Neuigkeiten aus unserer Projektarbeit

Im Januar standen zwei Projektreisen auf dem Programm. Nach Bolivien und Brasilien – hier mit Besuchen bei Partnern in Manaus (Kunsthandwerk, Acai), in Machadinho (Cachaca) und natürlich im Reservat in Santa Maria, worin der Schwerpunkt der Reise lag. Wegen einer Erkrankung konnte der geplante Besuch im Wildkakaoprojekt in Boca do Acre leider nicht durchgeführt werden.

Mit großer Freude konnten wir in Santa Maria die gerade fertiggestellte Trocknungsanlage für Paranüsse und Wildkakao mit dem Ausbringen der ersten im Reservat gesammelten Paranüsse einweihen. Pünktlich zu unserem Besuch begannen die ersten Paranüsse von den Bäumen zu fallen. Wir haben die Sammler:innen bereits im Vorfeld mit Schutzhelmen und Säcken ausgestattet. Schutzhelme sind als Arbeitsschutz unbedingt erforderlich, da die bis zu 4kg schweren Sammelnüsse aus einer Höhe von bis zu 50 Metern auf den Boden fallen und dabei eine große Wucht entwickeln. Werden Sammler:innen von solch einer fallenden Nuss getroffen, so kann das schwerste Verletzungen sogar mit Todesfolge nach sich ziehen. Die Paranussernte wird in zwei Schritten durchgeführt: Im ersten Sammelgang über ein bis zwei Tage werden die die großen Sammelnüsse unter den Paranussbäumen aufgelesen und zu einem Sammelplatz im Wald gebracht, wo sie zu größeren Haufen aufgetürmt werden. Im zweiten Arbeitsgang wird die Schale der großen, harten Sammelnüsse mit einem Buschmesser aufgeschlagen und die darin befindlichen, einzelnen Paranüsse entfernt. Die werden dann in ca. 12 Liter fassende „Dosen“ gefüllt, die dann als Maß für die Erntemenge dienen. Für jede in Santa Maria abgegebene Dose erhalten die Sammler:innen derzeit 100 Real, was etwa €16,70 entspricht. Nach dem Aufbrechen der großen Sammelnüsse ist es wichtig, dass die einzelnen Nüsse so schnell wie möglich nach Santa Maria gebracht werden und in die Trocknungsanlage kommen. Da es während der Erntezeit häufig und viel regnet, stellen sind die nassen Paranüsse ein guter Nährboden für Schimmelpilze, was unbedingt vermieden werden muss, da in der EU strenge Grenzwerte für Schimmelpilztoxine wie z. B. das Aflatoxin gelten. Auf unserer Trocknungsanlage können die Nüsse schnell und effektiv von der Sonne auf einer knapp 75m² großen Fläche getrocknet werden. Bei Regen und über Nacht kann über die gesamte Fläche ein mobiles Dach gezogen werden, damit die Nüsse nicht wieder nass werden. Je nach Witterung sind die Nüsse nach 2-3 Tagen trocken und können in Säcke gefüllt und im benachbarten Lager eingelagert werden.

Mit großer Spannung und Vorfreude erfolgte dann auch der Besuch unserer knapp drei Bootsstunden von Santa Maria entfernt lebenden „Nachbarn“ vom Volk der Tenharin. Sie haben uns eingeladen und somit war der Besuch von der brasilianischen Indigenenbehörde FUNAI legitimiert. Das Volk der Tenharin ist zweigeteilt in einen unkontaktierten und einen kontaktierten Teil, den wir in ihrem Dorf besucht haben. Die kontaktierten Tenharin möchten sich weiter entwickeln, wie sie uns sagten, und vor allem ihren Kindern eine Zukunft bieten mit Schule und weiterführenden Ausbildungen. Der unkontaktierte Teil möchte das traditionelle Leben vom und im Wald nicht aufgeben und hat keinen Kontakt zur Aussenwelt.

Tenharin

Wir wurden sehr freundlich empfangen und wir fanden uns in einer sehr gepflegten, sauberen Dorfgemeinschaft wieder, die zu unserer großen Überraschung auch sehr gut organisiert war. Unsere Arbeit zur nachhaltigen Nutzung der Wälder mit der traditionellen Bevölkerung ist auch zu ihnen vorgedrungen und wir wurden gefragt, ob wir die Tenharin mit ihrem Reservat in unsere Arbeit mit einbeziehen möchten. Diesem Wunsch kamen wir sehr gerne nach und so werden sie uns zunächst mit Paranüssen und Copaibaöl beliefern.

In Bolivien stand ein erster Besuch unseres durch das BMZ geförderten Projekts zu „Agroforst zur Ernährungssicherung und Verbesserung der adaptiven Kapazität in neun Gemeinden des Landkreises Coripata, Departement La Paz, Bolivien“ an. Im Rahmen unseres Besuchs vor Ort im Landkreis Coripata konnten wir sechs der neun am Projekt teilnehmenden Dorfgemeinschaften besuchen und so neben Gesprächen mit den Kleinbauerngruppen auch 20 Agroforstparzellen und einige Hausgärten besuchen. Die Kleinbauern berichteten uns dabei von ihren Erfolgen, aber auch von den Problemen, mit denen sie bei der Bewirtschaftung ihrer Agroforstsysteme konfrontiert sind. So stellen insbesondere die Goldagutis die Kleinbauern vor große Herausforderungen, da sie mit ihren scharfen Zähnen die Stämmchen der jungen Bäume leicht durchbeißen.     Die Bäumchen müssen daher einzeln mit stabilen Materialien geschützt werden. Vom Anbau der raschwüchsigen Drachenfrucht-Pflanzen als Wirtschaftsart in den Agroforstsystemen waren die meisten der Kleinbauern sehr überzeugt, insbesondere da in einigen Fällen bereits wenige Monate nach der Pflanzung erste Früchte geerntet werden konnten. Dies und der erfolgreiche Anbau  von eigenem Gemüse im Rahmen des Projekts hat dazu geführt, dass auch mehrere Nachbargemeinden Agroforstsysteme anlegen möchten und um eine Aufnahme in ein Projekt gebeten haben.


 
 
 
 
 

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