erhalten. Dies liegt im brasilianischen und internationalen Interesse."
  
  11.04.2004
  Amazonas-Regenwald verschwindet immer schneller
  Rasches Handeln im Kampf gegen die immer schnellere Vernichtung der Regenwälder Amazoniens ist wichtiger denn je. Nach einem gerade veröffentlichten Bericht der brasilianischen Regierung ist der Regenwald 2003 um weitere 23.750 Quadratkilometer geschrumpft. Das entspricht etwa der Fläche vom Jahr 2002.
  Zwar sind die zerstörten Flächen nicht mehr so groß wie etwa Mitte der 90-er Jahre, dennoch geht das größte zusammenhängende Waldbiotop der Erde rapid zurück. Steigende Exporte von Rindfleisch und Soja aus dem südamerikanischen Land machen immer neue Anbauflächen auf Kosten der Regenwälder notwendig. Dadurch verschwinden auch jährlich tausende Pflanzen- und Tierarten, die zum Teil bisher noch nicht wissenschaftlich erfasst wurden.
  
  10.04.2004
  Rodungseffekte bleiben in Regenwäldern lange erhalten
  Auch 150 Jahre nach der letzten Nutzung und seitdem ungestörter Entwicklung dominieren in ehemals gerodeten Waldflächen nicht heimische Arten, zeigt eine Studie aus Madagaskar. Zudem wird die ursprüngliche Artenvielfalt selbst in sich selbst überlassenen Waldstücken nicht mehr erreicht.
  Kerry Brown und Jessica Gurevitch von der Stony Brook University hatten verschiedene Waldstücke untersucht, die nach ihrer Rodung um 1855 oder um 1947 verlassen wurden. Zum Vergleich wählten sie einen Abschnitt, der durch einen Wirbelsturm vor drei Jahren stark überprägt wurde und Flächen, die nie gerodet wurden.
  Selbst in den seit 150 Jahren sich ungestört entwickelten, neu gewachsenen Wäldern dominierten nicht heimische, invasive Arten die Baumschicht, und auch in den unteren Schichten fanden die Wissenschaftler zahlreiche für ursprünglichen Wald untypische, eingewanderte Arten. Die Artenentwicklung der Sturmfläche ähnelte hingegen mehr der natürlichen Entwicklung, hier konnten fremde Arten offenbar schlechter Fuß fassen.
  
  24.03.2004
  Globale Kohlendioxidwerte erreichen neuen Höchststand
  Forscher der amerikanischen Regierung haben bestätigt, dass die Kohlendioxid-Werte in der Erdatmosphäre auf ein Rekordniveau angestiegen sind. Die soeben im Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com veröffentlichten Daten der US National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA http://www.cmdl.noaa.gov bestätigten, dass die CO2-Werte 2003 auf 376 ppm (Teilchen pro Million) gestiegen sind.
  Die gesammelten Daten stammen unter anderem vom NOAA-Observatorium in Hawaii, das sich am Vulkan Mauna Loa befindet. Die CO2-Werte sind demnach von 2002 auf 2003 um 2,5 ppm gestiegen. Die Forscher erklären, dass es sich zwar nicht um die größte jährliche Steigerungsrate handelt, meinen jedoch eine kontinuierliche Steigerung seit 2001 um jeweils 2,5 ppm zu sehen. Im Vergleich dazu sind die Werte in den vergangenen Dekaden jährlich um etwa 1,5 ppm gestiegen. "Das große Bild zeigt nur, dass die CO2-Werte eben permanent nach oben gehen", so der NOAA-Experte Russell Schnell. Experten vermuten, dass die wirtschaftliche Entwicklung in China und Indien und die Zunahme der Verbrennung von fossilen Brennstoffen mit dem Anstieg der CO2-Werte in Korrelation steht. Die ersten Messungen in den 50-er Jahren ergaben einen durchschnittlichen CO2-Wert von 315 ppm.
  Für Klimaforscher jenseits des "Großen Teiches" sind die veröffentlichten Daten keine großen Neuheiten: "Seit 1990 steigen die Treibhausgas-Werte in der Atmosphäre stetig an. Wir haben uns nichts anderes erwartet", so David Viner, Klimaexperte der University of East Anglia in Großbritannien. Der Wissenschaftler sieht weitreichende Folgen für die Entwicklung des Klimas auf der Erde. Auswirkungen seien bereits jetzt zu spüren. Kritisch äußerte sich Brian Hoskins, Wissenschaftler der UK Royal Commission on Environmental Pollution. Aus der Steigerungsrate den Schluss zu ziehen, dass die CO2-Werte am stärksten gestiegen sind, sei unrichtig. "Wir wissen wieviel CO2 wir produziert haben und das hat sich seit dem vergangenen Jahr nicht geändert", beschwichtigt der Experte. Dass die CO2-Werte sich leicht auf- und abbewegen sei nichts Neues. "Die globale Erwärmung kann aber selbst an einem Anstieg der Kohlendioxid-Menge in der Atmosphäre schuld sein", meint etwa der Forscher Charles Keeling vom Scripps Institution of Oceanography in San Diego.
  Nach Angaben der Forscher des Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC könnten die Konzentrationen von Kohlendioxid bei ungebremster Kontinuität im Jahre 2100 zwischen 650 und 970 ppm betragen. Das würde sich in einer Erwärmung der Erde um sechs Grad seit 1990 auswirken.
  Eine der größten Quellen für den Anstieg der globalen CO2-Gehalte sind die ungebremsten Brandrodungen in den tropischen Regenwäldern. Ein wirkungsvoller Beitrag, diese Brände einzudämmen wäre eine wichtige zusätzliche Maßnahme den Treibhauseffekt zu reduzieren.
  
  13.03.2004
  Klimageschädigter Amazonas-Regenwald nimmt weniger CO2 auf
  Wissenschaftler aus Brasilien und vom Smithsonian Tropical Institute haben Zeichen dafür entdeckt, dass der Amazonas-Regenwald nicht mehr die volle Menge Kohlenstoffdioxid absorbiert wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Darüber hinaus haben die Experten auch Veränderungen im Wachstum und beim Absterben von Bäumen festgestellt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature. In der 20-jährigen Studie wurden insgesamt 14.000 Bäume in einem Gebiet von mehr als 300 Quadratkilometer markiert und vermessen, um ihre Wachstumsrate zu untersuchen. Diese untersuchten Bäume standen nicht in einer Umgebung, in der menschliche Aktivitäten wie Einschlag oder Brandrodungen vorhanden waren.
  Die vollständige Nachricht können Sie hier nachlesen.
  
  09.03.2004
  Erster Erfolg bei der Kampagne gegen Biopiraterie im Falle der Cupuaçu-Frucht
  Das japanische Patentamt (JPO) hat nun endlich, wie unser brasilianischer Partner Amazonlink mitteilt, das Warenzeichen "Cupuaçu" in Japan gelöscht. Cupuaçu ist der Name einer amazonischen Frucht und wurde 1998 von der japanischen Firma "Asahi Foods" in Japan als Warenzeichen eingetragen. Die JPO-Prüfer stimmten nun in Gänze mit der Argumentation der Kritiker überein.
  "Jetzt wird es auch für die europäischen Behörden Zeit zu handeln", forderte Jutta Sundermann von unserem hiesigen Kampagnen-Partner BUKO gegen Biopiraterie. "Das Markenamt im spanischen Alicante muss den Japanern folgen, um der Monopolisierung und kommerziellen Ausbeutung der Cupuaçu-Frucht Einhalt zu gebieten."
  Gemeinsam wollen wir den Protest nunmehr gegen das "Copyright auf Pflanzen" ausdehnen und bieten entsprechende Plakate zur Bestellung an. Mit "illegalen" Cupuaçu-Pralinen protestieren wir in Zusammenarbeit mit vielen Weltläden seit ca. einem Jahr gegen die Patentierung der Frucht.
  Bereits im Oktober hat die Kampagne zusammen mit dem Regenwaldladen aus Freiburg und Amazonlink aus Brasilien rund 5000 Einwendungen am europäischen Patentamt übergeben, denn Asahi Foods will auch in Europa den Patentschutz auf Cupuaçu. Wir hoffen nun, dass das EPA den Patentantrag zurückweist.
  Wer sich an der Kampagne beteiligen will, kann im Regenwaldladen, wie auch schon oben hingewiesen, Pralinen und Infomaterial bestellen.
  
  02.03.2004
  Waldbrände in Amazonien verändern das Klima
  Luftverschmutzung durch starken Rauch wie er bei Brandrodungen entsteht, verändert die Niederschläge eindeutig. Zwei unterschiedliche Studien von verschiedenen Forschungseinrichtungen kommen zum gleichen Ergebnis. Regen und Wolkenbildung werden durch die Abgase verändert, berichtet das Wissenschaftsmagazin Scientific American http://www.sciam.com.
  Das Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz hat festgestellt, dass in Brasilien nach Brandrodungen im Amazonas-Regenwald die Rauchentwicklung die Niederschläge stark verändert. Die Rauchpartikel wirken wie Keime, an denen Wasser zu Tropfen kondensiert. Die Wassertröpfchen bleiben klein und verbinden sich nicht zu Regentropfen. Als Resultat steigen die Tröpfchen in große Höhen auf und transportieren dabei den Rauch weit über ganze Kontinente hinweg. Die dadurch entstandenen Wolken erreichen Höhen bis über zehn Kilometer. Dort frieren die Tröpfchen und führen zu gewaltigen Unwettern mit riesiggroßen Hagelkörnern, die in den Tropen allerdings zu gewaltigen Tropfen auf dem Weg zur Erdoberfläche schmelzen. "Diese Gewitterstürme entlassen die Hitze wesentlich höher in der Atmosphäre", erklärt Meinrat Andraea vom Max-Planck-Institut. Dieses Phänomen tritt aber nicht nur in den Gebieten auf, in denen mit Bränden Urwälder gerodet werden, sondern über gesamten Kontinenten. Das habe auch Auswirkungen auf globale Zirkulationen, führt der Experte aus.
  In einer zweiten Studie des Wissenschaftlers Ilan Koren vom NASA Goddard Space Flight Center analysierte das Forscherteam Satellitendaten vom Amazonas während der Trockenzeit. Die Cumulus-Regenwolken-Decken gingen um 38 Prozent zurück, als die Luft durch Rauchentwicklung verschmutzt war. Das hat zur Folge, dass sich die Erde ohne Wolkendecke wesentlich schneller aufheizt.
  
  18.02.2004
  Entwicklungsländer beschuldigen Industriestaaten der "Bio-Piraterie"
  (AP) Die Geschäfte westlicher Unternehmen mit Pflanzen und Tieren aus Entwicklungsländern stoßen in Afrika, Asien und Südamerika auf wachsenden Unmut. 15 Entwicklungsländer forderten die Industriestaaten am Dienstag zu einer gerechteren Verteilung der Gewinne auf, die im Westen zum Beispiel durch den Verkauf von Medikamenten aus exotischen Pflanzen erzielt werden. Anlass der Forderung ist die siebte Weltkonferenz für biologische Vielfalt in Malaysia, an der auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin teilnimmt.
  Vertreter der 15 Entwicklungsländer sprachen sich am Rande der Konferenz in Kuala Lumpur für ein internationales Regelwerk aus, dass die Aufteilung der mit Hilfe ihrer Tier- und Pflanzenwelt erzielten Gewinne klären soll. Die Industriestaaten, insbesondere die Europäische Union, haben sich bisher stets gegen die Aufstellung rechtlich verbindlicher Regeln hierzu gewehrt. Die Entwicklungsländer warfen ihnen deshalb «Bio-Piraterie» vor.
  Nach Angaben der Entwicklungsländer finden ihre biologischen Ressourcen in einem Drittel der weltweit hergestellten Medikamente Verwendung. Allein die Patente für diese Medikamente seien Millionen Dollar wert, erklärten die Regierungsvertreter. «Wir wollen sicherstellen, dass die Entwicklungsländer am Ende nicht als Verlierer da stehen, obwohl wir reich an natürlichen Ressourcen sind», sagte der malaysische Umwelt- und Forschungsminister Law Hieng Ding.
  An dem Treffen nahmen neben dem Gastgeberland Malaysia auch Bolivien, Brasilien, China, Costa Rica, Ecuador, Indien, Indonesien, Kenia, Kolumbien, Mexiko, Peru, die Philippinen, Südafrika und Venezuela teil. Die Weltkonferenz für biologische Vielfalt wird von mehr als 2.000 Regierungsvertretern aus 188 Staaten besucht.
  Das Regenwald-Institut e.V. bereitet zusammen mit BUKO eine weitere Kampagne zum Thema "Biopiraterie" vor. Nach dem Kampf gegen die Cupuacu-Patent-Anträge der japanischen Firma Asahi gehen wir nun auch gegen die Markeneintragung vor. Dazu bald mehr an dieser Stelle.
  
  10.02.2004
  Nebelwälder unter ökologischem Druck
  Zu den am meisten gefährdeten Regionen der Erde gehören nach Ansicht zahlreicher Experten die Nebelwälder. Die Warnung kommt vom Treffen des World Conservation Monitoring Centre http://www.unep-wcmc.org, einer Unterorganisation der United Nations Environmental Organisation UNEP, bei der Convention on Biological Diversity http://www.biodiv.org, die derzeit im malaysischen Kuala Lumpur stattfindet. Die Nebelwälder beherbergen nicht nur tausende seltener Tiere und Pflanzen, sondern sind auch notwendig für die Trinkwasser-Versorgung von Millionen von Menschen, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk .
  Nach den jüngsten Berichten der Forscher, die sich auf Satellitendaten stützen, umfassen diese Wälder rund 400.000 Quadratkilometer und machen damit nur 2,5 Prozent der Gesamtfläche aller tropischen Regenwälder aus. 60 Prozent der Nebelwälder befinden sich in Asien, etwa 25 Prozent in Lateinamerika und die restlichen 15 Prozent in Afrika. Die meisten der Nebelwälder sind in Höhenlagen zwischen zwei und 3.000 Metern über dem Meeresspiegel, obwohl es in Küstenregionen auch Nebelwälder in Höhenlagen von 500 Metern gibt. Zu den typischen Nebelwäldern zählt etwa der La Tigra National Park in Honduras, der mehr als 40 Prozent der 850.000 Bewohner der Hauptstadt Tegucigalpa mit Trinkwasser versorgt. Die Nebelwälder bilden aber auch Genpools für Nutzpflanzen, da zahlreiche wildlebende Formen von Nahrungspflanzen in diesen Habitaten heimisch sind.
  Die Nebelwälder sind durch Landwirtschaft, illegalen Holzeinschlag, Feuer, Straßenbau und die Einführung artfremder Spezies bedroht. Nach Angaben der Experten stellt aber die Klimaänderung die größte Bedrohung dar. "Einzigartig in diesen Wäldern ist die Tatsache, dass sie die Feuchtigkeit durch Kondensation der Wolken halten können", so Studienautor Philip Bubb von der UNEP. "Wenn die Temperaturen um nur einen Grad in den Niederungen steigen, bedeutet das einen Temperaturanstieg um zwei Grad in den Wäldern. Daraus resultiert das Aufsteigen der Wolken und das Austrocknen des Waldes", zeichnet der Forscher das Bild. Viele der Wälder sind daher rund um Berggipfel zu finden, da dort die Temperaturen kühler sind. Zunehmende Hitze sorgt aber dafür, dass die Wolken höher steigen und dass damit auch die höchstgelegenen Wälder austrocknen. (pte)
  
  05.02.2004
  Über die letzten Regenwälder Indonesiens
  Nach einer dreiwöchigen Recherchereise auf Sumatra zieht der ROBIN WOOD-Tropenwald-Experte Jens Wieting ein bitteres Fazit: "Die beiden größten Zellstoffkonzerne Indonesiens, APP und APRIL, zerstören weiterhin in rasantem Tempo die verbliebenen Regenwälder. Trotz internationaler Proteste beziehen sie noch immer rund zwei Drittel ihres Rohstoffes durch Kahlschlag in artenreichem Regenwald. Das Ausmaß der Zerstörung ist bestürzend." ROBIN WOOD appelliert daher gemeinsam mit den indonesischen Umweltnetzwerken WALHI, CAPPA und Hakiki Foundation eindringlich an die Papierhändler, die zurzeit auf der Messe PAPERWORLD in Frankfurt zusammen kommen, auf Zellstoff und Papier aus Indonesien zu verzichten.
  "Auf Sumatra in der Provinz Riau herrscht ökologischer Notstand", berichtet der soeben von der Reise zurückgekehrte Wieting. "Städte und Flüsse sind stark verschmutzt, die Wälder fast vollständig abgeholzt. Große Flächen liegen brach oder sind von öden Ölpalmen- und Akazienplantagen bedeckt. Die staatliche Kontrolle funktioniert nicht. So können Papier-, Palmöl- und Holzindustrie ungehindert den letzten Regenwald der Insel zerstören. Militär und Polizei bereichern sich an den illegalen Holzgeschäften."
  APP und APRIL haben den größten Holzhunger. Mit Krediten der Weltbank, privater Geber und Hermesbürgschaften aus Deutschland haben die beiden Konzerne riesige Zellstofffabriken aufgebaut. Um sie auszulasten, machen sie selbst vor wertvollen Naturwäldern nicht halt. Eine Praxis, die sie auch künftig beibehalten wollen: Laut Zahlen aus dem Forstministerium, die ROBIN WOOD vorliegen, will APP bis 2009 weitere 160.000 Hektar und APRIL 200.000 Hektar Naturwald abholzen. Auch in Schutzgebieten und Wäldern wie dem Tesso Nilo-Gebiet, für die APP und APRIL auf Druck von Umweltschützern ein Einschlag-Moratorium akzeptiert haben, schlagen illegale Holzfäller weiterhin Holz ein.
  "Die Zellstoffkonzerne müssen ihre Überkapazitäten soweit reduzieren, dass sie ihren Bedarf mit Holz aus den bestehenden Plantagen decken können", fordert Wieting. "APP und APRIL werden sich nur bewegen, wenn sie spüren, dass die Nachfrage ausbleibt, solange sie weiter Regenwald zerstören."
  Indonesische Umwelt- und Menschenrechtsgruppen fordern ebenfalls ein Einschlagmoratorium in ihrem Land. Rully Syumanda vom Umweltnetzwerk WALHI in Riau: "The pulp and paper industries must stop immediately to cut the Indonesian rain forest and to pollute our environment. Don't buy paper from our forest!"
  
  26.01.2004
  Kondom-Fabrik zur Rettung des Regenwaldes
  Eine Fabrik in der entlegenen brasilianischen Provinz Xapuri soll bis 2005 jährlich 100 Mio. Kondome herstellen. Mit der Fabrik soll Aids in Brasilien bekämpft und die Zerstörung des Regenwaldes eingedämmt werden, denn das Grundprodukt Gummi soll direkt aus der Provinz kommen, berichtet BBC-World Service Science in Action. "Brasilianer brauchen etwa 1,2 Mrd. Kondome jährlich um Aids einzudämmen", meint Alessandro Grangeiro, Direktor des Aids-Programms von Brasilien. Für 700 Mio. Kondome kommt die brasilianische Regierung auf", erklärt Grangeiro. Die Beschaffung der Verhütungsmittel stellt für einen großen Teil der Bevölkerung einen erheblichen Kostenteil dar. Die meisten Kondome müssen derzeit importiert werden. Der Initiator der Kampagne sieht in der Errichtung der heimischen Fabrik jedenfalls große finanzielle Chancen. Bis 2006 könnten in der Fabrik sogar bis zu 200 Mio. Kondome erzeugt werden. Auch der Standort in Xapuri, im nordwestlichen Teil Brasiliens, einer Region, die besonders von Urwald- Rodungen betroffen ist, ist gut gewählt. Die Region ist seit vielen Jahren Lieferant von hochwertigem Naturkautschuk.
  In ersten Untersuchungen eignet sich das Produkt auch zur Herstellung von Kondomen. Bisher wurde Kautschuk aus Xapuri für die Reifenherstellung verwendet.Lokale Kautschukproduzenten sind über die Nachrichten erfreut. Im Unterschied zu den Kautschuklieferanten aus Ostasien wird der brasilianische Rohstoff aus nativen Kautschukbäumen gewonnen. Dieser hat andere Eigenschaften als die kultivierten Bäume. Außerdem wird dadurch der Marktwert des Rohstoffes erhöht und eine Sicherung des Baumbestandes ist gewährleistet. "Das bedeutet Profit durch die Erhaltung der Baumbestände", erklärt Jose Maria Barbossa Bakierno vom National Rubber-Tappers Council. Die natürlichen Kautschukbäume, die nicht in Plantagen gepflanzt wurden, bedeuten für die Produzenten aber auch mehr Arbeit: zum Teil stehen Bäume weit auseinander und der Boden ist nicht überall gleich gut, was sich auch auf den Ertrag auswirkt. "Diese Probleme zu lösen, ist eine große Herausforderung, aber die lokale Bevölkerung steht hinter dem Projekt", so Maria Christinabo vom brasilianischen National Insitute of Technology.
  
  17.01.2004
  Orang-Utans bis 2025 ausgestorben?
  Die Umweltorganisation WWF warnt vor dem völligen Ende der Orang-Utan Population in der freien Wildbahn bis 2025. Nach vorsichtigen Schätzungen des WWF leben heute nur noch zwischen 25.000 und 30.000 Orang-Utans in den Wäldern Sumatras und Borneos. Die Zerstörung ihres Lebensraumes schreitet aber immer rascher voran.
  Noch 1987 schätzten Experten die Population des "Waldmenschen", so die Übersetzung des Wortes Orang-Utan, auf 45.000 bis 60.000. Die Menschenaffen leben als zwei verschiedene Spezies, Borneo-Orang (Pongo pygmaeus) und Sumatra Orang (Pongo abelii), nur auf diesen beiden Inseln in Südostasien. Experten schätzen den Bestand des Sumatra-Orangs auf etwa 9.000. Sumatras Menschenaffen sind durch die zunehmende Rodung des Urwalds für Palmplantagen massiv bedroht. Mehr als 80 Prozent der ursprünglichen Regenwälder Indonesiens und Malaysias sind seit dem vorigen Jahrhundert bereits gerodet worden. Außerdem werden die Menschenaffen auch wegen ihres Fleisches gejagt.
  "Mehr als 60 Prozent der Orang-Utans leben außerhalb der Reservate, daher wird der Bestand in den kommenden Jahren noch weiter schrumpfen", argumentieren Umweltexperten. Gründe dafür liegen auch darin, dass die Tiere erst mit 12 Jahren geschlechtsreif werden und ein Alter von rund 40 Jahren erreichen. Orang-Utans haben den langsamsten Reproduktionszyklus aller großen Menschenaffen. Zwischen den Geburten der Nachkommen liegen durchschnittlich acht Jahre. Während eines Lebens kann ein Weibchen maximal vier bis fünf Junge zur Welt bringen. "Nach einer Studie verträgt die Orang-Utan Population nur einen Verlust von etwa zwei Prozent jährlich", so WWF-Experte Stuart Chapman. Größere Zahlen wie etwa 50 Prozent in nur 15 Jahren führen definitiv zum Aussterben. In Indonesien werden die Orang-Utan vielfach als Haustiere gehalten.
  
  06.01.2004
  Das Jahr 2003: Wieder ein Jahr der Brände in Amazonien
  Das vergangene Jahr geht in Amazonien wieder als Rekordjahr ein:
Wie die staatlichen Institute IBAMA und INPE mitteilen, wurden im Jahre 2003 138.665 Brände in Amazonien registriert. Lediglich im Jahre 2002 wurden mit 160.000 Bränden mehr verzeichnet als im vergangenen Jahr. Im Jahre 2000 waren es noch 67.000 Brandherde, im folgenden Jahr 2001 bereits 100.000.
  Die Institute teilen weiterhin mit, dass sich das Abbrennen der Regenwälder auch schon einige Tausend Kilometer weiter in den südlichen Bundesstaaten Brasiliens bemerkbar macht. Die bei den Bränden bis in 7000 Meter Höhe getragenen Ascheteilchen verändern die Wolkenbildung und damit das Niederschlagsregime, so dass ernsthafte Konsequenzen für die dortige Landwirtschaft drohen.
  
  01.01.2004
  Neujahrswünsche
  Wir wünschen unseren Mitgliedern und Förderern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2004!!
  Wir werden unsere angewandten Arbeiten zum Schutz der Regenwälder forcieren und hoffen, dass die Versprechungen der brasilianischen Regierung, sich verstärkt für die Regenwälder einzusetzen, wenigstens ansatzweise erkennbar werden.
  
  26.11.2003
  Banken-Rating für den Regenwald
  VON KATHARINA KOUFEN, taz. Wer ist schuld, wenn in Brasilien oder Indonesien die Regenwälder abgeholzt werden? Die Papierindustrie, sagen die einen. Weil die so viel Holz braucht. Die Zeitungen, sagen die anderen. Weil die so viel Papier nachfragen. Die Regierungen in Brasilien und Indonesien, lautet eine dritte Meinung. Weil die skrupellos Geschäfte machen, Hauptsache, sie kommen an Devisen.
  Jetzt setzt ein Umweltverband an einer vierten Stelle an, um das Abholzen von Wäldern zu verhindern: bei den Banken. Die finanzieren schließlich die Geschäfte mit dem Holz. Der World Wide Fund for Nature (WWF) beauftragte die Münchner Rating-Agentur oekom research, elf europäische Banken einem Umweltranking zu unterziehen. Alle seien in der Vergangenheit durch "kontroverse Finanzierungen" aufgefallen, so der WWF.
  "Bei Investitionen, die zu Lasten von Wäldern gehen, haben nur wenige Banken ausreichende Umwelt- und Sozialkriterien", so das Ergebnis der Studie, die der taz vorliegt und die heute in Frankfurt vorgestellt wird. Den Wald schädigen Projekte wie Papiermühlen, Rohstoffplantagen zur Produktion von Palmöl, Ölpipelines und Staudämme. Prominentestes umstrittenes Beispiel ist der Dreischluchtenstaudamm in China, der vor kurzem seinen Betrieb aufnahm.
  Oekom research untersuchte bei den Banken, ob Sozial- und Umweltstandards exisitieren, wie konsequent sie angewandt werden und wie transparent die Kriterien sind. Die meisten Banken hätten keine eigenen Standards für Finanzierungen entwickelt, fanden die Ratingexperten heraus. In der Regel erkennen die Geldinstitute international gängige Standards an, am häufigsten die Weltbankrichtlinien.
  Einige Banken, u. a. die niederländische ABN Amro, die Dresdner Bank, die Hypovereinsbank und die West LB, haben diesen Sommer die so genannten Äquatorrichtlinien unterschrieben, die sich ebenfalls an die Standards der Weltbank anlehnen, etwa "Schutz gefährdeter Arten", "kein Gebrauch gefährlicher Substanzen" und "keine Umsiedlung von Menschen".
  Wie beim Firmenrating wurden dabei Noten von A plus bis D minus vergeben. Mit "B plus" am besten schnitten die ABN Amro, die Deutsche Investitionsgesellschaft sowie die Hypovereinsbank ab. Die Dresdner Bank erhielt ein "C plus", ebenso die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Entwicklungsprojekte der Bundesregierung finanziert und daher eigentlich besonders sensibel für Umwelt- und Sozialaspekte sein sollte. Die - in jüngster Zeit wegen der Finanzierung einer Ölpipeline in Ecuador besonders umstrittene - West LB wurde immerhin noch mit "C" bewertet. Schlusslicht ist die Commerzbank mit einem "C minus".
  Drei der anvisierten elf Banken, darunter die Deutsche Bank, waren laut WWF nicht zur Zusammenarbeit bereit. Bei der Deutschen Bank hieß es gestern allerdings, man habe ausführlich mit dem WWF gesprochen. Im Übrigen sei die Deutsche Bank eines der ersten Finanzinstitute gewesen, die das Thema Umwelt auf der Agenda gehabt hätten.
  Der Umweltverband hofft, mit dem Ranking den Anstoß für einen Strategiewechsel bei den Banken geben zu können. "Die Verankerung von Nachhaltigkeit soll als Instrument des Risikomanagements anerkannt werden und nicht als extern aufgezwungene Einschränkung von Finanzierungsaktivitäten", heißt es in der Studie. Und das liege doch durchaus im Eigeninteresse der Banken.
  
  05.11.2003
  Nach Flutkatastrophe: Indonesische Regierung kritisiert illegale Rodungen
  Bukit Lawang/Indonesien (AP) Nach der Flutkatastrophe auf Sumatra hat der indonesische Umweltminister Nabiel Makarim den Raubbau an der Natur scharf kritisiert. Die an den illegalen Rodungen beteiligten Holzfäller seien «Terroristen», sagte er am Mittwoch in Jakarta. Sie strafrechtlich zu verfolgen sei jedoch fast unmöglich, «weil wir es mit korrupten Beamten und Geschäftsleuten zu tun haben», räumte der Minister ein. Der Flutkatastrophe sind wahrscheinlich mehr als 200 Menschen zum Opfer gefallen.
  Unkontrollierte Rodungen verhindern Umweltschützern zufolge ein natürliches Absickern von Regenwasser, so dass es nach heftigen Regenfällen zu Sturzfluten und Erdrutschen kommt. Regierungsmitarbeiter räumten ein, dass während der starken Regenfälle am Sonntag hunderttausende gefällter Bäume im Leuser-Nationalpark den aus den Bergen kommenden Fluss Bahorok blockierten. Als der Wasserdruck zu gross wurde, ergossen sich die Fluten über das Dorf Bukit Lawang im Norden der Insel.
  Rettungskräfte bargen bis Mittwoch 92 Leichen aus den vom Wasser mitgerissenen Trümmern. Mehr als 150 Menschen würden noch vermisst, wie der Fernsehsender Metro TV unter Berufung auf den Bürgermeister von Bukit Lawang, Yusmaidah, berichtete. Unter den Opfern waren laut Behördenangaben auch fünf Ausländer: zwei Deutsche, zwei Österreicher und ein Singapurer. Deren Leichen sind entgegen anders lautender Bericht noch nicht geborgen, hiess es. «Sie liegen entweder unter den Baumstämmen begraben oder wurden den Fluss hinuntergerissen», erklärte ein Sprecher der Provinzregierung.
  Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Sie entsandte ein Team ranghoher Beamter in die Region, um den Schaden entstandenen Schaden auszumachen. Unterdessen begannen Hilfsorganisationen damit, Reis und abgepackte Lebensmittelrationen an die Überlebenden zu verteilen.
  Der Abholzung ist bereits bis zu einem Fünftel der Fläche des Leuser-Nationalparks zum Opfer gefallen, wie der Leiters der grössten indonesischen Umweltschutzorganisation Walhi, Longgena Ginting, mitteilte. Weite Teile des Dschungels wurden für den Bau einer Strasse abgeholzt, die in den benachbarte Provinz Aceh führen soll. Die grösstenteils illegalen Rodungen gefährden auch die in Nationalparks auf Sumatra lebenden Tiger, Elefanten und Orang-Utans.
  
  17.10.2003
  Appell für Maßnahmen gegen illegalen Holzhandel
  Die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag müssen den Import illegaler Hölzer endlich verbieten!
  Illegaler Holzeinschlag und Handel ist - neben dem legalisierten Raubbau - eine der Hauptursachen für die Zerstörung von Wäldern, insbesondere Urwäldern. Die Weltbank schätzt, dass den Holzexportländern durch die illegalen Machenschaften jährlich 10-15 Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgehen. Illegaler Holzeinschlag zerstört riesige Waldgebiete, bedroht die Biodiversität und vernichtet die Lebensgrundlagen der örtlichen Bevölkerung. Forst- und Holzindustrie sind der Motor und verantwortlich für Korruption, massive Menschenrechtsverletzungen und Repression.
  Schätzungen zufolge stammt etwa die Hälfte der Tropenholzimporte in die EU aus illegalem Holzeinschlag und -handel. So gelten z.B. in Indonesien offiziell über 70% der Hölzer als illegal, in Brasilien sind es über 60%. Dasselbe gilt für ein Viertel der Holzimporte aus Nordwest-Russland. Die EU als weltgrößter Holzimporteur bezieht jährlich illegales Holz im Wert von 1,2 Milliarden Euro! Deutschland ist als großer Holzimporteur mitverantwortlich für diese Missstände.
  Im letzten Jahr wurden sofortige Maßnahmen gegen den Handel mit illegal geschlagenem Holz in der völkerrechtlich verbindlichen Biodiversitäts-Konvention (CBD) im Arbeitsprogramm zur Biologischen Vielfalt von Wäldern beschlossen. Deshalb hat die Europäische Kommission im Mai 2003 ihren Mitgliedsstaaten einen Aktionsplan (FLEGT Forest Law Enforcement, Governance and Trade) vorgelegt, mit dem sie den illegalen Holzeinschlag und Handel bekämpfen will.
  Die Bundesregierung hat sich zum Schutz der letzten Urwälder verpflichtet. Der vorgeschlagene EU Aktionsplan ist allerdings weder ausreichend, um den Schutz der letzten Urwälder zu erreichen, noch eine nachhaltige Nutzung von Wirtschaftswäldern sicherzustellen. Die Unterzeichner fordern deshalb die Bundesregierung auf:
 
  • den Import und Handel von illegal eingeschlagenem Holz sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene sofort gesetzlich zu verbieten und strafbar zu machen,
  • den Aufbau eines Lizenzierungssystems zur Kennzeichnung legaler und ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltig genutzter Hölzer unter Nutzung bewährter Instrumente zu unterstützen,
  • den Tatbestand des illegalen Holzhandels in das Geldwäschegesetz aufzunehmen,
  • Die vorgeschlagenen Maßnahmen des EU Aktionsplans strategisch auf den Schutz der artenreichen Wälder, insbesondere der letzten Urwälder auszurichten,
  • verbindliche Umwelt- und Sozialstandards, insbesondere zum Schutz der Urwälder sowie der Rechte indigener und lokaler Gemeinschaften, für Hermes-Bürgschaften und die Kreditanstalt für Wiederaufbau zu verabschieden und ihre Einhaltung zu kontrollieren,
  • das öffentliche Beschaffungswesen verbindlich so zu regeln, dass der Kauf illegaler Hölzer ausgeschlossen wird, dass ausschließlich Hölzer aus nachweislich ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger Waldnutzung gekauft werden, sowie Herstellungsverfahren und Labels als Kriterien für Ausschreibungen in die neue EU-Beschaffungsrichtlinie aufzunehmen,
  • die volle Partizipation der Zivilgesellschaft (inklusive lokaler und indigener Gruppen) als Grundvoraussetzung für bilaterale Partnerschaftsabkommen mit Entwicklungsländern sicherzustellen.
  Erstunterzeichner:

AG Wald im Forum Umwelt und Entwicklung
Allwetterzoo Münster
Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz
Berggorilla & Regenwald Direkthilfe
Brasilieninitiative Freiburg
Bundeskoordination Stud. Oekologiearbeit BSOe e.V
BUND
Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
EarthLink
Eine Welt Forum Mönchengladbach
Faszination Regenwald e.V.
Gesellschaft für ökologische Forschung
Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere
GREENPEACE
IMBAS
Indio -Hilfe
KLIMA - BÜNDNIS / ALIANZA DEL CLIMA e.V.
Kooperation Brasilien - KoBra e.V.
NABU
Naturschutzjugend im Landesbund für Vogelschutz
Patuca e.V.
Pro REGENWALD
Regenwald-Institut
Rettet den Regenwald
Robin Wood
Stiftung Artenschutz
Stiftung eine Welt - Eine Zukunft
Tropica Verde
Urgewald
Vamos e.V.
Watch Indonesia!
WEED
Westfälische Gesellschaft für Artenschutz
WWF Deutschland
Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz
  
  26.09.2003
  Fast alle Holzkonzerne in Indonesien arbeiten illegal
  Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 90 Prozent aller Holzfällerfirmen in Indonesien illegal arbeiten. Indonesien ist der zweitgrößte Exporteur von Tropenholz weltweit nach Malaysia. Seit mehreren Jahren verschwinden die Regenwälder des asiatischen Landes so schnell wie sonst nirgendwo auf der Erde.
  Die von der britischen Rainforest Foundation unterstützte Studie wollte heraus finden, ob indonesische Holzfirmen den Anforderungen des Forest Stewardship Council (FSC) genügen. Eine wichtige Bedingung für eine Zertifizierung nach FSC-Kriterien ist die absolute Einhaltung von Recht und Gesetz durch die Holzkonzerne. Das Wissenschaftler-Team, das die Studie im Auftrag von Indonesiens führender Umweltorganisation WALHI und der nationalen Indigenenvereinigung AMAN durchgeführt hat, fand heraus, das neun von zehn Holzkonzessionen ohne die vorgeschriebenen Genehmigungen ausgebeutet werden.
  Die Studie kommt weiter zu dem Schluss, das in Indonesien tätige Holzkonzerne häufig indigene Rechte verletzen und Konzessionsrechte ohne Zustimmung der betroffenen Lokalbevölkerung vergeben wurden.
  
  18.09.2003
  Brasilien nimmt Holzfäller fest
  Die brasilianische Polizei hat am Dienstag 17 Männer festgenommen, die illegal Tropenholz auf einer Fläche von 10.000 Hektar abgeholzt haben sollen. Die Festnahme erfolgte im brasilianischen Bundesstaat Rondonia, einem der am meisten bedrohten Urwaldgebiete des Amazonasbeckens. "Ich glaube, das ist die größte Festnahme einer Bande von illegalen Holzfällern in Brasilien. Zumindest ist es die größte in Rondonia", sagte Osvaldo Pitaluga, der Leiter der brasilianischen Umweltbehörde Ibama.
  Die über zwei Monate laufenden Ermittlungen der Ibama ergaben, dass die Holzfäller über Lizenzen verfügten, mit denen sie das Holz ungehindert aus dem geschützten Wald transportieren konnten. Die Lizenzen sollen Osvaldo Pitaluga zufolge von fünf Mitarbeitern der Ibama illegal ausgestellt worden sein. Umweltschützer bemängeln schon länger, dass die Korruption innerhalb der unterfinanzierten Umweltbehörde das illegale Abholzen fördert. Die Ibama ist dafür zuständig, das Abforsten des weltweit größten Tropenwaldes zu überwachen und durch strikte Lizenzvergabe die Rodung auf dafür vorgesehene Gebiete zu begrenzen.
  Illegaler Holzeinschlag und Brandrodung sind die beiden Hauptursachen für die Entwaldung des Amazonasgebiets. Sie ist im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf rund 14,5 Millionen Quadratkilometer angestiegen. Die Mitglieder der Bande, die über mehrere Jahre in Rondonia illegal gerodet hat, sind zurzeit in Untersuchungshaft. Ihnen droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe und eine Geldstrafe von bis zu einer Million US-Dollar.
  
  08.09.2003
  ZDF zur Regenwaldzerstörung
  Raubbau an der "Grünen Lunge" Für Soja, Öl und Gartenmöbel
  ZDF-Online, Ruth Kuczka
  Irgendwie wissen wir es alle: Seit den 80er Jahren ist das Ausmaß der Umweltzerstörung in den Regenwäldern bekannt. Nach einer Welle der Erregung, nach Untersuchungen und Projekten ist es in der Öffentlichkeit wieder still geworden, der Regenwald aber wird weiter fröhlich abgeholzt.
  Sie sind das artenreichste Ökosystem der Erde. Sie haben über 100 Millionen Jahre gebraucht, um diese biologische Vielfalt hervorzubringen und in ungefähr 30 Jahren hat der Mensch über die Hälfte bereits vernichtet: Die tropischen Regenwälder schwinden in atemberaubenden Tempo. Jedes Jahr werden zurzeit 150 000 km² Regenwald abgeholzt - für die Vorstellungskraft: jede Minute sind das 6000 Bäume. Umweltverbände und Regenwaldschützer machen mobil: Wenn nicht bald diese Entwicklung gestoppt wird, wird der gesamte Bestand bis auf einige Nationalparks in 30 bis 40 Jahren verschwunden sein.
  Grüne Lunge ohne Luft
  Die Auswirkungen sind bekannt. Unzählige Tier- und Pflanzenarten, zu einem großen Teil noch unbekannt, sterben aus, Waldvölker sind in ihrer Existenz bedroht und die Auswirkungen auf das regionale und globale Klima noch gar nicht abzusehen.
  Globalisierung einmal anders: Circa 600 Milliarden Tonnen Wald wurden bei Raubrodungen verbrannt und belasten mit dem freigesetzten Kohlendioxid (CO2) die Erdatmosphäre. Umgekehrt fehlt der gerodete Wald zum CO2-Abbau. Auch der Wasserkreislauf wird empfindlich gestört. Der verbleibende Wald kann die großen Regenmengen nicht mehr speichern und wieder abgeben, Boden erodiert.
  Brandrodung für Schokolade
  Das sind Fakten, die schon seit Mitte der 80er Jahre sowohl den Fachleuten als auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Eine Vielzahl von Projekten konnte in den bedrohtesten Gebieten tatsächlich die Abrodung begrenzen, doch kaum war das öffentlich schlechte Gewissen wieder beruhigt, nahm der Raubbau mit anderen Methoden und an anderen Orten wieder zu: Nach dem Raubbau für Weideland in den 80er Jahren sind es heute Gartenmöbel aus tropischen Hölzern zu Schleuderpreisen und Monokulturen wie Palmöl und Soja, für die der Regenwald stirbt.
  In Brasilien breitet sich Soja statt des Urwaldes aus: als Futtermittel für Schweine und Rinder wird es vor allem in EU-Länder ausgeführt. In Indonesien und Malaysia sind von ursprünglich 22 Prozent der Landesfäche nur noch 7 Prozent Regenwald, die geschlagenen Bäume waren insbesondere dieses Jahr als billige, aber sehr beliebte Gartenmöbel in den Kaufhäusern zu bewundern. Auch für das begehrte Palmöl müssen die Urwaldriesen weichen: Palmöl ist Rohstoff für eine ganze Produktpalette, vom Waschmittel über Kosmetika bis zur Schokolade. Der Konsum steigt - und damit der Bedarf: Indonesien und Malaysia planen, die Anbaufläche von 2,4 Millionen Hektar auf 5,5 Millionen Hektar zu vergrößern - auf Kosten des Regenwaldes. Deutschland ist der zweitgrößte Handelspartner für indonesisches Palmöl.
  Schutz vor dem Raubau
  Vordringlichstes Problem scheint eine weltweit schlafende Öffentlichkeit zu sein, die keinen Druck auf Politik und Wirtschaft ausübt und auch beim eigenen Konsumverhalten keinen Handlungsbedarf sieht: Während beim Kauf von Waschmittel oder Schokolade der Verbraucher wohl kaum in der Lage ist, den Zusammenhang zwischen Brandrodungen, Palmöl und Endprodukt zu erkennen, könnte er gut und gerne bei der Möbelauswahl mehr Sorgfalt walten lassen.
  Teakholzmöbel erfreuen sich großer Beliebtheit bei fallenden Preisen. In diesem Sommer gab es eine regelrechte "Gartenmöbel-Schwemme" - die meisten aus tropischen Hölzern. Wer kennt und achtet schon auf das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council), das Holz aus nachhaltiger - sozial und ökologisch verträglicher- Waldbewirtschaftung kennzeichnet? Der Verbraucher kann selbst dazu beitragen, dass der Regenwald nicht weiter verschwindet: Mit Sorgfalt bei der Auswahl der Produkte und mit Druck auf die Entscheider in Politik und Wirtschaft.
  
  03.09.2003
  Deutscher in Amazonien wegen Biopiraterie verhaftet
  Ein Deutscher Staatsbürger, der nach einem Aufenthalt im Nationalpark Pico de Neblina mit Samen seltener Pflanzen angetroffen wurde, wurde wegen Biopiraterie verhaftet. Es wird ihm vorgeworfen, genetische Ressourcen zu schmuggeln und im Ausland pharmazeutischen Firmen zur Verfügung zu stellen.
  Biopiraterie ist in Brasilien (berechtigter Weise) zur Zeit ein wichtiges innenpolitisches Thema. Bitte beachten Sie dazu auch unsere Kampagne zum Fall Cupuaçu.
  
  28.07.2003
  Kein Kontakt zu Indianern - Neue Strategie der Indianerbehörde FUNAI
  Hamburg (ots) Die Indianerbehörde Brasiliens FUNAI verfolgt eine neue Strategie, um die Indianerstämme Amazoniens zu schützen. Auf den Kontakt zu isoliert lebenden Stämmen wird verzichtet, um die Kultur der Indianer zu bewahren und sie nicht der Gefahr tödlicher Krankheiten auszusetzen. Expeditionen der Behörde dienen lediglich dem Ziel, die territorialen Grenzen der Stämme zu erkunden. So weiss die Behörde, welche Gebiete auch künftig unberührt bleiben sollen, berichtet NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND in seiner August-Ausgabe (EVT 28.07.2003).
  Zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebten noch Millionen von Indianern im brasilianischen Amazonasbecken, vermuten Archäologen. Heute schätzt man die Zahl auf etwa 350'000. Darunter sind 18 Stämme isolierter Gruppen, die bis heute so gut wie keinen Kontakt zur Aussenwelt hatten. Über diese Stämme ist nicht viel bekannt. Man weiss nicht, welche Sprache sie sprechen, zu welcher Volksgruppe sie gehören oder welche Götter sie anbeten. "Um sie zu schützen braucht man das nicht zu wissen", erklärt der Menschenrechtler und Indianerexperte Sydney Possuelo, den NATIONAL GEOGRAPHIC bei einer Expedition begleitete. Es wäre unmöglich an diese Informationen heranzukommen, ohne die Indianer der Gefahr tödlicher Krankheiten auszusetzen oder sie mit Werten zu konfrontieren, die das Ende ihrer Traditionen bedeuten könnten. "Mit dem ersten Kontakt beginnt der Niedergang ihrer Welt" glaubt Possuelo. "Das Beste, was wir für die Indianer tun können, ist uns aus ihrem Leben herauszuhalten."
  Die meisten Indianer der unberührten Stämme sind Nachkommen der Überlebenden von Massakern, die weisse Eindringliche im Laufe der Jahrhunderte begingen. Die Indianer zogen sich in zerklüftete Quellgebiete zurück und meiden seither den Kontakt zur Aussenwelt. Gewalt ist aber nur eine Todesursache, der Grossteil der Einheimischen starb an eingeschleppten Krankheiten wie Erkältungen, gegen die sie keine natürlichen Abwehrkräfte besitzen.
  Mit dem Schutz der Indianer ist immer auch der Schutz des Regenwaldes verbunden. Wenn keine Eindringlinge zu den Indianern gelangen, wird auch der Urwald nicht berührt. "Wer die Indianer schützt, schützt die Artenvielfalt auf Millionen Hektar Urwald", sagt Possuelo. So sind die Indianer die besten Hüter des Regenwaldes.
  
  24.07.2003
  UN-Grünhelme
  Töpfer fordert UN-Grünhelme gegen Umweltkatastrophen Bonn (AP)
  Der Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Klaus Töpfer, hat sich für eine UN-Eingreiftruppe gegen Umweltkatastrophen ausgesprochen. «Es kann nicht nur Blauhelme geben, die erst bei Kriegsgeschehen eingreifen - wir brauchen mehr Vorsorge, also Grünhelme», sagte der ehemalige Bundesumweltminister in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview des «Rheinischen Merkurs». Darunter sei der Aufbau eines Frühwarnsystems zu verstehen sowie die Durchsetzung von gezielten Entwicklungs- und Investitionsprogrammen.
  Angesichts der Zunahme von ökologischen Katastrophen mit ihren Folgen für das Klima, Wüstenbildung oder Artenvielfalt forderte der CDU-Politiker außerdem schärfere Instrumente für die UN, um das Recht auch durchzusetzen. So könne die Haftung als marktwirtschaftliches Instrument verstärkt auch auf den Umweltbereich übertragen werden.
  Zu Spekulationen, dass er als Unions-Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten 2004 in Frage komme, wollte sich Töpfer in dem Interview nicht direkt äußern. «Es ist zwar ehrenvoll, genannt zu werden. Aber es gibt Ämter von einer solchen Bedeutung, dass sich jede Spekulation verbietet. Deshalb werde ich mich nicht daran beteiligen», erklärte Töpfer demnach wörtlich.
  
  15.07.2003
  Paranüsse aus Brasilien nicht gut genug für die EU
  Neue EU-Sanktionen haben zur Folge, dass brasilianische Paranüsse in der Praxis wohl kaum noch auf den europäischen Markt kommen dürften. Grund dafür ist die angeblich bis zu hundertfach überhöhte Konzentration an potentiell Krebs erregenden Schimmelpilzgiften (Aflatoxinen), welche den Nüssen anhaften. Die EU verlangt fortan intensive und kostenaufwändige Kontrollen. Die Paranuss ist ein, vor allem für die kleinen amazonischen Produzenten wichtiges Exportgut, mit einen Jahresvolumen von 3,3 Millionen US$.
  Als Folge dieser Verschärfung der Einfuhrbedingungen mussten wir auch auch im Regenwaldladen die qualitativ hochwertigen Nüsse aus dem bras. Bundesstaat Acre aus dem Sortiment nehmen.
  
  29.06.2003
  Amazonasregenwald schrumpft wieder schneller
  Die Zerstörung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes hat voriges Jahr drastisch zugenommen. Nach Angaben der brasilianischen Regierung wurden rund 25.500 Quadratkilometer niedergebrannt, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht einer Fläche, die größer ist als Mecklenburg-Vorpommern.
  Das ist nach 1995 der zweithöchste Wert der Waldzerstörung, den das Institut für Weltraumstudien durch Auswertung von Satellitenaufnahmen festgestellt hat. Mitverantwortlich sei die rasche Ausbreitung der Soja-Monokulturen, berichtet O Estado de São Paulo. São Paulos Umweltminister José Goldemberg nannte das Ausmaß der Zerstörung "alarmierend". Die Daten wurden durch eine Indiskretion früher als geplant verbreitet. Die Regierung will nächste Woche Maßnahmen gegen die Abholzung bekannt geben.
  Quelle: taz Nr. 7089 vom 27.6.2003, Gerhard Dilger
 
  Die Grafik zeigt die jährlichen Entwaldungsraten (km²) in Amazonien seit 1988.
  
  24.06.2003
  Brasilien und Deutschland unterzeichnen Abkommen zum Schutz der Wälder
  Brasília (DF) - Die Bundesrepublik Deutschland wird mehr als 35 Millionen Euros, oder etwa 38 Millionen US$, für Umweltprojekte im Bereich des Atlantischen Regenwaldes und für die Demarkierung von 18 Millionen Hektar innerhalb des Arpa-Projekts (Programa de Áreas Protegidas da Amazônia oder Sschutzgebietsprogramm für Amazonien) bereitstellen. Das neue Abkommen, das am 10/06 im brasilianischen Aussenministerium Itamaraty von den Regierungen Brasiliens und Deutschlands unterzeichnet wurde, wird nun an den Nationalkongress zur Ratifizierung weitergeleitet. Im April hatte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ein Abkommen sanktioniert, durch das die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, 70 Millionen US$ für die Durchführung von Projekten zum Schutz der tropischen Wälder bereitstellt. Zu diesem Abkommen gehören neun Projekte die dem Atlantischen Regenwald und Amazonien zugute kommen.
  
  12.06.2003
  TV-Tipp zum Regenwald: Samstag, 14.6.03, 18.30-19.00, 3sat
  Zum 'Tag der Artenvielfalt' zeigt 'nano' eine Reportage von Jana Lemme über die 'Natur-Inventur' im Amazonas-Gebiet Brasiliens: Wissenschaftler und Interessierte untersuchen und dokumentieren 24 Stunden lang die Tier- und Pflanzenwelt im Regenwald rund um Manaus/Brasilien, die artenreichste Region der Erde. Unter anderem besucht das 'nano'-Team dort den außergewöhnlichen brasilianischen Biologen und Artenschützer Ronis da Silveira in seiner Forschungsstation und begleitet ihn und seine Forschergruppe zum Zählappell des 'Tages der Artenvielfalt'. Sein Spezialgebiet: schwarze Kaimane, mit vier Metern Länge und einem Gewicht von 350 Kilo sind sie die größten Raubtiere des Amazonas. Die Fachwelt erwartet die Ergebnisse der Artenzählung mit Spannung, denn regelmäßig werden bei solchen 'Inventuren' verschollene Arten wiedergefunden und neue entdeckt; gleichzeitig sind sie ein Indikator für den Zustand von Flora und Fauna. Mit dieser 'nano'-Reportage erleben die Zuschauer, was Artenvielfalt in ihrer Schönheit und Komplexität bedeutet, und warum es dem Menschen wert sein sollte, jedem Tier, jeder Pflanze und jedem Menschen einen Platz zum (Über-)Leben zu sichern.
  
  25.05.2003
  Geschäfte auf Kosten des Tropenwaldes
  Das Regenwald-Institut und mehr als ein Dutzend weiterer internationaler Umweltschutzorganisationen unterstützen die Forderung an das führende deutsche Papiergroßhandels-Unternehmen Papier Union, auf Produkte zu verzichten, deren Rohstoff aus gefährdeten Waldgebieten stammt. Insbesondere soll Papier Union das Geschäft mit dem Konzern APRIL aussetzen, da APRIL maßgeblich für die Zerstörung des Regenwaldes auf der indonesischen Insel Sumatra verantwortlich ist. Die WaldschützerInnen, die sich zur Zeit beim Forest Movement Europe im bayerischen Bendiktbeuern bei München treffen, unterzeichneten ein entsprechendes Schreiben an die Geschäftsführung von Papier Union. Vorausgegangen waren monatelange Proteste sowie eine Flut von Emails und Postkarten gegen die Geschäfte von Papier Union mit dem Tropenwald-Plünderer APRIL.
  Auf Sumatra betreibt APRIL eines der größten Zellstoffwerke der Welt. Bisher bezieht der Konzern 75 Prozent des Rohstoffes aus natürlichen Wäldern. Seit Aufnahme der Produktion hat er bereits mindestens 220.000 Hektar Wald zerstört. APRIL plant, bis 2008 weitere natürliche Wälder zu plündern und in Plantagen umzuwandeln. Laut Weltbank wird es bereits 2005 keinen größeren Tiefland-Regenwald auf Sumatra mehr geben. Die Folgen sind fatal: Unzählige Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt geht verloren. Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdrutsche häufen sich.
  In dem Schreiben der WaldschützerInnen an den Vorsitzenden der Geschäftsführung von Papier Union, Arndt Klippgen, heißt es: "Um glaubwürdig eine umwelt- und sozialverträgliche Einkaufspolitik zu verfolgen, muss Papier Union die Geschäfte mit APRIL aussetzen, bis die Forderungen für den Schutz der letzten Regenwälder Sumatras durch den Konzern erfüllt werden." Die UnterzeichnerInnen fordern, dass die von APRIL und seinen Partnern kontrollierten Waldgebiete von unabhängiger Seite begutachtet und alle ökologisch wertvollen Flächen von der Nutzung ausgeschlossen werden. Papier Union soll generell auf Papierprodukte verzichten, deren Rohstoff aus gefährdeten Waldgebieten stammt und den Altpapieranteil in seinen Papierprodukten erhöhen.
  Andere Unternehmen haben bereits erkannt, dass ein Umsteuern nötig ist. Vor einem Jahr verzichtete Karstadt nach Protesten von ROBIN WOOD auf den Einkauf von Papier des Konzerns APP (Asia Pulp and Paper), der ebenfalls großflächig Regenwald in Indonesien zerstört. Im Frühjahr dieses Jahres erklärten die Kaufhauskette Kloppenburg sowie die Deutsche Post gegenüber ROBIN WOOD, Produkte von APRIL auszulisten.
  
  21.05.2003
  Lernt auch die WestLB dazu?
  DÜSSELDORF. Zur Jahresbilanz-Pressekonferenz der Westdeutschen Landesbank rollten 25 Aktivisten von "Greenpeace" vorige Woche dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Sengera noch einen roten Teppich aus - aus dem 150 Liter Öl sickerten. Ein Mitbringsel von Aktivistin Sandra Pfotenhauer, die es im April aus einem verseuchten Trinkwasserreservoir in Ecuador schöpfte. Greenpeace und 22 weitere Umweltschutzorganisationen fordern von der WestLB seit Jahren, den Kredit zum Bau der OCP-Ölpipeline in Ecuador einzufrieren und bei künftigen Krediten sicher zu stellen, dass Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. Umso größer fiel die Verblüffung aus, dass die WestLB eben dies jetzt still und heimlich auf ihre Fahnen schreiben will.
  Zusammen mit drei weiteren und keineswegs nur öffentlich-rechtlichen Großbanken, wie etwa der Citibank, startet die WestLB den Versuch, Ökonomie mit Ökologie zu versöhnen. "Banken entdecken den Umweltschutz", schrieb die Süddeutsche Zeitung dazu ebenso nüchtern wie erstaunt. Tatsächlich galten bislang Kapital und Naturschutz eher als Gegensätze; weit mehr als in anderen Wirtschaftsbranchen, die die Grundzüge von Nachhaltigkeit längst offensiv vermarkten. Und sei es beim Bier.
  Das soll sich ändern. Nachhaltig. So will die WestLB als Grundsatz formulieren, dass bei Großprojekten in Entwicklungsländern künftig die Umwelt- und Sozialstandards der Weltbank Maßstab des Handelns sein sollen. Das entbehrt nicht der Pikanterie, werden doch Umweltschützer und Grüne nicht müde, der WestLB beim Engagement in Ecuador Versagen in eben diesen Punkten vorzuhalten. Und nicht nur die: Mit Robert Goodland kreidet ein langjähriger hochrangiger Weltbank-Mitarbeiter der WestLB gravierende Verstöße gegen alle Umweltstandards an.
  Dass die Düsseldorfer Bank in der Öffentlichkeit stets behauptete, die Einhaltung der Weltbank-Standards sei Voraussetzung für die Kreditvergabe gewesen, und weitere Anwürfe ansonsten äußerst knapp als "Fehlinformation" abtut, scheint dabei die Stimmungslage im Hause nicht richtig wiederzugeben. Ganz offenbar hat der immense Druck Wirkung gezeigt. Auch wenn dies für die Pipeline in Ecuador wohl folgenlos bleiben wird. Die Ölröhre ist so gut wie fertiggestellt.
  Vertrauen in den Sinneswandel haben Umweltschützer ohnehin noch nicht. Greenpeace reichte jetzt bei Bundeswirtschaftsminister Clement eine formelle Beschwerde gegen die Bank ein. Die WestLB, heißt es darin, missachte auch die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen.
  
  18.04.2003
  Tropische Waldbrände beeinflussen globales Klima stärker als bisher vermutet
  Die Brände der tropischen Regenwälder beeinflussen das globale Klima weitaus stärker als bisher angenommen. Die Schadstoffe der Tropenwaldbrände belasten die vermeintliche saubere tropische Luft erheblich - mit Folgen für das globale Klimageschehen. Diese alarmierenden Ergebnisse haben Wissenschaftler der Universität Bremen und des Alfred-Wegener-Instituts Bremerhaven (AWI), Forschungsstelle Potsdam, bei Schiffsexpeditionen im Atlantik herausgefunden. Die Umweltforscher entdeckten über den sauberen Luftmassen der tropischen Ozeane eine Luftschicht, in der sich Verbrennungsprodukte ansammeln - weit entfernt von den Quellen auf dem Festland. Diese Forschungsergebnisse aus der traditionell guten Zusammenarbeit zwischen der Uni Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut wurden am 11 April in der renommierten amerikanischen Wissenschaftszeitschrift "Science"-Ausgabe veröffentlicht. Dafür verantwortlich sind als Erstautor Professor Justus Notholt vom Institut für Umweltphysik im Fachbereich Physik / Elektrotechnik der Universität Bremen, als Co-Autor Dr. Markus Rex von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, sowie weitere amerikanische und australische Wissenschaftler.
  Bei zwei Atlantikexpeditionen nahmen die Wissenschaftler Messungen an Bord des Forschungsschiffs "Polarstern" vor. Sie wollten dabei die geographische Breitenverteilung einiger Luftschadstoffe in der Atmosphäre in Höhen bis zu 30 Kilometern herauszufinden. Als Messmethode diente ihnen die genaue Analyse des Sonnenlichtes; atmosphärische Gase schwächen es unterschiedlich ab. So können mit dieser Methode viele Gase gleichzeitig und in unterschiedlichen Höhenschichten vermessen werden.
  Ein Schwerpunkt der Untersuchungen lag auf der äquatorialen oberen Troposphäre, dem Höhenbereich zwischen 14 und 18 Kilometern. Dieser Bereich ist von globaler Bedeutung, da die Luftmassen aus der unteren Atmosphäre diesen Bereich passieren müssen, um in die darüber liegende Stratosphäre, den Höhenbereich von 18 bis 50 Kilometern, zu gelangen. Von dort verteilen sie sich in großer Höhe über den gesamten Globus. Die Wissenschaftler aus Bremen und Potsdam wiesen in der äquatorialen oberen Troposphäre eine Ansammlung von Carbonylsulfid (COS) nach, die 20 - 50 Prozent größer ist als bisher angenommen. Eine Analyse der Windfelder ergab, dass die Luftmassen aus den tropischen Gebieten stammten, in denen eine intensive Verbrennung von Biomassen durch natürliche Savannenbrände oder Brandrodung für Ackerbau stattgefunden hatte.
  COS ist ein Bestandteil der stratosphärischen Aerosolschicht, die sich vorwiegend aus kleinen Schwefelsäure- und Wassertröpfchen in 20 - 30 Kilometern Höhe zusammensetzt. Obwohl die Tröpfchen so klein sind, dass sie mit dem bloßen Auge nicht wahrgenommen werden können, sind ihre Auswirkungen beträchtlich. So streuen sie einen Teil des ankommenden Sonnenlichts zurück in den Weltraum und beeinflussen dadurch das Klima. Weiterhin kann auf ihrer Oberfläche eine Vielzahl chemischer Reaktionen ablaufen, die unter anderem zur Zerstörung des Ozons beitragen.
  Die vorliegenden Untersuchungen legen nahe, dass Verbrennungsprodukte durch einen Schornsteineffekt im Bereich der Wald- und Steppenbrände direkt bis unter die Tropopause (eine Luftmassengrenze in etwa 18 Kilometern Höhe) aufsteigen, wo sie sich über längere Zeiten anreichern können und dabei von den vorherrschenden Winden um den Äquator verteilt werden. Diese Region direkt unterhalb der tropischen Tropopause steht nur in langsamen Austausch mit anderen Bereichen der Atmosphäre und wird daher zunehmend eigenständig als TTL (tropical tropopause layer) bezeichnet. Sie spielt eine besondere Rolle im Klimasystem der Erde: Die TTL ist weltweit die einzige Gegend, in der Luftmassen aus den unteren Bereichen der Atmosphäre langsam über 18 km hinaus aufsteigen können, dabei in die Stratosphäre (18 - 45 Kilometer Höhe) gelangen und die Ozonschicht erreichen. Die neuen Messungen zeigen nun, dass die Luft in der TTL - der Quellregion dieser Zirkulation - entgegen bisheriger Annahmen erheblich verschmutzt ist.
  Waldbrände und Brandrodung in den Tropen besitzen damit einen größeren Einfluss auf das Weltklima und die Ozonschicht als bisher angenommen. Die Wissenschaftler befürchten, dass der positive Effekt der Abnahme industrieller Emissionen in der Nordhemisphäre durch eine Zunahme tropischer Brände wieder aufgehoben werden könnte.
  Quelle/Text: Informationsdienst Wissenschaft
  
  29.03.2003
  Feuer im Norden Brasiliens endlich unter Kontrolle
  Nach dem Einsetzen der ersehnten Regenfälle im nödlichsten brasilianischen Bundesstaat Roraima sind die Waldbrände endlich unter Kontrolle. Von über 400 Brandherden sind noch sieben übrig geblieben. Traurige Bilanz der Feuer: der Verlust von über 13.000 Hektar Regenwald - Teile davon in den Stammesgebieten der Yanomami.
  
  13.03.2003
  Der neue FAO-Waldbericht liegt vor
  Alle zwei Jahre bringt die Welternährungsorganisation FAO einen Bericht über den Zustand der Wälder der Erde heraus. Auf dem derzeitigen UN-Waldtreffen in Rom wurde jetzt der Bericht "State of the World's Forest 2003" vorgestellt, der ab sofort als pdf-Datei hier heruntergeladen werden kann.
  
  12.03.2003
  Neue Waldbrände im Norden Brasiliens
  Nachdem unten beschriebener Brand mittlerweile gelöscht ist und eine 300 Quadratkilometer große "Wüste" hinterlassen hat, gibt es neue Feuerkatastrophen aus Amazonien zu vermelden:
Die brasilianische Regierung hat Teile der Armee zum Löschen zahlreicher Brände in den Norden des Landes geschickt. Dort wüten derzeit mindestens 86 verschiedene Feuer, die bislang rund 100 Quadratkilometer Wald und Busch vernichtet haben. Die meisten Brände wurden von Bauern gelegt, um Ackerland zu gewinnen. Wegen der trocknen Witterung gerieten sie außer Kontrolle.
  
  06.03.2003
  Riesiger Waldbrand in Amazonien
  Seit Mittwoch vergangener Woche brennt der Regenwald nahe der kleinen Amazonas-Stadt Barcelos, ca. 400km westlich von Manaus. Nach 75 regenfreien Tagen ist die Luftfeuchtigkeit, die normalerweise bei 90 Prozent liegt, auf 45 Prozent gefallen. Mittlerweile sind über 300 Quadratkilometer Regenwald den Flammen zum Opfer gefallen. Das ist der größte, jemals in Amazonien registrierte Waldbrand. Eine effektive Brandbekämpfung ist wegen der Unzugänglichkeit des Gebietes praktisch unmöglich. Helfen kann nur der Wettergott. Die Ursache für das Feuer ist noch nicht bekannt. Die ökologischen Schäden sind gigantisch.
 
  Eine Vorstellung von tropischen Waldbränden vermitteln diese Fotos - aufgenommen vor drei Monaten über dem Bundesstaat Rondonia. Ein vergleichsweise winziger Brandherd, doch bereits mit unglaublichen Auswirkungen auf die Atmosphäre.
  
  26.02.2003
  Costa Ricas Artenvielfalt
  Um Wissenschaftlern und Laien einen Einblick in das vielfältige Leben des mittelamerikanischen Landes Costa Rica zu geben, hat das nationale Biodiversitäts-Institut Inbio ein Informationssystem namens Atta geschaffen. Atta ermöglicht einen Einblick in gefährdete Arten, die durch die Gewinnung neuer Anbauflächen durch Rodungen betroffen sind.
  Costa Ricas Biodiversität zählt weltweit zu den Reichsten: die Wissenschaftler schätzen die Zahl der Pflanzen auf 12.000 bis 14.000 Arten. In den Wäldern des mittelamerikanischen Landes leben rund 40.000 Spezies von Käfern und 20.000 Spezies von Schmetterlingen. Vier Prozent aller Tier- und Pflanzenarten weltweit leben in dem knapp 52.000 Quadratkilometer großen Land. "Das große Problem der Artenvielfalt Costa Ricas liegt darin, dass weniger als zehn Prozent der vorkommenden Arten bekannt sind", so Erick Mata Montero, IT-Koordinator von Inbio. Der Experte drängt zu einer genaueren Erforschung der unbekannten Arten, da nicht mehr viel Zeit vorhanden sei. "Wenn eine Inventur der Arten nach herkömmlichen Methoden durchgeführt wird, dauert das zu lange, daher greifen wir zu modernen Technologien", erklärt der Fachmann.Inbio wurde 1989 als Non-profit Organisation gegründet, um die großartige Flora und Fauna des Landes zu schützen und die Arten in den Naturreservaten besser und genauer zu beschreiben. "Bisher haben wir nicht einmal an der Oberfläche gekratzt", meint Montero, der davon ausgeht, dass eine genaue Beschreibung der Arten mindestens 20 Jahre in Anspruch nehmen werde. Die Zeit dränge deshalb so, weil es auch in Costa Rica viele Gebiete gebe, in denen der Regenwald gerodet wird, um Platz für Weideland oder Siedlungen zu schaffen. Mit jedem Stück gerodeten Urwalds verschwinden tausende von Arten. Die Inbio-Wissenschaftler schätzen auch den Bestand der Insekten auf über 100.000 Spezies. Das Atta-System besteht aus einer Datenbank mit bereits zwei Mio. Einträgen, jede steht in Verbindung mit einer Tier- oder Pflanzenart. Darüber hinaus werden auch geographische Angaben in der Datenbank berücksichtigt. Montero hofft, dass auch andere Länder diese Art der Erfassung der Lebewesen nutzen könnten. "Früher oder später sollten alle diese Datenbanken zu einem großen System verschmelzen, so dass alle Informationen über das Netz erhältlich sind", meint Montero. Das werde aber noch ein paar Jahre dauern. Weitere Informationen zum Atta System finden Sie unter http://atta.inbio.ac.cr/attaing/atta03.html.
  
  16.02.2003
  Indonesien: Kein Schutz vor Überflutungen
  Indonesien ist in den letzten zwei Wochen wiederholt von Überflutungen und todbringenden Erdrutschen heimgesucht worden. Zehntausende von Menschen auf den verschiedenen indonesischen Inseln Java, Süd-Sumatra, Kalimantan und Südost-Sulawesi sind durch die schweren Regenfälle obdachlos geworden. Als Ursache für die Unwetterkatastrophen wird die Vernachlässigung des Urwaldschutzes vermutet.
  Die winterlichen Überflutungen sind im Grunde nichts Neues für die Menschen des Inselstaates. Doch - darin stimmen Regierung und Umweltschützer überein - durch die schrumpfenden Wälder sind die zerstörerischen Folgen der Wassermassen schwerwiegender geworden. Gerade am Donnerstag berichteten die indonesischen Medien, dass man in Jakarta von einem Verlust von fast sechs Millionen Hektar geschützter Urwälder ausgehe. Das entspricht fast der doppelten Fläche von Nordrhein-Westfalen. Zu den Hauptursachen für die Entwaldung zählen illegaler Kahlschlag, Rodung zum Landgewinn sowie Bergbau inmitten der Wälder.
  Für das illegale Abholzen selbst unter Schutz stehender Urwälder spielt die Nachfrage nach Holzprodukten eine entscheidede Rolle. Sie beläuft sich in Indonesien auf rund 60 Millionen Kubikmeter Holz pro Jahr. Dem stehen jedoch nur 15 Millionen Kubikmeter aus der landeseigenen legalen Holzproduktion gegenüber. Umweltschützer warnen deshalb schon jetzt davor, dass die Holzfäller ihr illegales Treiben nach den indonesischen Urwäldern bald auf die noch unberührten Wälder in Papua ausweiten könnten.
  
  13.02.2003
  Indianer vertreiben Ölgesellschaft
  Die argentinische Ölfirma CGC hat ihre Ölexploration im ecuadoriansichen Amazonasdschungel abgebrochen und gedroht, wegen ständiger Auseinandersetzungen mit indigenen Waldbewohnern das Land zu verlassen. Im Ölblock 23 200 Kilometer südöstlich von Quito besitzt CGC seit 1996 eine Konzession. Dort hatten kürzlich Indigene CGC-Angestellte gekidnappt und später der Polizei übergeben. Die Ureinwohner sehen in den Ölaktivitäten von CGC eine Bedrohung ihrer traditionellen Lebensräume.
  Der argentinische Ölkonzern verlangte jetzt von der Regierung Sicherheitsgarantien und einen ausreichenden Schutz für seine Angestellten. Andernfalls werde man sich komplett aus Ecuador zurück ziehen. Was von dem Unternehmen als Drohung gemeint ist, feiern die betroffenen Indigenen als großen Sieg.
  Vor wenigen Tagen berichtete die Zeitung "El comercio" über eine Gruppe von Indigenen in der Gemeinde Sarayacu, die sich für die Bohruntersuchungen und Erdölförderung aussprechen und sich daher in einer Auseinandersetzung mit der Mehrheit der Gemeinde befindet. Laut "El Commercio" benutzen die Erdölkonzerne fast immer die Strategie, einige Leute zu kaufen und dann zu behaupten, die Indigenen seien selbst für die Erdölförderung in ihrer Heimat.
  
  02.02.2003
  Kampf gegen Umweltkriminalität in Brasilien
  Die neue brasilianische Umweltministerin Marina Silva hat zur effektiveren Bekämpfung der stark zunehmenden Umweltkriminalität eine offizielle Stelle in ihrem Ministerium eingerichtet. Die Stelle wird von Vertretern verschiedener Bundespolizeieinheiten und aus dem Amt für öffentliche Sicherheit koordiniert. Dadurch soll die Umweltkriminalität in Verbindung mit der weit verbreiteten Korruption innerhalb der Behörden entscheidend eingeschränkt werden.
  
  15.01.2003
  Zur Entwaldung in Indonesien:
  Die Entwaldung in Indonesien schreitet immer schneller voran - waren es im Jahre 2001 noch 2 Millionen Hektar Regenwald, die für immer verschwanden, so wurden in 2002 bereits 2,4 Millionen Hektar abgeholzt.
  Laut Forest Watch Indonesia (FWI) resultiert die Entwaldung aus korrupter Politik und einem Wirtschaftssystem, das die Wälder als eine Geldmaschine für politische und private Interessen betrachtet. Der FWI weist darauf hin, dass Indonesien nur noch über 98 Millionen Hektar Regenwald verfügt. Im Jahre 1950 waren es noch 162 Millionen Hektar.
  Das FWI prophezeit, dass die Wälder auf den Sulawesi-Inseln in diesem Jahr ganz verschwinden werden, Sumatra wird sie im Jahre 2004 und Kalimantan bis ins Jahr 2010 verlieren. Die Indonesischen Umweltschützer weisen darauf hin, dass sich das Abholzen in diesem Jahr weiter beschleunigen wird, weil Wahlen anstehen und die politischen Parteien den Wahlkampf mit den Wäldern finanzieren.
  Das Politmagazin Frontal 21 hat in seiner gestrigen Ausgabe ueber Holz aus Raubbau sowie das FSC-System berichtet. Auf der Internetseite www.frontal.de ist der Beitrag abrufbar. In dem Bericht wird dargestellt, dass illegales Tropenholz in Deutschland weit verbreitet angeboten wird und sich in der Regel nicht als solches erkennbar ist. Frontal 21 stellt leider den FSC als die Lösung vor, wie der Kunde nachweislich legales Holz kaufen kann. Der FSC lässt in den Tropen auch Abholzungen von Naturwäldern zu, weshalb wir den FSC als ökologisches Tropenholzsiegel nicht akzeptieren können.
  
  10.01.2003
  Von der Endlichkeit unserer Welt - Kritische Reflektionen von George Monbiot
  Kapitalistische Systeme basieren auf der Annahme eines immerwährenden Wachstums. Der Glaube daran sitzt noch immer tief in den Köpfen fast aller politischer und wirtschaftlich verantwortlicher Menschen. In einer Welt mit endlichen Ressourcen mündet dies in eine letztlich fatale Situation. Die Wand gegen die wir im Begriffe sind mit hoher Geschwindigkeit zu rasen, rückt immer näher. Der bekannte Sozialkritiker George Monbiot hat darüber vor kurzem einen - wie wir meinen - beeindruckenden Artikel veröffentlicht, den Sie sich hier als .doc-File herunterladen können. Leider gibt es den Artikel nur in der englischen Originalfassung.
  
  09.01.2003
  Neuer Präsident der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA will gegen illegale Abholzungen vorgehen.
  Marcus Barros, ehemaliger Leiter des brasilianischen Amazonas-Forschungs-Institut INPA in Manaus, will als neuer IBAMA-Präsident gegen die Eigentümer der Holzfirmen vorgehen, die im Amazonasgebiet illegal abholzen. Die bisher meist ohne Folgen für die Betreiber gebliebenen Abholzungen sollen von nun an mit den gesetzlich möglichen Strafmaßen belangt werden. (Anm. d. Red.: Die brasilianischen Umweltgesetze gehören zu den besten der Welt. Es haperte bisher am Vollzug.) Wir werden die Entwicklung kritisch beobachten.
  
  17.12.2002
  Lula, Brasiliens neuer Präsident setzt hoffungsvolles Zeichen.
  Kind des Urwalds - Marina Silva wird Brasiliens Umweltministerin -
  Wie kaum eine andere verkörpert sie die Hoffnung auf eine neue Politik für Amazonien: Marina Silva, eine ehemalige Gummizapferin aus dem Bundesstaat Acre, wird neue Umweltministerin Brasiliens. Ihre Nominierung durch den gewählten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva haben brasilianische Umweltschützer begeistert aufgenommen. Die 44-jährige Marina Silva stammt aus ärmsten Verhältnissen. Ihre Familie sammelte Kautschuk in einer abgelegenen Amazonasregion an der Grenze zu Bolivien. Drei ihrer sieben Geschwister starben noch im Kindesalter. Erst mit 14 Jahren lernte Marina Lesen und Schreiben. Wenig später überlebte sie ihre erste schwere Lebererkrankung. In der Provinzhauptstadt Rio Branco arbeitete sie als Hausangestellte, holte den Schulabschluss nach und engagierte sich in christlichen Basisgemeinden. Anschließend studierte sie Geschichte und schloss sich der Arbeiterpartei PT an.
  Jahrelang arbeitete sie eng mit dem legendären Gummizapfer und Umweltaktivisten Chico Mendes zusammen. Mendes wurde 1988 im Auftrag von Großgrundbesitzern erschossen, Silva setzte ihr Engagement in Gewerkschaften und Parlamenten fort. 1994 wurde sie mit 36 Jahren zur jüngsten Senatorin Brasiliens gewählt. Im Senat erwarb sich die zierliche Frau schnell Respekt über alle Parteigrenzen hinweg. Für Urwaldbewohner und Umweltschützer wurde sie zur wichtigsten Verbündeten in der Hauptstadt. Seitdem die Arbeiterpartei 1998 die Landesregierung von Acre übernahm, gilt die Heimat von Marina Silva als Labor für die umweltschonende Nutzung des Regenwaldes. In Sammlerreservaten finden Gummizapfer und Indianer ein gesichertes Auskommen. Für Urwaldfrüchte gibt es immer neue Abnehmer. Zusammen mit den Betroffenen sorgen die Behörden dafür, dass nicht mehr unkontrolliert abgeholzt und der Fischfang geregelt wird. "Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung können Hand in Hand gehen", sagt Roberto Messias Franco von der Umweltorganisation WWF-Brasilien. Und fügt hinzu: "Niemand verkörpert diesen Gedanken so gut wie Marina Silva."
  Die neue Ministerin freut sich, dass Lula ihre Nominierung während eines Besuch in den USA bekannt gegeben hat. Sie sieht darin ein Zeichen an die Industrieländer. "Da wir ein Land mit einer großen Artenvielfalt sind, ist die Umweltpolitik für uns von strategischer Bedeutung", erklärte sie in einer ersten Stellungnahme. "Wir wollen eine ethische Beziehung zwischen jenen, die Technologie und Geld haben und jenen, die über traditionelles Wissen und natürliche Ressourcen verfügen." (von Gerhard Dilger)
  
  03.12.2002
  West Kalimatan in 40 Jahren Wüste?
  Die Indonesische Provinz West Kalimantan hat in den letzten beiden Jahren 300.000 Hektar Regenwald verloren. Forscher der University of Tanjungpura in West Kalimantan berichten, dass bei einer Beibehaltung der Entwaldungsrate die noch existenten 6,3 Millionen Hektar Regenwald in 38 Jahren verschwunden sein werden.
  Das Hauptproblem seien laut Gusti Hardiansyah, dem Autor der Studie, die illegalen Rodungen und die Waldbrände. Die hohe Arbeitslosigkeit liefere viele und willige Personen, um sich im illegalen Holzeinschlag ihr Brot zu verdienen. Dabei würden knapp 80 Prozent der illegal gerodeten Stämme nach China, Japan, Malaysia, Singapur und Taiwan geschmuggelt. Aus der Studie geht weiterhin hervor, dass von den 433.250 Sägewerken der Region die meisten illegal betrieben werden und darüber hinaus von Polizei und Militär gedeckt werden.
  
  24.11.2002
  Neue FSC-kritische Studie
  Wer die FSC-Tropenholz-Zertifizierung mit kritischen Augen betrachtet, kann sich neue Argumente aus einer umfangreichen, soeben erschienenen Studie der britischen Rainforest Foundation holen. Die sehr empfehlenswerte Studie (ca. 1,3 MB) kann - leider nur in englischer Sprache - hier heruntergeladen werden.
  
  18.11.2002
  Stopp für illegalen Mahagoni-Handel
  Santiago de Chile (pte) - Die Delegierten bei der internationalen Artenschutz-Konferenz CITES http://www.cites.org haben Verträge zur Unterbindung des Handels von Bigleaf-Mahagoni sowie von weiteren stark gefährdeten Tierarten wie Schildkröten unterzeichnet. Das berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk . Das UN-Treffen hat auch Bestimmungen zum Schutz von Walen und Haien angekündigt. Die Konferenz ging zum Wochenende in Santiago de Chile zu Ende.
  Als besonders erfolgreich bezeichneten die Umweltschützer aber den Schutz der Mahagoni-Bäume. Der internationale Handel mit Bigleaf-Mahagoni wird verboten, da diese Pflanze auf die Liste der gefährdeten Arten genommen wird. Dadurch werden auch Mahagoni-Bestände in den Urwäldern Amazoniens verstärkt vor illegalen Schlägerungen geschützt. Die Zahl der Bäume ist in den vergangenen Jahren durch eine Zunahme der Möbelproduktion rapide gefallen. In Zentralamerika sind die Bestände um 60 Prozent zurückgegangen, in Südamerika um 30 Prozent. Mit den Vereinbarungen hoffen die Umweltschützer, dass die Reegenwälder generell besser geschützt werden.Auch 26 Schildkröten-Arten, die hauptsächlich in Asien vorkommen, werden durch internationale Gesetze geschützt. Viele der Arten stehen bereits auf den roten Listen, dennoch blüht der internationale Handel, insbesondere nach China. Ein zentrales Anliegen der Umweltschützer ist auch das rasche Abnehmen der Schildkröten in Vietnam zu stoppen. In dem südostasiatischen Staat kommen 23 Schildkröten-Arten vor. Viele Tiere werden illegal gefangen, weil die Tiere in Luxus-Restaurants in China immens hohe Preise erzielen. Insgesamt soll allein der illegale Handel mit Schildkröten aus Vietnam um die fünf Mio. Dollar pro Jahr betragen. Dem Handel mit Seepferdchen, die als besondere Heilmittel in Ostasien gelten und als Aquarientiere beliebt sind, wurde der Riegel aber nicht vorgeschoben: Die Delegierten einigten sich aber dahingehend ein internationales Monitoring der 32 Spezies zu betreiben. "Ein Kilo Seepferdchen bringt auf dem Markt wesentlich mehr als ein Kilo Silber", erklärte Amanda Vincent, Wissenschaftlerin und Vorsitzende des "Project Seahorse". Rund 105 Staaten der Welt haben Ozeane vor der Türe, in denen Seepferdchen vorkommen. Die Menge der entnommenen Tiere sei aber im Hinblick auf das Nachwachsen der Population überproportional hoch, so Vincent.
  Abgeblitzt sind die Anträge zum Schutz der Geckos in Neuseeland und der Sri Lanka "Pink-Schmetterlinge". Die Delegierten haben afrikanischen Ländern den Verkauf von Elfenbein aus den Lagerbeständen natürlich verendeter Elefanten gestattet. Damit wurde erstmals seit 13 Jahren das Handelsembargo mit dem wertvollen Tierprodukt teilweise aufgeweicht. Umweltschutzorganisationen warnen aber davor, dass dies zu einer Zunahme von illegalen Elfenbeinhandel führen könnte, da die Herkunft der Elefantenstoßzähne nur schwer nachvollziehbar ist.
  
  11.11.2002
  Flüchtige Flora
  Weltweit scheinen deutlich mehr Pflanzenarten als angenommen vom Aussterben bedroht zu sein. Während man bisher von etwa 13 Prozent der bis zu 420.000 Arten ausging, haben US-Forscher jetzt eine Rate zwischen 22 und 47 Prozent berechnet (Science, Bd. 298, S. 989, 2002). In der früheren Schätzung sei die Zahl der gefährdeten tropischen Arten zu niedrig angesetzt worden. Die fehlenden Daten für die Tropen versuchten die Forscher in der neuen Berechnung durch die Zahl der in einem Land endemischen, auf bestimmten Regionen beschränkten Arten zu ergänzen. Solche Werte gäben eine leidlich genaue Basis ab, um das globale Artensterben zu berechnen, meinen die Forscher.
  
  06.11.2002
  Brasilianischer Minister beteiligt sich in Japan an Sitzung über Tropenholz
  José Carlos Carvalho, brasilianischer Umweltminister, erklärte in Yokohama, Japan, bei der 33. Sitzung des Rats der Internationalen Organisation für Tropenholz (ITTO), dass die Prioritäten Brasiliens künftig in der Bekämpfung der illegalen Plünderung der Forstressourcen liegen werden. Gleichzeitig versuche die Regierung eine Verbesserung der Lebensbedingungen der örtlichen Bevölkerung zusammen mit verstärkten Umweltschutzbemühungen zu erreichen.
  Der Minister fügte hinzu, dass Brasilien in den letzten 4 Jahren seine Forstpolitik verändert habe und die Forstgesetzgebung verschärft habe, wodurch nun 80% des Amazonas-Gebietes unter Schutz stünden. Darüber hinaus wurde das Gesetz gegen Umweltverbrechen gebilligt und das Nationalforstprogramm veröffentlicht, welches die nachhaltige Benutzung der Forstressourcen fördere.
  Der Minister lobte auch das Pronaf-Forstprogramm, wodurch 80 Mio. Dollar für die Wiederaufforstung des Atlantischen Urwaldes zur Verfügung stünden.
  
  29.10.2002
  Abschwächung der Weltbank-Richtlinien zum Schutz der Wälder geplant
  Umwelt- und Entwicklungsorganisationen haben gegen eine geplante Abschwächung der Weltbank-Richtlinien zum Schutz der Wälder protestiert. Wie die Umweltorganisation "Urgewald" mitteilte, wolle die Weltbank ihre Schutzrichtlinie für den Waldsektor neu fassen und die Bestimmungen lockern. In der bislang gültigen "forest policy" wurde jede Finanzierung von Holzeinschlag in tropischen Regenwäldern verboten.
  Greenpeace stellte in einem Brief an Weltbank-Präsident Wolfensohn fest, dass die überarbeitete Waldpolitik der Weltbank "nicht nur die Wälder der Erde zerstört, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Bank als Entwicklungsinstitution." Der WWF erklärte in einem Protestbrief an Wolfensohn, statt die Schutzbestimmungen auch auf die Wälder des Nordens auszuweiten, werde der Schutz der Regenwälder faktisch aufgegeben. Lediglich zerstörerische Praktiken sollten vermieden werden.
  "Damit widerspricht die neue Weltbank-Politik nicht nur dem deutschen Waldsektor-Konzept. Sie fällt auch noch hinter die Ziele von Rio 1992 zurück", stellte Knud Vöcking von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald fest. Der erste Weltumweltgipfel 1992 in Rio hatte klare Ziele zum Schutz von Klima und tropischen Wäldern formuliert (Agenda 21), die der diesjährige Johannesburg-Gipfel bekräftigte. "Wolfensohns schöne Rede in Johannesburg steht in direktem Gegensatz zum Handeln der Weltbank", so Vöcking.
  Das Weltbank-Papier fordere zwar eine Zertifizierung der kommerziellen Nutzung. Anstatt aber international anerkannten Kriterien als Mindeststandard voraus zu setzen, könne nach den Vorstellungen der Weltbank jeder Kreditnehmer sein eigenes Zertifizierungssystem anwenden. NRO befürchten, dass damit dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet wird.
  Weltweit ist ungefähr eine Milliarde Menschen direkt vom Wald und seiner Nutzung abhängig. Davon gelten nach den Schutzmassstäben der Weltbank 180 Millionen als Indigene (Ureinwohner). Ihr Schutz ist auch nach der neuen Waldpolitik vorgesehen. Die anderen 800 Millionen Menschen "fallen aber völlig durch das Raster", so Urgewald. So hätten etwa Kautschukzapfer, die die Regenwälder nachhaltig nutzen, keinerlei Möglichkeit, ihre(Überlebens-)Interessen geltend zu machen. "Statt Armut zu bekämpfen, werden so Arme ins absolute Elend gestürzt", erklärte Knud Vöcking.
  
  15.10.2002
  Neues zum Thema Artenschutz
  Wie schlecht der Artenreichtum der Tropen bisher erforscht ist, zeigt eine Untersuchung über Baumfrösche auf Sri Lanka (Science, Bd. 298, S.379, 2002): Bisher waren auf der Insel gerade einmal 18 dieser Amphibienarten bekannt. Als die Wissenschaftler aber die Baumkronen in den letzten fünf Prozent des Regenwaldes, die noch nicht abgeholzt sind, genau untersuchten, entdeckten sie mehr als hundert weitere Baumfroscharten! Mit 140 Amphibien-Spezies auf knapp 66.000 Quadratkilometern ist Sri Lanka damit ein Zentrum der Artenvielfalt von Fröschen und Kröten, obwohl die Insel kleiner als Bayern ist. Auf Inseln wie Borneo, Madagaskar oder Neu-Guinea verteilt sich eine ähnliche Artenvielfalt auf die zehnfache Fläche. In den letzten Regenwaldgebieten Südostasiens könnten sich daher noch eine ganze Reihe weiterer Wirbeltierarten verbergen, vermuten die Forscher.
  
  28.09.2002
  Mit Fischerbooten gegen die Holzmafia - Brasiliens Urwaldbewohner wehren sich gegen den illegalen Raubbau am Amazonas
  Von Gerhard Dilger (epd)
  Vierzig kleine Fischerboote schaukeln entlang eines Stahlseils, das quer über einen gut 100 Meter breiten Fluss gespannt ist. Mitten im brasilianischen Amazonas-Bundesstaat Pará haben sich hunderte Urwaldbewohner zu einer Flussblockade zusammengefunden. Ziel ihres Protests ist die Holzmafia.
  Monat für Monat, so schätzt die Landarbeitergewerkschaft der Gemeinde Porto de Moz, werden 50.000 Kubikmeter Tropenholz über den Jaraucu abtransportiert, einen Nebenfluss des Xingu, der seinerseits einige Kilometer weiter in den Amazonas mündet. In den vergangenen Jahren sind Dutzende Holzfirmen in die Region eingedrungen. Die meisten kommen aus dem Osten des riesigen Bundesstaates, wo sie kaum etwas vom Amazonasregenwald übrig gelassen haben. Drei Viertel von ihnen arbeiten ohne Lizenz. Das Holz geht in die EU, nach Japan und in die USA.
  Bedroht ist aber nicht nur der Wald um Porto de Moz, sondern auch rund 15.000 Menschen, die hier seit Jahrzehnten von der Fischerei, der Jagd und der Nutzung von Urwaldfrüchten leben. 1997 haben die Urwaldbewohner von Porto de Moz mit der Hilfe von Kirchenleuten ein "Komitee zur nachhaltigen Entwicklung" gegründet. Sie fordern die Einrichtung eines 13.000 Quadratkilometer großen Naturreservats mit dem Namen "Immergrün" - es wäre das größte Brasiliens.
  Verhindert haben dies bisher die Politiker aus Pará, darunter der örtliche Bürgermeister Gerson Campos, selbst Besitzer zweier großer Sägewerke. Deshalb hätten sich die Flussgemeinschaften zur Blockade entschlossen, sagt Claudio Barbosa, der Vorsitzende des Komitees. Aus Manaus hat Greenpeace ein modern ausgerüstetes Schiff geschickt. "Die traditionellen Gemeinschaften sind die ersten, die an einer nachhaltigen Nutzung des Waldes interessiert sind, denn er ist ihre Lebensgrundlage", sagt Marcelo Marquesini vom Greenpeace-Kampagnenteam. Ein staatlich geschütztes Reservat sei die beste Lösung für Mensch und Natur, denn bisher herrsche das "Recht des Stärkeren."
  Groß war die Überraschung bei André Campos, als in der vergangenen Woche sein mit 117 riesigen Holzstämmen beladener Frachter von der Blockade aufgehalten wurde. Widerwillig traf der Bruder des Bürgermeisters ein Übereinkommen mit dem Blockierern, das er bereits nach einer Nacht brach: Campos ließ den Frachter auf die Bootskette zutreiben. "Als wir anfingen, um Hilfe zu rufen, schoben die Greenpeace-Leute ihr Schlauchboot zwischen uns und den Frachter", berichtet Letrizia Duarte, die zu den Blockieren gehört. "Dadurch haben sie uns das Leben gerettet." Stunden später beschlagnahmten eingeflogene Beamten der Umweltbehörde die illegale Fracht, Campos erhielt eine Strafe von umgerechnet 55.000 Euro.
  In Porto de Moz entlud sich der Zorn der Holzunternehmer in regelrechten Jagdszenen. Auf dem Flughafen wurde eine Fernsehreporterin, die die Protestaktionen gefilmt hatte, von einer aufgebrachten Menschenmenge fast gelyncht. Unter den Angreifern, die sämtliches Filmmaterial zerstörten, befand sich auch Bürgermeister Campos. Claudio Barbosa wurde verprügelt, sein Boot auf dem Hauptplatz verbrannt. Etliche Aktivisten aus Porto de Moz, darunter der Priester, schweben nun in Lebensgefahr. Trotzdem werten sie die Aktion als Erfolg: "Wir haben der Welt gezeigt, welche Zustände bei uns herrschen," sagt Barbosa. "Das ist unsere letzte Hoffnung."
  
  22.09.02
  Nachlese zum Umweltgipfel in Johannesburg
  Ausser Spesen nix gewesen? - Wir haben die wenigen nennenswerten Ergebnisse des Umweltgipfels nochmals für Sie zusammengetragen. Den Bericht können Sie sich als .pdf-File hier herunter laden.
  
  16.09.2002
  Brasiliens Urwald wird elektronisch überwacht
  In Brasilien ging vor einigen Tagen ein riesiges System zur elektronischen Überwachung des Amazonas-Regenwaldes in Betrieb. Staatspräsident Fernando Cardoso nahm das so genannte Sivam-Projekt in der Amazonasmetropole Manaus feierlich in Betrieb.
  Das 1,5 Milliarden Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro) teure System soll unter anderem zur Verbesserung des Umweltschutzes für das anfällige Amazonas-Gebiet beitragen. In einem Areal von 5,5 Millionen Quadratkilometern, das sind fast zwei Drittel des Staatsgebiets, sollen auch die Landnutzung und der Luftraum überwacht und die Aktivitäten von Drogen- und Waffenhändler-Mafia sowie von illegalen Holzfirmen eingedämmt werden. Sivam besteht aus einem Netz von 30 Flugzeugen und Radarsystemen, deren Sensoren mit 87 Bildempfangsstationen, Koordinationszentren und Monitoren verbunden sind. Voll funktionsfähig soll es allerdings erst in einigen Monaten sein. «Brasilien hat aber ab sofort erstmals eine völlige Kontrolle seines Luftraums», erklärte ein Sprecher der Streitkräfte.
  Das neue System wird unterdessen von verschiedenen Seiten mit Misstrauen beobachtet. Indio-Verbände befürchten zum Beispiel eine größere Kontrolle durch das Militär. «Diese Kontrolle kann negative Folgen für die Urbevölkerung des Regenwaldes haben, denn Sivam basiert unter anderem auch auf der alten militärischen Doktrin für nationale Sicherheit, wonach die in den Grenzregionen lebenden Indios potenzielle Feinde Brasiliens sind», erklärte ein Sprecher des Missionar-Rates für die Indios der katholischen Kirche (Cimi).
  
  28.08.2002
  Weltbank ruft zu Umdenken auf
  Die Weltbank (!) hat ein Umdenken in der globalen Wirtschafts- und Umweltpolitik gefordert. In ihrem Weltentwicklungsbericht 2003, der kürzlich veröffentlicht wurde, wies die Weltbank auf schwere politische Fehler in der Vergangenheit hin und mahnte größere Anstrengungen zur Bekämpfung der Armut sowie zum Schutz der Umwelt an. Dazu gehöre auch, die Märkte der Industrie-Nationen für die Produkte ärmerer Länder zu öffnen. (In der Praxis ist das leider noch(?) nicht der Fall - wie wir bei der Einfuhr von Produkten für den Regenwaldladen feststellen müssen. - Anm. der Red.)
  
  24.08.2002
  Brasilien weist weltgrößtes Regenwaldschutzgebiet aus
  Brasilia (AP) Brasilien hat wenige Tage vor dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung das größte Regenwaldschutzgebiet der Erde geschaffen. Präsident Fernando Henrique Cardoso sagte am Donnerstag in Brasilia, mit der Ausweisung des Tumucumaque-Gebirgsnationalparks im Norden des Landes werde einer der unberührtesten Urwälder geschützt, der noch verblieben sei.
  Das 3,8 Millionen Hektar große Gebiet, das in der Sprache der Ureinwohner «Felsen auf der Spitze des Berges» heißt, ist größer als Belgien. Es übertrifft den Slonga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo um 230.000 Hektar. Cardosos Erlass vier Tage vor dem Umweltgipfel von Johannesburg soll dort in eine noch größere Initiative eingebunden werden: Es wird erwartet, dass er dort insgesamt fast eine halbe Million Quadratkilometer Regenwald im Amazonas - inklusive Tumucumaque - unter den Schutz seiner Bundesbehörden stellen wird.
  Das Gebiet an der Grenze zu Surinam und Guyana ist noch nicht mit Straßen erschlossen. Die zahlreichen Wasserfälle und Stromschnellen machen es auch in der Trockenzeit unpassierbar für Boote. Es beheimatet eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, in der noch unbekannte Arten vermutet werden.
  Für die Schaffung des Schutzgebietes hatten sich Organisationen wie der World Wildlife Fund for Nature (WWF) und Conservation International (CI) eingesetzt. Der CI-Direktor in Brasilien, Roberto Cavalcanti, sagte, mit dem Nationalpark werde die letzte straßenlose Wildnis der Welt geschützt. «Der Amazonas ist in vielen Teilen noch wild, aber er wird von Straßen durchschnitten.» Straßen beschleunigen das Vordringen von Menschen, die sich auf der Suche nach Bodenschätzen oder als Holzfäller in die Regenwälder begeben.
  Jose Pedro de Oliveira Costa, Staatssekretär im brasilianischen Umweltministerium, hofft nun auf die von Weltbank und anderen Organisationen versprochenen Millionenhilfen für Tumucumaque. In anderen Amazonas-Schutzgebieten können die unterbesetzten Waldhüter das Vordringen illegaler Holzfäller und Bergleute kaum verhindern. Costa sagte, Tumucumaque solle zunächst den Forschern, später aber auch Ökotouristen zugänglich gemacht werden.
  Brasilien will sich auf dem bevorstehenden UN-Gipfel in Johannesburg auch für eine stärkere Anwendung erneuerbarer Energien einsetzen. Die Entwicklungsländer sollten sich dazu verpflichten, zehn Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken, forderte Außenminister Celso Lafer. Er rechne in Johannesburg allerdings mit starkem Widerstand gegen diesen Vorschlag.
  Lafer erklärte ferner, sein Land werde am Rande des Gipfel ein Abkommen mit Deutschland unterzeichnen, in dem Berlin sich zur Finanzierung von 100.000 mit Alkohol betriebenen Autos in Brasilien verpflichte. Im Gegenzug werde Deutschland Anteile seines Schadstoffausstoßes gutgeschrieben bekommen, wie dies nach dem Kyoto-Protokoll von 1997 möglich sei. Dieses Protokoll zum Klimaschutz sieht eine Reduzierung der so genannten Treibhausgase vor.
  
  23.08.2002
  Der Weltgipfel in Johannesburg steht kurz bevor
  Am 26. August beginnt nun in Johannesburg, Südafrika, der nächste Weltumweltgipfel. Über 120 Staats- und Regierungschefs werden erwartet. Sie müssen entscheiden, wie es nach der enttäuschenden Bilanz des Rio-Prozesses endlich vorwärts gehen soll. In vier globalen Verhandlungsrunden wurden die in Johannesburg zu verabschiedenden Texte über die letzten zwei Jahre erarbeitet. Zuletzt trafen sich die Bürokraten aller Länder im Juni in Bali, Indonesien. Doch geeinigt haben sie sich bisher nur auf etwa siebzig Prozent eines Textes, der "Aktionsprogramm" genannt wird. Aktionen, die die Ziele der Agenda 21 wirklich umsetzen könnten, sind darin jedoch kaum zu finden. Alle für die Zukunft des Planenten interessanten Punkte - vom Klimaschutz bis zum Welthandel - sind weiter strittig und müssen in Johannesburg noch zu Ende verhandelt werden.
  Es sieht nicht gut aus. Die USA, tatkräftig unterstützt von Kanada, Australien und den ölexportierenden OPEC-Staaten, sträuben sich gegen jede neue internationale Verpflichtung. Ein globales Ziel für den Ausbau erneuerbarer Energien, für das sich Umweltminister Jürgen Trittin stark macht, ist für die USA genauso inakzeptabel, wie eine konkrete Zielsetzung für die weltweite Verbesserung der sanitären Grundversorgung bis zum Jahr 2015. US-Präsident Bush hat zwar nach den jüngsten Wirtschaftsskandalen schärfere Regeln z. B. für Bilanzprüfer eingeführt. Aber wenn globale Konzerne soziale und ökologische Regeln akzeptieren sollen, dann blockiert die amerikanische Regierung weiterhin. Und auch nach den Unwettern des Sommers sperren sich die USA dagegen, dass die globale Klimavereinbarung, das Kyoto-Protokoll, im Verhandlungstext auch nur lobend erwähnt wird.
  
  02.08.2002
  Brasilien ratifiziert Kyoto-Protokoll
  Als erster südamerikanischer Staat hat nun Brasilien das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. In der 1997 im japanischen Kyoto getroffenen Vereinbarung verpflichten sich die ratifizierenden Staaten, die Kohlendioxid-Emissionen aus fossilen Brennstoffen bis 2012 auf das Niveau von 1990 zu drücken, um dem Treibhauseffekt entgegen zu wirken. Bisher haben die EU und Japan ratifiziert. Die skandalöse Haltung des US-amerikanischen "Weltmeisters" der Kohlendioxid-Emission zur Kyoto-Vereinbarung hat sich bisher leider nicht geändert...
  
  23.07.2002
  Brasilien: Illegale Rodungen, organisierte Kriminalität und korrupte Staatsdiener
  Der illegale Holzeinschlag in den Indianergebieten von Mato Grosso wird von organisierten kriminellen Vereinigungen kontrolliert. Ermöglicht wird er durch die Unterstützung von Funktionären staatlicher Kontrollinstanzen. Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass sowohl Ministerien, die Polizei und die Umweltschutzbehörde IBAMA in die Aktionen verwickelt sind.
  So wurden allein 30.000 Kubikmeter Edelholz aus dem Indianerreservat Cinta Larga beschlagnamt. Im Zentrum der Kritik steht die staatliche Gesundheitsorganisation FUNASA, die den extrem armen Indianern schon seit 1999 ein Gesundheitsvorsorgeprogramm vorenthält. Mit andauernd verschobenen Versprechungen wurden die Indianer gefügig und zu Handlangern bei den illegalen Fällaktionen gemacht.
  
  03.07.2002
  Indonesische Regierung plant Holzeinschlags-Moratorium
  Die Pläne der Regierung, Holzeinschläge in Naturwäldern zeitweise auszusetzen wäre ein Balsam für die in den letzten Jahren arg geplünderten Regenwälder Indonesiens. Lautstarke Proteste in der Holz- und Papierindustrie folgten prompt. Die Betriebe würden dadurch indirekt gezwungen, auf bereits degradierten Flächen Plantagen anzulegen, um den Bedarf an Rohmaterial zu decken. Allein die Papierindustrie verbrauchte zwischen 1988 und 2000 120 Millionen Kubikmeter Holz. Davon stammten nur 10 Prozent aus Plantagen. Der Fehler, ausschließlich auf die billige Nutzung der Regenwälder zu setzen scheint nun bitter bestraft zu werden. Wir hoffen auf eine entsprechende Überwachung damit das Moratorium seinem Anspruch gerecht werden kann.
  
  07.06.2002
  Die Entwaldung in Amazonien hat das Land nicht weiter gebracht
  Der in den letzten Dekaden erfolgte Raubbau an den amazonischen Regenwäldern hat weder neue Unternehmen hervorgebracht, noch Arbeitsplätze geschaffen und keinerlei Perspektiven für die ohnehin unter teilweise katastrophalen Bedingungen lebende lokale Bevölkerung eröffnet. Im Gegenteil: Die Entwaldung hat viele Menschen zu Vertriebenen gemacht und entwurzelt, hat große Latifundien entstehen lassen und somit dazu beigetragen, die Ökosysteme empfindlich zu stören und deren Reichtum, die einst unermessliche Biodiversität enorm zu reduzieren.
  Soweit die Bilanz des brasilianischen Umweltministeriums in Brasilia, die gestern vorgelegt wurde. Allein in den 10 Jahren nach dem Umweltgipfel von Rio 1992 wurden in Amazonien 150.000 Quadratkilometer Regenwald vernichtet - offenbar für nichts und wieder nichts. Übrig geblieben ist ein unfruchtbares, meist völlig erodiertes Land, das nichts dazu beigetragen hat, den Teufelskreis der Armut in Amazonien aufzubrechen oder zu reduzieren. Lediglich sechs Prozent der brasilianischen Agrarproduktion kommt aus Amazonien.
  Der unserer Meinung nach wichtigste Beitrag zur Erhaltung der Regenwälder und zur Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung liegt in der Förderung und Unterstützung der traditionellen Lebensweise durch die Vergrößerung des Marktes für waldschonend (nachhaltig) erzeugte Nicht-Holz-Waldprodukte. Auf diesem Gebiet wird das Regenwald-Institut in Kürze eine umfangreiche Initiative starten. Wir werden Sie an dieser Stelle informieren.
  
  30.05.2002
  Neues vom WestLB-Pipeline-Bau in Ecuador: Reisebericht der WestLB-Parlaments-Delegation
  Die NRW-Landtagsabgeordneten Ute Koczy (Grüne) und Bernhard von Grünberg (SPD) haben einen Bericht über ihre Reise nach Ecuador vorgelegt. In dem südamerikanischen Land hatten sich die beiden kürzlich über die Folgen der WestLB-Pipeline informiert. Fazit ihres Berichtes: Das von der WestLB maßgeblich finanzierte Ölprojekt verstößt eindeutig gegen verschiedene Weltbank-Standards. Den Bericht können Sie sich hier als .pdf-File herunterladen.
  
  23.05.2002
  UNEP veröffentlicht Umweltbericht "GEO-3"
  Umfassende Studie über den Stand von Umwelt und Entwicklung
  In der Studie wird ein eingehender Blick auf die Politik und Umweltauswirkungen der letzten 30 Jahren geworfen. Anschließend werden für die nächsten drei Jahrzehnte vier Politikansätze beschrieben und die wahrscheinlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt gegenübergestellt und verglichen. Die mehr als 1.000 am Bericht beteiligten Fachleute, von denen viele in einem weltweiten Netz kooperierender Forschungszentren arbeiten, sehen den Planeten an einem Scheideweg: Welche Entscheidungen heute getroffen werden, werde sich nachhaltig auf die Wälder, Meere, Flüsse, Berge, Tierwelt und auf andere lebenserhaltende Systeme auswirken, auf die heutige und künftige Generationen angewiesen sind.
  Als eine der wichtigsten treibenden Kräfte wird in GEO-3 die wachsende Kluft zwischen den reichen und armen Teilen der Erde bezeichnet. Zur Zeit genieße ein Fünftel der Erdbevölkerung einen hohen wenn nicht gar exzessiven Lebensstandard. Dieses Fünftel vereinige auf sich beinahe 90 Prozent des weltweiten persönlichen Konsums. Gleichzeitig müssten etwa vier Milliarden Menschen mit weniger als 1-2 US-Dollar pro Tag auskommen.
  Einzelheiten des GEO3 Berichtes finden Sie auf der Internetseite von UNIC Bonn, unter http://www.uno.de/umwelt/unep/geo3.htm.
  
  19.05.2002
  Schröder fordert Öffnung der Märkte für Entwicklungsländer
  Berlin (Reuters) - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat dafür plädiert, den Entwicklungsländern den Zugang auf die Märkte der westlichen Industrieländer zu erleichtern.
  Schröder sagte am Donnerstag in einer Regierungserklärung zur Nachhaltigkeitsstrategie seiner Regierung im Bundestag, die internationalen Regeln müssten so gestaltet werden, dass fairer Handel möglich werde. Die Entwicklungsländer müssten die Chancen der Globalisierung verstärkt nutzen können. Die reichen Länder hätten die Verantwortung, ihre Märkte zu öffnen für Produkte aus den Entwicklungsländern. Wer pauschal gegen die Öffnung der Märkte kämpfe, verbaue diesen Ländern den Weg aus der Armut.
  Schröder fügte hinzu, es gebe keinen Zweifel, dass die Globalisierung Ängste auslöse und dass Bewährtes in Frage gestellt werde. Er warnte, diese Ängste könnten in politische Verhaltensweisen umschlagen, die zu einem Erstarken der extremen Rechten führen würden. Ein Beispiel dafür sei Frankreich, wo der Rechtspopulist Jean-Marie Le Pen in der ersten Runde der Präsidentschaftwahlen zweitstärkster Amtsanwärter geworden war. Die Politik müsse den Menschen klar machen, "dass Globalisierung mit Hilfe von Politik beherrschbar ist", forderte Schröder.
  Für die Bundesregierung zog Schröder eine positive Bilanz der Nachhaltigkeitsstrategie. Im April hatte das Kabinett die deutsche Strategie beschlossen. Auf dem UN-Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro hatten sich die Staaten darauf verständigt, Nachhaltigkeitsstrategien auszuarbeiten. Diese sollen auf dem Nachhaltigkeitsgipfel im September in Johannesburg vorgestellt werden. Die Strategie der Bundesregierung enthält 21 Indikatoren von Klimaschutz über Staatsverschuldung bis hin zu Mobilität, die Fortschritte bei der Nachhaltigkeit messbar machen sollen.
  Schröder warnte davor, den Begriff der Nachhaltigkeit auf die Ökologie zu verkürzen. So seien die Steuerpolitik oder die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte Teil der Strategie. Der Union warf Schröder vor, Wahlversprechen in einer Dimension (Stockholm: DMSN.ST - Nachrichten) von 79 Milliarden Euro zu machen und zugleich die Staatsquote auf unter 40 Prozent drücken zu wollen, was noch einmal 170 Milliarden Euro kosten würde. Investitionen in Bildung und Infrastruktur seien dann nicht mehr möglich. Einen armen Staat könnten sich nur Reiche leisten, sagte Schröder.
  Der Bundeskanzler nannte auch das unter seiner Regierung gewachsene internationale militärische Engagement Deutschlands Teil der Nachhaltigkeitsstrategie. "Es darf keine Tabuisierung des Militärischen geben", sagte Schröder. Mit Verweis auf seinen Besuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul vergangene Woche sagte er, dort komme man in eine Stadt, die fast völlig zerstört sei und in der die Menschen bis vor kurzem ohne Hoffnung gelebt hätten. Die internationale Schutztruppe ISAF habe "die Basis für Hoffnung in dem Land geschaffen" und sei der einzige Schutz der Bevölkerung. In der ISAF dienen rund 1200 Bundeswehrsoldaten.
  
  17.05.2002
  Amazonas-Indianer nehmen Geiseln
  Indios haben drei brasilianische Regierungsbeamte als Geiseln genommen und mit ihrer Verbrennung gedroht, falls Goldsucher nicht von ihrem Stammesterritorium entfernt würden. Das brasilianische Fernsehen zeigte am Mittwoch Bilder der Gefangenen in riesigen Holzkäfigen, die die Indios bei Nichterfüllung ihrer Forderungen anzünden wollten. Rund 300 Goldsucher waren vor gut einem Jahr in das Indioreservat im Westen der Amazonasprovinz Para eingedrungen, um nach dem Edelmetall zu schürfen. Die Regierung hat den Ureinwohnern seitdem mehrfach versprochen, die Eindringlinge zu entfernen, was jedoch bislang nicht geschah. Gleichwohl zeigten sich die Behörden von der Geiselnahme überrascht. «So etwas hätten wir nicht erwartet», sagte Cid Furtado vom für die Indios zuständigen Regierungsbüro. Er betonte aber, dass die Polizei nunmehr damit begonnen habe, die Goldsucher von indianischem Territorium wegzuschicken. Zugleich seien Verhandlungen für eine Freilassung der Geiseln aufgenommen worden.
  
  13.05.2002
  Straßenbau und Waldzerstörung in Amazonien
  ...war Gegenstand einer Tagung des Instituts für Umweltforschung in Amazonien (IPAM), die gerade in Manaus stattfand. Im Mittelpunkt stand die Dabatte über die Asphaltierung der BR 163, Cuiaba-Santarém. Tausend Kilometer der Straße sind bereits asphaltiert, die restlichen 1000 km sollen demnächst im Rahmen des "Avanca-Brasil" (Vorwärts Brasilien) - Programmes der Regierung geteert werden.
  Die Straße ist das Herz der Soya-Strategen, denn sie erschließt den "Tiefsee-Hafen" Santarém am Amazonas für den Export. Es wird (zurecht) befürchtet, dass die vollständige Asphaltierung eine beschleunigte Waldzerstörung und schwerwiegende soziale und gesundheitliche Probleme füer die anliegenden Kommunen bringen wird.
  
  20.04.2002
  Urwaldgipfel in Den Haag: Zahnlos und letztlich unbefriedigend
  Die Ergebnisse der 6. Vertragsstaatenkonferenz über die Konvention zur biologischen Vielfalt in Den Haag waren aus unserer Sicht enttäuschend. Eine große Chance für einen Meilenstein beim Schutz der letzten Naturwälder wurde leichtfertig vergeben. Dabei lag im Vorfeld der Konferenz ein Arbeitsprogramm als Grundlage vor, das auch die Zustimmung internationaler Naturschutzverbände gefunden hatte. Vor allem Länder wie Brasilien und Kanada, die noch über bedeutende Urwaldflächen verfügen, hatten offenbar an einer Verabschiedung eines wirkungsvollen Arbeitsprogramms kein Interesse.
  Immerhin verabschiedeten die Vertreter der 180 Vertragsstaaten zum Abschluss des zweiwöchigen Gipfels ein wässriges Arbeitsprogramm mit mehr als 130 Punkten zum Schutz der noch verbliebenen Urwälder und zur vertraglichen Nutzung der Holzvorräte. Wir bedauern zutiefst, dass es keine Einigung über einen Stopp der illegalen Waldzerstörung gegeben hat. Es wurde versäumt, dem Schutz der letzten Urwälder als Garanten der biologischen Vielfalt oberste Priorität einzuräumen. Erschütternd auch die mangelnde Bereitschaft der Industrienationen, sich beim Schutz der Wälder in den Entwicklungsländern finanziell stärker als bislang zu engagieren. Die Forderung der Entwicklungsländer nach Einrichtung eines bedeutenden jährlichen Budgets beim Global Environmental Fund (GEF) zum Schutz der Wälder und der biologischen Vielfalt verhallte beinahe ungehört. Dafür wären jährlich rund 15 Milliarden US-Dollar notwendig.
  
  08.04.2002
  In Den Haag beginnt das Gezerre um die letzten Urwälder
  Die biologische Vielfalt der Wälder ist das Schwerpunktthema der vom 7. bis 19. April 2002 in Den Haag stattfindenden sechsten Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die Biologische Vielfalt (COP-6 CBD) - soweit das Konferenzchinesisch. Über 2.000 Delegierte aus 182 Ländern treffen sich zu diesem "Urwaldgipfel". Verhandelt wir über verbindliche Schritte, um die weitere Abholzung der verbliebenen unersetzlichen Gebiete zu stoppen. Dazu ist vor allem eine effektive Bekämpfung des illegalen Holzeinschlages notwendig. Am Ende wird hoffentlich ein wirksames Zehnjahres-Programm zum Schutz der Urwälder verabschiedet.
  Vergangenen Mittwoch hat das amerikanische World Resources Institute in Washington einen neuen Bericht über die Situation der letzten Urwälder veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass es in 15-20 Jahren keine intakten Urwälder mehr geben wird, falls der Einschlag nicht sofort gestoppt wird. Weltweit werden nach Angaben der Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO) jedes Jahr Wälder in der Größe von Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen zusammen abgeholzt. Hinzu kommt noch die jährliche Umwandlung von einigen Millionen Hektar Urwald in Plantagen und artenarme Sekundärwälder.
  
  30.03.2002
  Abschlußbericht zum Gewächshaus- und Kompostanlagenprojekt fertig
  Vor genau einem Jahr begannen wir mit großzügiger Unterstützung der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ), der Entwicklungsprojekte-Stiftung und der Deutschen Umwelthilfe e.V. das Gewächshaus- und Kompostanlagenprojekt in unserem Projektgebiet Taruma Mirim. Dieses ist identisch mit einem staatlichen Siedlungsgebiet in den Primärwäldern nördlich der Amazonasmetropole Manaus. Der Anlagenbau ist nun so gut wie abgeschlossen. Die Projektbeschreibung, den Zwischen- und Abschlußbericht finden Sie hier.
  
  22.03.2002
  Bundesregierung beschlagnahmt erstmals Tropenholz
  Die Bundesregierung hat eine von Greenpeace aufgedeckte Schiffslieferung mit illegal gefällten Mahagoni-Stämmen aus Brasilien im Hamburger Hafen beschlagnahmt. Dies bestätigte am Donnerstag Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne). Etwa 50 Greenpeace-Aktivisten hatten am 28. Februar gegen den Holzfrachter "Enif", der 300 Kubikmeter Mahagoni aus dem Amazonas nach Hamburg lieferte, im Hamburger Hafen protestiert.
  Der für Forsten zuständige Staatssekretär im Verbraucherministerium, Matthias Berninger (Grüne), erklärte: "Wir müssen den Handel stärker in den Blick nehmen und dort, wo illegal eingeschlagenes Holz auf den Markt kommt, dies brutal vom Markt nehmen."
  Das in Hamburg festgehaltene Mahagoni wurde nach Angaben der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA illegal gefällt. Die Behörde verhängte im Oktober 2001 ein Handels- und Exportverbot für Mahagoni, um die Regenwälder Brasiliens zu schützen. Nach Klagen der Holzfirmen wurde das illegal gefällte Mahagoni dennoch exportiert, obwohl das Verfahren bis heute in der Schwebe ist. Die Auseinandersetzung um den Import von Tropenholz findet im Vorfeld der sechsten Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention über die Biologische Vielfalt (COP-6 CBD) statt, die vom 7. - 19. April in Den Haag tagt. Die im Tropenwaldschutz aktiven Verbände fordern von den Regierungen, auf dem Urwaldgipfel ein wirksames Programm zum Schutz der letzten Urwälder zu verabschieden. Dazu gehört, dauerhafte Urwald-Schutzgebiete einzurichten und ökologische Waldnutzung zu fördern.
  
  15.03.2002
  EU stockt Entwicklungshilfe auf
  Barcelona (AP) Die EU-Staaten haben sich am Donnerstag auf eine Aufstockung der Entwicklungshilfe geeinigt. Demnach wird die Gemeinschaft bis 2006 0,39 Prozent des Bruttosozialprodukts für die Entwicklungshilfe ausgeben. «Die Einigung zeigt, dass die EU sich nicht auf der Tatsache ausruht, der weltweit größte Geldgeber für Entwicklungshilfe zu sein», sagte der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, am Vorabend des zweitägigen EU-Gipfels in Barcelona.
  Der für Entwicklungshilfe zuständige EU-Kommissar Poul Nielson sagte, der Beschluss stärke die Position der EU bei der UN-Konferenz zur Entwicklungshilfe kommende Woche im mexikanischen Monterrey. Ein Jahre alter EU-Grundsatzbeschluss sieht vor, dass die EU-Staaten mindestens 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts für die Entwicklungshilfe ausgeben. Dagegen wehrt sich besonders die Bundesregierung mit Verweis auf die derzeitige Haushaltslage.
  Der Anteil der deutschen Entwicklungshilfe am Bruttosozialprodukt beträgt nach EU-Angaben derzeit 0,27 Prozent. Länder wie Dänemark, Schweden und die Niederlande geben bereits weit mehr als die auch von den Vereinten Nationen geforderten 0,7 Prozent aus.
  
  03.03.2002
  Allianz gegen Biopiraterie
  Brasilien, China, Indien und acht weitere Länder mit der bedeutensten Biodiversität der Erde unterzeichneten eine Allianz zur Bekämpfung der Biopiraterie. Die dem Abkommen zugrunde liegende Erklärung, welche auch von Indonesien, Costa Rica, Kolumbien, Ekuador, Kenia, Peru, Venezuela und Südafrika unterzeichnet wurde, beinhaltet die Hauptanklage, dass die reichen Länder die Regenwälder systematisch nach unbekannten Arten absuchen. Die Pflanzen oder auch deren Inhaltsstoffe lassen sie sich patentieren und verkaufen die Produkte ohne wirtschaftliche Beteiligung der Ursprungsländer mit großen Profiten. Diesen Problemkreis werden die Vertragsstaaten auf dem diesjährigen Weltumwelt-Gipfel in Johannesburg zur Sprache bringen.
  
  25.02.2002
  Neues über die Pipeline in Ekuador
  Am Donnerstag schloss eine Gruppe von Umweltschützern ihre 10-Tages-Tour zum Baugebiet der Pipeline in Ecuador ab, die mit Geldern der WestLB den Ölexport des Landes verdoppeln soll. Greenpeace Deutschland, Italiens Kampagne zur Reform der Weltbank sowie Ecuadors Accion Ecologica gaben am Donnerstag eine Pressekonferenz. "Entlang der ganzen Strecke von Lago Agrio über Mindo bis Esmeraldeas sahen wir massive Zerstörungen von Primärwald," sagte Michaela Braun von Greenpeace. "In Deutschland könnte ein Projekt mit dermassen zerstörerischen Folgen für Gesellschaft und Umwelt nicht durchgeführt werden." In Ecuador gehen seit 6 Wochen die Baumblockaden weiter, die das Mindo-Naturschutzgebiet vor den Bauarbeiten und der Zerstörung schützen sollen. Einige Bauarbeiter sind in den Streik gegangen, weil Löhne nicht gezahlt wurden. Der Umweltminister von Ecuador will neue Untersuchungen zur Geologie der Pipelineroute.
  Während Umweltminister und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen die WestLB um Überprüfung des Kredits bitten, unterstützt der Finanzminister Steinbrück das Projekt weiterhin. Allerdings hat er zugesagt, sich vor Ort in Ecuador über die Situation zu informieren, was Umweltschützer als erfolg ansehen. Der Präsident von Ecuador, Noboa, sieht das Projekt nicht gefährdet. "Wir können es nicht zulassen, dass 4 oder 5 Deutsche von Greenpeace den an Hunger sterbenden Ecuadorianern erzählen, dass wir an Hunger sterben sollen, während Leute von der ersten Welt rosig und wohlgenährt in die dritte Welt kommen...Wir haben diplomatische Kontakte, und es gibt kein Problem mit der Finanzierung der Pipeline."
  
  18.02.2002
  Interessante Studie zu Waldbränden in Amazonien
  Wissenschaftler konnten zum ersten Mal zeigen, wie Waldbrände großflächig Temperaturen erniedrigen können. Darüber hinaus "trocknen" die Rauchpartikel die Wolken aus und reduzieren signifikant die Niederschlagsmengen und -Häufigkeiten. Den Kurzbericht in englischer Sprache können Sie sich hier herunterladen.
  
  15.02.2002
  Mahagoni-Schmuggler in Brasilien arbeiten mit Mafia-Methoden
  Zwei Schmugglerringe wurden letzte Woche von der brasilianischen Bundespolizei zerschlagen. Geschmuggelt wurden keine Drogen sondern Mahagoni-Stämme. Das Fällen und der Handel mit Mahagoni ist in Brasilien verboten. Im Verlauf der Ermittlungen zeigte sich, dass die Schmuggler bewaffnete Handlanger rekrutieren und unterhalten, um ihre Geschäftsinteressen zu schützen und durchzusetzen. Methoden, die der organisierten Kriminalität entsprechen.
  Der Erfolg der Mahagoni-Schmuggler stützt sich auch auf die Tatsachen, dass Gummizapfer und Bewohner der Flußufer einen Mahagoni-Stamm für ein Kilo Reis oder eine Dose Milchpulver verkaufen. Auch Indianer werden in das Geschäft mit einbezogen - oft für billige Konsumartikel oder Fahrräder.
  
  19.01.2002
  Entwaldung in Amazonien beschleunigt
  Eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung des Smithsonian Research Institutes ist kürzlich im Wissenschaftsjournal "Envirnonmental Conservation" erschienen. Sie stellt fest, dass die Entwaldungsrate in Amazonien seit 1995 wieder stark angestiegen ist. Demnach betrug die Waldzerstörung von 1995 bis 2000 durchschnittlich 2 Millionen Hektar pro Jahr, was sieben Fussballfeldern pro Minute entspricht. Damit ist die Zerstörungsrate auf dem katastrophalen Niveau der 70er und 80er Jahre angekommen.
  Diese Erkenntnisse sind deswegen so wichtig, weil die brasilianische Regierung in den nächsten 5 Jahren in Amazonien 40 Milliarden US$ in neue Straßen, Eisenbahnen, Wasserkraftwerke, Strom- und Gasleitungen investieren will. ("Avança Brasil" - beachten Sie auch unten stehende Notiz vom 29.06.2001).
  Die Regierung behauptet, dass diese Eingriffe nur begrenzten Einfluß auf die Regenwälder haben werden. Die Untersuchung prophezeit jedoch das Gegenteil, v.a. durch Invasionen von Holzfällern, Jägern und brandrodende Bauern.
  Wir schließen uns einer erneuten Protestmail-Aktion von forest.org an und bitten Sie, das vorbereitete Schreiben (in englischer Sprache) hier zu versenden. Danke für Ihre Mithilfe!
  
  08.01.2002
  Ergebnisse von Abholzungsverboten in asiatischen und pazifischen Ländern
  Eine interessante, soeben erschienene Publikation beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen von Abholzungsverboten in einigen asiatischen und pazifischen Ländern. Die Autoren beobachteten über einen Zeitraum von 15 Jahren wie sich solche Verbote in China, Neuseeland, Philippinen, Sri Lanka, Thailand und Vietnam auf die Wälder dieser Länder auswirkten. Die Ergebnisse sind teils ernüchternd, in einigen Ländern aber auch durchaus erfolgeich. Dort konnten die Naturwälder über weite Strecken geschützt werden. Den Holzbedarf deckte man weitgehend aus neu angelegten Plantagen.
  Eine Zusammenfassung der Publikation können Sie sich als Word-Datei (leider nur in englischer Sprache) hier herunterladen.
  
  18.12.2001
  Dringend: Citi-Bank-Gruppe ermöglicht Gasabbau in Peru
  Die Untere Urubama Region in Peru soll Gasfeldern zum Opfer fallen. Die Region ist fast ausschließlich von ursprünglichem Primärwald bewachsen. In ihr leben zwei Indianerstämme (Nahua, Kugapakari), die noch keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Außerdem zählt die Region zu den biologisch vielfältigsten der Erde.
  Bitte unterstützen Sie unseren Protest und senden Sie das vorbereitete Protest-Schreiben. Das Schreiben und weitere Infomationen finden Sie hier: http://www.ran.org/info_center/aa/aa156_camisea.html.
  
  14.12.2001
  Tatort Mexiko
  Die Auswertung von Satellitenaufnahmen zwischen 1993 und 2000 zeigt, dass in Mexiko die Waldzerstörung doppelt so schnell voranschreitet als zuvor angenommen. Bisher ging die mexikanische Regierung davon aus, dass ca. 682.000 Millionen Hektar im Jahr verloren gehen. Die neue Untersuchung zeigt jedoch, dass die jährliche Verlustrate fast doppelt so hoch ist - nämlich 1.25 Millionen Hektar. Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass Mexiko nach Brasilien die höchste Entwaldungsrate aufweist, knapp gefolgt von Indonesien.
  Der seit einem Jahr regierende mexikanische Präsident, Vicente Fox, will die Entwaldung durch ein verschärftes Vorgehen gegen den illegalen Holzeinschlag und mit einer gezielten Wiederaufforstung von Wirtschaftswäldern bekämpfen.
  
  04.12.2001
  Die Geschichte Südostasies könnte sich in Amazonien wiederholen
  Bis in die 80er Jahre lieferten Indonesien und Malaysia 50 Mio Kubikmeter tropisches Hartholz pro Jahr. In den letzten 10 Jahren ging die Produktion dramatisch zurück, weil die Wälder bereits zu einem Großteil geschlagen waren. Der unkontollierte Holzraub in Amazonien könnte dafür sorgen, dass sich die Geschichte dort wiederholt.
  Diese Problematik war das Thema auf der "AmazonTech 2001", die letzte Woche in Boa Vista (Bundesstaat Roraima) stattfand. Der "Hunger" des Holzmarktes wendet sich derzeit Amazonien zu. Asiatische Holzfirmen kaufen Land in Brasilien und Peru um die Bedürfnisse des Marktes stillen zu können. Bereits im letzten Jahr reklamierten indigene Stammesverteter, dass vermehrt in ihr Land eingedrungen werde.
  Offiziell produziert Brasilien 25 Mio Kubikmeter Holz pro Jahr, davon stammen ca. 68 Prozent aus illegalem Raubbau. Satellitenaufnahmen legen jedoch den Schluß nahe, dass die wirklichen Zahlen höher liegen. Jetzt sind die Regierungen gefordert, das südostasiatische Szenario zu unterbinden.
  
  18.11.2001
  Brasilianische Exporte nach China wachsen um 30 Prozent
  Brasilien wird in diesem Jahr Güter im Wert von 2.7 Milliarden US$ nach China liefern. Wie die "Folha de Sao Paulo" am 17.11. berichtet, gehen damit 3.5% aller Exporte in die Volksrepublik - genau so viel wie nach Deutschland.
  Im Vergleich zum Vorjahr steigen insbesondere die Ausfuhr regenwaldsensibler Produkte beachtlich: Soja von 337 Mio. auf 522 Mio. Tonnen, Cellulose von 52 auf 92 Mio. Tonnen und die Ausfuhr von Holz steigt von 16 auf 25 Mio. Tonnen. - In diesen Zusammenhang passt die Pressemitteilung der Firma American International Paper, im amazonischen Amapá bis 2013 eine neue, gigantische Cellulosefabrik bauen zu wollen. Geplanter Ausstoß: 750.000 Tonnen pro Jahr -
  Sollten sich diese Steigerungen in den nächsten Jahren bestätigen, so wird das den Druck auf die Regenwälder Amazoniens weiter verschärfen.
  
  02.11.2001
  Urucu - Erdgasleitung bedroht Amazonaswälder
  Das Problem: Vom staatlichen brasilianischen Erdölkonzern Petrobras wird seit 1995 der Bau einer Pipeline im westlichen Amazonien geplant. Bisher konnte der Baubeginn immer wieder verzögert werden. Jetzt macht die Petrobras Ernst und versucht mit formalen und juristischen Tricks die Baugenehmigung für die 520 Kilometer lange Erdgasleitung aus dem Fördergebiet Urucu, im Zentrum des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, nach Porto Velho zu erzwingen. Sollte die Genehmigung erteilt werden, würde dies eine neue Erschließungswelle in bisher unberührte Regenwaldgebiete auslösen, mit weitreichenden sozialen und ökologischen Folgen.
  Mittlerweile liegt ein Protestbrief vor. Wir bitten Sie, uns bei dieser Aktion zu unterstützen und diesen Brief zu unterzeichnen. Sie finden den Brief unter www.tropenwaldnetzwerk-brasilien.de. Der Brief ist bis zum 05.11.2001 geschaltet. Wir danken Ihnen für Ihre Mithilfe!!
  
  30.10.2001
  Brasilianischer Umweltminister: "Wald- und Umweltschutz gegen Schuldenerlaß"
  "Die Verknüpfung von Armut und Schulden mit der Umweltpolitik wurde bisher noch nicht vollzogen", sagte der brasilianische Umweltminister Sarney auf dem 13. Forum der lateinamerikanischen und karibischen Umweltminister, auf dem ein Aktionsplan für den im Jahre 2002 stattfindenden Welt-Gipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg erarbeit wurde. Der Weltgipfel ist die Fortsetzung des 1992 in Rio begonnenen Prozesses. Im Sinne der zukünftigen ökologischen Entwicklung unseres Planeten sollte diese Chance von den maßgeblichen Regierungen, dem IWF und der Weltbank unbedingt ergriffen werden.
  
  20.10.2001
  Deni-Territorium in Amazonien demarkiert
  In einer Pressemitteilung gab das brasilianische Justizministerium jetzt bekannt, dass das mehr als 1,5 Millionen Hektar große Stammesgebiet der Deni-Indianer nunmehr vollständig demarkert ist. Ca. 660 Deni-Indianer, verteilt auf neun Dörfer, haben somit den gesetzlichen Schutz der Unantastbarkeit ihrs Territoriums. Auch wenn es am Vollzug hapert, so ist von nun an jedes unbefugte Eindringen von Holzkonzernen, Goldgräbern etc. in das markierte Gebiet illegal. Die aufwändige Demarkierung wurde von den Deni selbst, mit Unterstützung der Indianerbehörde, lokaler NGO´s und Greenpeace durchgeführt, da sie auf die offizielle Demarkierung seitens der Regierung nicht länger warten wollten.
  
  09.10.2001
  FAO veröffentlicht den Welt-Wald-Bericht 2001
  Soeben erschien der Welt-Wald-Bericht der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Danach wurden in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 15,2 Millionen Hektar unbeeinflußter Regenwald unwiederbringlich zerstört. Das entspricht 0,8 Prozent der gesamten, weltweiten Regenwaldfläche. Von der Zerstörung am stärksten betroffen sind Argentinien, Brasilien, Kongo, Indonesien, Myanmar, Nigeria, Sambia und Simbabwe. Dagegen gibt es bei den temperierten Wäldern Zunahmen der Waldfläche - allerdings oft durch Wiederaufforstung von Plantagen an ehemals natürlichen Standorten. Der kontinuierliche Verlust weltweiter Waldflächen ist eine Katastrophe, bedroht die ökologische Vielfalt unseres Planeten mit ihren, insbesondere in den Regenwäldern immer noch weitgehend unbekannten genetischen Ressourcen.
  Eine ausführliche Zusammenfassung, allerdings in englischer Sprache ist hier zum Download bereit. Den gesamten Bericht der FAO können Sie unter http://www.fao.org/forestry/FO/SOFO/sofo-e.stm studieren.
  
  28.09.2001
  Lichtblick für den Amazonaswald
  Der brasilianische Präsident Cardoso bestätigte kürzlich vor Umweltschützern in Brasilia, dass er am "Codigo Florestal" unverändert festhalten will. Der Codigo Florestal besagt, dass Besitzer von Regenwaldgebieten nicht mehr als 20% ihres Grundbesitzes nutzen dürfen. 80% hat unangetastet zu bleiben. Dieser, in vielen Fällen mangels Kontrolle oft nicht vollzogene "Schutzstatus", soll seit einiger Zeit auch offiziell durch eine entsprechende Änderung des Codigo Florestal aufgeweicht werden. Die Landbesitzer wollen erreichen, dass die Aufteilung in Nutz- und Schutzgebiete umgekehrt wird: 80% Nutzung (Rodung), 20% unangetastet.
  
  07.09.2001
  Zimbabwe als Totengräber der Regenwälder im Kongo
  Als Gegenleistung für drei Jahre reichlich Militärhilfe gegen die Rebellen erlaubt die kongolesische Regierung "Repräsentanten des zimbabwischen Präsidenten Mugabe", 34 Millionen Hektar wertvollsten Regenwald im benachbarten Kongo auszubeuten. Das Gebiet gehört zu den unlängst von der UN ausgewiesenen "wichtigsten Naturwäldern der Erde". Die 2-3 Jahre dauernde Extraktion von Edelhölzern wird geschätzte 700 Millionen DM einbringen, die vorwiegend in die Taschen einer kleinen Clique von Generälen und Politikern fliessen werden.
  
  22.08.2001
  Unep-Bericht über den Bestand an "geschlossenen Wäldern" der Erde
  Einen umfangreicheren und detaillierteren Bericht hat es noch nicht gegeben! Demnach befinden sich 80 Prozent der ökologisch besonders wertvollen "geschlossenen Wälder" in nur 15 Ländern. Die größten Bestände hat Russland, Canada, Brasilien, die USA, die Demokratische Republik Kongo, China, Indonesien, Mexiko, Peru, Kolumbien, Bolivien, Venzuela, Indien, Australien und Papua-Neuguinea. Laut Klaus Töpfer, dem Unep-Direktor, sei es sinnvoll, die begrenzten Mittel, die zur Walderhaltung zur Verfügung stünden, vor allem in den Ländern einzusetzen, in welchen die Chance zu einer Erhaltung der Wälder am größten ist. Den Bericht können Sie sich unter ftp://www.na.unep.net/pub/closedforest/ herunterladen.
  
  21.08.2001
  Staudamm in West Papua bedroht einzigartige Primärwälder
  Ein gigantisches Staudammprojekt am Mamboramo, dem größten Fluß West Papuas, soll 10.000 MW Strom für den Bau mehrerer Schwerindustrie-Projekte an der Küste liefern. Die Grundlage für diese Projekte legte im Jahre 1999 die südkoreanische Firma PT Kodeco Mamberamo Plywood. Sie errichtete an der Küste ein Sägewerk und versorgt dieses seither aus dem über 600.000 ha großen Primärwald-Konzessionsgebiet reichlich mit "Rohstoff". Dank großzügiger Finanzierungszusagen vor allem der Asian Development Bank wird sich die Zerstörung der letzten unbeeinflußten Regenwaldgebiete West Papuas beschleunigen. Den Originalartikel (in Englisch) können Sie sich hier herunterladen.
  
  02.08.2001
  Regenwald-Institut initiiert Schulpatenschaft
  Das Friedrich-Wöhler-Gymnasium in Singen hat eine Patenschaft für die Dorfschule in unserem Projektgebiet Taruma Mirim im brasilianischen Amazonasgebiet übernommen. Unter phantastischer Beteiligung von Schülerinnen und Schülern aller Jahrgangsstufen, wurde mit großem Erfolg mehrmals das Musical "Yanomamo" aufgeführt. Der Erlös dieser Aufführungen, insgesamt mehr als DM 4.500.- kommt der Dorfschule zugute. So werden nun Schulgärten angelegt, in welchen die Kinder spielerisch mit angepassten Nutzungsformen vertraut gemacht werden und gleichzeitig eine Mitverantwortung für ihre eigene Schulspeisung übernehmen. Darüber hinaus werden Lehr- und Lernmaterialien angeschafft sowie einige dringend notwendige bauliche Veränderungen am Schulgebäude vorgenommen. Wir werden regelmäßig von der weiteren Entwicklung berichten.

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Schule mit Wasserturm im Projektgebiet
(Zum Vergrößern, bitte auf das Bild klicken - mit dem "back-button" kehren sie züruck)
  
  11.07.2001
  Berechtigte Kritik an der Tropenholz-Zertifizierung des Forest Steward Council (FSC)
  Mit "Seeing the wood from the Trees" ist ein interessanter Artikel überschrieben, der dieser Tage in "The Ecologist", Vol.31, No.6, Juli/August 2001, erscheinen wird. Der Artikel befasst sich äußerst kritisch mit der Praxis der FSC-Zertifizierung im tropischen Regenwald. Darin verbirgt sich sehr viel Sprengstoff, der die Philosophie der Tropenholz-Zertifizierung in ihren Grundfesten erschüttern dürfte (und sollte). Wurde früher erbittert für einen Boykott von Tropenholz-Produkten als wichtigen Beitrag zum Regenwaldschutz gekämpft, so wird der Verbraucher heute im Zeichen des FSC-Siegels aufgefordert, den Tropenwald durch KAUF von Tropenholz-Produkten zu schützen!
  Unsere Aussage und Forderung dazu:
  Das Regenwald-Institut unterstützt grundsätzlich die Philosophie der FSC-Tropenholz-Zertifizierung mit der wesentlichen Einschränkung, dass forstwirtschaftliche Eingriffe in unangetasteten Primärwäldern grundsätzlich zu unterlassen sind! Dies wird jedoch von FSC-Zertifizierten Betrieben zur Zeit z.B. in Amazonien (Precious Woods) nicht erfüllt. Ein, wie wir meinen, unhaltbarer Zustand, zu dem auch die FSC-Protagonisten WWF und Greenpeace umgehend klar Stellung beziehen sollten. Fazit: FSC-Zertifizierung ja - in Sekundärwäldern und Plantagen, die ausdrücklich nicht durch Abholzen von Primärwäldern angelegt wurden!
  Sie können sich den Artikel als pdf.-File (leider nur in englischer Sprache) hier herunterladen.
  
  03.07.2001
  Unser Gewächshausprojekt: Zwischenbericht
  Unser Gewächshausprojekt in Amazonien ist gut angelaufen! Den bebilderten Zwischenbericht können Sie hier studieren.
  
  29.06.2001
  Aktion gegen das Amazonas-Entwicklungsprogramm "Avança Brasil"
  Das Regenwald-Institut unterstützt eine e-mail-Aktion des Waldportales www.forests.org im Kampf gegen die Umsetzung des geplanten Amazonas-Entwicklungsprogramms. Adressaten dieser Aktion sind der Brasilianische Präsident Cardoso und die Umweltministerin Alegretti.
  Das Programm "Avança Brasil" beinhaltet u.a. einen massiven Straßenbau im Amazonastiefland wodurch der Wald für Siedler, Holzfäller und für den Abbau von Bodenschätzen geöffnet würde. Dies soll in einem Umfang erfolgen, der den Bestand und die ökologische Funktion des größten Regenwaldes der Erde fundamental gefährden würde.
  Die Protestnote ist vorformuliert (in Englisch), beinhaltet alle wesentlichen Punkte und ist leicht zu bedienen.
  Bitte beteiligen sie sich an dieser Aktion!!
  Klicken Sie hier.
  Weitere Informationen zum Thema finden Sie in den Meldungen vom 27.02.2001 und vom 30.01.2001.
  
  19.06.2001
  Das Regenwald-Institut stellt einen neuen Sponsoring-Partner vor
  Im Rahmen eines langfristigen Firmensponsoring haben wir mit der Firma Flyerwire (http://www.flyerwire.de), einem Start-up in der Druckbranche, eine Vereinbarung getroffen. Dank des Engagements des Geschäftsführers, Herrn Schweizer, wird dem Regenwald-Institut ein Prozent des Umsatzes zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich für diese Unterstützung!
  
  18.06.2001
  Der schwere Kampf gegen die Waldvernichtung - In Brasilien bringt das Tropenwaldschutzprogramm bislang nur kleine Erfolge
  Von Gerhard Dilger (epd)
  Sao Paulo/Cuiaba (epd). Die Vernichtung des Regenwaldes in Brasilien geht weiter. Erst kürzlich musste Umweltminister Jose Sarney zugeben, dass im vergangenen Jahr wieder rund 20.000 Quadratkilometer Urwald im Amazonasgebiet vernichtet wurden - 15 Prozent mehr als im Vorjahr. "Wir werden von jenen Kräften überrannt, die das alte Modell des Raubbaus verfechten", so der Minister. Gegen den Drang nach neuen Gebieten für Bergbau und Landwirtschaft hat das "Internationale Tropenwaldschutzprogramm" einen schweren Stand.
  Dieses Programm wurde in Brasilien bislang von den sieben großen Industrienationen mit insgesamt rund 720 Millionen Mark unterstützt. Deutschland steuerte davon alleine 322 Millionen Mark bei. Das PPG-7, wie es kurz genannt wird, ist der Versuch von Ländern des Nordens und Brasilien, ein globales Umweltproblem in den Griff zu bekommen - die Abholzung der Tropenwälder und ihre Auswirkungen auf das Weltklima.
  Dabei wurde auf zwei Treffen von Programmteilnehmern in Cuiaba im Bundesstaat Mato Grosso kürzlich deutlich, dass es schon zahlreiche Initiativen von staatlichen Behörden und Basisgruppen in Brasilien gibt, die gegen den Raubbau kämpfen - von schonender Bewirtschaftung der Wälder und Überschwemmungsgebiete bis hin zur Einrichtung und Überwachung neuer Schutzgebiete. Das Umweltministerium des Landes will aus der Vielzahl dieser Projekte eine einheitliche staatliche Politik schmieden.
  Das ist keine leichte Aufgabe, denn das Tropenwaldschutzprogramm krankt an übermäßiger Bürokratie. "Manchmal dauert es Jahre, bis zugesagte Mittel bei den Zielgruppen ankommen", kritisiert etwa der Indianersprecher Sebastiao Alves Machineri. Kaum jemand überblicke derzeit den Kompetenzwirrwarr zwischen Weltbank, ausländischen Geldgebern und nationalen Behörden. Hinzu kommen die Widerstände der in Amazonien tätigen Konzerne, bei denen die Wirtschaftsinteressen weiter vor dem Umweltschutz kommen. Auch im Parlament haben die Großgrundbesitzer und Firmen eine starke Lobby.
  In Cuiaba sagten die internationalen Geber daher keine weiteren Mittel zu. "Solange keine überzeugende Strategie für die nächste Phase des Programms erarbeitet ist, tun wir uns schwer mit neuen Zusagen", erklärte Udo Vollmer vom Bundesentwicklungsministerium. Der Staat müsse aus den erfolgreichen Erfahrungen lernen und sie zur Richtschnur seiner Politik machen.
  Vollmer hob dabei die Projekte hervor, die Indianern zugute kommen. In 150 Regionen des Landes werden unter Beteiligung der Indianer Überwachungsmaßnahmen entwickelt. Satellitenaufnahmen beweisen: Wenn der Lebensraum der indigenen Völker gesichert wird, bedeutet das zugleich den besten Schutz für den Tropenwald.
  Erfolgreich sind die Projekte, wenn Landes- und Kommunalbehörden eng mit der Bevölkerung zusammenarbeiten. Im Bundesstaat Mato Grosso ist die Kontrolle von Waldbränden inzwischen in zahlreichen Gemeinden Bürgerpflicht. Die Umweltorganisation "Friends of the Earth" betreibt darüber hinaus Aufklärungskampagnen über Brandverhütung. Ermutigendes Ergebnis: Im vergangenen Jahr gingen die Brandherde in Mato Grosso um 60 Prozent zurück, in manchen Gemeinden sogar um 80 Prozent.
  
  04.05.2001
  Der neue FAO-Waldzustandsbericht ist da!
  Einmal pro Dekade veröffentlicht die FAO (Food and Agricultural Organization of the United Nations) einen Zustandsbericht der Wälder auf der Erde. Daraus geht u.v.a. hervor, dass in den Tropen 13.5 Millionen Hektar Wald pro Jahr verloren gehen - eine Fläche von der Größe Griechenlands. Auf diesen Flächen entstehen pro Jahr 1.8 Millionen Hektar Plantagenwälder und auf einer weiteren Million Hektar wachsen Sekundärwälder nach. Deren ökologischer Wert entspricht jedoch nur einem Bruchteil der ursprünglichen Primärwälder.
Ausserhalb der Tropen stieg die Waldfläche (Plantagen und Naturwald eingeschlossen) um 2.7 Millionen Hektar jährlich an.
  Brasilien, Indonesien, Sudan, Sambia, Mexiko, die Demokratische Republik Kongo (in dieser Reihenfolge) waren die Länder, die in den 90er Jahren die meisten Wälder verloren. Die gesamte Waldfläche Brasiliens verringerte sich in diesem Zeitraum um 22 Millionen Hektar, während Indonesien 13 Millionen Hektar Wald einbüßte.
  Im Gegensatz dazu stieg die Waldfläche in China um 18 Millionen Hektar, in Europa um 9 Millionen Hektar ud in den USA um 4 Millionen Hektar an.
  Der Waldbericht beinhaltet auch Daten über Wald-Management, Zertifizierung, Waldbrände, geschützte Flächen und Nicht-Holz-Waldprodukte.
  Eine sehr empfehlenswerte Zusammenfassung des Berichtes können Sie sich in englischer Sprache hier als .pdf-File herunterladen.
  
  18.04.2001
  Wie Indianer in den Tropen wirtschafteten - Intelligente Rodung
  Die Qualität der Böden ist bei der Entwicklung dauerhafter Bewirtschaftungsformen in den feuchten Tropen das größte Problem. Hohe Umsetzungsraten im feucht-warmen Klima reduzieren den Gehalt an organischer Substanz gegen Null. Schon nach wenigen Nutzungszyklen sind sie völlig ausgelaugt. Auch teure Mineraldünger helfen wenig, weil die Böden die Nährstoffe kaum binden. Eine Ausnahme bilden die "Terra Preta" - Böden (Schwarzerden) im tropischen Tiefland Südamerikas. Bayreuther Forscher haben sie kürzlich untersucht (Naturwissenschaften, Bd. 88, S. 37, 2001).
  Die anhaltende Fruchtbarkeit dieser Böden geht darauf zurück, dass sie im Vergleich zu benachbarten Tropenböden einen bis zu siebzigmal höheren Anteil an unvollständig verbrannter Biomasse haben. Diese mit Holzkohle vergleichbare Substanz stammt aus präkolumbianischer Zeit. Die Indianer im Amazonastiefland hatten über zwei Jahrtausende erfolgreich Agrarkultur betrieben, indem sie mit weniger heißen Schwelbränden rodeten. Dadurch verblieb ein Teil des Kohlenstoffs als Holzkohle in den Böden, anstatt als Kohlendioxid in die Luft zu entweichen. Folge: Verbesserung der Nährstoffversorgung und Nährstoffspeicherungskapazität. - Ein wichtiger Baustein auf dem Weg nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden zu entwickeln, um so den (Brand)-Rodungsdruck auf die bestehenden Regenwälder zu reduzieren.
  
  24.03.2001
  Unerwartetes Umfrageergebnis unter den Bewohnern Amazoniens
  Eine kürzlich vom WWF International und ISER (ein unabhängiges Meinungsforschungs-Institut aus Rio de Janeiro) unter den Bewohnern Amazoniens durchgeführte Umfrage brachte unerwartete, aber höchst erfreuliche Ergebnisse:
  46 Prozent der befragten Bevölkerung antwortete, dass nachhaltige Ressourcennutzung, Regenwaldschutz und Ökotourismus die größte Priorität besäßen. 59 Prozent der Befragten wünschen sich keinen weiteren Anstieg an Verschmutzungen und Raubbau, auch wenn dies mit einer Zuahme der Arbeitslosigkeit verbunden wäre, und 69 Prozent glauben nicht, dass Fortschritt wichtiger sei als Naturschutz. 73 Prozent der Befragten ist die Zerstörung der Regenwälder bewußt und/oder haben sie bereits selbst wahrgenommen. Abholzung und Waldbrände wurden als die Hauptprobleme Amazoniens genannt. Für 57 Prozent ist die Tropenholz-Extraktion nicht nötig um das Amazonasgebiet zu entwickeln. Für weniger als fünf Prozent hat die Unterstützung der Holzindustrie Vorrang.
  Laut dieser Umfrage befürworten die Mehrheit der Bewohner Amazoniens zwar Projekte mit einem hohen Umwelt-Einfluß wie Straßenbau, Entwicklung der Landwirtschaft und Abbau von Bodenschätzen - sie erwarten jedoch von der Regierung eine sorgfältige Planung solcher Aktivitäten im Einklang mit Nachhaltigkeits-Prinzipien.
  Die Umfrage wurde zwischen August und Oktober 2000 durchgeführt. Dabei wurden 2049 Personen in städtischen und ländlichen Gebieten der drei amazonischen Bundesstaaten, Amazonas, Parà und Rhondonia befragt. Diese Umfrage ist ein wichtiger Beitrag, das weitläufige Vorurteil, dass sich die meisten Regenwald-Bewohner einem Schutz ihres Lebensraumes widersetzen, zu entkräften. Wir bedanken uns für diese grundlegende Befragung!
  Weitere Informationen gibt es bei:
  Regina Vasquez,
WWF-Brazil: tel. +55-61-364-7483;
e-mail: regina@wwf.org.br
  
  28.02.2001
  Bau einer Ölpipeline durch Primärwald in Ekuador
  Ein multinationales Konsortium will eine Ölpipeline durch Primärwälder und geschützte Regenwaldgebiete in Ekuador bauen. Das Vorhaben gefährdet einen der artenreichsten und ökologisch wertvollsten Regenwald Ekuadors. Bitte nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit und unterstützen Sie die e-mail-Aktion des "The Ecologist Magazine" durch den Versand eines vorbereiteten Protestbriefes an die Verantwortlichen des internationalen Firmenkonsortiums.
  Die Originalnachricht mit näheren Informationen und den vorbereiteten Brief finden Sie auf unseren englischen Textseiten . Dazu klicken Sie bitte hier
  
  27.02.2001
  "Avança Brazil" - Was steht auf dem Spiel?
  40 Prozent des gesamten, auf der Erde übrig gebliebenen Regenwaldes befindet sich in Amazonien. Davon wurden bereits 14 Prozent vernichtet und weitere 40 Prozent in kleinere Teile zersplittert. Die noch bestehenden Wälder beinhalten die größte, auf der Erde existierende Artenvielfalt, spielen eine herausragende Rolle im regionalen und globalen Klimageschehen, im Wasserkreislauf, und binden die unvorstellbare Menge an 70 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, die in die Atmosphäre entweichen würden - mit einem entsprechenden Beitrag zum Treibhauseffekt.
  Etwa 810.000 Hektar werden pro Jahr zerstört. Das ist die höchste Waldverlustrate in der Welt. Die Ursache dafür liegt vor allem in der stark zunehmenden Besiedlung der Amazonasregion. Innerhalb der letzten 40 Jahre hat die Bevölkerung von zwei Millionen auf über 40 Millionen Menschen zugenommen. Mit der Bevölkerung kamen neue Straßenbauprojekte, eine starke Zunahme des Brandrodungsfeldbaues und einer städtischen Entwicklung. Dieser Trend hält unvermindert an und manifestiert sich in den "Avança Brasil"-Plänen der brasilianischen Regierung.
  Folge dieser Entwicklung ist eine starke Aufsplitterung ehemals geschlossener Waldgebiete, welche das Waldökosystem in starke Mitleidenschaft zieht. Insbesondere große, alte Bäume (sog. "Übersteher") reagieren sehr sensibel auf diese Fragmentierung. Eine in "Nature" veröffentlichte Studie von letzten Jahr weist darauf hin, dass diese Bäume sehr viel anfälliger für Wind und Parasiten sind und durch die Veränderung des Mikroklimas sehr empfindlich auf die zunehmende Trockenheit reagieren. Gerade diese Bäume sind für den ökologischen Wert und für die Gesundheit des Waldes sehr wichtig, weil sie Schutz, Schatten und Nahrung für eine Vielzahl anderer Arten - sowohl Tiere als auch Pflanzen - bieten.
  Die Zersplitterung reduziert auch die Fähigkeit des Waldes, sich selbst zu regenerieren. Sie vermindert die Keimfähigkeit der Samen. Laut einer anderen Nature-Veröffentlichung ist im Naturwald die Keimfähigkeit von Samen bis zu sieben mal höher als in den beeinflussten Wäldern.
  Bisher hat die weitgehende Unzugänglichkeit der Wälder sie vor einer "Entwicklung" weitgehend geschützt. Aber die brasilianische Regierung will nun mehrere Milliarden US$ ausgeben um das zu ändern.
  Das Amazonasgebiet ist etwas, das wir uns nicht leisten können, zu zerstören. Hier sind vor allem die G7-Staaten gefordert, die Brasilien zu einer Umkehr und Besinnung bewegen müssen. Das Regenwald-Institut versucht durch intensive Lobbyarbeit über unsere brasilianische Aussenstelle (Instituto FlorestaTropical), in Brasilia auf Parlament und Regierung einzuwirken.
  Quelle: Environmental News Network - (siehe auch Meldung vom 30.01.2001)
  
  30.01.2001
  "Avança Brazil" - Das brasilianische Entwicklungsprogramm und seine Auswirkungen
  Laut einem kürzlich im US Wissenschaftsmagazin "Science" (Ausgabe vom 19. Januar 2001) veröffentlichten Artikel haben die Auswirkungen des Entwicklungsprogrammes für das Amazonasgebiet katastrophale Folgen. Insbesondere der im Rahmen dieses Programmes propagierte, massive Straßenbau durch weite Teile des Amazonasgebietes würden bis zum Jahr 2020 zu einem Verlust von 42 Prozent (!) der bisher unberührten Regenwaldgebiete führen. Dieses "Worst-Case-Scenario" geht von den zu erwartenden Einflüssen aus dem Straßenbau und begleitender Infrastrukturprojekte aus, die im Rahmen des 40 Milliarden Dollar Programmes verwirklicht werden sollen. Selbst die optimistischste Einflußschätzung geht noch von einem Verlust von 28 Prozent der Regenwaldgebiete aus.
  Mittlerweile regt sich auch in Brasilien erster Widerstand gehen das Vorhaben. So unterstützt unter anderem auch das renommierte brasilianische Blatt "Folha de São Paulo" die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung des Amazonasgebietes. Auch der WWF verlangt nach einer integrierten Strategie für den Amazonasraum, welche eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung ohne Zerstörung der natürlichen Ressourcen beinhalten sollte. Dazu zähle die Einrichtung absoluter Schutzgebiete ebenso wie eine Wachstumsbegrenzung von Städten.
  Die Pläne der brasilianischen Bundesregierung und das Ausmaß der tatsächlichen Umsetzung wird sicherlich ein Meilenstein im Zusammenhang mit den Bemühungen um den Erhalt der weltweit größten intakten Regenwaldgebiete der Erde sein!
  
  01. Dezember 2000 - Wie BSE den Regenwald vernichtet
  Tiermehl darf seit 1994 in der EU nicht mehr an Wiederkäuer verfüttert werden. Es gilt als Auslöser für die Rinderseuche BSE. Bei einem generellen Verbot müsste als Ersatz noch mehr Soja importiert werden - mit riesigen ökologischen Konsequenzen in den Hersteller-Ländern. Die steigende Sojaproduktion hat einen wesentlichen Anteil an der Zerstörung der tropischen Wälder. Dies analysieren David Kaimowitz und Joyotee Smith in einem Anfang 2001 erscheinenden Buch (Agricultural Technologies and Tropical Deforestations, CAB International, Wallingford, UK) am Beispiel Brasiliens und Boliviens. Gleichzeitig beleuchten die beiden Autoren, Ökonomen des CIFOR (Center of International Forestry Research) die wirtschaftlichen und politischen Hintergründe, die diese Entwicklung begünstigen. In Brasilien wandert der Sojaanbau aus dem Süden immer weiter nach Norden, Richtung Äquator. Er hat die südliche Grenze des Amazonasbeckens bereits überschritten und dringt immer weiter in die Regenwaldgebiete vor mit unüberschaubaren ökologischen Konsequenzen.
  Der vollständige Artikel kann angefordert werden unter: info@regenwald-institut.de
  Eine Version als .rtf-File können Sie sich hier herunterladen